Erfahrungsbericht von wildheart
Vorsicht! Grauenhaft dämlich!
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
1936 drehte Frank Capra „Mr. Deeds Goes to Town“ mit Gary Cooper, Jean Arthur, George Bancroft und Lionel Stander (manchen vielleicht bekannt als Butler aus der Fernsehserie „Hart aber herzlich“), eine Komödie, in der die Mentalität eines „einfachen“ Farmers mit der arroganten Welt der Stadt konfrontiert wird. Es ist schon erstaunlich, was die hiesige Filmkritik in dem Remake von Steven Brill zu sehen glaubt. „Blickpunkt: Film“ etwa phantasiert ein „optimistisches Plädoyer für die wahren Werte des Lebens“ (haben sie das aus einer Kongressrede Bushs übernommen?). Der Titelheld erteile „dem Zynismus der Metropole durch traditionelle Tugenden wie Ehrlichkeit und Güte eine Lektion“. Ich fass es mal wieder nicht! Die „Frankfurter Rundschau“ kommt der Wahrheit wesentlich näher, wenn sie den Film als dummdreist und ärgerlich abspeist: „Diese lieblos gefertigte Produktion gefällt sich nämlich so sehr in vulgärer (Post-)Moderne-Kritik, dass ‘ironische Distanz’ in einem Dialog ausdrücklich abgelehnt und zuletzt ein Loblied auf Authentizität, auf Bruce Springsteen und natürliche Haarfarben angestimmt wird.“ Ähnlich urteilt die „Welt“.
Um es vorwegzunehmen: Ich habe selten ein schlechteres Remake gesehen.
Inhalt
Preston Blake (Harve Presnell) hat ein gigantisches Wirtschaftsimperium, an dem er 49% Aktienanteile hält. 82 Jahre alt will er bei Schneesturm den Mount Everest erklimmen, während seiner Begleiter Reißaus nehmen. Am Gipfel angelangt erfriert er und hinterlässt satte 40 Mrd. Dollar. Darauf hat der skrupellose Geschäftsführer des Imperiums Chuck Cedar (Peter Gallagher) schon lange gewartet. Er und sein Assistent Anderson (Erick Avari) suchen nach dem einzigen Erben – und finden den in Mandrake Falls, New Hampshire, lebenden Pizzaverkäufer Longfellow Deeds (Adam Sandler). Den – gutmütig und etwas einfältig – glaubt Cedar schnell loswerden zu können. Er will ihn Papiere unterschreiben lassen, durch die Deeds seine Aktienanteile an Cedar überschreibt und die 40 Milliarden ausbezahlt bekommt.
Also holt er Deeds nach New York. Allerdings haben auch die Medien Wind von der Sache bekommen. Der skrupellose Moderator McGrath (Jared Harris) setzt seine Leute auf Deeds an. Die Reporterin Babe Bennett (Winona Ryder), die um ihren Job fürchten muss, verfällt auf die Idee, die Unschuldige vom Land zu spielen, um sich so das Mitgefühl Deeds zu sichern: Sie lässt sich von ihrem Kollegen Marty (Allen Covert) zum Schein belästigen, damit Deeds sie „retten“ kann. Heimlich hat sie eine Minikamera in ihrem Décolleté versteckt und filmt alles, was ihr ab nun mit Deeds Peinliches passiert. Der Sender bringt’s, Deeds scheint in der Öffentlichkeit desavouiert.
Aber allmählich, vor allem als McGrath das von Babe gelieferte Filmmaterial zusätzlich zu Ungunsten von Deeds zusammenschneiden und kommentieren lässt, bekommt sie nicht nur Mitleid mit Deeds, sondern verliebt sich in ihn ...
Inszenierung
Frank Capra würde sich im Grabe herumwälzen, wenn er dieses Remake sehen könnte. Es gibt selten Filme, in denen überhaupt nichts stimmt. „Mr. Deeds“ gehört dazu. Ohne zu böse zu sein, kann man getrost sagen: „Mr. Deeds“ ist eine grobe Vergewaltigung der Screwball-Komödie von Capra. Zwischen Sandler und Ryder stimmt nichts, ihre Beziehung wirkt von Anfang an aufgesetzt. Sandler strampelt sich als „tumber Ländler“ durch den Film, das einem Hören und Sehen vergeht. Die Ryder spielt, als ob sie sich in einem billigen Provinztheater befinde.
