Der Vorleser (Taschenbuch) / Bernhard Schlink Testbericht

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Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
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Erfahrungsbericht von nikosternchen
Locker , leicht und schwer verdaulich
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
FEED YOUR HEADS, so das Motto der Aktion von Espionne und Blankattack. Seinen kopf kann man mit unterschiedlichen Dingen füttern, ich entschied mich letztens für ein Werk das laut Spiegel als „literarisches Ereignis“ beschrieben wurde. Große Worte die natürlich auch große Erwartungen mit sich bringen.
DER VORLESER...
Michael Berg ist unser Hauptprotagonist. Im Alter von 15 leidet er lange an Gelbsucht und konnte aufgrund dessen nicht zur Schule gehen. Irgendwann wollte er frische Luft schnappen und geht auf die Straße. Dort wird ihm übel und er muss sich übergeben. Eine Frau eilt heran und hilft ihm, stützt ihn und wäscht ihm sein Gesicht.
So lernt er Hanna kennen...
Er ging noch einmal zu ihr um sich mit einem Blumenstrauß zu bedanken. Es geschehen ein paar intensive Erlebnisse zwischen den beiden und irgendwann war Michael Hanna gänzlich verfallen.
Hanna ist ca. 20 Jahre älter, eine Frau Mitte 30, alleinstehend, energisch, zickig , schwierig, durchschnittlich schön....
Die beiden erleben einen Sommer machen es sich zum Ritual das Michael nachmittags zu ihr geht, sie lässt sich von ihm die große Literatur vorlesen, danach badet sie ihn und dann lieben sie sich.
Michael weiß eigentlich rein gar nichts über diese Frau. Sie erzählt nicht was sie macht wenn er nicht da ist, er trifft sie nie zufällig auf der Strasse. Sie ist Straßenbahnschaffnerin, und als er sie einmal überraschen wollte und morgens um 4 zu ihr in den Zug steigt , ignoriert sie ihn völlig.
Die „Beziehung“ zeigt ein klares Schema auf, Michael erniedrigt sich förmlich um ihr zu gefallen, um ihr alles recht zu machen.
Eines Tages trifft er sie noch einmal per Zufall im Freibad. Sie sehen sich an, als er dann zu ihr gehen will und eine Sekunde wegschaut ist sie verschwunden. Das war das letzte mal das er Hanna sah. Von ihrem Vermieter und ihrer Arbeitsstelle erfuhr er das sie Hals über Kopf beides gekündigt hatte und verschwunden ist. Sie ist verschwunden und sie bleibt es auch.
Michael geht daran fast zu Grunde, seine Gefühle werden taub. Wochenlang war ihm schlecht, er konnte sich nicht konzentrieren
Michael studiert nun, er ist mittlerweile Mitte zwanzig und in Rahmen seines Studiums sitzt er im Zuschauerraum eines Prozesses. Angeklagt sind Aufseherinnen und Wärterinnen eines Außenlagers von Auschwitz. Unter ihnen Hanna. Er erkennt sie sofort...
Die Wärterinnen „selektierten“ wöchentlich 60 Frauen zurück nach Auschwitz, was für diese den sicheren Tod bedeutete. Das war aber nicht der einzigste Anklagepunkt, die Anklageschrift war viel länger, so lang das 1,5 Tage ins land strichen um jeden einzelnen Punkt aufzuzählen.
Unter anderem sollen die Wärterinnen ihre „Schützlinge“ in einer Bombennacht in eine Kirche eingesperrt haben. Die Bomben fielen, ein mächtiges Tohuwabohu entstand und der Kirchturm wurde getroffen. Der Dachstuhl der Kirche brach zusammen , die Frauen in der Kirche erstickten nicht am Qualm, sie verbrannten alle bei lebendigem Leib. Die Schreie mussten zu hären gewesen sein, aber keine der Wärterinnen schloss auf, auch nicht Hanna.
Michael wird in dem Prozess klar das Hanna Analphabetin ist und sie aufgrund dessen so sehr schämt das sie lieber Straftaten zugibt als diesen Makel. Ihm wird vieles klar, auch was damals in ihrer Beziehung gelaufen ist, auch damals sind einige böse Dinge gelaufen die auf ihren Analphabetismus zurückzuführen sind.
Hanna bekommt eine Lebenslange Haftstrafe...
Michael heiratet,...
und an dieser Stelle beginnt der dritte und letzte Teil des Buches. Ich möchte aber nicht das Ende verraten !
GEFÜHLE ZU DEM BUCH
Heftig, heftig.... Wenn ich jetzt über die Worte „ ein literarisches Ereignis „ Nachdenke dann kann ich dem Spiegel nur ohne Einschränkung zustimmen. Was zu beginn sachte beginnt , den Leser dann glauben lässt dass das Hauptthema meinetwegen der sexuelle missbrauch von Kindern wäre gerät in einen richtigen Strudel. Das Buch ist in der Ich –Form von Michael erzählt, was einerseits die Näh zu ihm und auch zu Hanna mit sich bringt aber dennoch oft so nüchtern und gefühllos erzählt wird als würde Michael irgendwie daneben stehen und nur alles aus der Ferne beobachten.
