Erfahrungsbericht von Ingwer
Engagement
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Leider ist diese Bereitschaft bei ziemlich vielen Menschen in unserer Gesellschaft ein wenig verkümmert: Dies werde ich Euch an einem aktuellen Beispiel aus meinem Leben verdeutlichen:
Kurze einkopierte Hintergrundinfo aus meinem anderen Bericht, für diejenigen, die ihn nicht kennen:
Am 8.Mai wurde es bekannt: Die Landesregierung NRW plant die Einführung von Studiengebühren.
Presemeldungen sollen ab dem kommenden Wintersemster (also ab Oktober diesen Jahres) Verwaltungsgebühren eingeführt werden: Ein Betrag von 50 Euro soll von allen Studierenden zusätzlich zum bisher ohnehin schon fälligen Semsterbetrag bezahlt werden. Für Studenten im Zweit- oder Seniorenstudium ( welches laut Landesregierung ab dem 50. Lebensjahr beginnt) sowie auch für Langzeitstudierende (die die Regelstudiendauer um eine bestimmte Semsterzahl überschritten haben) sollen Gebühren zwischen 500 und 650 Euro pro Semester fällig werden.
Zumindest in den ersten drei Jahren sollen die eingenommenen Gelder NICHT den Hochschulen direkt zugute kommen (z.B. für neue Anschaffungen, Modernisierung etc.), sondern in den Landeshaushalt fließen:
Kurz gesprochen heißt dies: Auf Kosten der Studierenden in NRW soll der marode Landeshaushalt in NRW saniert werden.
Zusätzlich geplant sind außerdem Einsparungen von insgeamt 1,4 Milliarden Euro geplant- 90 Millionen Euro sollen im Hochschulbereich gespart werden.
Dies beudetet zum Beispiel, dass Studentenwerke auf staatliche Zuschüsse verzichten müssen (und somit weitere Mehrkosten auf die Studierenden zukommen, z.B. für Wohnraum, Mensaessen etc.), andererseits aber auch, dass Mitarbeiter- und Dozentenstellen wegrationalisiert werden. Dies führt zu einer schlechteren Lehre für die Studis und zu einer Steigerung der Arbeitslosigkeit im Allgemeinen.
Dies sind die momentanen Fakten, und ich behaupte mal, dass diese Entwicklung JEDEN Studenten in NRW direkt betrefft.
Hier in Köln gab es am Dienstag, den 28.05. eine uniweite Vollversammlung (zu der natürlich nur ein Bruchteil der Studierenden erschienen- wieso sollte man denn dorthin gehen, wenn alle Veranstalutungen ausfallen und man sich zur gleichen Zeit auf der Wiese, im Bett oder sonstwo aalen kann?!).
Auf dieser Vollversammlung wurde ein Aktionstag für den folgenden Tag beschlossen. Dies war dann gestern, am Mittwoch, den 29.05.; Warnstreik.
Der Aktionstag samt Kundgebungen und Demonstrationen auf den Straßen rund um den Albertus-Magnus-Platz fanden statt. Von uniweit konnte man hingegen nicht sprechen-
als Mitglied unserer Fachschaft war ich morgens an der Aufklarung der Kommilitonen über die sachlage beteiligt, später dann mit bei den Demos:
Was mich extrem schockierte, war die GLEICHGÜLTIGKEIT, mit der wir konfrontiert wurden.
\"Studiengebühren? Da kann man doch nichts machen\"
Nein, wenn man nichts versucht, kann man auch nichts machen.
Vielleicht hat man es dann aber auch nicht nötig, wie die Hundertschaften BWL-Studenten, die wir in ihrer Vorlesung störten (und die uns dann ausbuhten bzw. von ihrer Dozentin beschimpfen ließen).
Vielleicht ist man sponsored by parents, trägt ein Hemd und freut sich auf die Vorteile des Kapitalismus, vielleicht fürchtet man sich vor Ärger mit Mami, wenn man nicht fleißig lernt.
Oder man hat wirklich noch nie über das kleine Wörtchen Solidarität nachgedacht?
Leute, leute, Leute. Es ist arm, was man so sieht.
Soviel zu meinem Beipiel, das nun doch etwas ausführlicher geworden ist: Es ist übertragbar auf viele Bereiche des täglichen gesellschaftlichen Lebens, sei es nun das Problem der viel zu niedrigen Wahlbeteiligung oder die schreckliche westliche Wegsehmentalität (auch dazu gibt es speziell einen Bericht von mir).
Ist der Mensch wirklich ein asoziales Wesen?
Hatte Hobbes recht mit seinem Ausspruch, dass der Mensch des Menschen Wolf ist? Dass Egoismus regiert und nichts anderes das menschliche zusammenleben steuert?
Ich verlange von niemandem, sich mutter-theresa-like aufzuopfern, sein eigenes Leben in den Hintergrund zu stellen und nur noch für das Allgemeinwohl dazusein:
Aber ist es denn zuviel erwartet, wenn man wenigstens einen Funken INTERESSE am allgemeinen Geschehen und etwas AKTIVE TEILNAHME fordert?
Woran liegt es, dass Menschen lieber warten, bis andere für sie handeln, dass sie sich zurückziehen und lieber denken, dass man sowieso nichts erreichen kann?
Liegt es an der Angst, sich selbst in Gefahr zu begeben (die meistens gar nicht gegeben ist)?
Oder an der Angst, etwas falsch zu machen? (Was ja immerhin noch besser ist, als überhaupt keine Aktivität zu zeigen)?
Oder ist es nur die Bequemlichkeit, das Dogma, das viele Menschen einhüllt wie eine weiche warme Decke?
Das ist doch zum Kotzen.
Für Kommentare bin ich sehr dankbar-
mit freundlichen Grüßen
(und in der Hoffnung, dem ein oder anderen \"Hemdenträger\" auf den Schlips zu treten, wenigstens das)
Ingwer
(Wertung unten bedeutungslos)
26 Bewertungen, 5 Kommentare
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24.06.2002, 16:43 Uhr von Andreas68
Bewertung: sehr hilfreichDer Mensch hat wohl die wölfischen u. die lammhaften Seiten in sich. Leider fördern die aktuellen gesellschftl. Entwicklungen nicht Solidarität, sondern als Wettbewerb euphemisierte Ellenbogenmentalität. Geld ist keins da, wir brauchen
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31.05.2002, 17:24 Uhr von Indigo
Bewertung: sehr hilfreichIch bin überzeugt, dass letztlich Egoismus die vernünftigste Erklärung ist. Ich glaube jedoch auch, dass politisches und soziales Engagement mit der Erfolgsaussicht steigt. Engagement erwartet eine Gegenleistung, gar nicht mal "keine St
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30.05.2002, 16:04 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichHy, ja, mangelndes Engagement kann ich bei mir in Bielefeld auch beobachten. Ich studiere an einer kleinen FH und zur letzten Vollversammlung kamen nicht einmal 100 Leute...das ärgert mich sehr, denn ich reisse mir den A... auf und nur wenige ziehen
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30.05.2002, 15:55 Uhr von TrAgIc
Bewertung: sehr hilfreichWie Ökosteuer zur Finanzierung von Rentenzahlungen. Passt auch nicht zusammen.
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30.05.2002, 15:48 Uhr von da_sonix
Bewertung: sehr hilfreichich habe es gestern von meienr Mutter efahren udn da ich wahrscheinlcih 2003 auch mein Studium anfange finde ich es langsam eine unverschämtheit, was sich unsere Poliik erlaubt...überall erhöht man Steuern, Pflichtbeiträge usw...ich wer
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