Erfahrungsbericht von Heine
Mobbing im Alltag
Pro:
Es gibt keinen positiven Grund für Mobbing.
Kontra:
Mobbing zerstört Menschen und hat für die gesamte Gesellschaft ökonomische Nachteile (höhere Renten- und Krankenkassen- beiträge)
Empfehlung:
Nein
Begriff \"Mobbing\" geklärt werden.
Die IG Metall veröffentlicht dazu auf ihrer Homepage im Internet
folgendes dazu:
Der Begriff \"Mobbing leitet sich aus dem englischen Wort \"Mob\" ab
und bedeutet soviel wie \"zusammengerotteter Pöbel (haufen)\" oder
\"lärmend über jemanden herfallen, anpöbeln, angreifen, attackieren\".
Es wird vor allem dazu verwendet, um ein Phänomen zu beschreiben,
das durch den schwedischen Arzt und Psychologen Heinz Leymann in den
letzten Jahren starkes öffentliches Interesse erfahren hat.
Mobbing ist ein neuer Begriff für ein altes \"Übel\". Ursprünglich
wurde er von dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz für aggressives
Tierverhalten benutzt.
Mittlerweile ist damit \"Psychoterror am Arbeitsplatz\" gemeint.
An dieser Stelle möchte ich Thomas Mann zitieren, der sich meines
Erachtens über eine Form des Mobbings äußerte, ohne dass es ihm
eigentlich bewußt gewesen wäre. Diese Erscheinung war halt als
Mobbing noch nicht bekannt.
Zitat: Die Bereitschaft zur Recherche nimmt ab,
die Neigung zur Kolportage nimmt zu.
Behauptungen werden ungeprüft verbreitet.
Betroffene werden nicht befragt.
Wer etwas sagt, wird wichtiger als das,
was er sagt.
Nun zu meinen eigenen Erfahrungen am Arbeitsplatz. Ich bin Angestellter im öffentlichen Dienst an der Uni-Paderborn (Finanzverwaltung). Zu meinen Aufgaben gehört es u.a. Überweisungen und ähnliche Buchungen durchzuführen. Bei mir hat alles damit angefangen, dass es zu irgendwelchen Mißverständnissen gekommen ist. Danach haben sich nur noch Gerüchte über meine Person, nicht aber über die dienstlichen Schwierigkeiten, verbreitet.
Zusätzliches Problem in unser Abteilung ist zudem noch, dass sich unser Sachgebietsleiter und Dezernent nicht leiden können.
Tauchen Probleme der Kollegen und Kolleginnen untereinander auf, so hat man sich mit den Kollegen und Kolleginnen auseinanderzusetzen. Unser Sachgebietsleiter hält sich aus allem raus. Unser Dezernent holt einen nacheinander zu sich ins Büro. So weiß keiner, wer was zu wem gesagt hat. Der Ärger ist somit also schon vorprogrammiert.
Bei mir ist es schon vorgekommen, dass Belege verschwunden sind, und mir während eines Gespräches einfach wieder untergeschoben worden sind.
Vor einigen Wochen fing dann eine neue Kollegin bei uns an. Zu ihrem Einstand wurden alle, außer meiner Wenigkeit, eingeladen. Morgens um 8.30 Uhr versammelte sich dann alles bei ihr im Büro. Da mein Büro genau daneben liegt, bekommt man so einiges akustisch mit. Der Gipfel kam dann, als die Runde sich wieder aufgelöst hatte. Die neue Kollegin, ihr werdet es nicht für möglich halten, kam zu mir und stellte mir ein Stück von dem übriggebliebenen Kuchen auf dem Tisch. Sie wurde also schon von den anderen Kolleginen und Kollegen eingeweiht. Na toll, dachte ich, das fängt ja schon gut an mit ihr. Dann habe ich mir aber gedacht, dass sie ja keine andere Wahl hat als neue Kollegin.
Nur anzusprechen brauche ich sie auch nicht, da ich davon ausgehen muss, dass sie oder ihre Kollegin in ihrem Büro, wieder etwas irgendwo ausplaudern werden.
Ich habe auch schon über dem Personalrat versucht dieses Problem zu lösen. Doch leider halten die alle zusammen wie Pech und Schwefel.
Ergeben hat sich, dass sie meinten, doch alles dafür zu tun, damit es wieder besser wird. Bisher blieb alles bei leeren Versprechungen. Der Personalrat sieht dann natürlich auch keine Möglichkeiten mehr.
Mir bleibt nur, dass ich meine Arbeit vernünftig machen kann. Doch immer wieder wird das durch Blockaden und unrichtige Darstellungen erschwert. Egal, denke ich mir, wenn die es nötig haben.
