Pakt der Wölfe (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 11/2011
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Summe aller Bewertungen
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Tut_Ench_Amun
Von religiösen Fanatikern und andere Bestien
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Zu diesem Film kam ich, wie die Jungfrau zum Kind, denn eigentlich bin ich kein grosser Fan des französischen Genre-Kinos, so ging auch die Kinoaufführung unbemerkt von mir (und ohne mich) über die Bühne. Irgendwann hat mein Bruder mal zwei SVCDs dagelassen mit dem Hinweis ich solle mir den Film darauf mal angucken, der wäre gar nicht übel...also rein mit dem Teil in den Player und ich hab anfangs echt nicht gemerkt, dass dieser Film tatsächlich ein französischer ist und kein Hollywood- Streifen, der eine alte Volkslegende über „Die Bestie von Gévaudan“ wieder aufleben und die (historisch korrekten) Mitwirkenden in einer fiktiven Story das Rätsel lösen lässt, welches im 18. Jh in Wahrheit nie geklärt wurde. Danach war mir klar: den muss ich auch als DVD haben und machte mich auf die Suche – erfolglos zunächst, die DVD gabs nämlich noch gar nicht im Handel. Erst seit Ende September liegt der Silberling im Doppelpack als Director’s Cut mit Bonusmaterial in den Läden, zu einem Preis, dessen Beispiel Schule machen sollte: 22,99 € (Karstadt), für eine Doppel-DVD durchaus ein fairer und akzeptabler Kurs, vor allem, wenn man bedenkt, was dafür alles geboten wird...schauen wir mal rein:
Der Steckbrief
Die Story
Anno 1766 - Französische, ländliche Provinz Gévaudan mit vornehmlich bäuerlicher und entsprechend abergläubischer Bevölkerung, spärlich besiedelt und von dem weltoffenen Feudalherren Marquis d’Apcher regiert. Eine mysteriöse Bestie reisst seit einiger Zeit Frauen und Kinder, doch flüchtet seltsamerweise vor Männern. Der um seine Bevölkerung besorgte Marquis d’Apcher bittet den König Louis XV. in Paris um Hilfe, der zur Aufklärung und Fang/Präparation der Bestie den Naturforscher, Freigeist und modern denkenden Chevalier (dt. Ritter) Grégoire de Fronsac nebst seinem indianischen Mohawk-Blutsbruder Mani in die abgelegene Provinz entsendet. Fronsac und Mani haben sich auf Fronsacs nicht grade friedlich zu nennenden Reise nach Amerika kennen- und schätzen gelernt. Der stille Mani – der Letzte seines Stammes – den Fronsacs Einheit seinerzeit quasi ausgerottet hat, begleitet seither Fronsac auf allen seinen Wegen. Dass die beiden nicht nur zum Schön- Wetter-Machen gekommen sind, merken die Schergen des lokalen Kommandanten der bisher mit der Jagd auf die Bestie betrauten Söldner recht schnell – da sich die Söldner gegenüber der Landbevölkerung nicht grade freundlich benehmen bekommen sie schon bei deren Ankunft eine saftige Abreibung von Mani, der 6 von ihnen mit bester Matrix-Martial-Arts auseinandernimmt. Nicht unbedingt der Beste Einstand, den die seltsamen Neuankömmlinge dort bieten, bringt ihnen jedoch schon mal einen Heiden-Respekt ein.
Nach der landläufigen Meinung handelt es sich bei der Bestie um einen Wolf, davon sind grade die Adelsleute fest überzeugt, auch wenn überlebende Opfer teils haarsträubende Geschichten und Beschreibungen abgeben. So soll die Bestie die Grösse eines Bären, Stacheln haben, gepanzert sein und Gewehrkugeln trotzen können. Die Untersuchung der Leiche einer kürzlich angefallen Frau und deren Bisswunden, offenbart Fronsac, dass allein ausgehend vom mächtigen Gebiss, dieses „Tier“ schätzungsweise mindestens ein Gewicht von 250 Kilo haben muss – eindeutig zu gross und schwer für einen Wolf, zudem fallen Wölfe nur selten und in Notlage Menschen an. Dennoch lassen sich die teils illustren hohen Herren Gévaudans nicht davon abbringen eine Treibjagd auf alle Wölfe in dem Gebiet zu veranstalten, herzlich sinnlos, wie sich herausstellt: Das Morden geht nämlich die nächsten 3 Monate munter weiter...Fronsac, Mani und der Enkel des alten Marquis, Thomas d’Apcher, müssen die seltsamen Stränge dieses Mysteriums zusammenführen, um die wahre Natur der Bestie herauszufinden und die Schuldigen hinter den Massakern ausfindig zu machen, die ebenfalls Bestien sind...aber dafür überaus menschliche, die buchstäblich über Leichen gehen um ihre fanatischen, politisch/religiösen Ziele durchzusetzen...
