Erfahrungsbericht von westside125
Erschreckend knuddelig <<< über Monster AG
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Nichts bringt verbrauchte Energien so zuverlaessig zurueck wie der langgezogene, schrille Schrei eines kleinen Kindes, das nachts im Bett liegt und ein Monster unter dem Bett hervorkriechen sieht. Das ist jetzt nicht im uebertragenen Sinne zu verstehen – nein, in Monstropolis, der Stadt, in der die Monster hausen, wird die Energieversorgung genau so sichergestellt. Eine der daran beteiligten Firmen ist die Monster AG. Sie schickt ihre Monster durch Tueren, die mit den Tueren der Kinderzimmer in der Welt der Menschen verbunden sind. Dort werden dann eben die Kinder erschreckt. Deren Schreie werden aufgezeichnet und in Roehren aufbewahrt, die an Brennstaebe erinnern.
Leider bewegt sich Monstropolis auf eine Energiekrise zu. Der Grund ist einer, der uns allen klar sein sollte: Die Kinder von heute sind vom Fernsehen etc. derartig abgestumpft, dass sie sich nicht mehr so einfach erschrecken lassen. Statt aengstlich sind sie neugierig, wenn ein elfaeugiges Monster durch ihre Tuer kommt. Und das ist nicht nur schlecht, weil sie nicht mehr genug schreien, sondern auch aus einem anderen Grund. Ein Monster stirbt naemlich sofort, wenn es von einem Menschenkind beruehrt wird. Und darum waere es natuerlich eine Katastrophe, wenn ein Kind gar dem Monster zurueck nach Monstropolis folgen wuerde. Erste Regel im Erschreck-Lehrgang der Monster AG ist daher: Macht die Tuer hinter Euch zu, wenn Ihr ein Kinderzimmer betretet!
Also ich finde die Grundidee dieses neuen Disney-Filmes schon mal total prima. Originell, ein bisschen makaber und (zumindest fuer mich) wirklich neu. Aber auch die Ausfuehrung ist souveraen gelungen. Dazu gleich noch mehr.
Klar sollte sein: Eines der Monster macht die Tuer NICHT zu. Ein kleines Kind betritt die Monster-Welt, die daraufhin natuerlich in helle Panik geraet und ihr Bestes tut, um dieses scheussliche Wesen unschaedlich zu machen oder zumindest wieder durch seine Tuer dahin zu jagen, wo es herkam. Das erweist sich allerdings als schwierig, vor allem weil eines der Monster ploetzlich anfaengt, das Goer irgendwie niedlich zu finden…
Die Stars des Filmes sind die beiden Monstren Sullivan und Mike. Diese folgen denn doch einigen Klischees: Sullivan ist riesig und haarig, so eine Art Knuddelteddy mit Fell, aber scharfen Zaehnen. Sein Freund Mike ist ein kleines gruenes Ei auf Beinen mit einem grossen Auge (nette Szene, wie er sich die Kontaktlinse einsetzt…). Sullivan ist der gutmuetige Held, der aber derzeit den Erschreckrekord haelt (schon ueber 100.000 Schreie!), waehrend Mike ein etwas tollpatschiger Arbeiter ist, der selbst nicht auf Erschrecktour zieht, sondern eher an den Maschinen taetig ist. Sullivan ist derjenige, der sich das Kind anlacht, und Mike steckt natuerlich in dem Schlamassel schnell mit drin.
Das Kind selbst (von Sullivan liebevoll “Buh” genannt) ist winzig und nicht unbedingt ein Sympathietraeger. Es ist geradeso alt genug, um staendig wegzulaufen, wenn es gebraucht wird, und staendig im Weg herumzustehen, wenn es am besten von der Bildflaeche verschwinden sollte. Es ist noch zu klein, um wesentlich artikuliert zu sprechen und ueberlaesst die Buehne in diesem Film ganz klar den Monstern.
Natuerlich darf auch ein Boesewicht nicht fehlen. Der schleimige Randall, der sich fieserweise unsichtbar machen kann, ist von der Sorte Monster, die ich wirklich nicht so gern unter meinem Bett haette. Er neidet Sullivan seinen Erschreckrekord und tut alles, um ihn auszustechen. Aber damit ist das Ende seiner fiesen Plaene noch lange nicht erreicht…
“Monster AG” ist ein spritziger Trickfilm, der mir sehr viel Spass gemacht hat. Zwar sind mir die Trickfilme von heute meist zu actionlastig, aber in diesem Fall hat es mich nur selten gestoert. Der Humor ist einfach sehr wohlplaziert, und an manchen Stellen werden auch gekonnt andere Filme parodiert (das ist ja in letzter Zeit recht ueblich, und hier auch gut gelungen). Letztlich wird der Film aber von seiner Grundidee schon genug getragen – bei den sich zwangslaeufig ergebenden Komplikationen konnte so viel gar nicht schiefgehen.