Einerseits verspürt man Verständnis für ihn. Als Junge liebte er Hanna, oder sollte man vielmehr sagen er war dieser Frau hörig? Im Prozess allerdings betont er immer wieder das er ihr gegenüber nichts spürt. Trotzdem verteidigt er sie innerlich, trotzdem hält er sie für nicht schuldig. Auch wenn sie durch ihr Verdecken des Analphabetismus mehr Schuld auf sich nimmt als sie hatte, ist die Anklage des Mordes, der Selektion etc. doch nicht von der hand zu weisen.
Interessanterweise schlagen die Sympathien im Buch ziemlich um . Am Anfang fühlt man ehr für Michael, der einer 20 Jahre älteren hörig ist, erniedrigt und gedemütigt wird. Am Ende hingegen sehe ich ehr Hanna als Opfer, als gebranntes Kind, als unwissende und teils auch Unschuldige.
MEINE MEINUNG
In diesem kleinen Büchlein werden gleich mehrere sehr krasse Themen unter Beschuss genommen. Einerseits die Hörigkeit und sexuelle Abhängigkeit eines Minderjährigen gegenüber einer Frau. Des weitern der Analphabetismus. Auch hier wird klar vor Augen geführt was er bedeutet und wie sich ein Analphabet fühlt. Und zum 3. die Schuldfrage der Wärterinnen. Die Frage nach dem Warum und Wieso, danach ob jeder so gehandelt hätte oder ob es Alternativen gab.
Mächtig viel Inhalt für gerade mal 206 Seiten. Aber in keiner Sekunde würde ich behaupten das dieses Buch überladen oder unglaubhaft wirkt. Die klare und sehr effektive Gliederung in drei Teile, die am Ende wieder ein Insgesamtes ergeben ist geradezu genial.
FAKTEN
Bernhard Schlink
Diogenes Verlag
206 Seiten
Taschenbuch 7,90 €
ISBN: 3-257-22935-4
In mittlerweile 34 Sprachen übersetzt.
FAZIT
Ein Roman der zunächst leicht wirkt, schnell und einfach zu lesen ist aber ziemliche Nachwirkungen hat. Durch die Kürze gibt er einem Schnellleser kaum die Möglichkeit zwischenzeitlich mal ein bisschen zu verdauen. Dennoch kann ich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Ich halte es für eines der inhaltlich besten Bücher die ich je gelesen habe und ich habe VIEL gelesen .
Viele Grüße Nikolina
DER VORLESER...
Michael Berg ist unser Hauptprotagonist. Im Alter von 15 leidet er lange an Gelbsucht und konnte aufgrund dessen nicht zur Schule gehen. Irgendwann wollte er frische Luft schnappen und geht auf die Straße. Dort wird ihm übel und er muss sich übergeben. Eine Frau eilt heran und hilft ihm, stützt ihn und wäscht ihm sein Gesicht.
So lernt er Hanna kennen...
Er ging noch einmal zu ihr um sich mit einem Blumenstrauß zu bedanken. Es geschehen ein paar intensive Erlebnisse zwischen den beiden und irgendwann war Michael Hanna gänzlich verfallen.
Hanna ist ca. 20 Jahre älter, eine Frau Mitte 30, alleinstehend, energisch, zickig , schwierig, durchschnittlich schön....
Die beiden erleben einen Sommer machen es sich zum Ritual das Michael nachmittags zu ihr geht, sie lässt sich von ihm die große Literatur vorlesen, danach badet sie ihn und dann lieben sie sich.
Michael weiß eigentlich rein gar nichts über diese Frau. Sie erzählt nicht was sie macht wenn er nicht da ist, er trifft sie nie zufällig auf der Strasse. Sie ist Straßenbahnschaffnerin, und als er sie einmal überraschen wollte und morgens um 4 zu ihr in den Zug steigt , ignoriert sie ihn völlig.
Die „Beziehung“ zeigt ein klares Schema auf, Michael erniedrigt sich förmlich um ihr zu gefallen, um ihr alles recht zu machen.
Eines Tages trifft er sie noch einmal per Zufall im Freibad. Sie sehen sich an, als er dann zu ihr gehen will und eine Sekunde wegschaut ist sie verschwunden. Das war das letzte mal das er Hanna sah. Von ihrem Vermieter und ihrer Arbeitsstelle erfuhr er das sie Hals über Kopf beides gekündigt hatte und verschwunden ist. Sie ist verschwunden und sie bleibt es auch.