Die Darsteller
Samuel le Bihan – Chevalier Grégoire de Fronsac, er soll das Geheimnis der Bestie klären und sie präpariert nach Paris an den königlichen Hof bringen. Er ist ein aufgeschlossener und modern denkender Mensch, der sich zudem von Mani in dessen Kampfkunst hat unterweisen lassen, was ihn zu einem harten Gegner macht, doch lieber setzt er die Kraft des Geistes und der Logik vor den Einsatz von Gewalt. Bihan ist ausserhalb Frankreichs nicht besonders bekannt, gefällt mir aber als Ritter von der teils traurigen Gestalt sehr gut.
Mark Dacascos – Mani, seines Zeichens Mohawk- Indianer und recht stiller Begleiter Fronsacs, er steht gemäss der Philosophie eines Volkes im Einklang mit der Natur und den Tieren, was die beiden im Endeffekt zur Bestie bringt. Er erweist sich als tougher Kämpfer, geheimnisvoller Heiler und wirkt zivilisierter, als die Adelsleute, die ihn als „Wilden“ schmähen. Der in Hawaii geborene Dacascos sorgt für die meiste Action im Pakt der Wölfe, seine Martial-Arts Einlagen sind überaus sehenswert. Dies ist nach „Crying Freeman – Der Sohn des Drachen“ schon der zweite Film, bei dem Dacascos für Christophe Gans arbeitet, besser bekannt ist er allerdings aus der TV-Serie „The Crow“, wo er den Hauptrolle und Part des leider zu früh verstorbenen Brandon Lee übernimmt.
Vincent Cassel – Jean-Francois de Morangias, schon wenn man ihn zum ersten Mal sieht, gewinnt man den Eindruck, dass diese Figur irgendwie nicht ganz koscher zu sein scheint. Ein Veteran, der in Afrika vorgeblich seinen rechten Arm verlor und sich durch Zynismus hervortut. Cassel hat bereits auch kleinere Rollen ausserhalb Frankreichs gespielt, hier trumpft er als psychotischer Adeliger auf, den man ihm zu jeder Zeit abkauft. Schauspielerisch gesehen eindeutig der Beste des Casts, sowohl was die Dialoge, als auch die Gestik und Mimik angeht – umso erstaunter stellt man im Interview fest, dass Cassel eigentlich ein humoriger und netter Typ ist, ein Zeichen dafür, dass er seinen Part so überzeugend spielt, dass man ihn auch privat für einen durchgeknallten Psychopathen hält, was freilich nicht stimmt.
Monica Bellucci – Sylvia, die Edel-Kurtisane des hiesigen Bordells, die irgendwie mehr zu sein scheint, als ihr derzeit ausgeübter Beruf vermuten lässt. Die geheimisvolle Schöne spielt eine zwielichtige Rolle und füttert Fronsac mit Informationen, ohne ihm zu verraten, woher sie diese hat – auch ihre Beweggründe bleiben vornehmlich im Dunkeln, mit Ausnahme des offensichtlichen sexuellen Interesses an ihm. Bellucci ist spätestens seit „Asterix & Obelix – Mission Kleopatra“ auch hierzulande ein Begriff, ansonsten hat sie meist neben ihrem Ehemann Vincent Cassel diverse kleinere internationale Rollen gespielt. Immerhin gefällt sie mir hier besser, als in der Rolle Kleopatras, auch wenn sie irgendwo doch eine Schlüsselfigur spielt, beschränkt sich ihr Auftritt hauptsächlich auf die Bordellszenen, aus der Rolle hätte man durchaus auch mehr machen können.
Jeremie Renier – Marquis Thomas d’Apcher, der junge und belesene Enkel des Grafen von Gévaudan, aus seiner Sicht wird die Geschichte erzählt. Er eifert der weltgewandten Art Fronsacs nach und ist massgeblich an der Jagd auf die Bestie beteiligt. Soweit ich weiss, hat Renier bisher noch keine grösseren Engagements gehabt, würde ich diesem sympathischen, jungen Schauspieler jedoch wünschen. Der Knabe hat unbestritten Potential und Talent und ich bin sicher, zumindest in französischen Produktionen wird er in Zukunft häufiger auftreten.
