Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod (Taschenbuch) / Bastian Sick Testbericht

ab 2,66
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Erfahrungsbericht von BjoernS

Der Knigge der deutschen Sprache

Pro:

Thema gut rübergebracht

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

Die so genannte Zwiebelfisch-Kolumne im Magazin „Spiegel“ ist sicherlich einigen Leuten bekannt. Den gleichnamigen Bereich gibt es auch im Internet – leider nur kostenpflichtig für 0,5 Euro pro Artikel. Mich persönlich interessiert der Spiegel nicht wirklich, die besagte Kolumne aber sehr wohl. Umso erfreuter war ich, als in diesem Jahr endlich das Buch „der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“ herausgekommen ist, in dem die Artikel der Zwiebelfisch-Kolumne zusammen gefasst sind ....


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Storyline
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Von einer echten Storyline zu sprechen, wäre vermessen. Das Buch hat zwar einen tendenziellen Grundtenor, in dem es sich mit den Auswüchsen und Problemen der deutschen Sprache beschäftigt, aber eine Storyline hat es nicht. Vielmehr sind hier die einzelnen Artikel aus der der Zwiebelfisch-Kolumne des Magazins „Spiegel“ abgedruckt. Dabei ist jedes Kapitel zwischen zwei und sechs Seiten lang und beschäftigt sich mit einem Phänomen der deutschen Sprache. So geht es in einem Kapitel darum, wie man denn nun eingedeutschte englische Verben beugt – ist es richtig, zu sagen er recyceled oder heißt es dann doch eher er recycelt? Ein anderes Kapitel beschäftigt sich mit dem korrekten Geschlecht – der Nutella, die Nutella oder etwa doch das Nutella? Dann widerum geht es um grammatikalisch zwar richtige Satz- und Wortkonstruktionen, die aber eher in den Bereich der schlechten Sprache ein zu sortieren sind – wie beispielsweise den inflationären Gebrauch des Wortes „durch“ und „pur“.
Jedes Kapitel beschäftigt sich dabei mit einem anderen Thema, wobei die Inhalte auf die unterschiedlichste Art herüber gebracht werden. Mal werden Beispiele genannt, die anschließend durch Übertreibung ins Lächerliche gezogen werden – mal werden nette Geschichten erzählt. Man könnte vieles als Satire betrachten und hätte damit sicherlich nicht einmal Unrecht. Und doch ist jede Geschichte an sich sehr lehrreich. Unterstüzt wird dieser Lernvorgang an manchen Stellen dadurch, dass am Ende des Kapitels das wichtigste noch einmal in tabellarischer Form zusammen gefasst worden ist.


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Fakten
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„Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“ stammt von Bastian Sick, der diese Kolumne auch im Spiegel schreibt. Das Werk ist im September 2004 bei Kipenheuer & Witsch erschienen und beinhaltet – aktuell wie es ist – sogar noch die letzten Kolumnen aus dem August 2004. Insgesamt muss man bei amazon für die Taschenbuchausgabe mit der ISBN 3462034480 einen Preis von 8,90 Euro bezahlten.


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Meine Meinung
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Um es vorweg zu nehmen: das Buch ist genial. Es ist amüsant und lehrreich zugleich, lässt sich hervorragend lesen und bereitet einfach nur Spass. Ich habe mich an einigen Stellen selber betrachten müssen und dabei festgestellt, dass ich genau den gleichen Fehler mache. Ob ich das nun wirklich abstellen kann, mag ich nicht beurteilen, aber ich habe zumindest über meine eigene Wortwahl und „meine Interpretation der deutschen Grammatik“ nachgedacht – schaden kann so etwas eigentlich nicht.

Nebenbei habe ich dann auch gleich noch etwas über die „neue“ Rechtschreibung gelernt. Diese wird nach aktuellem politischen Beschluss ja nun definitiv kommen und ich muss einsehen, dass auch ich mich damit mal beschäftigen muss. Da ist mir dann ein amüsantes Buch doch viel lieber als irgendein trockenes Regelwerk.

Besonders erfreut hat mich übrigens das Kapitel über „der Nutella, die Nutella und das Nutella“. Auch wenn es für diesen speziellen Fall keine echte Lösung gegeben hat, musste ich feststellen, dass ich mit manchen Konstrukten selber falsch gelegen habe. Außerdem ist die Geschichte um dieses Problem so lustig, dass ich mehrmals laut gelacht habe und dabei den Inhalt auch gleich verinnerlicht habe.

Natürlich gibt es nicht nur gute Kapitel. Man findet auch welche, die einfach nur langweilig und dröge sind. Man kann sie – wenn man denn will – getrost überspringen, denn einen echten Zusammenhang zwischen den Kapitel gibt es ja nicht. Man kann sich aber auch durchkämpfen, was an sich auch nicht problematisch ist, denn die Kapitel sind sehr kurz.

Da das Grundthema des Buches die deutsche Sprache und die deutsche Grammatik ist, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine schwere Kost handelt. Dem ist auf keinen Fall so – das Buch ist gut zu lesen und vor allem grammatikalisch richtig. Das mag an einigen Stellen erst mal aufstossen, doch andererseits lernt man dadurch schnell, wie es richtig ist und was andere falsch machen.

Besonders viel Prügel müssen die deutschen Politiker und Journalisten einstecken, denn sie sind es, von denen in der Regel die schlechten Beispiele deutscher Sprache stammen. Auch die Werbung bekommt dabei einen ziemlichen Schlag ab – andererseits finde ich gerade dieses Vorgehen besonders gut, denn immerhin sind diese Parteien diejenigen, die deutsche Sprache am nachhaltigsten beeinflussen.

Der Preis ist mehr als okay. Im Internet müsste ich pro Kapitel 50 Cent bezahlen und nur wegen der Kolumne den Spiegel zu kaufen, würde noch mehr ins Geld gehen. Sicherlich sucht der Autor eine zusätzliche Einnahmequelle – doch das tut er in meinen Augen zu Recht. Das Buch enthält geballtes Wissen über Grammatik und gute deutsche Sprache und ist dabei deutlich billiger als eine entsprechende wissenschaftliche Ausführung.


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Fazit
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Absolut top. Das Beste, was ich in diesem Bereich seit langem gelesen habe. Für alle Erwachsenen, die sich mit den neuen Rechtschreibregeln noch nicht auskennen, sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre werden. Man liest amüsante Geschichten und lernt dabei auch gleich etwas – und das Ganze ist nicht mal trocken oder teuer. Für Jugendliche mag es interessant sein, glaube ich aber eher weniger. Dafür sind die ausgesuchten Geschichten nicht ausgewählt. Das ist aber wohl auch nicht die Absicht es Autors, denn in meinen Augen ist die Zielgruppe dieses „Knigge der deutschen Sprache“ ganz klar die erwachsene Leserschaft.

Unbedingt kaufen!



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