Sexueller Mißbrauch Testbericht

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Erfahrungsbericht von SusanneRehbein

Mißbrauch an Kindern

Pro:

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Kontra:

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Empfehlung:

Nein

Nachdem ich heute einen Bericht über (sexuellen) Missbrauch an Kindern gelesen habe, habe ich mir überlegt auch etwas darüber zu schreiben, denn während meiner Tätigkeit im Kinderheim bin auch ich oft damit in Berührung gekommen, bzw. konfrontiert worden. Ich werde den Bericht so gestalten, ich Euch einen kleinen Einblick gewähre, mit welchen (kleinen) Menschen ich es dort Tag für Tag zu tun hatte. Also eine Art kurzer Lebenslauf zu jedem Kind, welches mir in meinem Jahr dort begegnet ist. Und es wird nicht nur um sexuellen Mißbrauch gehen!

Katharina & Lisa (Zwillinge, 15)
Nachdem Lisa über längere Zeit vom 19-jährigen Bruder vergewaltigt wurde, kamen beide Mädchen ins Heim. Der Bruder wurde nie verurteilt. Bei Beurlaubungen am Wochenende kam es immer häufiger zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen dem Stiefvater (ehem. Polizist) u. den Mädchen, außerdem wurden auch von ihm sexuelle Übergriffe befürchtet. Teilweise äußerten die Mädchen den Wunsch nie wieder nach Hause zu müssen (dem wurde auch „stattgegeben“), doch schon bald änderten sie ihre Meinung u. wollten wieder nach Hause. Auf die Frage „warum“ antwortete mir Katharina einmal „wenn wir nach Hause fahren, schlägt er uns u. nicht Mutti“. Nach eigenen Aussagen einer Beamtin vom Jugendamt beobachtete sie einmal durch ein offenes Fenster, wie der Mann seine Frau auf dem Tisch vergewaltigte; es wurde nichts gegen ihn unternommen.
Eines Tages rief der Steifvater bei uns im Heim an u. bat um die Chipkarte von Lisa denn es würde ihr sehr schlecht gehen u. er müsse mit ihr zum Arzt. Eine Erzieherin fuhr hin, bat darum Lisa sehen zu dürfen u. es wurde ihr gestattet. Lisa lag in ihrem Bett u. weinte sofort los, als sie die Erzieherin sah. Der Stiefvater meinte daraufhin nur „sie können die auch mitnehmen“ u. das tat die Erzieherin auch. Lisa weinte auf dem ganzen Weg zum Heim u. übergab sich dort mehrere Tage lang. Sie weigerte sich strikt dagegen zu duschen. Als sie es dann endlich tat, platzte ich gedankenlos ins Bad u. sah ihre zahlreichen Hämatome am ganzen Körper, auch an den Oberschenkeln. Über die Herkunft der blauen Flecken wollte sie sich nicht äußern u. weigerte sich einen Gynäkologen aufzusuchen. Da sie 15 war konnten wir sie nicht zwingen u. mussten auch diese mutmaßliche Tat ungesühnt lassen. Katharina erzählte später, dass sie nicht wisse, was vorgefallen sei, denn sie war zu dem Zeitpunkt mit der Mutter unterwegs gewesen u. Lisa war mit dem Stiefvater allein zu Hause.

Anke (11)
Jüngstes von insgesamt 9 Kindern. Eines der Kinder starb vor ihrer Geburt unter mysteriösen Umständen. Von den restlichen 8 Kindern kennt die Mutter nicht alle Namen u. weiß erst recht nicht, in welcher Reihenfolge sie geboren wurden. Anke hatte zu Hause kein eigenes Zimmer u. schlief mit im Doppelbett ihrer Mutter u. deren Freund. Der Mann verging sich mehrfach an Anke im beisein der Mutter. Daraufhin kam Anke ins Heim. Dort erwischten wir sie oftmals beim knutschen mit älteren Jungs oder sogar mit ihnen im Bett!