Emilie Dequenne – Marianne de Morangias, des Fieslings Jean-Francois’ Schwesterherz und Objekt der Begierde Fronsacs, die junge, intelligente Adlige, die mit der Rollenverteilung der Gesellschaft im 18. Jh nicht ganz einverstanden ist und sich in Grenzen dagegen auflehnt. Dies ist erst Dequennes zweites grösseres Projekt, auch ihr würde ich weiteren Erfolg auch international gönnen, ihre Leistung ist sehr akzeptabel aber durchaus noch ausbaufähig, sollte sie mal eine Hauptrolle bekommen, bin ich mal gespannt, wie sie sich schlägt.
Umsetzung
Gans sammelt sich aus allen Genres etwas, jagt es durch den Mixer und fügt es zu einer nicht mehr ganz neuen Geschichte, vor dem Hintergrund einer alten Legende wieder zusammen. Die Figuren entsprechen realen Personen und die Story basiert auf wahren Begebenheiten, den Rest hat Gans allerdings fiktiv gestaltet. Dabei setzt er diverse Mittel ein, die in anderen Blockbustern bereits erfolgreich waren: Aus Matrix adaptiert er die Kampfszenen mit SlowMotion und einer an Kung-Fu erinnernden Choreographie (unter Leitung von Philip Kwok, der seinen asiatischen Kampfstil etwas europäisieren musste), das Flair von Sleepy Hollow in Form von Tristesse (das bezieht sich auf das Wetter – es regnet sehr häufig) und einigen Elementen aus diversen Horror-Klassikern, wobei mir spontan Frankenstein oder unzählige Werwolf-Streifen einfallen. Seine schöne Bildkomposition wird von Musik und Sound prima unterstützt – somit kommen die Schock-Effekte auch auf subtile Art zu tragen, auf exzessive Blut & Gekröse-Schlachten verzichtet er fast vollkommen.
Für die Visual Effects bzw. das Bestien-Design zeichnet sich die Crew um Jim Hensons Creature- Shop verantwortlich, die neben den Muppets schon häufig aufwendige TV- und Kinoproduktionen mit ihrem KnowHow bereichert haben. Genannt sei hier unter anderem Der dunkle Kristall, Farscape, Labyrinth, Teenage Mutant Hero Turtles, Ein Schweinchen namens Babe. Im Grossen und Ganzen ist ihre Arbeit zufriedenstellend, sie haben sich als Bestie ein Wesen einfallen lassen, das entfernt an einen Tricaterops-Saurier erinnert, nur ein- zweimal sieht man leider ziemlich deutlich, dass die ansonsten gut animierte Puppe der Bestie digital in den Hintergrund hineinprojeziert wird, schade, solche Patzer sollten den Profis eigentlich nicht passieren (oder liegts am brillianten Bild der DVD, dass dies so deutlich zu Tage tritt?). Mit dieser Ausnahme allerdings kann man ganz gut leben, der Rest ist wirklich gut gemacht. Schuster bleib bei deinen Leisten – Im Bezug auf die Hensons-Group heisst das: Macht weiter unschlagbare, mechatronische Puppen aber überlasst CGI-Effekte lieber solchen Leuten, wie ILM.
Macken in der Handlung gibt’s leider auch einige, so sind manche Sachen ziemlich konfus und erst nach Lesen des Buches bzw. Konsum des Bonusmaterials tritt ein wenig Erhellung ein. Ich hab mir den Film jetzt noch drei Mal intensiv angeschaut, das Flair geht in Ordnung, die Spannung lässt aber an vielen Stellen rapide nach. So sind ein paar Abläufe für mich nicht ganz schlüssig, als Beispiel soll stellvertretend die Rückkehr Fronsacs ins Gévaudan dienen, nachdem er kurzzeitig in Paris weilte: Vorher zeigte Marianne ihm demonstrativ die kalte Schulter, kaum ist er wieder angekommen trifft er sie heimlich (als wäre dies abgesprochen) in einem Bauernhaus, wo sie sich direkt in den Armen liegen...also in der Kinofassung wird nicht geklärt, wie es zu dem gravierenden Beziehungswechsel der beiden kam und ich kratze mich am Kopf. Die Wiedererweckerei von (Beinahe-) Toten ist auch ziemlich übertrieben und soll wohl den Fantasy-Part unterstreichen, wobei ich nicht ganz verstehe warum, denn man gibt sich die Ganze Zeit die Mühe, die Bestie eben nicht als Produkt übernatürlicher Kräfte darzustellen und dann macht man so was? Hmmmm...
