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Erfahrungsbericht von willibald-1

Gabriele Gast: Kundschafterin des Friedens - Autobiographie einer Top-Spionin

Pro:

sehr engagiert geschrieben man erfährt eine Menge Interna Politik mal von einer anderen Seite!

Kontra:

./.

Empfehlung:

Nein

Manche können sich vielleicht noch erinnern: 1990 ging ein Aufschrei durch die Presse, als eine Frau verhaftet wurde, die eine relativ hohe Position beim BND bekleidete - und dabei schon während ihres Studiums und insgesamt mehr als 20 Jahre lang für die DDR spioniert hatte.


Diese Frau war Gabriele Gast. In ihrem Buch \"Kundschafterin des Friedens\" reflektiert sie über ihre doppelte Karriere, aber auch über die Umstände ihrer Verhaftung.


Es begann 1968. Die damalige Studentin recherchierte für ihre Doktorarbeit und besuchte zu diesem Zweck Verwandte in der DDR. Bei einem offiziellen Termin lernt sie Karl-Heinz kennen, der den Auftrag der Stasi hat, sie als Spionin anzuwerben. Durch ihre persönliche Neugier macht sie es ihm leicht.

Die beiden verlieben sich. Aber Gabriele Gast ist nicht die typische \"Spionin aus Liebe\", die mit einer \"Romeo-Affäre\" angeworben wird. Sie ist überzeugte Sympatisantin der DDR und der Politik der SED. Aus der Überzeugung heraus, mit ihrer Spionagetätigkeit für den Frieden zu wirken, bleibt sie ihren Auftraggebern auch treu, als ihre Liebesbeziehung zu Karl-Heinz zerbricht.


Ihre Agententätigkeit lernt sie von Grund auf. In ihrem Buch stellt sie ausführlich dar, welche technischen Hilfsmittel sie benutzt hat. Genau so ausführlich beschreibt sie die Mittel der Konspiration. Und nicht zuletzt charakterisiert sie die Persönlichkeiten, mit denen sie zu tun bekommt.


Nach ihrer erfolgreichen Dissertation bewirbt sie sich schließlich beim BND in Pullach - und bekommt dort eine Stelle im Sowjetunion-Referat. Wertvolle Informationen kann sie von dort an die DDR weiterleiten. Sie macht beim BND Karriere und steigt nicht zuletzt dadurch auch zur Top-Agentin der DDR auf. Sie wird zeitweise sogar von Markus Wolff, dem \"Mann ohne Gesicht\", persönlich geführt.

Sie lebt ein Doppelleben. Bei beiden deutschen Geheimdiensten ist sie \"zu Hause\", und so ist sie in der Lage, Unterschiede und Gemeinsamkeiten darzustellen. Dabei macht sie keinen Hehl daraus, welcher Seite ihre eigentliche Sympathie galt.


Im privaten Leben gilt sie als sozial engagierte Frau. Eine Familie zu gründen, dafür war in ihrem Leben kein Platz. Als jedoch das behinderte Kind, das ihre Schwester adoptiert hat, das Zuhause verliert, ist sie bereit, diesem Jungen eine neue Heimat zu geben. Sie adoptiert den kleinen Harry und wird dadurch zur alleinerziehenden Mutter. Ihre Auftraggeber aus der DDR finden neue Wege der Zusammenarbeit, ohne ihre Sicherheit zu gefährden.


Vom Zusammenbruch der DDR wird sie trotz ihrer sehr guten Kenntnisse der politischen Lage und Absichten überrascht.

Sämtliche Agenten-Hilfsmittel vernichtet sie. Sie verläßt sich darauf, daß auch im MfS alle Unterlagen über die Agenten der DDR vernichtet werden.

Als sie schon nicht mehr damit rechnet, wird es ihr zum Verhängnis, daß Mitarbeiter des MfS ohne Skrupel und nur zu ihrem eigenen Vorteil verdeckte Mitarbeiter verraten.


Gabriele Gast leidet darunter, daß durch diesen Verrat auch die Beziehung zu ihrem Adoptivsohn zerstört wurde, ja daß im Grunde das Leben des zu dem Zeitpunkt 15jährigen Jungen zerstört wurde. Dies lastet sie ihrem Verräter persönlich an, der um ihre Situation als alleinerziehende Mutter genau wußte.


Als Mitarbeiterin des BND fühlt sie sich besonders hart behandelt. Sie steht weiterhin zu ihrer Agententätigkeit, empfindet es jedoch als ungerecht, daß für nicht-enttarnte Agenten, die für die DDR - den anderen deutschen Staat - spioniert haben, eine Amnestie nicht gilt.


Sie wurde während der Untersuchungshaft in Isolationshaft gehalten. Sehr eindrucksvoll beschreibt sie die psychischen Probleme, die sich dabei mit der Zeit entwickeln.

Während die früheren Kampfgenossen ständig von Solidarität redeten, konnte sie während des Gerichtsprozesses gegen sie auf keinen von ihnen zählen. Selbst Markus Wolf und ihre Führungsoffiziere sowie ihr langjähriger Freund Karl-Heinz, denen sie blind vertraute und die ihr zu DDR-Zeiten immer jegliche Unterstützung im Falle einer Enttarnung versprochen hatten, ignorierten sie und mieden jeden Kontakt.

Gleichzeitig wurde ihr jedoch auch viel persönliche Zuwendung zuteil, dadurch daß ihre Mutter und auch befreundete Kollegen des BND persönlich zu ihr hielten.


Sicherlich lassen sich nicht alle Details eines solchen Buches in einem kurzen Beitrag wiedergeben.

Dieses Buch ist sicherlich ein wichtiger und lesenswerter Beitrag zur Geschichte und zur Arbeit der deutschen Geheimdienste, es charakterisiert deren politisch Verantwortliche und gibt sachkundigen Einblick in das ambivalente Verhältnis von Regierung und Nachrichtendienst.

19 Bewertungen, 1 Kommentar

  • hjid55

    14.01.2007, 22:14 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & lg Sarah