Eine ganz liebe und nette Kollegin, die hier mal gearbeitet hat, meint, dass ich den Job wechseln solle. Das ist aber nicht so einfach, denn in der freien Wirtschaft will man keine Leute aus dem Staatsdienst. Und im Staatsdienst bleiben kann ich dann auch hier. Ein Umzug würde auch wieder jede Menge Geld kosten. Andererseits wiederum möchte man sich ja auch weiterentwickeln.
Nun wieder mal ganz allgemein zum Thema.
Mobbing kann aber überall auftreten; im Kindergarten, in der Schule,
an der Universität, bei der Bundeswehr, in Vereinen und Verbänden
und auch im Zusammenleben in der Familie.
Gesamtwirtschaftlich gesehen entsteht der gesamten Gesellschaft
nach Schätzungen von Experten ein Schaden von etwa 50 Milliarden
Euro pro Jahr. Darin sind auch die Kosten für höhere Renten- und
Krankenkassenbeiträge wegen zunehmenden Frühverrentungen und
steigenden Behandlungskosten enthalten.
Es gibt also nur Verlierer.
Mobbing ist meiner Meinung nach eine Erscheinung,
die sich aufgrund einer Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft
schnell Fuß fassen und etablieren konnte.
Der Faktor Arbeitslosigkeit tut sein übriges dazu.
Hier ist die Gesellschaft als Ganzes gefordert.
Hier noch ein Zitat von jemanden, den ich aber aus bestimmten
Gründen nicht nennen möchte: \"Mein Gewissen dicktiert mein Handeln\".
Dieser Satz prägt mein ganzes Leben.
Mobber handeln meiner Meinung nach ohne jedes Gewissen.
Diejenigen, die einfach zusehen, sind nicht besser.
Helfen ist dann oberstes Gebot.
Wenn sich jemand noch über das Thema informieren möchte,
hier noch einige interessante Internet-Adressen:
www.igmetall.de
www.besserarbeiten.de (für Hilfesuchende)
www.melting-point.fortunecity.com (juristische Hilfe)
www.bundesarbeitsgericht.de (juristische Hilfe)
Ihr könnt auch mit mir Kontakt aufnehmen, wenn ihr
mehr wissen wollt oder Hilfe braucht.
Zur Zeit bin ich mit anderen dabei einen Arbeitskreis
aufzubauen,damit Mobbingopfern vor Ort geholfen werden
kann. Ich habe da einen guten Kontakt zu einer Firma,
die sich mit Personalentwicklung, Couching und dergleichen
beschäftigt. Zusammen werden wir längerfristig gesehen
versuchen dieses Thema auch, wenn nötig, über die Presse,
in die Öffentlichkeit zu tragen. Ziel soll es aber vor allem
sein die Konfliktparteien zusammen an einem Tisch zu
bekommen, um das Problem gemeinsam zu lösen. In diesem Arbeits-
kreis sollen alle möglichen Leute vertreten sein;
Gewerkschafter, Juristen, Ärzte und Therapeuten, Seelsorger,
Vertreter von Selbsthilfegruppen, Vertreter von Krankenkassen,
Personen in leitenden Funktionen, Betriebsräte, Gleichstellungs-
beauftragte, professionelle Berater und natürlich die Opfer von
Mobbing. Es soll also ein richtiges Netzwerk entstehen.
Ich möchte hier zum Schluß an dieser Stelle noch allen
Gemobbten meine besten Grüße ausrichten. Haltet durch,
denn auch die Mobber werden eines Tages ihre Strafe
bekommen, so oder so.
18 Bewertungen, 4 Kommentare
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23.11.2002, 19:59 Uhr von mrMagoo
Bewertung: sehr hilfreichdas Problem ist doch immer ein und dasselbe: Keine Einigkeit unter den Kollegen. Anstatt miteinander-- gegeneinander Und wenn dann auch noch die --gewollt zusieht-- wie sich die Kollegen gegeneinander zerfleischen-- oje
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19.08.2002, 16:21 Uhr von Indigo
Bewertung: sehr hilfreichZu diesem Thema ein vergleichsweise guter Bericht. Da habe ich bei Yopi schon viel dummes Zeug gelesen.
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19.08.2002, 14:10 Uhr von diabolo26
Bewertung: sehr hilfreichguter Bericht, ich hoffe auf mehr.
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25.04.2002, 19:09 Uhr von kulosa
Bewertung: weniger hilfreichWo ist Deine Meinung. Nur Zitate ist fast wie ein Fake. update: Ist leider auch nicht besser, da Du noch immer die Zitate drin hast, mußte ich eigentlich nicht nützlich geben. Und die drei Zeilen eigene Meinung ist echt zu wenig.
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