Die DVDs / Bonusmaterial
Die Aufteilung in 30 Chapter ist lobenswert, somit findet die Sektorisierung schon mal meine volle Anerkennung, auch das stimmungsvolle, teilanimierte Menü weiss zu gefallen und ist (was leider nicht immer der Fall ist) selbst im 16:9 Modus meines Fernsehers zu bedienen, die Buttons liegen allesamt im mittleren Bildschirmbereich. Von hier aus gelangt man auf Disc 1 entweder in die Kinofassung oder den (längeren) Director’s Cut, bei dem ich lediglich zu beanstanden habe, dass die zusätzlichen Szenen im O-Ton vorliegen und deutsch untertitelt sind. Wahlweise lassen sich auch parallel zum Film diverse Audiokommentare untertitelt abspielen. Trailer und Biographien befinden sich ebenfalls auf dieser Disc. Die Bildqualität ist hervorragend und farblich brilliant, Farbkompression taucht nur sehr selten und beinahe unmerklich auf, man muss schon explizit darauf lauern – während man den Film verfolgt wirken sie sich jedenfalls nicht negativ oder störend aus. Glanzpunkt ist sicher der wuchtige Sound, der in DD 5.1 oder DTS wunderbar und jederzeit ortbar in den Lautsprechern knallt, sofern eine Heimkino-Anlage vorhanden und die Nachbarn taub (oder im Urlaub) sind ;-)
Das restliche Bonusmaterial findet sich auf Disc 2 und weist direkt 2 komplette Dokumentationen auf, die jede mehr als 1 Stunde Hintergrundmaterial und Making Of zum Besten geben, doch damit nicht genug: Die Szenen, welche verlängert oder gekürzt werden mussten erklärt uns Christophe Gans erst haarklein, bevor sie dem Zuschauer dann präsentiert werden – eine Art der Erklärung warum bestimmte Szenen SO und nicht SO in der fertigen Version auftauchen, die sich Gans offensichtlich von George Lucas abgeschaut hat (der macht das bei Episode 1 nämlich ähnlich mit fast den gleichen Argumenten). Sehr informativ das Ganze – vor allem die Dokus zeigen , dass Filme drehen absolut kein Zuckerschlecken ist und die Schauspieler oftmals eine Einstellung wiederholen müssen, obwohl sie an sich ok war, aber dem Regisseur irgendwie nicht in den Kram passte. Die Konzeption von der Entstehung des Films, sprich von der Idee die alte Legende aufzugreifen und daraus einen Film zu machen, bis hin zur Postproduktion der Effekte wird dem Betrachter schön vermittelt. Zwar klopft man sich während der Interviews mal wieder gegenseitig auf die Schulter, doch hält sich das in Grenzen und irgendwie kann ich auch verstehen, warum die Mitwirkenden so stolz auf ihre Leistungen und voll des Lobes füreinander sind. Das Bonusmaterial ist eins der wenigen, das diesen Namen mal wieder verdient.
Fazit
Ich mag den Film, auch wenn er stellenweise sehr dick aufträgt und ein Konglomerat aus verschiedenen Genres und Filmen darstellt, so braucht er sich nicht hinter aufwendigen Hollywood Produktionen zu verstecken. Die Story ist mal was anderes, als der übliche Einheitsbrei und die Schwächen bzw. Längen in der Handlung kann man durchaus verschmerzen, wenn man nicht allzu viel Anspruch an die Logik stellt. Übrig bleibt ein wirklich sehenswerter Abenteuerfilm mit schönen Kostümen, guten Kampfszenen und einer atemberaubenden Kameraführung nebst exzellenter Musik / Sound. Das Bonusmaterial rechtfertigt die Anschaffung der Doppel-DVD erst recht, mal abgesehen vom moderaten Preis. Auch Pakt der Wölfe ist wieder ein Film, der stark polarisiert und ein Teil der Zuschauer wird ihn in den 10. Kreis der Hölle wünschen, die anderen (so auch ich) finden ihn prima. Entweder mal mag ihn oder nicht, dazwischen denke ich gibt’s bei diesem Streifen nichts. In Anbetracht der teils groben Schnitzer in der Handlung bleibt mir beim Pakt leider „nur“ eine GUT Bewertung übrig – Gebt ihm ne Chance ;-)
„...Silberkugeln?! Befürchtet Ihr, die Bestie sei ein...Werwolf?“
Jürgen
Der Steckbrief
- Original-Titel: „Le Pacte des Loups“
