Riptide (Taschenbuch) / Douglas Preston, Lincoln Child Testbericht

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Erfahrungsbericht von catmother

Eine Pirateninsel, ein Schatz und viele rätselhafte Tode

Pro:

spannend, gute Mischung aus Abenteuer und Wissenschaft, sympathische Hauptfigur

Kontra:

im Grunde nichts

Empfehlung:

Ja

Ach, da habe ich ja noch einige der Bücher aus meiner Urlaubslektüre-Serie nachzuholen, die noch in meinem Notizbuch schlummern. Dieses beiden Autoren - und ich hab da sogar noch eines von denen gelesen - waren eine echte Entdeckung in der kleinen Bibliothek der Tauchbasis. Bisher hatte ich noch nie was von denen gehört, obwohl mir die Verfilmung eines ihrer Bücher doch sehr bekannt war.

Genug der Vorrede, nun ich will euch das Buch endlich vorstellen.


** Die Geschichte **
1790 strandet der Fischer Simon Rutter durch einen Sturm und eine Riptide (eine Rückströmung) auf der Insel Ragged Island. Er untersucht die unbewohnte Insel und entdeckt einen Flaschenzug über einem eingesunkenen Boden. Als er später mit seinem Bruder wiederkommt, fangen sie an zu graben und stoßen auf diverse Plattformen aus Eichenbohlen in dem Loch. In 30 Meter Tiefe geraten sie an eine alte Steinplatte, die eine Inschrift trägt: „Mit Lügen begonnen. In Schmerzen zerronnen. Den Tod nur gewonnen.“
Trotz dieser Warnung entfernen sie die Platte und sofort läuft der bisher gegrabene Schacht voll Wasser, wobei Simon Rutter dabei stirbt.
Fortan wird dieser vollgelaufene Schacht die Wassergrube genannt und es rankt sich eine Legende darum: hier soll der Pirat Edward Ockham vor seinem Tod einen Schatz vergraben haben, auf dem seitdem ein Fluch liegt.

Im Laufe der Jahre und Jahrhunderte versuchten verschiedene Unternehmen, das Wasserloch wieder trocken zu legen. Dazu wurden verschiedene Schächte gegraben, um an den ursprünglichen heranzukommen. Aber alle Firmen gingen früher oder später Pleite.
Am Ende war die Insel durchlöchert wie ein Schweizer Käse, mit Sprengstoff angereichert und um einige Tote reicher. Und geriet allmählich in Vergessenheit.
Bis sie 1940 von Alfred Westgate Hatch Senior gekauft wurde, einem Finanzier aus New York, der ebenfalls Pleite ging.
1970 fuhren die beiden gelangweilten Enkel des alten Hatch, Johnny und Malin, auf die Insel. Sie fanden an einer Abbruchstelle am Ufer den Eingang zu einem Stollen, kletterten hinein bis zu einer Holztür mit einem Siegel. Während Malin aus Angst zurückbleibt, öffnet Johnny die Tür - und verschwindet spurlos. Nur eine Lache Blut zeigt, daß etwas Furchtbares passiert sein muß.


25 Jahre später arbeitet Malin Hatch in einem Labor in Cambridge, nur weit weg von New Hampshire, und hat erfolgreich seine Vergangenheit hinter sich gelassen.
Eines Tages wird er von einem Kapitän Gerard Neidelman aufgesucht, der ihm einen abenteuerlichen Plan offenbart: er will mit seiner Bergungsfirma den Schatz von Ragged Island suchen und heben.
Hatch lehnt sofort ab, überlegt es sich aber dann doch anders. Angeblich hat Neidelmann nämlich Informationen über den Schatz, über die bisher keiner verfügte - das Tagebuch des Erbauers der Grube. Das war ein Mann namens Sir William Macallan, ein Architekt und genialer Kirchenbauer. Sein Schiff wurde auf dem Weg nach Mexiko von Pirat Ockham gekapert, er gefangen genommen und vermutlich zum Bau eines perfekten und absolut sicheren Versteckes für einen Schatz gezwungen. Macallan schrieb dieses Tagebuch auf die Seiten eines Lehrbuches über Kirchenbau mit unsichtbarer Tinte, und zwar mit einem Code. Teil 1 wurde von Neidelmans Mannschaft entschlüsselt, für Teil 2 fehlt noch der Schüssel.
Der Schatz ist nach heutigem Maßstab vermutlich 2 Mrd. Dollar wert, nicht mitgerechnet das legendäre St.-Michaels-Schwert, das angeblich Ockhams wertvollster Besitz war.

