Menschen Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von Nicki2005

Ausländerfeinlich? WIR doch nicht!!

Pro:

der beste Freund

Kontra:

wir haben ihn für immer verloren

Empfehlung:

Ja

Hallo,

nachdem ich euch gestern unter \"die Rückkehr des verlorenen Sohnes\" von unserem Freund Tom erzählt habe, möchte ich jetzt einige Ereignisse aufführen, die passierten, wenn wir unterwegs waren. Ich hoffe, dass sie einige Mitmenschen zum Nachdenken anregen.

1. Mister wer?
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Wir wollten ein Geburtstagsgeschenk für meinen Mann kaufen und meine Freundin ging mit Tom und mir mit. An einer Ampel schauten uns zwei junge Männer sehr intensiv an. Als wir fragend zurück guckten, weil von uns niemand sie kannte, sagte der eine: \"Ist es nicht noch zu früh und zu hell, um deine Pferdchen schon laufen zu lassen?\" Er dachte wohl, Tom sei unser Zuhälter.


2. Nächstenliebe
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Tom passte zwischendurch, wenn ich arbeiten musste, auf unseren Sohn auf. Dazu gehörte auch, dass er ihn zum Kindergarten brachte bzw. abholte. Dafür bekam er eine schriftliche Genehmigung von mir. Das muss so sein, weil sie sonst nur den Eltern die Kinder mitgaben. Trotzdem wurde ich gefragt, ob ausgerechnet ER unseren Sohn abholen müsse. Und das in einem kirchlichen Kindergarten. Soweit zum Thema Nächstenliebe.

3. Toleranz
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Tom arbeitete in Düsseldorf. Wir holten ihn ab und gingen mit ihm in die Altstadt. Dort sollte es eine Disco geben, die überwiegend von Farbigen besucht wurde und er wollte mal hin. Es war noch zu früh. Deshalb gingen wir in eine Kneipe und sezten uns an die Theke. Wir alberten rum und im Laufe des Gesprächs sagte mein Mann, im Spass natürlich:\"Eh, lass meine Frau in Ruhe!\" Tom darauf: \"Ich nix verstehn. Ich Bongo-Bongo-Mann\". Sein Deutsch war zu diesem Zeitpunkt schon ausgezeichnet. Da stand ein Typ auf und meinte: \"Belästigt dich der A...? Soll ich ihm eine auf die Fresse hauen?\". Daraufhin verliessen wir dieses edle Lokal und gingen in die Discol Dort waren wirklich überwiegen Farbige und niemand sprach uns an, was wir Weisse dort zu suchen hätten. Es war ein toller Abend!

4, Zahlungsunfähig?
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Tom wollte ein handy. Wir gingen zusammen in die Stadt zu einem Mobilfunkanbieter. Ich schaute mir die dort liegenden handys an und Tom ging zu einem Verkäufer. Der schaute Tom ganz verdutzt an und meinte dann, einen Vertrag könne man nur gegen eine Kaution von 500 DM (die Währung gabs damals noch) machen. Auf meine Nachfrage meinte er: Aus Erfahrung wisse man, dass solche Menschen immer nur Verträge machen, um an handys zu kommen und dann abhauen. Man müsse sich ja schließlich absichern.
Wir verliessen den Laden, gingen zu einem anderen und bekamen ohne Probleme den Vertrag.

5. Beamte
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Das war für mich eigentlich die härteste Sache.
Tom musste ja laufend wegen seines Asylantrages zu den Behörden. Sein Deutsch war sehr gut. Allerdings nicht im Schriftlichen. Meistens ging ich dann mit.
Was mir als Erstes auffiel: Sie duzten ihn immer und sprachen merkwürdiges Deutsch mit ihm, als würde er sonst nicht verstehen.
Einer der Beamten dachte wohl, ich sei seine Freundin und fragte mich, ob ich keinen Deutschen abbekommen würde.

6. Freunde
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Wir hatten daheim eine kleine Feier, bei der natürlich auch Tom dabei war. Nach einem guten Essen fragte uns ein \"Freund\": Muss das eigentlich, dass der Schwarze hier ist? Er hatte ohnehin kein einziges Wort mit Tom gesprochen und tat auch jetzt so, als würde Tom ihn nicht verstehen können. Mein Mann komplementierte diesen Typen raus und somit war diese \"Freundschaft\" für uns beendet.