Basierend auf einer Volkslegende / Drehbuch von Stephane Cabel - Erscheinungsjahr: 2001 (DVD 2002)
- Vertrieb: Columbia Tristar
- FSK: 16
- Genre: Kostümfilm Thriller / Action
- DVD-Art: Typ 9 (zweischichtig einseitig)
- Menü: interaktiv / teilanimiert
- Spieldauer: ca. 137 Minuten (DC 145 Minuten)
- Kapitel / Chapter : 30
- Bildformat: 16 : 9 Widescreen (2,35 : 1 anamorph)
- Ton: DD 5.1 (beide Sprachen) plus DTS (deutsch)
- Sprachen: 2 (Französisch, Deutsch)
- Untertitel: 4 (Deutsch, Französisch, und für Hörgeschädigte)
- Regie: Christophe Gans
- Produzenten: Samuel Hadida und Richard Granpierre
- Musik: Joseph Lo Duca
- Darsteller: Samuel le Bihan, Vincent Cassel, Emilie Dequenne, Monica Bellucci, Jeremie Renier, Mark Dacascos
Bonusmaterial (Disc 1 + 2) - Directors Cut (Extra-Szenen französisch, untertitelt) – Disc 1
- Kinotrailer – Disc 1
- Biographien Darsteller / Regie - Disc 1
- Audiokommentare Darsteller / Regie – Disc 1
- 2,5 Stunden Dokus (2 Stück) – Disc 2
- Entfallene / verlängerte Szenen, Interviews – Disc 2
- Beilage: 16-seitiges Booklet mit FilmInfos
Die Story
Anno 1766 - Französische, ländliche Provinz Gévaudan mit vornehmlich bäuerlicher und entsprechend abergläubischer Bevölkerung, spärlich besiedelt und von dem weltoffenen Feudalherren Marquis d’Apcher regiert. Eine mysteriöse Bestie reisst seit einiger Zeit Frauen und Kinder, doch flüchtet seltsamerweise vor Männern. Der um seine Bevölkerung besorgte Marquis d’Apcher bittet den König Louis XV. in Paris um Hilfe, der zur Aufklärung und Fang/Präparation der Bestie den Naturforscher, Freigeist und modern denkenden Chevalier (dt. Ritter) Grégoire de Fronsac nebst seinem indianischen Mohawk-Blutsbruder Mani in die abgelegene Provinz entsendet. Fronsac und Mani haben sich auf Fronsacs nicht grade friedlich zu nennenden Reise nach Amerika kennen- und schätzen gelernt. Der stille Mani – der Letzte seines Stammes – den Fronsacs Einheit seinerzeit quasi ausgerottet hat, begleitet seither Fronsac auf allen seinen Wegen. Dass die beiden nicht nur zum Schön- Wetter-Machen gekommen sind, merken die Schergen des lokalen Kommandanten der bisher mit der Jagd auf die Bestie betrauten Söldner recht schnell – da sich die Söldner gegenüber der Landbevölkerung nicht grade freundlich benehmen bekommen sie schon bei deren Ankunft eine saftige Abreibung von Mani, der 6 von ihnen mit bester Matrix-Martial-Arts auseinandernimmt. Nicht unbedingt der Beste Einstand, den die seltsamen Neuankömmlinge dort bieten, bringt ihnen jedoch schon mal einen Heiden-Respekt ein.
Nach der landläufigen Meinung handelt es sich bei der Bestie um einen Wolf, davon sind grade die Adelsleute fest überzeugt, auch wenn überlebende Opfer teils haarsträubende Geschichten und Beschreibungen abgeben. So soll die Bestie die Grösse eines Bären, Stacheln haben, gepanzert sein und Gewehrkugeln trotzen können. Die Untersuchung der Leiche einer kürzlich angefallen Frau und deren Bisswunden, offenbart Fronsac, dass allein ausgehend vom mächtigen Gebiss, dieses „Tier“ schätzungsweise mindestens ein Gewicht von 250 Kilo haben muss – eindeutig zu gross und schwer für einen Wolf, zudem fallen Wölfe nur selten und in Notlage Menschen an. Dennoch lassen sich die teils illustren hohen Herren Gévaudans nicht davon abbringen eine Treibjagd auf alle Wölfe in dem Gebiet zu veranstalten, herzlich sinnlos, wie sich herausstellt: Das Morden geht nämlich die nächsten 3 Monate munter weiter...Fronsac, Mani und der Enkel des alten Marquis, Thomas d’Apcher, müssen die seltsamen Stränge dieses Mysteriums zusammenführen, um die wahre Natur der Bestie herauszufinden und die Schuldigen hinter den Massakern ausfindig zu machen, die ebenfalls Bestien sind...aber dafür überaus menschliche, die buchstäblich über Leichen gehen um ihre fanatischen, politisch/religiösen Ziele durchzusetzen...
