Erfahrungsbericht von teetasse
Haben und Wollen - Das Zufriedenheitsdilemma
Pro:
Zufriedenheit, Mehr Zeit für wesentlichere Sachen als Besitz
Kontra:
weniger Fortschritt, fehlende Motivation
Empfehlung:
Nein
Als ich vor einiger Zeit nach schier unendlicher Wartzeit meine DSl-Anschluss bekommen hab war die Freude groß, und obwohl er immer noch tadellos funktioniert, nehme ich ihn schon als so selbsverständlich hin, dass ich nicht behaupten kann meine empfundene Lebensqualität habe sich verbessert.
Ähnlich Situation habe ich schon oft erlebt und ich bin sicher, dass viele von euch ebenfalls diese Erfahrung machen mussten. Wer von "uns" freut sich über sein Brot am morgen, über einen Kaffee, über Wasser ? Welche Glücksgefühle müssen Hungerleidende bei einem Sack Mehl bekommen ?
Mehr Besitz und Wohlstand führen also nicht zwangsläufig zu einem glücklicherem Leben. In empirischen Untersuchungen hat sich tatsächlich herausgestellt, dass reichere Menschen nicht zwangsläufig glücklicher sind als ärmere (mit ausnahmen derer, die unter einem gewissen Existenzminimum leben mussten).
In der Philosophie hatte bereits der Altgrieche Epikur diesen Zusammenhang klar erkannt und formuliert, man sollte sich frei von übertriebenm Ehrgeiz/Wünschen machen , idem man sich auf einfache , immer erfüllbare Wünsche konzentriert( Brot, Essen, etc.).
Die Gefahr der Enttäuschung ist somit weitgehend gebannt.Diese Form der Gemütsruhe verkörperte für Epikur Glück.Immer wieder finden sich im Laufe der Philosophiegeschichte ähnliche Tedenzen und auch in Religionen (Buddhismus!) sind solche Lehren gang und gäbe.
Bei einer genaueren Betrachtung der Industrienationen mit all ihrem Geld und ihrem Wohlstand ist häufig ein Phänomen names "Zufriedenheitsdilemma" zu beobachten. Obwohl der materielle Lebenstandart , die Gehälter und die Qualität der Produkte ständig wächst, sind immer mehr Menschen einfach unzufrieden.
Das ständige Streben nach mehr Besitz bringt zum einen viele Enttäuschungen mit sich, zum anderen vergißt man doch nur zu schnell was mein eigentlich hat und beginnt sich zu langweilen, weil ja zu viele Sachen noch viel toller und verführerischer erscheinen.
Da ich es selbst zur genüge erlebt habe , wie Wünsche verpuffen, regt mich dieser Sachverhalt doch sehr zum Nachdenken an. Könnte es nicht möglich sein, dass reiche Nationen sich im Verzicht üben und mit der Rückbesinnung und Wertschätzung des Erreichten ihre Lebensqualität sogar noch steigern ?? Wie viel Glück liese sich "geben", wenn ein Löwenanteil unseres Haushalts in Entwicklungshilfe fließt ? Sollte der Einzelne sich nicht viel öfter fragen was er wirklich braucht und was er eigentlich geben kann ?
Viel Spaß beim Nachdenken
Gruß von der Teetasse
12 Bewertungen, 4 Kommentare
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10.06.2002, 18:40 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichDieselben Gedanken hatte ich nach einem halben Jahr in Indien. Ich kehrte zurück und sah den ganzen Plunder, den ich mir mal gekauft hatte.... oder was ich immer haben wollte, wovon ich geträumt hatte.... Aber genau so schnell gewöhnt man si
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30.05.2002, 02:40 Uhr von Ingwer
Bewertung: sehr hilfreichHabe ein wenig Probleme mit Deinem Verständnis von Epikur: Ging es nicht vielmehr darum, KÖRPERLICHE Lüste eher auszuleben als GEISTIGE? Und diese Definition von Glück kann ich nicht teilen. Lieber lernen können als ständig te
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28.05.2002, 14:41 Uhr von brainfox_lh
Bewertung: sehr hilfreichSehr guter Bericht... sprichst ein heikles Thema an...
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28.05.2002, 04:14 Uhr von dani___
Bewertung: sehr hilfreichKlare Gedankenstöße, die du uns vorgibst... ;) ich denke eigentlich auch so, aber die Praxis ist bekanntlich schwieriger als die Theorie.... wie du siehst hast du auch selber schon oft genug Erfahrungen damit gemacht, also konntest du 'dein
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