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Erfahrungsbericht von eulenfan

Zeit der Eulen

Pro:

wunderschönes Buch mit vielen Eulen drin ;-)

Kontra:

---

Empfehlung:

Nein

Für mich haben Buchläden etwas Magisches an sich: Immer wieder gehe ich hinein, und fast nie ohne Buch hinaus. Es sind alle möglichen Arten von Büchern, meist zwar klassische Literatur à la Alexandre Dumas, aber auch bei morderner Literatur greife ich zu, wenn sie mich anspricht. So ergab es sich, dass ich wieder einmal jenem starken Magneten Buchladen ausgesetzt war und hineinstolperte in die Vielzahl von Büchern. Und da passierte es: Eulenfan sah Eule!

„Zeit der Eulen“ hieß das Buch aus dem Heyne-Verlag, das mir entgegenstrahlte. Auf dem Cover war eine weiße Schleiereule im Beuteanflug zu sehen. EULEN??? ZEIT??? EINE SCHLEIEREULE AUF DEM COVER??? Es ist bei meinem Namen wohl nur zu klar, was ich machte. Ich kaufte das Buch.

Der in Großbritannien lebende Deutsche Martin Hocke hat mit „Zeit der Eulen“ seinen ersten Roman abgeliefert und dabei nicht nur eine hervorragende Metapher auf die Menschheit geschaffen, sondern auch ein atemberaubend gutes Bild jener Nachträuber geschaffen. Nicht nur wegen meiner übergroßen Begeisterung für diese Tiere konnte ich mich nicht losreißen von dem gut 300 Seiten starken Buch.

Erzählt wird die Geschichte von Hunter, einem jungen Schleiereulenmännchen. Er lebt in einer Schleiereulengemeinschaft weitab von Mensch und Stadt zusammen mit seinen Eltern und seinen Geschwistern. In der Schleiereulengesellschaft ist es üblich, dass die Jungen von den Eltern zunächst ein Grundwissen erhalten und sich dann spezialisieren. Die im Buch erwähnten Spezialgebiete sind: Religion, Eulenkunde, Geografie, Geschichte, Bardentum, Militär, Menschenkunde und Eulenkunde. Hunter bekommt die Lehrstelle bei der Euleneule, sein Bruder Quaver geht bei der Bardeneule, die den treffenden Namen Bardic hat, in Lehre. Als Hunter jedoch bei der Euleneule ankommt, um sein Studium zu beginnen, muss er feststellen, dass die alte Eule tot ist. Er lernt den Waldkauz Yoller kennen, der ihm erzählt, dass sein Lehrer von einem Auto angefahren wurde und starb. Yoller erzählt Hunter auch von einer kleinen Einwanderin, die auf dem Land des Schleiereulerichs lebt und fordert ihn auf, sie wegzuschicken oder zu töten.
Einwanderer sind Steinkäuze, die als Nomaden im „Niemandsland“, also in dem Land leben, das weder Waldkäuze noch Schleiereulen bewohnen würden. Sie sind weder bei den Schleiereulen noch bei den Waldkäuzen willkommen oder beliebt und leben praktisch in der Gosse.
Hunter und Yoller also freunden sich an, und als Hunter losfliegt, um den Leichnam seines Lehrers zu suchen, begegnet er der kleinen Einwanderin mit Namen Alba. Sie sitzt wie tröstend neben dem toten Lehrer und redet so klug und gleichzeitig sanft daher, dass Hunter es nicht übers Herz bringt, Klein Alba von seinem Land zu jagen.

Die Gemeinschaften der Schleiereulen und der Waldkäuze rücken näher zusammen, als eine Monstereule, ein Uhu in die Gegend kommt und alles niedermetzelt, was sich ihm in den Weg stellt. Yoller, sein Vater und sein Bruder sowie einige andere Waldkäuze stellen eine kleine Armee, Hunter kann seinen Vater sowie drei andere Eulen seiner Gemeinschaft davon überzeugen, dass man mitkämpfen muss. Auch Klein Alba schließt sich der Armee an, die den Uhu in einen Hinterhalt lockt: Die Schleiereulen, darunter Hunters Vater, fliegen vor dem Uhu her und locken ihn in einen Wald, wo er aufgrund seiner Größe nicht zurecht kommt. Dort stürzen sich die Himmelfahrtskommandos der Waldkäuze auf ihn und bringen ihm größere und kleinere Wunden bei. Der Krieg endet zwar mit dem Tod des Uhus, aber auch in einem Desaster: Auf beiden Seiten sind einige Tote zu beklagen, Hunter wird lebensgefährlich verletzt und von Klein Alba heimgebracht, wo sie in aufopfernd pflegt. Auch Yoller wird schwer verletzt und braucht lange Zeit, um sich wieder einigermaßen zu erholen.

