Reine Nervensache (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von catmother

Wenn die Mafia zum Psychiater muß

Pro:

witzig, zwei glänzende Darsteller

Kontra:

man muß bei manchen Dialogen zweimal hinhören

Empfehlung:

Ja

Diesmal gibt es wieder von mir einen TV-Tip für heute abend, falls sich das Wetter tatsächlich so verschlechtert wie vorhergesagt. Nehmt euch eine Tüte Popcorn oder Chips und zieht euch diese absurde Komödie rein.


** Die Story **
Paul Vitti (Robert de Niro) ist einer der Bosse, die die Unterwelt von New York regieren. Eines Tages wird sein Mentor und Ziehvater Manetta Opfer der Konkurrenzkämpfe um die Vorherrschaft in der Stadt. Das eigentliche Ziel war wohl Vitti selbst. Jeder weiß ja, dass Primo Sindone (Chazz Palminteri) die Position Vittis übernehmen will.

Und das alles verkraftet Paul offenbar nicht. Jetzt leidet er an Schlafstörungen, Panikattacken und Erektionsproblemen. Doch so etwas ist für einen echten Italiener und Macho nicht akzeptabel. Und schon gar nicht für einen Mafioso. Wenn das jemand erfährt, kann Vitti gleich den Löffel abgeben. Zumal eine große Versammlung ins Haus steht, zu der er unbedingt wieder fit sein muß.
Ein Doktor muß her!

Zum Glück hat seine „Rechte Hand“ Jelly (Joseph Viterelli) jenen Arzt nicht gleich abgeknallt, der neulich abends in einem unbedachten Moment auf den Mafia-Wagen geknallt ist. Nun ja, das hätte auch sicher dumm ausgehen können, denn im Kofferraum des Familienwagens befand sich ein Deliquent. Also, wurde der kleine Schaden erstmal vergeben.

Der muß jetzt helfen und das angekratzte Selbstbewusstsein des Paten wieder aufpolieren. Es darf nur keiner erfahren, dass der große Vitti zu einem Kopfdoktor rennt. Also erfindet er kurzerhand einen Freund, der Probleme hat und findet es toll und sehr scharfsinnig, dass der Psychiater Ben Sobol (Billy Crystal) sofort erkennt, dass es sich dabei um Vittis eigenen Schwierigkeiten handelt. So toll, dass er von nun an wie eine Klette an ihm hängt.
Doch Sobol hat keine großen Ambitionen, solch einen fragwürdigen Patienten an Land zu ziehen. Außerdem ist er gerade in den letzten Vorbereitungen für seine Hochzeit. Und zu guter Letzt ist das FBI auf den „neuen Mann“ in Vittis Familie aufmerksam geworden.


** Filmkritik **
Eigentlich bin ich keine Freund von diesen Mafia-Filmen. Aber dieser hier ist von besonderer Art. Nicht nur, daß eine ganze Generation von Paten entthront wird, am Ende hat man richtig Mitleid mit diesem armen Gangster, der doch auch nur ein Mensch ist und eben Hilfe braucht. Reichlich schizophren, nicht wahr?

Die Rolle des nervenschwachen Mafioso konnte keiner besser spielen als Robert de Niro. Er, der oft genug eiskalt und die italienische Rache vollziehend in zahlreichen Mafiafilmen den harten Mann spielte (ich denke da nur an \"Der Pate II\", \"Goodfellas\" oder \"Die Unbestechlichen\"), parodiert hier genüßlich sein eigenes Image. Einfach zum Schreien, wenn er wie ein Schoßhund heult, weil er keinen mehr hochkriegt und der Doktor ihn dann auch noch ignorieren will.

Allerdings hat er mit Billy Crystal einen wahrlich ebenbürtigen und urkomischen Gegner. Die Wortgefechte, die sich hier beide liefern, sind so hintersinnig und spritzig, daß man von einem Lachanfall in den anderen kommt. (Eigentlich war er sogar noch besser, als ich ihn mir ein zweites Mal angeschaut habe.) Vor allem die analytischen Dialoge von de Niro und Crystal sind absolut köstlich.
Die beiden sind einfach ein Traumpaar und man fragt sich, warum die nicht schon vorher mal zusammen gespielt haben. Jedenfalls merkt man ihnen an, daß sie bei diesem Film wohl viel Spaß gehabt haben müssen.

Von den anderen Darstellern blieb mir noch Joseph Viterelli als Vittis Leibwächter Jelly in Erinnerung. Der scheint auch auf Mafiarollen festgelegt zu sein. (Erst neulich sah ich ihn als Mitglied der Morolto-Familie in „Die Firma“.) Als etwas trotteliger, aber vollkommen loyaler und mitleidiger WauWau seines Herrn ist er ziemlich komisch („Welches Sandwich trägt nicht so auf?“ Antwort Viterelli: „Ein halbes Sandwich.“)

Der für mich beste Dialog war aber der: Primo Sindone gibt seinen zwei Männern für’s Grobe die Anweisung, Vitti umzubringen. „Bringt mir sein herausgerissenes Herz!“ Der eine Gangster: „Ich servier es dir auf einem Tablett, Primo.“ Der andere Gangster: „Wo kriegen wir ein Tablett her?“


** Mein Fazit **
Ein urkomischer, kurzweiliger Film, der auch eingefleischte Mafiosi-Fans begeistern wird.


** Daten **
USA 1999
Genre: Komödie
Originaltitel: Analyze This!
Regie: Harold Ramis
FSK: 12

26 Bewertungen, 1 Kommentar

  • mima007

    10.06.2004, 18:47 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    mich schon drauf, wenn er heut gezeigt wird. VG, mima