Einziges Manko in meinen Augen: Es ist eindeutig ein Kinderfilm. Das zeigt sich vor allem darin, dass die Monster wirklich nicht besonders furchterregend sind. Mehr skurril als schrecklich. Das ist nicht sooo schlimm (und das Zielpublikum sind ja die Kinder), aber das Ganze waere sicherlich noch cooler gewesen, wenn diese Monster wirklich scheusslich gewesen waeren und sich erst dann ihre gute Seite offenbart haette. So sind die Sympathien von Anfang an klar verteilt, da kommen keine grossen Zweifel auf. Nun, ich kann’s verschmerzen. Schade, dass der wahre Grund dafuer natuerlich ist, dass der Filmstart in den USA von einer extremen Merchandising-Welle begleitet wurde. Dass die knuddeligen Monster als Stofftiere gut ankommen ist von vornherein klar und hat zur Vorfreude auf den Film geschickt beigetragen. Das US-Einspielergebnis am Startwochenende war mit ueber 60 Millionen Dollar angeblich das Beste, das ein Trickfilm je erzielen konnte.
(Allerdings macht mich dieses Merchandising-Konzept natuerlich schon ein wenig nervoes. Gestern war ich auf der “Herr der Ringe”-HP und stellte geschockt fest, dass Burger King “HdR-Kinder-Menus” mit passendem Spielzeug anbietet. Wenn die Nazgul im Film der Altersfreigabe wegen irgendwie knuddelig gestaltet wurden, dann laufe ich AMOK! Den Film kriege ich uebrigens ausnahmsweise nicht frueher zu sehen als Ihr…)
Ein grosses Plus der Monster AG: Es gibt einen Vorfilm. Den Juengeren unter Euch sei mitgeteilt, dass das bis in die achtziger Jahre hinein bei Filmen absolut ueblich war. Als es dann cool wurde, fuer den Aufdruck eines Firmenlogos auf Kleidung viel Geld zu bezahlen (sogenanntes “Popperproblem”), kamen die Filmstudios auf die Idee, wahllose Zusammenschnitte aus zukuenftigen Filmen vor dem Hauptfilm auszustrahlen und das als cool darzustellen (sogenannte “Trailerpest”). Seither fristet die Kunstform des Kurzfilmes ein echtes Schattendasein. Der Vorfilm, der die Monster AG begleitet, ist sicherlich kein Kracher (und auch nur zwei oder drei Minuten lang), aber selbst fuer so etwas bin ich mittlerweile dankbar.
Zur deutschen Version kann ich natuerlich nicht viel sagen. Der deutsche Filmstart ist auf 31. Januar angesetzt, angeblich spricht Ilja Richter die Stimme von Mike. Na, ich kann mir nicht vorstellen, dass die deutsche Synchronisation bei diesem Film viel kaputtmachen kann. Daher gibt es von mir eine klare Empfehlung – besser als Atlantis ist er allemal. Die Monster unter Euch seien allerdings gewarnt: Auch dieser Film wird wieder ein Stueck dazu beitragen, dass die Menschenkinder ihre Angst vor Monstern ablegen…
Leider bewegt sich Monstropolis auf eine Energiekrise zu. Der Grund ist einer, der uns allen klar sein sollte: Die Kinder von heute sind vom Fernsehen etc. derartig abgestumpft, dass sie sich nicht mehr so einfach erschrecken lassen. Statt aengstlich sind sie neugierig, wenn ein elfaeugiges Monster durch ihre Tuer kommt. Und das ist nicht nur schlecht, weil sie nicht mehr genug schreien, sondern auch aus einem anderen Grund. Ein Monster stirbt naemlich sofort, wenn es von einem Menschenkind beruehrt wird. Und darum waere es natuerlich eine Katastrophe, wenn ein Kind gar dem Monster zurueck nach Monstropolis folgen wuerde. Erste Regel im Erschreck-Lehrgang der Monster AG ist daher: Macht die Tuer hinter Euch zu, wenn Ihr ein Kinderzimmer betretet!
Also ich finde die Grundidee dieses neuen Disney-Filmes schon mal total prima. Originell, ein bisschen makaber und (zumindest fuer mich) wirklich neu. Aber auch die Ausfuehrung ist souveraen gelungen. Dazu gleich noch mehr.
Klar sollte sein: Eines der Monster macht die Tuer NICHT zu. Ein kleines Kind betritt die Monster-Welt, die daraufhin natuerlich in helle Panik geraet und ihr Bestes tut, um dieses scheussliche Wesen unschaedlich zu machen oder zumindest wieder durch seine Tuer dahin zu jagen, wo es herkam. Das erweist sich allerdings als schwierig, vor allem weil eines der Monster ploetzlich anfaengt, das Goer irgendwie niedlich zu finden…
Die Stars des Filmes sind die beiden Monstren Sullivan und Mike. Diese folgen denn doch einigen Klischees: Sullivan ist riesig und haarig, so eine Art Knuddelteddy mit Fell, aber scharfen Zaehnen. Sein Freund Mike ist ein kleines gruenes Ei auf Beinen mit einem grossen Auge (nette Szene, wie er sich die Kontaktlinse einsetzt…). Sullivan ist der gutmuetige Held, der aber derzeit den Erschreckrekord haelt (schon ueber 100.000 Schreie!), waehrend Mike ein etwas tollpatschiger Arbeiter ist, der selbst nicht auf Erschrecktour zieht, sondern eher an den Maschinen taetig ist. Sullivan ist derjenige, der sich das Kind anlacht, und Mike steckt natuerlich in dem Schlamassel schnell mit drin.
