Erfahrungsbericht von eulenfan
The Winter Guest
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Großes Kino mit viel Action und Tamtam ist eigentlich nicht so mein Ding, auch wenn ich durchaus den ein oder anderen Film dieser Art zu schätzen weiß. Doch meine Präferenzen zielen mehr in die Richtung von ruhigen Filmen, Literatur- oder Theaterverfilmungen. So wie „The Winter Guest“, ein Film den in Deutschland vermutlich niemand kennt. Ich selbst kenne ihn auch nur in der englischen Fassung.
The Winter Guest ist die filmische Umsetzung eines in Großbritannien äußerst erfolgreichen Theaterstückes, das in Episodenform gehalten wird. Für die Verewigung auf Zelluloid wurde mit Emma Thompson auch ein richtiger Superstar rangeholt, doch auch die anderen Rollen sind nicht schlecht besetzt.
Um was geht es eigentlich in „The Winter Guest“? Ein Wintergast, wie der Titel vermuten lässt, ist nirgends zu sehen, vielmehr erzählt der Film über einen Tag im Leben mehrerer Bewohner eines schottischen Kleinstädtchens.
Da wäre zum ersten Frances, gespielt von Emma Thompson, geschieden und allein erziehende Mutter. Die Fotografin führt eigentlich ein ruhiges Leben mit ihrem Sohn, wäre da nicht die dominante Mutter, hervorragend gespielt von Phyllidia Law (die auch im „richtigen Leben übrigens Thompons Mutter ist). Die steht an einem Wintermorgen plötzlich im Frances‘ Haus und wirbelt deren Leben durcheinander. Zögernd und mit einigen Streitereien finden Frances und ihre Mutter bis zum Ende des Films dann aber doch wieder zusammen.
Dann sind da zwei ältere Damen, die in die nächste Großstadt fahren, um dort an einer Beerdigung teilzunehmen von einem Menschen, den sie gar nicht kannten. Sie gehen eigentlich nur wegen des Leichenschmauses hin. Die beiden alten Freundinnen bekappeln sich und schwatzen über die belanglosesten Sachen.
Auch Frances‘ Sohn beherrscht eine der parallel erzählten Episoden. Er lernt auf dem Weg zur Schule ein süßes Landstreichermädchen kennen, entscheidet sich kurzerhand zu schwänzen und verbringt einen süßen Tag mit ihr, der in seiner Entjungferung enden soll.
Schwänzen tun auch zwei Drittklässler, die den Tag am vereisten Strand verbringen, rauchen, sich Gedanken um ihre „Männlichkeit“ machen, und in einem Tunnel zwei ausgesetzte Kätzchen finden.
Die Wege all dieser Menschen kreuzen sich auf wundersame, einfache Weise. Würde uns das heute passieren, keiner von uns mäße dem große Bedeutung zu. Doch mit diesem Film hat Regiedebütant Alan Rickman genau auf diese kleinen Alltagsszenen geschaut und sie hervorragend umgesetzt. Übrigens: wem der Oliver Wood in „Harry Potter und der Stein der Weisen“ ins Auge gestochen ist, wird sich freuen: Wood-Darsteller Sean Biggerstaff gibt in „The Winter Guest“ sein Filmdebut, und er meistert es mit Bravour.
Da der Film auch in Deutschland nur als englische Fassung über amazon.com zu bekommen ist, ist er leider nix für Englisch-Anfänger. Zu extrem sind die schottischen Akzente der Darsteller, und selbst Emma Thompson, eigentlich tiefste Engländerin, wie sie in Filmen wie „Junior“ oder „Sinn und Sinnlichkeit“ bewies, meistert den extrem schweren Dialekt der Schotten glänzend. Leider ist durch die Tatsache, dass „The Winter Guest“ nur als Import zu bekommen ist, der Preis auch nicht ganz so günstig: Mit 17 Euro muss man da leider schon rechnen.
„The Winter Guest“ ist auch nichts für Fans von pompösem, actionreichem Kino. Der Film ist leise, ruhig und teilweise regelrecht träge. Doch eines ist er nie: langweilig. Erwischte ich mich bei so manchem „Actionreißer“ mehr als nur einmal, dass mein Finger zur Schnellvorlauftaste huschte, saß ich hier wie gebannt vor der Röhre und schaute weder nach links noch nach rechts. Irgendwie fesselten diese Alltagsszenen mich mehr als Tom Cruise in Unmöglicher Mission.
