Mercedes-Benz C-Klasse Testbericht

Mercedes-benz-c-klasse
Abbildung beispielhaft
ab 67,36
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Summe aller Bewertungen
  • Fahreigenschaften:  sehr gut
  • Fahrkomfort:  sehr gut
  • Platzangebot:  großzügig
  • Zuverlässigkeit:  sehr gut

Erfahrungsbericht von Schwartzer.Rab

Mercedes mit Schwächen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Ich kenne die E-Klasse hauptsächlich aus meinen Erfahrungen als nebenberuflicher Taxler. Im harten Taxibetrieb treten die Stärken und Schwächen eines Fahrzeugs natürlich besonders deutlich zutage, wobei man aber nicht den Fehler begehen darf, diese Eigenschaften dann 1:1 auf ein privat genutztes Fahrzeug zu projezieren.

Zunächst Allgemeines zur \"alten\" E-Klasse, der der 200 CDI angehört und die bis 2002 gebaut wurde. Im Vergleich zum Vorgängermodell W124 wurde die E-Klasse besonders im Bereich der Elektronik stark aufgerüstet, was sich im Alltagsbetrieb häufig in kleinen und größeren Defekten bemerkbar macht, auf die ich später noch näher eingehen werde.

Drastisch verbessert wurde m. M. nach die Lenkung, die beim alten Modell schon früh dazu neigte, enormes Spiel um die Mittelachse zu entwickeln, was gerade die Autobahntauglichkeit (Spurenwechsel, Fahren in engen Baustellen) doch sehr einschränkte.

Auch die Geräuschkulisse wurde nochmals stark reduziert, auch wenn die Common-Rail-Diesel unter Belastung doch deutlich vernehmbar knurren. Wie bei Mercedes üblich, sind die Motoren jedoch gut gekapselt und gelagert, so daß das Motorengeräusch im Stand kaum vernehmbar ist.

Der Kofferraum wurde, wie allgemein bei modernen Stufenheckfahrzeugen, eher unzugänglicher, da das Heck stärker \"in die Karosserie hineinrutschte\" und der Kofferaum nun mehr schachtartig waagerecht beladen werden muß statt von oben.

Das Fahrwerk ist serienmäßig mit ASR ausgestattet, was bei den offensichtlich vorhandenen Schwächen auch nötig ist. Scheinbar nutzen die Entwickler die Möglichkeiten moderner Sicherheitstechnik hier weniger zur Perfektionierung als zur Überdeckung von konstruktiv vorhanden Schwächen. Jedenfalls hatte ich in der E-Klasse wie noch bei keinem Mercedes zuvor das Gefühl, daß das Heck des Fahrzeugs lieber quer zur Fahrbahn stehen würde. Wer\'s nicht glauben mag, dem sei eine Fahrt bei Nässe und deaktiviertem ASR in der Mercedes E-Klasse empfohlen.

Der Fahrkomfort hat ebenfalls Licht- und Schattenseiten. Zwar ist die E-Klasse hervorragend und weich gefedert, aber eben auch ziemlich straff gedämpft. Das heißt, kleine Unebenheiten werden klaglos geschluckt, schlechte und unebene Straßen schütteln die Insassen aber über Gebühr durch.

Sehr gut ist hingegen der Sitzkomfort. Die Sitze sind hervorragend konturiert, haben lange Auflageflächen für die Oberschenkel und sind in Höhe und Neigung verstellbar. Optional kann sogar die Sitzflächenlänge und die Lehnenbreite eingestellt werden. Unverständlicherweise wurde ein verstellbares Lenkrad erst gegen Ende der Bauzeit eingeführt, so daß man auf diese Ausstattungsoption bei frühen Modellen verzichten muß.

Die Bedienungselemente sind zwar einfach zu bedienen, aber wie bereits beim Vorgängermodell sind viele Schalter wenig logisch über Mittelkonsole und neben dem Schalthebel verstreut. Weshalb der Schalter für die manuelle Klimaanlage leuchtet, wenn die Anlage AUSgeschaltet ist und umgekehrt versteht wohl nur Mercedes selbst.

Das Innenraumdesign ist klar und sachlich, aber auch - typisch deutsch - etwas steril. Als nachteilig empfinde ich ebenfalls die spärlichen Ablagemöglichkeiten im Cockpit sowie die fehlenden Getränkehalter. Gut hingegen ist die sehr helle Innenraumbeleuchtung und die hochwertige Materialanmutung und gute Verarbeitung, die allerdings im Unterschied zu früheren Mercedes-Modellen im \"unsichtbaren\" Bereich nicht weitergeführt wird. Als Beispiel seien die klapprigen und nie passenden Abdeckungen über den Rücklichtbirnchen im Kofferaum genannt.

Die Elektronik neigt besonders bei späteren Modellen mit Bordcomputer zu mysteriösen Kapriolen. So zeigen zwei der zehn E-Klasse-Fahrzeugen in unserem Taxiunternehmen regelmäßig Fehlermeldungen zum Ölstand; abwechselnd wird zu niedriger und zu hoher Ölstand bemeckert. Problematischer sind die Einspritzanlagendefekte, die gelegentlich beim CDI auftreten und gehörig ins Geld gehen, ebenso der immense Glühbirnchenverbrauch bei Scheinwerfern und Rücklichtern, den Mercedes nie so richtig in den Griff bekommen hat.

Zum 200 CDI. Der 200 CDI harmoniert mit der Automatik hervorragend. Überhaupt sind Automatikgetriebe beim Mercedes nach wie vor erste Wahl: nicht nur, weil sie zum Charakter des Fahrzeugs passen, sondern auch, weil die Schaltgetriebe ziemlich hakelig und unkomfortabel sind. Gelegentliche Schaltrucke sind aber immer mal drin, und einige Fahrzeuge fielen in der Vergangenheit durch unvermitteltes Rucken im Stand (bei eingelegter Fahrstufe, z.B. an der Ampel) negativ auf - da muß man schon fest auf der Bremse stehen, um Schlimmeres zu vermeiden. Der Verbrauch ist mittelprächtig - niedrige Autobahnwerte (6,5-7,5 Liter, bei gemächlicher Fahrweise auch mal unter 6) wechseln sich mit hohen Stadtverbrauchswerten von 8-11 Litern ab. Der 200 CDI ist kräftig und zieht gut von unten heraus, wenn man über die leichte Anfahrtsschwäche mal hinwegsieht. Die Endgeschwindigkeit ist mit ca. 190 km/h in Ordnung. Für mich ist der 200er völlig ausreichend, alles andere purer Luxus.

Fazit: Wenn\'s unbedingt ein Mercedes sein muß, ist der 200 CDI Automatik sicher keine schlechte Wahl. Für den Preis bekommt man bei der Konkurrenz aber sicher das bessere Angebot. Der Qualitätsvorsprung, den Mercedes gewiß einmal hatte, ist kaum noch vorhanden.

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