Aber es kommt noch schlimmer. Die ganze Geschichte wird in einer streckenweise peinlichen, stellenweise impertinenten Art und Weise inszeniert. Die Leute vom Land (Mandrake Falls) haben den ganzen Tag nichts zu tun, als sich in Bars oder Cafés herumzutreiben, selten dämliche Sprüche zu klopfen und Deeds zuerst bei seinem Treiben als Pizzaverkäufer vor Ort, dann im Fernsehen aus New York zu begaffen. Sie schielen, strotzen vor Kraft, ohne zu wissen, wohin damit, sind aber auf alle Fälle dümmliche Idioten. Und die in New York? Intellektuelle verkorkste, mediengeile, geldgierige, aber auf ihre Weise ebenso tumbe Spinner, die sich einen kulturellen Anstrich verpasst haben.
Das alles wirkt so, als ob die falschen Vorstellungen arroganter Hollywood-Agenten über die Menschen in der Provinz und darüber, wie man sie selbst wohl aufs Korn nehmen würde, in einem faden Gebräu zusammengemixt worden wären.
Deeds verfasst dämliche Verse für Glückwunschkarten, die alles in den Schatten stellen, was man je im Kino zu hören bekommen hat. Als er – so ganz nebenbei, um so ganz zufällig seinen Heldenmut zu beweisen (Mein Gott! Sind manche Drehbücher schrecklich durchschaubar!) – bei einem Brand ein Haus erklimmt und sieben Katzen samt beleibter Dame das Leben rettet, bleibt einem das Lachen förmlich im Hals stecken: Er wirft zunächst alle Katzen auf das von der Feuerwehr gespannte Sprungtuch. Alle hopsen von dort – hahaha – in die Arme eine verdutzten (sprich: blöd dreinschauenden) Schaulustigen oder im Essen – hahaha –, die letzte, die bereits Feuer gefangen hat, in den Wassereimer eines Feuerwehrmannes und schaut, fast unverletzt, heraus: Wer krümmt sich da vor Lachen? Doch dann kommt der absolute Clou: Zum Schluss springt Deeds mit der fülligen Dame im Arm auf das Sprungtuch. Das zerreißt und Deeds kommt in eindeutiger Stellung auf der Dame zum Liegen. Der gefällt’s und ich kann mich kaum halten – vor Lachen? Nein, vor Kopfschütteln.
Der Streifen ist mit solchen humorlosen Albernheiten und Peinlichkeiten, bei denen man am liebsten wegschauen möchte, prall gefüllt. Auch John Turturro als Butler mit Fuß-Fetischismus passt in dieses widerwärtige Konzept. Deeds hat einen schwarzen Fuß, der ihm – so die dämliche Geschichte – als Kind erfroren ist. Er fordert Butler Emilio auf, mit einem Feuerhaken auf den Fuß zu schlagen, um ihm zu beweisen, dass er dort völlig gefühllos ist. Soll man über so was lachen? Im Kino saß schräg hinter mir eine ebenfalls etwas füllige Dame, die die ganze Zeit über lachte, eher gackerte. Am liebsten hätte ich sie ins Zelluloid verbannt. Da hätte sie sich sicher pudelwohl gefühlt.
Deeds will ein Imperium gegen dessen Zerschlagung retten, um 50.000 Arbeitsplätze zu erhalten. Eine edle Tat! Wo wir doch alle wissen sollten, dass die Entlassungswellen gerade bei solchen Imperien zumeist am größten sind. Oder legt sich Sandler in dem Film derart ins abstruse Zeug, weil er Time-AOL-Warner eine Zukunft sichern will? Welch grauenerregende Zukunft!
Fazit
Schon jetzt ist „Mr. Deeds“ für mich der schlechteste Film des Jahres. Denn schlimmer kann es nicht mehr werden. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Am besten sofort wieder vergessen. Sonst bekommt man noch Mordgedanken.
Mr. Deeds
(Mr. Deeds)
USA 2002, 96 Minuten
Regie: Steven Brill
Drehbuch: Tim Herlihy, Clarence Budington Kelland, Robert Riskin
Musik: Pete Townshend
Kamera: Peter Lyons Collister
Schnitt: Jeff Gourson
Spezialeffekte: –
Hauptdarsteller: Adam Sandler (Longfellow Deeds), Winona Ryder (Babe Bennett /Pam Dawson), John Turturro (Emilio Lopez), Steve Buscemi (Crazy Eyes), Jared Harris (Mac McGrath), Peter Gallagher (Chuck Cedar), Allen Covert (Marty), Conchata Ferrell (Jan), Roark Critchlow (William), Peter Dante (Murph), J. B. Smoove (Reuben), Erick Avari (Cecil Anderson), Harve Presnell (Preston Blake)
Offizielle Homepage: http://www.mr-deeds.de/
Internet Movie Database: http://us.imdb.com/Title?0280590
Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/2002/06/062805.html
„Movie Reviews“ (James Berardinelli):
http://www.movie-reviews.colossus.net/movies/m/mr_deeds.html
© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)
Um es vorwegzunehmen: Ich habe selten ein schlechteres Remake gesehen.