Mathias (16)
Lebte die ersten 6 Jahre bei seiner Mutter, die sich kaum um ihn kümmerte. Er lernte mit ca. 4 Jahren sprechen vor/aus dem Fernseher. Als er 6 Jahre alt war starb seine Mutter bei einem Autounfall u. er kam ins Heim. 2 Jahre später holte ihn sein Vater am 23.12. aus dem Heim nach Hause, obwohl Mathias ihn noch nie gesehen hatte. Der Vater war verheiratet u. hatte mit seiner Frau einen behinderten Sohn. Die Frau lehnte Mathias recht bald völlig ab u. war der Meinung er würde herumspionieren. Da der Vater unter dem „Pantoffel“ seiner Frau stand nahm er Mathias bald den Hausschlüssel weg u. sperrte ihn in seinem Zimmer ein. Mußte Mathias einmal zur Toilette, konnte er über ein Haustelefon bescheid sagen u. der Vater ließ ihn zur Toilette gehen u. schloss ihn danach wieder ein. Früh morgens musste Mathias vor dem Haus auf das Taxi warten, dass ihn zur Schule brachte. Teilweise stand er bis zu 2 Stunden bei jedem Wetter vor der Tür!
Mit 12 Jahren eskaliert die Situation zu Hause u. Mathias wendet sich an das Jugendamt mit der Bitte in ein Heim eingewiesen zu werden. Der Bitte wird nicht nachgegangen, es wird ihm jedoch die Betreuung durch die Tagesgruppe ermöglicht. Dort kann er in aller Ruhe Hausaufgaben erledigen u. es wird sich um ihn gekümmert, doch zu Hause wird er von beiden Elternteilen geschlagen. Im Alter von 15 Jahren darf er endlich ins Heim. Dort bekommt er auch die nötige gesundheitliche Zuwendung und es wird festgestellt, dass eine nichtbehandelte Augenerkrankung im Alter von 10 Jahren zur vollständigen Erblindung des einen Auges führte. Als er zu seinem 16. Geburtstag beurlaubt wird gratuliert ihm niemand!

Daniel (11)
Hyperaktiver Asthmatiker, 1,30 m groß u. 23 kg! Seine Mutter ist knapp 18 als er geboren wird. Als er 6 Monate alt ist, verlässt sie seinen Vater u. verzichtet vollständig auf Sorge- u. Besuchsrecht. Der Vater heiratet ein Mädchen, die mit 24 Jahren ihr 5. Kind von ihm bekommt! Daniel muss am Wochenende um 5 Uhr aufstehen u. Zeitungen austragen. Das Geld kassieren seine Eltern. Im Alter von 9 Jahren wird Daniel wegen Verwahrlosung aus der Familie geholt u. bei Besuchen durch das Heim und/oder das Jugendamt zeigen sich schreckliche Bilder. Die Haustür lässt sich kaum öffnen; man muss über dreckige Windeln, Babykotze, Hundekot, dreckige Wäsche u. Hausmüll steigen! Wenn man hinter seiner Stiefmutter die Treppe hochgeht u. sie gerade mal nicht schwanger ist, muss man sich fast übergeben, denn ihr läuft Blut an den nackten Beinen herab!
Irgendwann meldet sich die Mutter wieder u. will das Sorgerecht. Langsam wird der Kontakt hergestellt u. nach einer Beurlaubung kommt Daniel total geschwächt ins Heim zurück. Er hat zu Hause keine Medikamente bekommen u. obwohl der Mutter bewusst ist, dass ihr Sohn allergisch auf Hunde ist, hat sie sich einen Hund angeschafft u. weigert sich ihn wieder abzugeben. Das Jugendamt gab ihr immer wieder eine Chance u. jetzt wird sie ihn bald nach Hause holen können.

Thorsten (14)
Bruder von Anke. Er kam ins Heim, weil er immer wieder alkoholisiert in die Schule kam, wenn er denn mal in die Schule ging. Die ersten 8 Monate im Heim durften beide nicht nach Hause, danach fanden schrittweise Beurlaubungen statt, wonach er sich zum Bettnässer entwickelte. Anke erzählte später, dass ihre Mutter in ihrer Anwesenheit vom Stiefvater verprügelt wurde u. Thorsten die Schnapsreste bekam.

Florian (13)
Geistig behindert, weil seine alkoholkranke Mutter während der Schwangerschaft trank. Er ist seit seinem 2. Lebensjahr im Heim, wurde aber regelmäßig jedes 2. Wochenende beurlaubt. Bei diesen Beurlaubungen erlebte er oft, wie sein 18-jähriger Bruder die Mutter verprügelte. Weihnachten verbrachte er lieber im Heim als zu Hause, denn im Heim gab es Plätzchen, einen Weihnachtsbaum u. Geschenke. Zu Hause gab es nichts von alledem.