Hatch erklärt sich mit der Suche einverstanden und wird selbst bei der Suche als Arzt dabei sein. Nun kehrt er erstmals nach 25 Jahren nach Stormhaven zurück, wo er eine alte Liebe, Kameraden und viele schmerzliche Erinnerungen ließ.
Kurz darauf werden 6 Schiffe in Stellung gebracht, die durchlöcherte Insel gesichert, Baracken gebaut und ein Netzwerk eingerichtet. Auf den Schiffen hat sich eine Gruppe von fähigen Individualisten und Spezialisten eingefunden - vom Archäologen bis zum Kryptologen.

Schon einen Tag später geschieht das erste Unglück, als einer der Vermesser in einem der Stollen eingeklemmt wird und das Wasser wieder steigt. Hatch kann ihn nur retten, indem er ihm beide Beine amputiert. Auch gibt es seltsame und völlig unerklärliche Ausfälle des Computernetzwerks.
Mittlerweile kommt es auch noch zum Dauerstreit zwischen dem Kryptologen Kerry Wopner und dem Historiker St. John um den scheinbar unknackbaren Code des zweiten Teils von Macallans Tagebuch.
Als es gelingt, die 5 Stollen zur Wassergrube zu finden und ihre Zuflüsse vom Meer zu sprengen, scheint die Trockenlegung in greifbarer Nähe. Doch schon bald laufen sie wieder voll. Macallan scheint an alles gedacht zu haben.

Gleichzeitig mit den Misserfolgen formiert sich im Dorf der Widerstand gegen diese Unternehmung und die Fremden. Angestachelt wird sie von dem erzkonservativen und verstockten Pastor Clay, dem Ehemann von Hatch’s einstiger Liebe Claire, der vor allem gegen die Gier nach Geld wettert.

Auf der Insel findet die Taucherin und Anthropologin Bonterre nicht nur die Überreste eines Dammes, der ihr offenbart, wie die Wassergrube gebaut wurde, sondern auch noch eine verschüttete Siedlung, die offensichtlich das Piratennest von Ockhams Leuten war und ein Massengrab, wobei die Leichen skorbutähnliche Symptome aufweisen.

Mit Hilfe eines neuen Kofferdammes gelingt es endlich, den Bereich um das Schatzversteck trockenzulegen.
Bei einigen von Neidelmans Männern zeigen sich diffuse Krankheitserscheinungen, die Hatch nicht einordnen kann.
Und bei der Anbringung von Sensoren in den Stollen wird Wopner von einer der eingebauten Fallen zu Tode zerquetscht

Allmählich wird klar, daß man noch lange nicht in der Nähe des Schatzes sind.


** Buchkritik **
Dies ist das erste Buch, das ich von diesem Autorenduo in die Hände bekam und es macht wirklich Lust auf mehr.

