Menschen Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von Dotab

.... Menschen kennen lernen ...

Pro:

Kann man überall ...

Kontra:

... man muss nur wollen.

Empfehlung:

Nein

Leute kennen lernen kann man überall: in der Disko, in der Kneipe oder sonst wo. Einige haben sogar ihre Lieblingstreffpunkte an sehr außergewöhnlichen Orten und fahren deshalb zum Beispiel nur noch mit dem Zug, weil da der Gesprächspartner sehr schlecht fliehen kann und so häufig eine sehr tiefgründige Unterhaltung zustande kommt.

Jedoch ist das Bad ( Hallenbad, Spaßbad etc.) eine nicht so beliebte Form des Treffs ( jedenfalls habe ich solche Erfahrungen gemacht), da man oft halbnackt durch eine allgemein kalte Gegend läuft ( Folge: Gänsehaut, iiihh!!!), jeder sieht die eigenen überflüssigen Pfunde und man muss feststellen, dass alle anderen einen besser geformten Körper haben.

Allerdings musste ich feststellen, dass sich dadurch auch Kontakte knüpfen lassen.

Mit meiner Trainingsgruppe war ich vor Silvester ein paar Tage in Oberhof ( Wintersportzentrum), leider im Moment ohne Schnee; und für uns Skilangläufer ist dieser schon fast lebensnotwendig. Ein jahrelanges Ritual ist jedoch der Besuch der „Rennsteig Thermen“, einem ( der zu vielen thüringer ) Spaßbäder direkt in Oberhof. Da ich jedoch aus dem Rutsche-runter-Treppe-wieder-rauf-Alter schon heraus gewachsen bin und mich für die Wirrpool-Generation noch etwas zu jung fühle, habe ich mich dem Ort zugewandt, der für meine Generation so typisch ist: die Schlaf- und Ruheecke. Allerdings soll das jetzt natürlich nicht heißen, dass die Jugend von heute nur aus Schnarchnasen besteht, doch ab und zu brauchen wir auch mal eine Pause von dem Leistungsdruck unter dem wir den ganzen Tag stehen.

Diese Ecke besteht in den „Rennsteig Thermen“ aus 10 Liegen, die etwas abgetrennt vom Bad liegen, jedoch genau neben dem Kinderbecken stehen, weshalb man nicht wirklich von Ruhe sprechen kann. Jeweils über den Plastikliegen befinden sich einige Lampen (Rot- und Weißlicht), die eine angenehme Wärme erzeugen und sogar etwas bräunen ( wie stark allerdings, sollte ich erst am nächsten Tag feststellen). Schaltet man diese Lampen nun per Knopfdruck ein, wärmen sie den eigenen Körper für 5 min und gehen danach in eine 3-minütige Ruhephase über; und danach muss man halt noch mal den Knopf drücken.

Kennt man aber nun das Bad schon, ist diese Zone natürlich der ideale Aufenthaltsort. Man kann sich entspannt hinlegen, vor sich hindösen und sich unterhalten. Am Anfang war es schon etwas aufwändig, sich alle 8 min zu erheben um diesen gewissen Knopf zu drücken. Jedoch habe sich immer Einige zusammen gefunden, die dann „Drück-den-Knopf“-Gemeinschaften gebildet haben.

Am Anfang lag man noch ziemlich regungslos nebeneinander. Später wurde dann füreinander gedrückt, und die Bedankungen dafür waren so vielseitig, so was habe ich noch nie erlebt. Bei einigen gab es nur ein Kopfnicken, andere haben sofort eine Cocktailrunde für alle spendiert und wieder andere nahmen mir dafür das Knopf-drücken für den Rest meines Lebens ab. Und irgendwann hat man dann auch mit der Konversation angefangen ( so richtig und nicht nur ein paar abgedroschene Small-Talk-Sätze). Mit meinem Nachbar führte ich stundenlange Gespräche über Narben, denn er hatte gerade ein paar Knieschürfungen und auch meine Narben, besonders an den Knien, konnten sich sehen lassen. Und wir mussten wohl beide feststellen, dass Fahrrad fahren doch nicht so ungefährlich ist wie viele immer behaupten.

Nachdem wir uns nun gegenseitig unsere Lebensgeschichte erzählt hatten, versuchten wir natürlich ein weiteres Treffen zu ermöglichen. Jedoch war es ziemlich schwer, zum selben Zeitpunkt noch einmal in die oberhofer Gegend zu gelangen ( ein anderer Ort wäre für uns natürlich inakzeptabel gewesen, schließlich liebten wir doch diesen Ort heiß und innig). Nach langen Verhandlungen einigten wir uns schließlich auf den 28. Dezember 2007, dann könnten wir nämlich gleich unseren 5-Jahrestag feiern.

Und so gingen wir schließlich auseinander.

Allerdings hatte noch einer die Idee, die Telefonnummern auszutauschen, jedoch hatte ich leider nicht mehr die Zeit, die Nummern der anderen zu erfahren, denn ich stand unter Zeitdruck da meine Traininggruppe seit geraumer Zeit schon auf mich wartete. Deshalb hoffe ich eigentlich auf eine Antwort der anderen. Und wenn nicht, dann sehen wir uns halt in 5 Jahren wieder.

Man muss also nicht unbedingt in eine Bar gehen um Bekanntschaften zu machen, man kann dies überall tun. Wichtig ist nur, dass man offen zu anderen Leuten ist, und sich nicht auf die „hinterste Liege“ verkrischt.

Übrigens: Am nächsten Tag hatte ich an vielen Körperstellen Sonnenbrand, wahrscheinlich hätte ich mich doch davor eincremen sollen, aber wer hätte ja schon ahnen können, dass ich Stunden unter diesen Lampen verbringen würde.