Mercedes-Benz E-Klasse Testbericht

Mercedes-benz-e-klasse
Abbildung beispielhaft
ab 75,30
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5 Sterne
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Summe aller Bewertungen
  • Fahreigenschaften:  sehr gut
  • Fahrkomfort:  sehr gut
  • Platzangebot:  sehr großzügig
  • Zuverlässigkeit:  gut

Erfahrungsbericht von zerni

State of the art

Pro:

Verarbeitungsqualität, Fahrleistungen, Verbrauch, Raumangebot, Funktionalität

Kontra:

Elegance-Variante etwas zu weich gefedert,Einarmwischer zieht Schlieren

Empfehlung:

Ja

Während des Sommers 2001 hatte ich über 3 Monate die Gelegenheit, den 220 CDI sowohl als Limousine, als auch als T-Modell in verschiedenen Ausstattungsvarianten als Mietwagen zu fahren. Um es vorweg zu nehmen: Der Wagen ist mit das Beste, was Mercedes zur Zeit zu bieten hat.

Fangen wir mit der Karosserie an: Neben einem sehr guten Qualitätseindruck besticht der Wagen durch ein sehr gutes Raumangebot, das T-Modell obendrein durch einen riesigen, variablen Kofferaum mit vielen praktischen zusätzlichen Staufächern (s. hierzu meinen separaten Erfahrungsbericht zum E 290 TDT). Instrumente tadellos übersichtlich, insgesamt logische, einfache Bedienung. Etwas Eingewöhnung erfordert die Menüführung über die Lenkradtastatur, um die vielen größtenteils sinnvollen Informationen (verbleibende Reichweite etc.) des Bordrechners abzurufen, die in einem großen Display unterhalb des Tachos eingeblendet werden.

Der Wagen ist trotz seiner Größe sehr übersichtlich und dank leichtgängiger, exakter Servolenkung und einem in dieser Klasse unschlagbaren engen Wendekreis überraschend handlich. Die Qualität der verwendeten Materialien ist deutlich besser als in der C-Klasse, wenn sie auch nicht an frühere Mercedesstandards heranreicht. Die Ausstattung in der Elegance- und Avantgardeversion ist sehr reichhaltig und bietet alles, was das Autofahrerleben angenehm und sicher macht: Klimaanlage, ASR, ASD, elektr. Fensterheber, automat. abblendbare Spiegel usw. Sinnvolle Extras und beim Kauf auf jeden Fall mit ordern:

Erstens die exzellente Fünfgangautomatik mit Steptronikmodus; diese schaltet unübertroffen weich und passt sich dem jeweiligen Fahrstil perfekt an. Im übrigen sind die Daimler-Schaltgetriebe mit langen Wegen und hakeliger Führung eh keine Freude. Der drehmomentstarke Motor lädt zu einer schaltfaulen Fahrweise geradezu ein, und hierzu passt die Automatik einfach besser.
Zweitens der Tempomat, der von der Bedienbarkeit her schon das Beste ist, was es zur Zeit auf dem Markt gibt; außerdem schont er in Tempolimitzonen den Geldbeutel...man muss halt nur die richtige Geschwindigkeit programmieren...

Ob man nun das Elegance- oder Avantgardepaket wählt, ist in erster Linie Geschmackssache. Der Avantgardevariante bleibt die blaue Colorverglasung und der sehr schicke Chromgrill vorbehalten. Innen geht es betont kühl zu: Die Holzeinlagen sind dunkelgrau eingefärbt und erinnern eher an Carbonverkleidungen. Ordert man keine Lederpolster, wird der eine oder andere mit dem sehr gewöhnungsbedürftigen Stoffdesign seine Bauchschmerzen bekommen. Dafür ist das Fahrwerk angenehm straff gefedert.
Komfortbetonte Käufer sollten daher lieber zur Elegancevariante greifen. Diese ist weicher gefedert (für meinen Geschmack eine Idee zu weich, der Wagen wirkt insgesamt etwas schwerfälliger) und glänzt innen mit Wurzelholzverkleidungen. Wer mag, kann sich den Avantgardegrill nachrüsten lassen, Kostenpunkt ca. 200 EURO. Beide Varianten sind komplett ausgestattet.

Hände weg vom \"Classic\"-Modell. Diese machen von außen einen sehr schmucklosen, schlichten Eindruck (..a bisserl Chrom wär halt schon nett...) und sind nicht so gut ausgestattet. Will man diese per Extras auf das Ausstattungsniveau der Elegance- oder Avantgardevarianten bringen, ist der Preisvorteil fast dahin.

Kommen wir zum Herzstück des Wagens, dem Motor: Hier ist in der Tat ein Kraftwerk entstanden, das vollkommen ausreichend ist und Fahrleistungen ermöglicht, der hubraumgleiche Benziner meistens hinter sich lässt. Bereits bei 1.800 U/min schaufelt der Motor ein Drehmoment von über 300 Nm auf die Kurbelwelle, so dass sich bei Ampelstarts mancher Nebenmann verwundert die Augen reibt. Dabei besticht der Motor durch eine sehr gute Laufruhe und einen sehr niedrigen Verbrauch (Durchschnitt trotz zügiger Fahrweise ca. 7 Liter). Einzig der Vierzylindersound will so recht nicht begeistern, klingt halt doch arg billig. Die Fahrleistungen an sich drücken nur die halbe Wahrheit aus: sicher gibt es andere Limousinen, die auch an die 220 Km/h laufen und in 10 Sek durch die 100 Km/h-Marke eilen.

Was bei diesem Wagen begeistert, ist die Mühelosigkeit, mit der dies alles geschieht: Man dreht den Motor selten über 2.500 Touren und kommt trotzdem sehr zügig voran. Mit zunehmender Geschwindigkeit tritt das Motorgeräusch fast völlig in den Hintergrund, wobei der Innengeräuschpegel insgesamt außerordentlich niedrig ist. Gut, das Mercedes den lahmen und lauten Saugdieseln den Rücken gekehrt hat. Zwar sind die \"Wanderdühnen\" vom Schlage eines E 200 D oder E 220 D nahezu unverwüstlich, von der Leistungsentfaltung her aber absolut nicht mehr zeitgemäß und bieten auch kaum Verbrauchsvorteile ggü. den Benzinern.

Zusammen mit dem komfortablen Fahrwerk und dem ausgezeichneten Abrollkomfort ist mit dem 220 CDI ein Reisewagen par excellence entstanden, der eigentlich kaum Hunger auf mehr aufkommen lässt. Den der 270 CDI ist zwar eine Spur flotter, was sich im Alltagsbetrieb kaum bemerkbar macht, kostet dafür aber deutlich mehr und ist auch nicht so knauserig mit dem Sprit. Vom Preis-Leistungsverhältnis ist der 220 CDI mithin nicht zu schlagen, es sei denn man hat ein Aversion gegen Diesel.

Billig ist der Einstieg in die Diesel-Premiumklasse nicht: Ab 30.000 EURO ist man dabei, und dafür bekommt man gerade die Basisversion. Nach alter Mercedes-Tradition ist es kein Problem, durch Abgrasen der Zusatzausstattungsliste den Preis an die 50.000 EURO-Marke zu treiben.

Generell bekommt man allerdings ein Auto, das mit den geringsten Wertverlust seiner Klasse hat und bei sehr guten Fahrleistungen dennoch außerordentlich wirtschaftlich ist.

FAZIT: Mehr Auto braucht eigentlich kein Mensch...

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