Jens & Sven (Zwillinge, 11)
Jens kam zuerst wegen sexuellen Missbrauchs ins Heim. Die Mutter brachte ihn u. 4 Müllsäcke mit seiner dreckigen Wäsche. Zu dem Zeitpunkt war er Inkontinent in jeder Hinsicht. Sven und Frank (14) wurden am Geburtstag von Jens u. Sven vor der Schule von der Polizei abgefangen u. ins Heim verbracht. Beide wurden ebenfalls vom Stiefvater sexuell missbraucht. Der Missbrauch fiel auf, nachdem der leibliche, geistig behinderte Sohn (5) des Stiefvaters sexuelle Handlungen an seiner Mutter vornehmen wollte. Sie brachte es zur Anzeige u. daraufhin wurden auch die 3 jüngsten Stiefkinder (Jens, Sven u. Frank) aus der Familie entfernt. Später stellte sich heraus, dass der Stiefvater sogar den 17-jährigen ältesten Bruder der 3 mißbraucht hatte. Nachdem die Mutter aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen war, bekam sie nach längerer Zeit die Kinder wieder zugesprochen, obwohl bekannt war, dass ihr Lebensgefährte ebenfalls umgezogen war u. nun einen Eingang weiter wohnte!

Ralf (13)
Wurde mit 2 Jahren adoptiert, weil seine Adoptivmutter keine Kinder bekommen konnte. Der Adoptivvater war gegen die Adoption, doch sie schaffte es offensichtlich ihn zu überreden. Nach knapp 9 Jahren verließ die Mutter in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Familie u. hinterließ den Ralf bei seinem Vater, der den Jungen ja eigentlich nicht wollte. Da Ralf immerwieder auf dem Weg zur Schule Ladendiebstähle begeht u. raucht gibt der Vater ihn wieder ins Heim. Dort wurden wir oft Zeuge von seelischen Grausamkeiten, z.B. rief er eines Tages an u. bat darum, dass wir Ralf ausrichten, er wäre bei Tante Helga gewesen, hätte Erdbeertorte gegessen u. sie hätte phantastisch geschmeckt. Immerwieder beschimpfte er ihn als nutzlos u. verlogen. Einmal behauptete er sogar seinetwegen krankgeworden zu sein u. dass er seinetwegen nun sterben müsse.

Michael (9)
Der älteste von 4 Kindern. Anfangs lebte seine Mutter allein mit ihm in einer 1-Raumwohnung u. hatte wechselnde Männerbekanntschaften. Teilweise brachte sie bis zu 3 Männer pro Nacht mit nach Hause (Prostitution wird nicht ausgeschlossen). Michael beobachtete oft den Verkehr zwischen seiner Mutter u. den Männern u. legte sich eines Tages auf seine 3-jährige Schwester u. machte die Bewegungen nach. Die Mutter wurde hysterisch, verprügelte ihn u. brachte ihn ins Heim. Bei Beurlaubungen musste Michael teilweise die ganze Nacht auf seine Geschwister aufpassen, sie wickeln u. füttern. Irgendwann verkauft die Mutter sein Bett u. er musste auf dem kalten Fußboden schlafen. Das ganze Haus wimmelte vor Mäusen u. so begann er oftmals in der Nacht zu schreien, auch im Heim. Dort schlief er irgendwann nur noch unter dem Bett.
Eines Tages bekam er einen Anruf seiner Mutter. Sie teilte ihm am Telefon mit, dass sie nach Österreich gezogen war u. ihn nicht nachholen würde!


Ich habe selbstverständlich alle Namen geändert. Mehr kann und will ich jetzt hier dazu nicht sagen, ich denke auch, der Text ist so schon lang genug. Vielen dank für das aufmerksame Lesen!

24 Bewertungen, 4 Kommentare

  • Cayan

    02.07.2002, 12:59 Uhr von Cayan
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr aufrührender Bericht. Es ist gut, daß sowas mal an die Öffentlichkeit getragen wird, damit die Leute vielleicht endlich mal aufwachen!!!

  • Andreas68

    05.06.2002, 18:33 Uhr von Andreas68
    Bewertung: sehr hilfreich

    Die Reaktion von Anke u. dem 5-Jährigen eröffnen m.E. unkonventionelle Perspektiven. Mir sind Gleichgültigkeit u. Liebesunfähigkeit der Eltern völlig unverständlich u. ich hoffe, Ihr konntet im Rahmen Eurer Tätigkeit daz

  • freija

    14.04.2002, 23:33 Uhr von freija
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich habe das Thema Sexueller Mißbrauch an kindern jahrelang erlebt und weiß wie sich eure Kinder fühlen müssen. Freija

  • prinzy1

    07.04.2002, 20:17 Uhr von prinzy1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hallo, ich konnte deinen Bericht nicht zu ende lesen, weil es mich ankotzt wie manche eltern mit ihren kindern umgehen. Vor kurzen habe ich in einem zeitungsinterview gesagt: "Kinder sind leider die sklaven des 20. und 21. Jahrundert". Mit deinem