Sophie Scholl - Die letzten Tage (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 04/2011
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Erfahrungsbericht von bavaria123
Ein besonderer Film über eine besondere Frau
Pro:
die Schauspieler, das Drehbuch, die Musik
Kontra:
leider gekürzte Fassung, es war Realität
Empfehlung:
Ja
Sophie Scholl war eine von denen, die weder wegsehen noch weghört haben. Sie hat sich dazu entschlossen, zu handeln - und einen mutigen, aber doch aussichtslosen und tödlichen Kampf gegen das Naziregime aufzunehmen. Diesen Widerstand leistet sie nicht allein, sondern in der Gruppe der „Weißen Rose“.
Diesen Film über die letzten Tage von Sophie Scholl hätte ich gern schon gleich am 24. Februar dieses Jahres gesehen, jedoch lief er in den naheliegenden Kinos nur selten oder gar nicht.
Nun endlich konnte ich ihn anschauen, nachdem ich das Buch zum Film bereits durchgelesen habe.
Es handelt sich bei meinem Bericht also um die Kinofassung, denn auf VHS gibt es den Film noch nicht zu kaufen.
= Der Film =
Das Drehbuch zu „Sophie Scholl – die letzten Tage“ wurde im Jahr 2004 während 29 Drehtagen verfilmt. Allerdings musste von der anfänglichen 180minütigen Version leider noch einiges herausgeschnitten werden.
Auswahl von Schauspielern und Team
Sophie Scholl...................Julia Jentsch
Hans Scholl......................Fabian Hinrichs
Robert Mohr....................Alexander Held
Dr. Roland Freisler..........André Hennicke
Christoph Probst..............Florian Stetter
Else Gebel........................Johannes Gastdorf
Robert Scholl...................Jörg Hube
Magdalena Scholl............Petra Kelling
Locher..............................Klaus Händl
Regie ..............................Marc Rothemund
Drehbuch ........................Fred Breinersdorfer
Produzenten.....................Goldkind Film / Broth Film
Co-Produzenten...............Bayr. Rundfunk / SWR /arte
Produktionsleitung..........Patrick Brandt
Kamera............................Martin Langer
Historische Beratung.......Ulrich Chaussy
Filmverleih......................X-Verleih – AG
Der Film dauert ca. 120 Minuten und ist freigegeben ab 12 Jahren.
= Die Geschichte =
Man schreibt gerade das Jahr 1943 und befindet sich in München.
In den Kellerräumen eines Malerateliers treffen sich einige Jugendliche. Hans und Sophie Scholl, Willi Graf und Alexander Schmorell sind dabei, Flugblätter mit einfachsten Mitteln zu vervielfältigen. Sie sind bestimmt zur Verteilung in München, Augsburg und Wien.. Da sich Briefumschläge und -marken dem Ende neigen, beschliesst Hans Scholl – einen Teil der Flugblätter in der Uni zu verteilen. Es herrscht Unsicherheit und auch Angst, aber diese wird von allen Teilnehmern überspielt. So nehmen er und seine Schwester Sophie einen Teil der Flugblätter im Koffer mit...
Am nächsten Morgen, nach einem kargen Frühstück und den „BBC“ Nachrichten, die von unheilvollen Vorkommnissen an der Stalingradfront verkünden, machen sich die Geschwister auf den Weg zur Uni, verteilen dort immense Stapel an Flugblättern und begeben sich dann in den zweiten Stock zu einer Empore. Auf einer Ballustrade postieren sie ebenfalls Papierstapel und beim Klingelzeichen gibt Sophie dem Papier mit der Hand einen Stoß, so dass die Blätter in den Lichthof wirbeln...
Uniformierte haben einen Teil der Aktion beobachtet und nehmen Sophie und ihren Bruder fest. Mit einer schwarzen Polizei-Limousine werden die Geschwister unter Bewachung von Gestapo-Männern zum Wittelsbacher Palais gebracht, wo die ersten Vernehmungen beginnen, die zunächst bis ins Gefängnis reichen...
Es ist der Anfang vom Ende – nicht nur von Sophie und Hans Scholl.