Inhalt
Preston Blake (Harve Presnell) hat ein gigantisches Wirtschaftsimperium, an dem er 49% Aktienanteile hält. 82 Jahre alt will er bei Schneesturm den Mount Everest erklimmen, während seiner Begleiter Reißaus nehmen. Am Gipfel angelangt erfriert er und hinterlässt satte 40 Mrd. Dollar. Darauf hat der skrupellose Geschäftsführer des Imperiums Chuck Cedar (Peter Gallagher) schon lange gewartet. Er und sein Assistent Anderson (Erick Avari) suchen nach dem einzigen Erben – und finden den in Mandrake Falls, New Hampshire, lebenden Pizzaverkäufer Longfellow Deeds (Adam Sandler). Den – gutmütig und etwas einfältig – glaubt Cedar schnell loswerden zu können. Er will ihn Papiere unterschreiben lassen, durch die Deeds seine Aktienanteile an Cedar überschreibt und die 40 Milliarden ausbezahlt bekommt.
Also holt er Deeds nach New York. Allerdings haben auch die Medien Wind von der Sache bekommen. Der skrupellose Moderator McGrath (Jared Harris) setzt seine Leute auf Deeds an. Die Reporterin Babe Bennett (Winona Ryder), die um ihren Job fürchten muss, verfällt auf die Idee, die Unschuldige vom Land zu spielen, um sich so das Mitgefühl Deeds zu sichern: Sie lässt sich von ihrem Kollegen Marty (Allen Covert) zum Schein belästigen, damit Deeds sie „retten“ kann. Heimlich hat sie eine Minikamera in ihrem Décolleté versteckt und filmt alles, was ihr ab nun mit Deeds Peinliches passiert. Der Sender bringt’s, Deeds scheint in der Öffentlichkeit desavouiert.
Aber allmählich, vor allem als McGrath das von Babe gelieferte Filmmaterial zusätzlich zu Ungunsten von Deeds zusammenschneiden und kommentieren lässt, bekommt sie nicht nur Mitleid mit Deeds, sondern verliebt sich in ihn ...
Inszenierung
Frank Capra würde sich im Grabe herumwälzen, wenn er dieses Remake sehen könnte. Es gibt selten Filme, in denen überhaupt nichts stimmt. „Mr. Deeds“ gehört dazu. Ohne zu böse zu sein, kann man getrost sagen: „Mr. Deeds“ ist eine grobe Vergewaltigung der Screwball-Komödie von Capra. Zwischen Sandler und Ryder stimmt nichts, ihre Beziehung wirkt von Anfang an aufgesetzt. Sandler strampelt sich als „tumber Ländler“ durch den Film, das einem Hören und Sehen vergeht. Die Ryder spielt, als ob sie sich in einem billigen Provinztheater befinde.
Aber es kommt noch schlimmer. Die ganze Geschichte wird in einer streckenweise peinlichen, stellenweise impertinenten Art und Weise inszeniert. Die Leute vom Land (Mandrake Falls) haben den ganzen Tag nichts zu tun, als sich in Bars oder Cafés herumzutreiben, selten dämliche Sprüche zu klopfen und Deeds zuerst bei seinem Treiben als Pizzaverkäufer vor Ort, dann im Fernsehen aus New York zu begaffen. Sie schielen, strotzen vor Kraft, ohne zu wissen, wohin damit, sind aber auf alle Fälle dümmliche Idioten. Und die in New York? Intellektuelle verkorkste, mediengeile, geldgierige, aber auf ihre Weise ebenso tumbe Spinner, die sich einen kulturellen Anstrich verpasst haben.
Das alles wirkt so, als ob die falschen Vorstellungen arroganter Hollywood-Agenten über die Menschen in der Provinz und darüber, wie man sie selbst wohl aufs Korn nehmen würde, in einem faden Gebräu zusammengemixt worden wären.