Ich möchte mit diesen kleinen Geschichten aufführen, wie schrecklich dieser Ausländerhass hier ist. Es gab noch mehr Anfeindungen, eigentlich täglich. Und schwarze Schafe gibt es schließlich überall!
Man sollte mal bedenken, was diese Menschen mitgemacht haben: Sie verlassen ohne irgenwas ihre Heimat, in der sie gefoltert wurden. Sie kommen in ein Land, deren Sprache sie noch nicht sprechen und werden nur angefeindet.

Das muss aufhören!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Soweit der pädagogisch erhobene Zeigefinger!

Wir sind überglücklich, solch einen Freund wie Tom gehabt zu haben.


That´s it!



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2005-05-09 20:08:57 mit dem Titel Die Rückkehr des verlorenen Sohnes



Hallo zusammen,

heute möchte ich einen Erfahrungsbericht anderer Art schreiben. Es geht hierbei nicht um einen Werbe-Erfahrungsbericht, sondern um einen Bericht aus dem Leben.

Es begann im Frühjahr 1992. Meinem Mann und mir fiel an der Bushaltestelle im wahrsten Sinne des Wortes jemand vor die Füsse. Es war ein farbiger, junger Mann, der uns dann um Entschuldigung bat. Wir kamen ins Gespräch. Sein Deutsch war noch nicht so gut und so unterhielten wir uns (erst mal) in Englisch.

Er hiess Tom. Eigentlich hiess er Goodday. Da aber jeder bei der Behörde wohl über diesen Namen lachte, legte er sich einen anderen zu. Er war zu diesem Zeitpunkt 24 Jahre alt und gebürtiger Nigerianer.

Er erzählte uns bei einem Kaffee von seinem Land. Tom war gläubiger Katholik und dies wird nicht gern gesehen, zudem die politische Lage in Nigeria auch katastrophal ist. Man sperrte ihn also ein und sein Körper war übersäht von Narben, die er durch Peitschenschläge erlitten hat.

Tom floh zu seinem Bruder nach London, wo er zwei Jahre blieb. Dann kam er, wie auch immer, nach Deutschland. Er war erst 3 Wochen hier, als wir ihn kennenlernten.

Wir freundeten uns mit ihm an und lernten ihn immer besser kennen.

Wir besuchten ihn in seiner Asyl-Unterkunft. Ein alter Bunker, in dem verschiedene Nationalitäten dahin vegetierten. Tom teilte sich mit 2 anderen Männern in Zimmer, ohne Luft, ohne Fenster. Es gab lediglich eine Gemeinschaftstoilette und eine gemeinsame Küche.

Sein Asyl-Antrag wurde bewilligt und er durfte arbeiten. Er fand Arbeit in einem Schlachthof in Düsseldorf. Mit viel Glück fand er dann auch ein 1 Zimmer-Appartment, das mein Mann ihm wohnlich renovierte.

Tom war der beste Freund, den man sich vorstellen kann. Als wir ihn kennenlernten, war unser Sohn ca.1,5 Jahre. Tom kaufte ihm ein Bilderbuch und beide lernten zusammen. Sie sprachen Worte wie Mädchen, Junge, Bus etc zusammen aus. Erst in Deutsch, dann in Englisch. Binnen 6 Monate war sein Deutsch erstklassig.

Ich musste Schicht arbeiten und Tom legte seine Schicht so, dass er sich dann um unseren Sohn kümmern konnte. Er wickelte ihn, fütterte ihn und spielte mit ihm als würden sie sich ewig kennen. Ich wusste unseren Sohn in den besten Händen.

Einverstanden damit war aber nicht jeder. Ich wurde im Kindergarten angesprochen, wer DIESER Mann sei. Ich erklärte nur, er sei der Freund der Familie. Da Tom auch tagsüber kam, wenn mein Mann arbeiten war, fiel dies unserer Nachbarin auf. Als sie fragte, wer der Neger sei, habe ich nur gesagt: Mein Hausfreund. Von da an war Ruhe. Ich nehme mal an, aus Neid. Wenn wir zusammen unterwegs waren, gab es oft sehr böse Bemerkungen über den \"Nigger\" und manchmal habe ich mich über diese intoleranten Deutschen geschämt.