= Die Persönlichkeiten =
Sofia Magdalena Scholl wurde als zweitjüngstes Kind von insgesamt fünf Geschwistern im Mai 1921 geboren. Im 12. Lebensjahr ist sie Mitglied im BDM und in der HJ. Erste Proteste gegen die Nationalsozialisten keimen in ihr auf, als ihre jüdische Freundin nicht in die HJ aufgenommen wird. Mit 16 lernt sie ihren Freund Fritz Hartnagel kennen, der Berufsoffizier ist. Im März 1940 besteht sie ihr Abitur, im Mai 1942 kann sie ihr Studium der Biologie und Philosophie in München aufnehmen.Schnell wird sie in den Freundeskreis ihres Bruders aufgenommen. Als Hans Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf im Winter die Widerstandsbewegung „Die Weiße Rose“ widerbeleben, ist auch Sophie Scholl von ganzem Herzen dabei.
Hans Fritz Scholl, der 1918 geboren wurde, war anfangs nicht abgeneigt von den Ideen des Nationalsozialismus, zumal die HJ Gelegenheit bietet, sich von der Obhut der Eltern zu entfernen und ihn zum Fähnleinführer macht. Im Sommer 1942 nähert er sich dann mit großen Schritten der Sichtweise seines Vaters an. „Ist es nicht so, dass sich jeder ehrliche Deutsche heute seiner Regierung schämt, und wer von uns ahnt das Ausmass der Schmach, die über uns und unsere Kinder kommt, wenn einst der Schleier von unseren Augen gefallen ist und die grauenvollsten und jegliches Maß unendlich überschreitenden Verbrechen an Tageslicht treten?“ Mit größter Überzeugung ist er dann in der Widerstandbewegung aktiv.
Christoph Probst, geboren im November 1919 in Murnau, war mit Emil Nolde und Paul Klee befreundet, die schnell auf die Liste der „entarteten Künstler“ gelangten. Auch sein direktes Familienleben war im Visier der Nationalsozialisten, denn sein Vater heiratete nach der Scheidung von seiner ersten Frau eine Jüdin. Mit 17 hatte er sein Abitur in der Tasche und musste dann den obligatorischen Arbeitsdienst antreten. Im gleichen Jahr beginn sein Vater Selbstmord. 1943 war Christoph Probst verheiratet und hatte drei kleine Kinder.
= Meine Meinung zum Film =
Aus verschiedenen Gründen habe ich mich schon sehr früh für die Geschehnisse der Zeit von 1933 bis 1945 interessiert. Über die Weiße Rose habe ich ein paar Bücher gelesen und auch die beiden Filme von Michael Verhoeven (Die weiße Rose) und von Percy Adlon (Fünf letzte Tage) gesehen. Die Filme stammen aus den 80er Jahren, doch keiner widmet sich in besonderer Weise einer Person dieser Widerstandsgruppe. Aber gerade das macht diesen Film sehr einzigartig, sehr bewegend.
Sophie Scholl ist eine sehr faszinierende und eigentlich lebensfrohe junge Frau, wenn sie auf dem ersten Blick auch eher schüchtern und fast bieder wirkt. Gerade bei diesem Blick auf ihre letzten Tage gewinnt man sehr viel Hochachtung vor ihr. Es ist beeindruckend, wie sie auch unter dem unglaublichen Druck der Vernehmungen immer zuerst an ihren Bruder und die anderen Mitglieder denkt. Sie hätte vielleicht am Leben bleiben können, wenn sie bei den quälenden Verhören irgendwann Distanz zu den Aktivitäten genommen hätte. Aber genau das tat sie nicht. Verrat kam für sie nie in Frage. Ich persönlich finde diesen Mut erstaunlich und wenn man heute nach Vorbildern sucht, darf man an dieser Frau nicht vorbei gehen.
Julia Jentsch spielt Sophie Scholl sehr beeindruckend. Zum einen hat sie wirklich eine optische Ähnlichkeit, zum anderen wirkt sie ungemein glaubwürdig. Leider liegen von Sofie Scholl keine akustischen Aufnahmen vor, aber so wie Julia Jentsch ihr eine Stimme gibt, so klingt sie sehr annehmbar und realistisch. Es ist eine angenehme, bewegende, wenn auch eher leise und bedachte Stimme.