Die Darsteller
Samuel le Bihan – Chevalier Grégoire de Fronsac, er soll das Geheimnis der Bestie klären und sie präpariert nach Paris an den königlichen Hof bringen. Er ist ein aufgeschlossener und modern denkender Mensch, der sich zudem von Mani in dessen Kampfkunst hat unterweisen lassen, was ihn zu einem harten Gegner macht, doch lieber setzt er die Kraft des Geistes und der Logik vor den Einsatz von Gewalt. Bihan ist ausserhalb Frankreichs nicht besonders bekannt, gefällt mir aber als Ritter von der teils traurigen Gestalt sehr gut.
Mark Dacascos – Mani, seines Zeichens Mohawk- Indianer und recht stiller Begleiter Fronsacs, er steht gemäss der Philosophie eines Volkes im Einklang mit der Natur und den Tieren, was die beiden im Endeffekt zur Bestie bringt. Er erweist sich als tougher Kämpfer, geheimnisvoller Heiler und wirkt zivilisierter, als die Adelsleute, die ihn als „Wilden“ schmähen. Der in Hawaii geborene Dacascos sorgt für die meiste Action im Pakt der Wölfe, seine Martial-Arts Einlagen sind überaus sehenswert. Dies ist nach „Crying Freeman – Der Sohn des Drachen“ schon der zweite Film, bei dem Dacascos für Christophe Gans arbeitet, besser bekannt ist er allerdings aus der TV-Serie „The Crow“, wo er den Hauptrolle und Part des leider zu früh verstorbenen Brandon Lee übernimmt.
Vincent Cassel – Jean-Francois de Morangias, schon wenn man ihn zum ersten Mal sieht, gewinnt man den Eindruck, dass diese Figur irgendwie nicht ganz koscher zu sein scheint. Ein Veteran, der in Afrika vorgeblich seinen rechten Arm verlor und sich durch Zynismus hervortut. Cassel hat bereits auch kleinere Rollen ausserhalb Frankreichs gespielt, hier trumpft er als psychotischer Adeliger auf, den man ihm zu jeder Zeit abkauft. Schauspielerisch gesehen eindeutig der Beste des Casts, sowohl was die Dialoge, als auch die Gestik und Mimik angeht – umso erstaunter stellt man im Interview fest, dass Cassel eigentlich ein humoriger und netter Typ ist, ein Zeichen dafür, dass er seinen Part so überzeugend spielt, dass man ihn auch privat für einen durchgeknallten Psychopathen hält, was freilich nicht stimmt.
Monica Bellucci – Sylvia, die Edel-Kurtisane des hiesigen Bordells, die irgendwie mehr zu sein scheint, als ihr derzeit ausgeübter Beruf vermuten lässt. Die geheimisvolle Schöne spielt eine zwielichtige Rolle und füttert Fronsac mit Informationen, ohne ihm zu verraten, woher sie diese hat – auch ihre Beweggründe bleiben vornehmlich im Dunkeln, mit Ausnahme des offensichtlichen sexuellen Interesses an ihm. Bellucci ist spätestens seit „Asterix & Obelix – Mission Kleopatra“ auch hierzulande ein Begriff, ansonsten hat sie meist neben ihrem Ehemann Vincent Cassel diverse kleinere internationale Rollen gespielt. Immerhin gefällt sie mir hier besser, als in der Rolle Kleopatras, auch wenn sie irgendwo doch eine Schlüsselfigur spielt, beschränkt sich ihr Auftritt hauptsächlich auf die Bordellszenen, aus der Rolle hätte man durchaus auch mehr machen können.
Jeremie Renier – Marquis Thomas d’Apcher, der junge und belesene Enkel des Grafen von Gévaudan, aus seiner Sicht wird die Geschichte erzählt. Er eifert der weltgewandten Art Fronsacs nach und ist massgeblich an der Jagd auf die Bestie beteiligt. Soweit ich weiss, hat Renier bisher noch keine grösseren Engagements gehabt, würde ich diesem sympathischen, jungen Schauspieler jedoch wünschen. Der Knabe hat unbestritten Potential und Talent und ich bin sicher, zumindest in französischen Produktionen wird er in Zukunft häufiger auftreten.