Tom hatte natürlich viel Heimweh. Aus diesem Grund kochte er schon mal für uns Speisen aus seiner Heimat. Alle Gericht kenne ich nicht mehr, aber an 2 kann ich mich besonders erinnern: Einmal gab es Hähnchen mit Reis. Das war so scharf, dass wir uns tagelang die Klinke der Toilettentür in die Hand gaben. Aber lecker wars!
Das Zweite was Fisch mit Spinat. Es schmeckte auch. Aber niemand wollte es so richtig essen, weil es nach Pippi roch.

Dann kam Toms persönlicher Feiertag: Er bekam seine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung und war jetzt ein freier Mann. Er durfte reisen. Natürlich wollte er zu seiner Familie, die er über 10 Jahre nicht mehr gesehen hatte.

Im August 1998 brachten wir Tom zum Flughafen. Am nächsten Tag rief er an und sagte, dass er angekommen sei. Er war überglücklich.

Am 3. September starb mein Vater. Eine Woche kam dann noch eine furchtbare Nachricht: Tom war tot!!!!!!!
Er war in Warry und wollte seinen Vater und einen Bruder von der Arbeit abholen. Da gabs eine riesige Gasexplosion, bei der über 500 Menschen starben. Tom und seine Angehörigen waren dabei.

Noch heute, wenn wir uns über Tom unterhalten, kommen uns die Tränen. Der Kontakt zu seiner Familie ist noch da. Wir schreiben uns und telefonieren gelegentlich.

Unser Sohn hat das 1.Buch als Andenken behalten und hat Toms Foto in seiner Fotowand.

Wir werden nie wieder einen solchen Freund haben. Er war immer für uns da. Er sprach uns Mut zu, wenn wir dumm angesprochen wurden und uns aufregten. Er hatte gelernt, damit umzugehen.

In Gedanken sehen wir ihn immer noch und hören dieses besondere tiefe Lachen, bei dem unwillkürlich mit lachen musste. Trotz der schrecklichen Schikanen war Tom ein immer fröhlicher Mann, der zu jedem höflich und freundlich war.




Im memoriam to Tom : We still love you and miss you!!!!!!!!!!

26 Bewertungen, 9 Kommentare

  • Puenktchen3844

    27.10.2009, 23:19 Uhr von Puenktchen3844
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein guter Bericht. LG

  • AngelikaR

    07.02.2009, 02:58 Uhr von AngelikaR
    Bewertung: besonders wertvoll

    Was für eine traurige Geschichte. Ich habe Tom nicht gekannt, aber ich glaube sein Lachen habe ich gerade gehört. Wahrscheinlich war er genauso froh über Eure Freundschaft, wie ihr über seine.

  • campimo

    11.02.2007, 14:12 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

    ╔╩╦╝ SH & LG ╔╩╦╝

  • redwomen

    07.12.2005, 08:44 Uhr von redwomen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Tja, was will man, bzw. soll man dazu sagen ??? LEIDER ist hier bei uns in Deutschland, was ja angeblich ein aufgeklärtes und angebliches "etwas besseres" Land sein soll, ja SSSSSSSSSOOOOOOOOO tolerant und aufgeschlossen. Hier frage auch ich mich

  • Fanta_L

    17.06.2005, 12:31 Uhr von Fanta_L
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...ist das traurig. ich schäme mich manchmal für einige leute, weil sie auch kommentare bringen, die oft mehr als unpassend sind...als ich noch kleiner war, hab ich mit mary angefreundet. ich war damals in der 6.klasse. sie war die haushälte

  • jaggine41

    12.05.2005, 10:27 Uhr von jaggine41
    Bewertung: sehr hilfreich

    Der Erfahrungsbericht war toll geschrieben. Ging unter die Haut. Ich hab richtig Gänsehaut bekommen.

  • Rym2210

    10.05.2005, 00:11 Uhr von Rym2210
    Bewertung: sehr hilfreich

    mich berührt!

  • anonym

    09.05.2005, 22:33 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein schöner, aber doch trauriger bericht. lg. marga

  • EvolutionEight

    09.05.2005, 22:14 Uhr von EvolutionEight
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein sehr ansprechender bericht! mfg