Die Macher des Films haben sich dazu entschlossen, kein Suspense-Verfahren anzuwenden. So weiß der Zuschauer auch immer nur genau das, was auch Sofie Scholl gerade im gleichen Moment erfährt. Man ahnt, dass die Gestapo während der Inhaftierung der Geschwister nicht untätig ist, aber wie Sofie weiß man zunächst nicht, wie das Gefundene gedeutet wird. Auf diese Art wird eine hohe Anspannung aufgebaut, aber auch eine große Emotionalität erzeugt. Es entsteht ein dramaturgisches Gefühl bei den Verhören, bei denen Sofie zunächst zu leugnen versucht, dann gesteht... und dann die goldene Brücke ablehnt. Man erlangt eine sehr emotionale und besonders enge Beziehung zur Hauptperson.
Der Film macht in vielen Aspekten einen sehr glaubhaften Charakter, der sich sehr an den historischen Fakten hält. Man merkt, dass hier auch sehr persönliche Aufzeichnungen, wie Tagebücher oder Briefe, verwendet worden sind.
Zum Beispiel beeindruckt die Vernehmung in Mohrs Büro. Schon die Ausstattung ist erwähnenswert. Der Raum wird beherrscht von einem großen Schreibtisch auf dem die Akten des Verfahren „Weiße Rose“ liegen. Bei seinen Verhören benutzt Mohr eine starke Schreibtischlampe, die er seinem Gegenüber – hier Sophie Scholl – direkt ins Gesicht richtet. Seitlich im Hintergrund befindet sich ein kleiner Tisch mit einer Schreibmaschine, an der sich ab und an die Protokollführerein zum Schreiben einfindet. Ansonsten erschient dieser Raum fast immer dunkel. Das macht ihn fremd und abweisend.
Der Vernehmer Robert Mohr wirkt einfach undurchschaubar... er entwickelt humane Denkweisen und Gefühlsregungen, aber im Hinterkopf hat man bei all dieser Humanität und diesem fast auch Einlenken in neue Gedankengänge die Gefährlichkeit der Gestapo, die im Hintergrund wirkt...und die auch er nicht einfach abschütteln kann. Man ist sich nie sicher, auf welcher Seite er steht...welche Seite er für sich persönlich anerkennt.
Ein weiterer wichtiger Höhepunkt des Filmes ist die Verhandlung im Münchner Justizpalast unter der Leitung von Dr. Roland Freisler. Auch hier zeigt es sich, wie unglaublich genau recherchiert wurde. Der eigentliche Saal existiert seit 1964 nicht mehr. Er wurde aber nach Fotografien nachgestaltet. Von der ursprünglichen „Verhandlung“ gibt es leider keine Film- oder Tonaufnahmen. Das aufbewahrte Protokoll weist nur auf die Prozessvorgänge hin. Dr. Robert Freisler musste hier in diesem Prozess aber versuchen, sich für die Nazipropaganda in Szene zu setzen..Das ist historisch belegt. Das von vornherein feststeht, wie die „Verhandlung“ auszugehen hat, liegt mehr als offen auf der Hand. Es ist im Grunde nur ein propagandistisches Spektakel mit dem Ziel, die Widerständler als würdelos und unmoralisch darzustellen. Dieser Freisler tobt und schreit, er brüllt so sehr, dass seine Stimmbänder sich überschlagen. Er ist auf keinen Fall ein Richter...er entbindet sich der Objektivität und ist nur Ankläger...und das in niedrigster Form. Er brüllt, er ist unbeherrscht , er tobt. Die angeklagten Geschwister Scholl und Christoph Probst bleiben dagegen leise. Freisler ergeht sich in Beleidigungen, Tiraden und Unterstellungen. Aber niemand traut sich, diesen Freisler in die Schranken zu weisen. Bis auf Hans und Sophie, die ihren Standpunkt und den der deutschen Bevölkerung sehr klar aufzeigen und dabei unglaublich ruhig und unglaublich ehrlich bleiben.