Deeds verfasst dämliche Verse für Glückwunschkarten, die alles in den Schatten stellen, was man je im Kino zu hören bekommen hat. Als er – so ganz nebenbei, um so ganz zufällig seinen Heldenmut zu beweisen (Mein Gott! Sind manche Drehbücher schrecklich durchschaubar!) – bei einem Brand ein Haus erklimmt und sieben Katzen samt beleibter Dame das Leben rettet, bleibt einem das Lachen förmlich im Hals stecken: Er wirft zunächst alle Katzen auf das von der Feuerwehr gespannte Sprungtuch. Alle hopsen von dort – hahaha – in die Arme eine verdutzten (sprich: blöd dreinschauenden) Schaulustigen oder im Essen – hahaha –, die letzte, die bereits Feuer gefangen hat, in den Wassereimer eines Feuerwehrmannes und schaut, fast unverletzt, heraus: Wer krümmt sich da vor Lachen? Doch dann kommt der absolute Clou: Zum Schluss springt Deeds mit der fülligen Dame im Arm auf das Sprungtuch. Das zerreißt und Deeds kommt in eindeutiger Stellung auf der Dame zum Liegen. Der gefällt’s und ich kann mich kaum halten – vor Lachen? Nein, vor Kopfschütteln.
Der Streifen ist mit solchen humorlosen Albernheiten und Peinlichkeiten, bei denen man am liebsten wegschauen möchte, prall gefüllt. Auch John Turturro als Butler mit Fuß-Fetischismus passt in dieses widerwärtige Konzept. Deeds hat einen schwarzen Fuß, der ihm – so die dämliche Geschichte – als Kind erfroren ist. Er fordert Butler Emilio auf, mit einem Feuerhaken auf den Fuß zu schlagen, um ihm zu beweisen, dass er dort völlig gefühllos ist. Soll man über so was lachen? Im Kino saß schräg hinter mir eine ebenfalls etwas füllige Dame, die die ganze Zeit über lachte, eher gackerte. Am liebsten hätte ich sie ins Zelluloid verbannt. Da hätte sie sich sicher pudelwohl gefühlt.
Deeds will ein Imperium gegen dessen Zerschlagung retten, um 50.000 Arbeitsplätze zu erhalten. Eine edle Tat! Wo wir doch alle wissen sollten, dass die Entlassungswellen gerade bei solchen Imperien zumeist am größten sind. Oder legt sich Sandler in dem Film derart ins abstruse Zeug, weil er Time-AOL-Warner eine Zukunft sichern will? Welch grauenerregende Zukunft!
Fazit
Schon jetzt ist „Mr. Deeds“ für mich der schlechteste Film des Jahres. Denn schlimmer kann es nicht mehr werden. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Am besten sofort wieder vergessen. Sonst bekommt man noch Mordgedanken.
Mr. Deeds
(Mr. Deeds)
USA 2002, 96 Minuten
Regie: Steven Brill
Drehbuch: Tim Herlihy, Clarence Budington Kelland, Robert Riskin
Musik: Pete Townshend
Kamera: Peter Lyons Collister
Schnitt: Jeff Gourson
Spezialeffekte: –
Hauptdarsteller: Adam Sandler (Longfellow Deeds), Winona Ryder (Babe Bennett /Pam Dawson), John Turturro (Emilio Lopez), Steve Buscemi (Crazy Eyes), Jared Harris (Mac McGrath), Peter Gallagher (Chuck Cedar), Allen Covert (Marty), Conchata Ferrell (Jan), Roark Critchlow (William), Peter Dante (Murph), J. B. Smoove (Reuben), Erick Avari (Cecil Anderson), Harve Presnell (Preston Blake)
Offizielle Homepage: http://www.mr-deeds.de/
Internet Movie Database: http://us.imdb.com/Title?0280590
Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/2002/06/062805.html
„Movie Reviews“ (James Berardinelli):
http://www.movie-reviews.colossus.net/movies/m/mr_deeds.html
© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)
21 Bewertungen, 2 Kommentare
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10.07.2010, 16:32 Uhr von XXLALF
Bewertung: besonders wertvollden film hab ich im fernsehen gesehen, wobei ich mich an den titel nicht so richtig erinnern konnte, jedoch an die szene mit dem sprungtuch kann ich mich noch gut erinmern. ich versteh die leute auch nicht, die humorlose albernheiten lachen können. kann aber auch sein, dass sie dem motto folgen: humor ist wenn man trotzdem lacht. bw und ganz liebe grüße
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15.12.2006, 12:34 Uhr von Sayenna
Bewertung: sehr hilfreichsh & Kuss :-)
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