Michael geht daran fast zu Grunde, seine Gefühle werden taub. Wochenlang war ihm schlecht, er konnte sich nicht konzentrieren
Michael studiert nun, er ist mittlerweile Mitte zwanzig und in Rahmen seines Studiums sitzt er im Zuschauerraum eines Prozesses. Angeklagt sind Aufseherinnen und Wärterinnen eines Außenlagers von Auschwitz. Unter ihnen Hanna. Er erkennt sie sofort...
Die Wärterinnen „selektierten“ wöchentlich 60 Frauen zurück nach Auschwitz, was für diese den sicheren Tod bedeutete. Das war aber nicht der einzigste Anklagepunkt, die Anklageschrift war viel länger, so lang das 1,5 Tage ins land strichen um jeden einzelnen Punkt aufzuzählen.
Unter anderem sollen die Wärterinnen ihre „Schützlinge“ in einer Bombennacht in eine Kirche eingesperrt haben. Die Bomben fielen, ein mächtiges Tohuwabohu entstand und der Kirchturm wurde getroffen. Der Dachstuhl der Kirche brach zusammen , die Frauen in der Kirche erstickten nicht am Qualm, sie verbrannten alle bei lebendigem Leib. Die Schreie mussten zu hären gewesen sein, aber keine der Wärterinnen schloss auf, auch nicht Hanna.
Michael wird in dem Prozess klar das Hanna Analphabetin ist und sie aufgrund dessen so sehr schämt das sie lieber Straftaten zugibt als diesen Makel. Ihm wird vieles klar, auch was damals in ihrer Beziehung gelaufen ist, auch damals sind einige böse Dinge gelaufen die auf ihren Analphabetismus zurückzuführen sind.
Hanna bekommt eine Lebenslange Haftstrafe...
Michael heiratet,...
und an dieser Stelle beginnt der dritte und letzte Teil des Buches. Ich möchte aber nicht das Ende verraten !
GEFÜHLE ZU DEM BUCH
Heftig, heftig.... Wenn ich jetzt über die Worte „ ein literarisches Ereignis „ Nachdenke dann kann ich dem Spiegel nur ohne Einschränkung zustimmen. Was zu beginn sachte beginnt , den Leser dann glauben lässt dass das Hauptthema meinetwegen der sexuelle missbrauch von Kindern wäre gerät in einen richtigen Strudel. Das Buch ist in der Ich –Form von Michael erzählt, was einerseits die Näh zu ihm und auch zu Hanna mit sich bringt aber dennoch oft so nüchtern und gefühllos erzählt wird als würde Michael irgendwie daneben stehen und nur alles aus der Ferne beobachten.
Einerseits verspürt man Verständnis für ihn. Als Junge liebte er Hanna, oder sollte man vielmehr sagen er war dieser Frau hörig? Im Prozess allerdings betont er immer wieder das er ihr gegenüber nichts spürt. Trotzdem verteidigt er sie innerlich, trotzdem hält er sie für nicht schuldig. Auch wenn sie durch ihr Verdecken des Analphabetismus mehr Schuld auf sich nimmt als sie hatte, ist die Anklage des Mordes, der Selektion etc. doch nicht von der hand zu weisen.
Interessanterweise schlagen die Sympathien im Buch ziemlich um . Am Anfang fühlt man ehr für Michael, der einer 20 Jahre älteren hörig ist, erniedrigt und gedemütigt wird. Am Ende hingegen sehe ich ehr Hanna als Opfer, als gebranntes Kind, als unwissende und teils auch Unschuldige.
MEINE MEINUNG
In diesem kleinen Büchlein werden gleich mehrere sehr krasse Themen unter Beschuss genommen. Einerseits die Hörigkeit und sexuelle Abhängigkeit eines Minderjährigen gegenüber einer Frau. Des weitern der Analphabetismus. Auch hier wird klar vor Augen geführt was er bedeutet und wie sich ein Analphabet fühlt. Und zum 3. die Schuldfrage der Wärterinnen. Die Frage nach dem Warum und Wieso, danach ob jeder so gehandelt hätte oder ob es Alternativen gab.
Mächtig viel Inhalt für gerade mal 206 Seiten. Aber in keiner Sekunde würde ich behaupten das dieses Buch überladen oder unglaubhaft wirkt. Die klare und sehr effektive Gliederung in drei Teile, die am Ende wieder ein Insgesamtes ergeben ist geradezu genial.
FAKTEN
Bernhard Schlink
Diogenes Verlag
206 Seiten
Taschenbuch 7,90 €
ISBN: 3-257-22935-4
In mittlerweile 34 Sprachen übersetzt.
FAZIT
Ein Roman der zunächst leicht wirkt, schnell und einfach zu lesen ist aber ziemliche Nachwirkungen hat. Durch die Kürze gibt er einem Schnellleser kaum die Möglichkeit zwischenzeitlich mal ein bisschen zu verdauen. Dennoch kann ich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Ich halte es für eines der inhaltlich besten Bücher die ich je gelesen habe und ich habe VIEL gelesen .
Viele Grüße Nikolina
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