Immer wieder ist auch die Hoffnung ein Thema des Films. Ohne die grundlegende Hoffnung auf ein naheliegendes Ende des Weltkrieges und die radikale Veränderung der Verhältnisse im politischen Bereich wäre ein Widerstand nicht möglich gewesen. Sicher hofften die Mitglieder der Weißen Rose, selbst nicht zum Mordopfer des herrschenden Systems zu werden. Sophie hofft auf einen langen Prozess, hofft auf die 99 Tage Frist, die sonst jedem Verurteilten bis zur Hinrichtung gewährt wird. Und ganz zum Schluss haben die drei Verurteilten die Hoffnung, dass ihre Idee und ihre Gedanken weiterleben werden.
Mich hat der Film sehr bewegt. Die Schauspieler beleben ihre jeweiligen Rollen sehr gekonnt und äußert glaubhaft. Die Musik, die manchmal an Herzschläge erinnert, ist zu jeder Zeit passend. Wenn etwas stört, dann ist es die Tatsache, dass der Film gekürzt werden musste, um der Kinonorm gerecht zu werden. Ich habe die leise Hoffnung, dass eines Tages die DVD herauskommt, die sich dann ungekürzte Originalfassung nennt.
Die Kameraführung zeigt das Grau – in – Grau der Zeit. Nur selten sind sonnige Momente auch hier anzutreffen.
Es ist ein rundherum gelungener Film. Jeder sollte ihn gesehen haben. Wichtig empfinde ich ihn auch für die jetzige Jugend. Es gibt Vorbilder!!!! Und die Vergangenheit darf man nie vergessen. Nicht nur ich habe während der Vorstellung ein Taschentuch herauskramen müssen. Und nach dem Abspann, bei dem an das Schicksal anderer Mitglieder der Weißen Rosen gedacht wird, war es absolut still. Selbst nachdem wieder Licht im Kino war, löste man sich nur langsam vom Sitz...und es wurde tatsächlich ganz offen noch im Kinosaal über diesen Film diskutiert. Auch das hat mich beeindruckt, wenn ich auch mitten in der Diskussion gesteckt habe.
Schon bei Goethe lesen wir:
Nun begegn`ich meinen Braven,
die sich in der Nacht versammelt,
um zu schweigen, nicht zu schlafen
Und das schöne Wort der Freiheit
wird gelispelt und gestammelt
Bis in ungewohnter Neuheit
wir an unsere Tempel Stufen
wieder neu entzückt es rufen
„Freiheit! Freiheit!!“
Danke für`s Lesen, Bewerten und Kommentieren, Bavaria
Für Yopi und Ciao
Diesen Film über die letzten Tage von Sophie Scholl hätte ich gern schon gleich am 24. Februar dieses Jahres gesehen, jedoch lief er in den naheliegenden Kinos nur selten oder gar nicht.
Nun endlich konnte ich ihn anschauen, nachdem ich das Buch zum Film bereits durchgelesen habe.
Es handelt sich bei meinem Bericht also um die Kinofassung, denn auf VHS gibt es den Film noch nicht zu kaufen.
= Der Film =
Das Drehbuch zu „Sophie Scholl – die letzten Tage“ wurde im Jahr 2004 während 29 Drehtagen verfilmt. Allerdings musste von der anfänglichen 180minütigen Version leider noch einiges herausgeschnitten werden.
Auswahl von Schauspielern und Team
Sophie Scholl...................Julia Jentsch
Hans Scholl......................Fabian Hinrichs
Robert Mohr....................Alexander Held
Dr. Roland Freisler..........André Hennicke
Christoph Probst..............Florian Stetter
Else Gebel........................Johannes Gastdorf
Robert Scholl...................Jörg Hube
Magdalena Scholl............Petra Kelling
Locher..............................Klaus Händl
Regie ..............................Marc Rothemund
Drehbuch ........................Fred Breinersdorfer
Produzenten.....................Goldkind Film / Broth Film
Co-Produzenten...............Bayr. Rundfunk / SWR /arte
Produktionsleitung..........Patrick Brandt
Kamera............................Martin Langer
Historische Beratung.......Ulrich Chaussy
Filmverleih......................X-Verleih – AG
Der Film dauert ca. 120 Minuten und ist freigegeben ab 12 Jahren.