Emilie Dequenne – Marianne de Morangias, des Fieslings Jean-Francois’ Schwesterherz und Objekt der Begierde Fronsacs, die junge, intelligente Adlige, die mit der Rollenverteilung der Gesellschaft im 18. Jh nicht ganz einverstanden ist und sich in Grenzen dagegen auflehnt. Dies ist erst Dequennes zweites grösseres Projekt, auch ihr würde ich weiteren Erfolg auch international gönnen, ihre Leistung ist sehr akzeptabel aber durchaus noch ausbaufähig, sollte sie mal eine Hauptrolle bekommen, bin ich mal gespannt, wie sie sich schlägt.
Umsetzung
Gans sammelt sich aus allen Genres etwas, jagt es durch den Mixer und fügt es zu einer nicht mehr ganz neuen Geschichte, vor dem Hintergrund einer alten Legende wieder zusammen. Die Figuren entsprechen realen Personen und die Story basiert auf wahren Begebenheiten, den Rest hat Gans allerdings fiktiv gestaltet. Dabei setzt er diverse Mittel ein, die in anderen Blockbustern bereits erfolgreich waren: Aus Matrix adaptiert er die Kampfszenen mit SlowMotion und einer an Kung-Fu erinnernden Choreographie (unter Leitung von Philip Kwok, der seinen asiatischen Kampfstil etwas europäisieren musste), das Flair von Sleepy Hollow in Form von Tristesse (das bezieht sich auf das Wetter – es regnet sehr häufig) und einigen Elementen aus diversen Horror-Klassikern, wobei mir spontan Frankenstein oder unzählige Werwolf-Streifen einfallen. Seine schöne Bildkomposition wird von Musik und Sound prima unterstützt – somit kommen die Schock-Effekte auch auf subtile Art zu tragen, auf exzessive Blut & Gekröse-Schlachten verzichtet er fast vollkommen.
Für die Visual Effects bzw. das Bestien-Design zeichnet sich die Crew um Jim Hensons Creature- Shop verantwortlich, die neben den Muppets schon häufig aufwendige TV- und Kinoproduktionen mit ihrem KnowHow bereichert haben. Genannt sei hier unter anderem Der dunkle Kristall, Farscape, Labyrinth, Teenage Mutant Hero Turtles, Ein Schweinchen namens Babe. Im Grossen und Ganzen ist ihre Arbeit zufriedenstellend, sie haben sich als Bestie ein Wesen einfallen lassen, das entfernt an einen Tricaterops-Saurier erinnert, nur ein- zweimal sieht man leider ziemlich deutlich, dass die ansonsten gut animierte Puppe der Bestie digital in den Hintergrund hineinprojeziert wird, schade, solche Patzer sollten den Profis eigentlich nicht passieren (oder liegts am brillianten Bild der DVD, dass dies so deutlich zu Tage tritt?). Mit dieser Ausnahme allerdings kann man ganz gut leben, der Rest ist wirklich gut gemacht. Schuster bleib bei deinen Leisten – Im Bezug auf die Hensons-Group heisst das: Macht weiter unschlagbare, mechatronische Puppen aber überlasst CGI-Effekte lieber solchen Leuten, wie ILM.
Macken in der Handlung gibt’s leider auch einige, so sind manche Sachen ziemlich konfus und erst nach Lesen des Buches bzw. Konsum des Bonusmaterials tritt ein wenig Erhellung ein. Ich hab mir den Film jetzt noch drei Mal intensiv angeschaut, das Flair geht in Ordnung, die Spannung lässt aber an vielen Stellen rapide nach. So sind ein paar Abläufe für mich nicht ganz schlüssig, als Beispiel soll stellvertretend die Rückkehr Fronsacs ins Gévaudan dienen, nachdem er kurzzeitig in Paris weilte: Vorher zeigte Marianne ihm demonstrativ die kalte Schulter, kaum ist er wieder angekommen trifft er sie heimlich (als wäre dies abgesprochen) in einem Bauernhaus, wo sie sich direkt in den Armen liegen...also in der Kinofassung wird nicht geklärt, wie es zu dem gravierenden Beziehungswechsel der beiden kam und ich kratze mich am Kopf. Die Wiedererweckerei von (Beinahe-) Toten ist auch ziemlich übertrieben und soll wohl den Fantasy-Part unterstreichen, wobei ich nicht ganz verstehe warum, denn man gibt sich die Ganze Zeit die Mühe, die Bestie eben nicht als Produkt übernatürlicher Kräfte darzustellen und dann macht man so was? Hmmmm...