Das Kind selbst (von Sullivan liebevoll “Buh” genannt) ist winzig und nicht unbedingt ein Sympathietraeger. Es ist geradeso alt genug, um staendig wegzulaufen, wenn es gebraucht wird, und staendig im Weg herumzustehen, wenn es am besten von der Bildflaeche verschwinden sollte. Es ist noch zu klein, um wesentlich artikuliert zu sprechen und ueberlaesst die Buehne in diesem Film ganz klar den Monstern.
Natuerlich darf auch ein Boesewicht nicht fehlen. Der schleimige Randall, der sich fieserweise unsichtbar machen kann, ist von der Sorte Monster, die ich wirklich nicht so gern unter meinem Bett haette. Er neidet Sullivan seinen Erschreckrekord und tut alles, um ihn auszustechen. Aber damit ist das Ende seiner fiesen Plaene noch lange nicht erreicht…
“Monster AG” ist ein spritziger Trickfilm, der mir sehr viel Spass gemacht hat. Zwar sind mir die Trickfilme von heute meist zu actionlastig, aber in diesem Fall hat es mich nur selten gestoert. Der Humor ist einfach sehr wohlplaziert, und an manchen Stellen werden auch gekonnt andere Filme parodiert (das ist ja in letzter Zeit recht ueblich, und hier auch gut gelungen). Letztlich wird der Film aber von seiner Grundidee schon genug getragen – bei den sich zwangslaeufig ergebenden Komplikationen konnte so viel gar nicht schiefgehen.
Einziges Manko in meinen Augen: Es ist eindeutig ein Kinderfilm. Das zeigt sich vor allem darin, dass die Monster wirklich nicht besonders furchterregend sind. Mehr skurril als schrecklich. Das ist nicht sooo schlimm (und das Zielpublikum sind ja die Kinder), aber das Ganze waere sicherlich noch cooler gewesen, wenn diese Monster wirklich scheusslich gewesen waeren und sich erst dann ihre gute Seite offenbart haette. So sind die Sympathien von Anfang an klar verteilt, da kommen keine grossen Zweifel auf. Nun, ich kann’s verschmerzen. Schade, dass der wahre Grund dafuer natuerlich ist, dass der Filmstart in den USA von einer extremen Merchandising-Welle begleitet wurde. Dass die knuddeligen Monster als Stofftiere gut ankommen ist von vornherein klar und hat zur Vorfreude auf den Film geschickt beigetragen. Das US-Einspielergebnis am Startwochenende war mit ueber 60 Millionen Dollar angeblich das Beste, das ein Trickfilm je erzielen konnte.
(Allerdings macht mich dieses Merchandising-Konzept natuerlich schon ein wenig nervoes. Gestern war ich auf der “Herr der Ringe”-HP und stellte geschockt fest, dass Burger King “HdR-Kinder-Menus” mit passendem Spielzeug anbietet. Wenn die Nazgul im Film der Altersfreigabe wegen irgendwie knuddelig gestaltet wurden, dann laufe ich AMOK! Den Film kriege ich uebrigens ausnahmsweise nicht frueher zu sehen als Ihr…)
Ein grosses Plus der Monster AG: Es gibt einen Vorfilm. Den Juengeren unter Euch sei mitgeteilt, dass das bis in die achtziger Jahre hinein bei Filmen absolut ueblich war. Als es dann cool wurde, fuer den Aufdruck eines Firmenlogos auf Kleidung viel Geld zu bezahlen (sogenanntes “Popperproblem”), kamen die Filmstudios auf die Idee, wahllose Zusammenschnitte aus zukuenftigen Filmen vor dem Hauptfilm auszustrahlen und das als cool darzustellen (sogenannte “Trailerpest”). Seither fristet die Kunstform des Kurzfilmes ein echtes Schattendasein. Der Vorfilm, der die Monster AG begleitet, ist sicherlich kein Kracher (und auch nur zwei oder drei Minuten lang), aber selbst fuer so etwas bin ich mittlerweile dankbar.
Zur deutschen Version kann ich natuerlich nicht viel sagen. Der deutsche Filmstart ist auf 31. Januar angesetzt, angeblich spricht Ilja Richter die Stimme von Mike. Na, ich kann mir nicht vorstellen, dass die deutsche Synchronisation bei diesem Film viel kaputtmachen kann. Daher gibt es von mir eine klare Empfehlung – besser als Atlantis ist er allemal. Die Monster unter Euch seien allerdings gewarnt: Auch dieser Film wird wieder ein Stueck dazu beitragen, dass die Menschenkinder ihre Angst vor Monstern ablegen…
9 Bewertungen, 1 Kommentar
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16.02.2002, 10:28 Uhr von madhead
Bewertung: sehr hilfreichTolles Fazit! Sanfte Grüße vom Madhead
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