Fazit: Wer auf kleines Kino steht, wird mit diesem Film einen verdammt guten Griff machen, den man sich – nicht nur wegen des Akzents, um mehr zu verstehen – immer wieder ansehen wird.
(Diese Meinung wurde von eulenfan auch bei dooyoo.de und ciao.de veröffentlicht)
The Winter Guest ist die filmische Umsetzung eines in Großbritannien äußerst erfolgreichen Theaterstückes, das in Episodenform gehalten wird. Für die Verewigung auf Zelluloid wurde mit Emma Thompson auch ein richtiger Superstar rangeholt, doch auch die anderen Rollen sind nicht schlecht besetzt.
Um was geht es eigentlich in „The Winter Guest“? Ein Wintergast, wie der Titel vermuten lässt, ist nirgends zu sehen, vielmehr erzählt der Film über einen Tag im Leben mehrerer Bewohner eines schottischen Kleinstädtchens.
Da wäre zum ersten Frances, gespielt von Emma Thompson, geschieden und allein erziehende Mutter. Die Fotografin führt eigentlich ein ruhiges Leben mit ihrem Sohn, wäre da nicht die dominante Mutter, hervorragend gespielt von Phyllidia Law (die auch im „richtigen Leben übrigens Thompons Mutter ist). Die steht an einem Wintermorgen plötzlich im Frances‘ Haus und wirbelt deren Leben durcheinander. Zögernd und mit einigen Streitereien finden Frances und ihre Mutter bis zum Ende des Films dann aber doch wieder zusammen.
Dann sind da zwei ältere Damen, die in die nächste Großstadt fahren, um dort an einer Beerdigung teilzunehmen von einem Menschen, den sie gar nicht kannten. Sie gehen eigentlich nur wegen des Leichenschmauses hin. Die beiden alten Freundinnen bekappeln sich und schwatzen über die belanglosesten Sachen.
Auch Frances‘ Sohn beherrscht eine der parallel erzählten Episoden. Er lernt auf dem Weg zur Schule ein süßes Landstreichermädchen kennen, entscheidet sich kurzerhand zu schwänzen und verbringt einen süßen Tag mit ihr, der in seiner Entjungferung enden soll.
Schwänzen tun auch zwei Drittklässler, die den Tag am vereisten Strand verbringen, rauchen, sich Gedanken um ihre „Männlichkeit“ machen, und in einem Tunnel zwei ausgesetzte Kätzchen finden.
Die Wege all dieser Menschen kreuzen sich auf wundersame, einfache Weise. Würde uns das heute passieren, keiner von uns mäße dem große Bedeutung zu. Doch mit diesem Film hat Regiedebütant Alan Rickman genau auf diese kleinen Alltagsszenen geschaut und sie hervorragend umgesetzt. Übrigens: wem der Oliver Wood in „Harry Potter und der Stein der Weisen“ ins Auge gestochen ist, wird sich freuen: Wood-Darsteller Sean Biggerstaff gibt in „The Winter Guest“ sein Filmdebut, und er meistert es mit Bravour.
Da der Film auch in Deutschland nur als englische Fassung über amazon.com zu bekommen ist, ist er leider nix für Englisch-Anfänger. Zu extrem sind die schottischen Akzente der Darsteller, und selbst Emma Thompson, eigentlich tiefste Engländerin, wie sie in Filmen wie „Junior“ oder „Sinn und Sinnlichkeit“ bewies, meistert den extrem schweren Dialekt der Schotten glänzend. Leider ist durch die Tatsache, dass „The Winter Guest“ nur als Import zu bekommen ist, der Preis auch nicht ganz so günstig: Mit 17 Euro muss man da leider schon rechnen.
„The Winter Guest“ ist auch nichts für Fans von pompösem, actionreichem Kino. Der Film ist leise, ruhig und teilweise regelrecht träge. Doch eines ist er nie: langweilig. Erwischte ich mich bei so manchem „Actionreißer“ mehr als nur einmal, dass mein Finger zur Schnellvorlauftaste huschte, saß ich hier wie gebannt vor der Röhre und schaute weder nach links noch nach rechts. Irgendwie fesselten diese Alltagsszenen mich mehr als Tom Cruise in Unmöglicher Mission.
Fazit: Wer auf kleines Kino steht, wird mit diesem Film einen verdammt guten Griff machen, den man sich – nicht nur wegen des Akzents, um mehr zu verstehen – immer wieder ansehen wird.
(Diese Meinung wurde von eulenfan auch bei dooyoo.de und ciao.de veröffentlicht)
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