Über die Zeit der Genesung verliebt sich Hunter immer mehr in Klein Alba und wird deshalb von allen Eulen der Gegend gemieden: Seine eigenen Artgenossen finden das Verhalten abartig, die Waldkäuze sind nach dem Krieg genauso snobistisch wie zuvor. Die Steinkäuze glauben, dass Hunter Klein Alba ausnutzt. Nur noch Yoller, Quaver und einige klügere Steinkäuze halten zu ihnen. Sein Freund Yoller, der genau wie Hunter schwer verletzt wurde, kann jedoch nicht vorbeischauen, und die anderen können ihren Zuspruch auch nur heimlich zeigen. Keine gute Situation also, doch Hunter hält an seiner Liebe fest, bis Klein Alba dem Druck ihrer Artgenossen nachgibt und zu ihnen zurückkehrt, um sich mit ihrem Cousin zu paaren. Das bricht Hunter das Herz, und als Yoller ihn wieder aufsucht und fragt, ob er denn nicht Lust habe, ihn auf eine gefährliche Mission in die Stadt zu begleiten, sagt Hunter zu, in der Hoffnung, mit diesem Abenteuer den Schmerz in seiner Seele zu besiegen...

Der Ausflug in die Stadt wird beinahe zur tödlichen Falle für Hunter, und erst nach sehr langer Zeit gelingt es ihm zu fliehen. Wieder zurück in seinem angestammten Gebiet muss er erfahren, dass eine junge Schleiereule namens Winger die Macht übernommen hat und so ziemlich alles über den Haufen haut. Alles was die Schleiereulen bisher als Tradition hatten, wird mit einem Male als schlecht und dämonisch verschrieben, die Balladen, die Bardic und Quaver schreiben, sind schlechtere Propagandalieder für Wingers „Neue Apostatie“. So, wie es aussieht, steht das Gebiet der Eulen vor einem neuen Krieg…

Soweit, so gut, ich habe versucht, so viele Details wie möglich in meiner Beschreibung zu nennen, ohne jedoch zuviel zu verraten.

Auch wenn alle Charaktere Eulen sind, so ist „Zeit der Eulen“ nicht nur für Eulenliebhaber wie mich geeignet. Jedoch: Wer mehr über die Lebensweise der Eulen lernen will, ist mit diesem Buch gut bedient. Wie schon weiter oben erwähnt, ist das Buch auch eine sehr schöne (und treffende!!!) Metapher auf die Menschheit, in der ich viele Parallelen zu unserer eigenen Geschichte gefunden habe. So erinnert zum Beispiel Winger einen doch stark an Stalin oder Chryschtschow, selbst ein wenig Nazi ist in dem Buch zu spüren...

Martin Hocke hat das Buch aus der Sicht einer dritten Person (ich vermute mal, dass es aus der Sicht von Quaver geschrieben wurde, da es im zweiten Roman, „Die verlorenen Wälder“ so angedeutet wird – Bericht zu diesem Buch folgt!) geschrieben. Er versteht es, Spannung sehr gut aufzubauen und auch zu halten, so dass man einfach weiterlesen MUSS. An einigen Stellen im Buch nimmt die Geschichte eine durchaus überraschende Wendung; keineswegs ist die ganze Sache vorhersehbar, immer fragt man sich, was als nächstes passiert.

Das Buch ist wie gesagt, im Heyne-Taschenbuch Verlag erschienen. Ich habe seinerzeit 16 DM dafür bezahlt, ein durchaus berechtigter Preis, wenn man die Qualität des Buches ansieht. Mittlerweile ist das dritte Buch von Hocke, „Krieg der Käuze“ erschienen, und so wird mich die magische Anziehungskraft des nächsten Buchladens schon bald in ihren Bann schlagen.


(Diese Meinung wurde von eulenfan auch bei dooyoo.de und ciao.de veröffentlicht)

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