Die DVDs / Bonusmaterial
Die Aufteilung in 30 Chapter ist lobenswert, somit findet die Sektorisierung schon mal meine volle Anerkennung, auch das stimmungsvolle, teilanimierte Menü weiss zu gefallen und ist (was leider nicht immer der Fall ist) selbst im 16:9 Modus meines Fernsehers zu bedienen, die Buttons liegen allesamt im mittleren Bildschirmbereich. Von hier aus gelangt man auf Disc 1 entweder in die Kinofassung oder den (längeren) Director’s Cut, bei dem ich lediglich zu beanstanden habe, dass die zusätzlichen Szenen im O-Ton vorliegen und deutsch untertitelt sind. Wahlweise lassen sich auch parallel zum Film diverse Audiokommentare untertitelt abspielen. Trailer und Biographien befinden sich ebenfalls auf dieser Disc. Die Bildqualität ist hervorragend und farblich brilliant, Farbkompression taucht nur sehr selten und beinahe unmerklich auf, man muss schon explizit darauf lauern – während man den Film verfolgt wirken sie sich jedenfalls nicht negativ oder störend aus. Glanzpunkt ist sicher der wuchtige Sound, der in DD 5.1 oder DTS wunderbar und jederzeit ortbar in den Lautsprechern knallt, sofern eine Heimkino-Anlage vorhanden und die Nachbarn taub (oder im Urlaub) sind ;-)
Das restliche Bonusmaterial findet sich auf Disc 2 und weist direkt 2 komplette Dokumentationen auf, die jede mehr als 1 Stunde Hintergrundmaterial und Making Of zum Besten geben, doch damit nicht genug: Die Szenen, welche verlängert oder gekürzt werden mussten erklärt uns Christophe Gans erst haarklein, bevor sie dem Zuschauer dann präsentiert werden – eine Art der Erklärung warum bestimmte Szenen SO und nicht SO in der fertigen Version auftauchen, die sich Gans offensichtlich von George Lucas abgeschaut hat (der macht das bei Episode 1 nämlich ähnlich mit fast den gleichen Argumenten). Sehr informativ das Ganze – vor allem die Dokus zeigen , dass Filme drehen absolut kein Zuckerschlecken ist und die Schauspieler oftmals eine Einstellung wiederholen müssen, obwohl sie an sich ok war, aber dem Regisseur irgendwie nicht in den Kram passte. Die Konzeption von der Entstehung des Films, sprich von der Idee die alte Legende aufzugreifen und daraus einen Film zu machen, bis hin zur Postproduktion der Effekte wird dem Betrachter schön vermittelt. Zwar klopft man sich während der Interviews mal wieder gegenseitig auf die Schulter, doch hält sich das in Grenzen und irgendwie kann ich auch verstehen, warum die Mitwirkenden so stolz auf ihre Leistungen und voll des Lobes füreinander sind. Das Bonusmaterial ist eins der wenigen, das diesen Namen mal wieder verdient.
Fazit
Ich mag den Film, auch wenn er stellenweise sehr dick aufträgt und ein Konglomerat aus verschiedenen Genres und Filmen darstellt, so braucht er sich nicht hinter aufwendigen Hollywood Produktionen zu verstecken. Die Story ist mal was anderes, als der übliche Einheitsbrei und die Schwächen bzw. Längen in der Handlung kann man durchaus verschmerzen, wenn man nicht allzu viel Anspruch an die Logik stellt. Übrig bleibt ein wirklich sehenswerter Abenteuerfilm mit schönen Kostümen, guten Kampfszenen und einer atemberaubenden Kameraführung nebst exzellenter Musik / Sound. Das Bonusmaterial rechtfertigt die Anschaffung der Doppel-DVD erst recht, mal abgesehen vom moderaten Preis. Auch Pakt der Wölfe ist wieder ein Film, der stark polarisiert und ein Teil der Zuschauer wird ihn in den 10. Kreis der Hölle wünschen, die anderen (so auch ich) finden ihn prima. Entweder mal mag ihn oder nicht, dazwischen denke ich gibt’s bei diesem Streifen nichts. In Anbetracht der teils groben Schnitzer in der Handlung bleibt mir beim Pakt leider „nur“ eine GUT Bewertung übrig – Gebt ihm ne Chance ;-)
„...Silberkugeln?! Befürchtet Ihr, die Bestie sei ein...Werwolf?“
Jürgen
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