Was mir gut gefallen hat.
Der Thriller ist durchgehend gut geschrieben, wobei es die Autoren verstanden haben, mehrere Themen geschickt miteinander zu verbinden: eine für Leser immer spannende Schatzsuche, Wissenschaft und Mystik sowie Geschichte.
Schon der Vorspann mit den mysteriösen Geschehnissen auf der Insel läßt einen Fluch oder ähnliches vermuten und man ist als Leser sehr gespannt zu erfahren, was mit Malins Bruder geschehen ist.
Mit Hatch hat die Geschichte eine sympathische Hauptfigur mit Prinzipien, Sinn für Verantwortung und auch Zweifeln. Und vor allem läßt er sich nicht übereilt auf eine billige Liebesgeschichte mit Bonterre ein, was ihn noch sympathischer macht. Dies ist so eine Sache, die mich an den meisten Romanen oder Filmen stört: um ein bisschen Erotik, Sex oder auch nur den Aspekt Liebe in einer Geschichte abzuhaken, konstruieren die Autoren unglaubwürdige Beziehungen und nennen es gleich Liebe.
Interessant ist zudem auch, wie die Autoren eine Änderung der Charaktere ihrer Figuren durch die Nähe von Gold und Geld konzipiert haben.

Der Roman ist anspruchsvoll. Man kann hier fast durchgehend sein technisches Wissen in Anwendung bringen, was die Details der Schatzsuche betrifft. Und gleichzeitig kriegt man interessante Informationen, was heute technisch alles möglich ist, wen man das Geld dazu hat. Außerdem erfährt der Leser viele geschichtliche Einzelheiten zum Mittelalter, zur Architektur, sogar über Kryptologie. Damit bekommt der Thriller eine Art populärwissenschaftlichen Touch.

Trotzdem ist er ebenso ungeheuer spannend, weil auch mysteriöse Aspekte eine Rolle spielen: Computer, die ohne Erklärung verrückt spielen, seltsame Unfälle und Krankheiten, ein rätselhaftes Massengrab... Allerdings dürfte es selbst „Gläubigen“ schwer fallen zu glauben, ein Fluch könnte einen PC lahm legen. Aber das bringt einen zu der wirklich fesselnden Frage, wo da die Lösung liegt. Ich gestehe, selbst ich als Thriller- und Grusel-Kenner war am Ende meines Lateins.

Die sich langsam steigernde Spannung des Buches wird durch eine undurchsichtige Handlungsführung erzeugt, wobei die wissenschaftlichen Elemente zwischen all der Erwartung immer wieder zu einer kurzen Entspannung führen, gleichzeitig aber eben auch das Gehirn des Lesers in Anspruch nehmen.

Am Schluß gibt es einen ziemlichen Showdown, der die Nerven ganz schön strapaziert, zumal man ja auch wissen will, ob es gelingt den Schatz zu heben.
So fällt auch das Ende zwar logisch, aber auch ziemlich enttäuschend aus.


** Die Autoren **
Douglas Preston wurde 1956 in Cambridge, Massachusetts geboren. Er studierte Mathematik, Physik, Anthropologie, Biologie, Chemie, Geologie, Astronomie und englische Literatur. Schließlich begann er mit seiner Tätigkeit als Autor und arbeitete am Naturgeschichtlichen Museum in New York, wo er auch die Idee für „Relic“ hatte.
Lincoln Child wurde 1957 in Westport, Connecticut geboren, begann er bereits früh, Geschichten zu schreiben. Bis 1988 arbeitete er dem Verlag St. Martins Press. Als er diesen schließlich verließ, schrieb er mit Douglas Preston den Thriller „Relic“ und arbeitet heute hauptberuflich als Schriftsteller.


** Meine Meinung **
Ich habe danach noch ein weiteres Buch von diesen Autoren gelesen, was ich übrigens auch noch besprechen werde, und die Verfilmung eines ihrer Thriller gesehen. Da möchte ich fast sagen, dieses hier hat mir am besten gefallen. Es überzeugt durch eine gute Mischung aus Abenteuerroman und Wissenschaftsthriller und bietet spannende Unterhaltung, eine anspruchsvolle Geschichte in einer gut gestalteten mystischen Atmosphäre.
Deshalb bekommt es meine uneingeschränkte Empfehlung.


** Daten **
Knaur Verlag
Originaltitel: Riptide
Übersetzung aus d. Amerikan.: Thomas A. Merk
Taschenbuch 504 Seiten
Preis: 9,90 Euro
ISBN: 3426619148

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