= Die Geschichte =
Man schreibt gerade das Jahr 1943 und befindet sich in München.
In den Kellerräumen eines Malerateliers treffen sich einige Jugendliche. Hans und Sophie Scholl, Willi Graf und Alexander Schmorell sind dabei, Flugblätter mit einfachsten Mitteln zu vervielfältigen. Sie sind bestimmt zur Verteilung in München, Augsburg und Wien.. Da sich Briefumschläge und -marken dem Ende neigen, beschliesst Hans Scholl – einen Teil der Flugblätter in der Uni zu verteilen. Es herrscht Unsicherheit und auch Angst, aber diese wird von allen Teilnehmern überspielt. So nehmen er und seine Schwester Sophie einen Teil der Flugblätter im Koffer mit...
Am nächsten Morgen, nach einem kargen Frühstück und den „BBC“ Nachrichten, die von unheilvollen Vorkommnissen an der Stalingradfront verkünden, machen sich die Geschwister auf den Weg zur Uni, verteilen dort immense Stapel an Flugblättern und begeben sich dann in den zweiten Stock zu einer Empore. Auf einer Ballustrade postieren sie ebenfalls Papierstapel und beim Klingelzeichen gibt Sophie dem Papier mit der Hand einen Stoß, so dass die Blätter in den Lichthof wirbeln...
Uniformierte haben einen Teil der Aktion beobachtet und nehmen Sophie und ihren Bruder fest. Mit einer schwarzen Polizei-Limousine werden die Geschwister unter Bewachung von Gestapo-Männern zum Wittelsbacher Palais gebracht, wo die ersten Vernehmungen beginnen, die zunächst bis ins Gefängnis reichen...
Es ist der Anfang vom Ende – nicht nur von Sophie und Hans Scholl.
= Die Persönlichkeiten =
Sofia Magdalena Scholl wurde als zweitjüngstes Kind von insgesamt fünf Geschwistern im Mai 1921 geboren. Im 12. Lebensjahr ist sie Mitglied im BDM und in der HJ. Erste Proteste gegen die Nationalsozialisten keimen in ihr auf, als ihre jüdische Freundin nicht in die HJ aufgenommen wird. Mit 16 lernt sie ihren Freund Fritz Hartnagel kennen, der Berufsoffizier ist. Im März 1940 besteht sie ihr Abitur, im Mai 1942 kann sie ihr Studium der Biologie und Philosophie in München aufnehmen.Schnell wird sie in den Freundeskreis ihres Bruders aufgenommen. Als Hans Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf im Winter die Widerstandsbewegung „Die Weiße Rose“ widerbeleben, ist auch Sophie Scholl von ganzem Herzen dabei.
Hans Fritz Scholl, der 1918 geboren wurde, war anfangs nicht abgeneigt von den Ideen des Nationalsozialismus, zumal die HJ Gelegenheit bietet, sich von der Obhut der Eltern zu entfernen und ihn zum Fähnleinführer macht. Im Sommer 1942 nähert er sich dann mit großen Schritten der Sichtweise seines Vaters an. „Ist es nicht so, dass sich jeder ehrliche Deutsche heute seiner Regierung schämt, und wer von uns ahnt das Ausmass der Schmach, die über uns und unsere Kinder kommt, wenn einst der Schleier von unseren Augen gefallen ist und die grauenvollsten und jegliches Maß unendlich überschreitenden Verbrechen an Tageslicht treten?“ Mit größter Überzeugung ist er dann in der Widerstandbewegung aktiv.
Christoph Probst, geboren im November 1919 in Murnau, war mit Emil Nolde und Paul Klee befreundet, die schnell auf die Liste der „entarteten Künstler“ gelangten. Auch sein direktes Familienleben war im Visier der Nationalsozialisten, denn sein Vater heiratete nach der Scheidung von seiner ersten Frau eine Jüdin. Mit 17 hatte er sein Abitur in der Tasche und musste dann den obligatorischen Arbeitsdienst antreten. Im gleichen Jahr beginn sein Vater Selbstmord. 1943 war Christoph Probst verheiratet und hatte drei kleine Kinder.
= Meine Meinung zum Film =
Aus verschiedenen Gründen habe ich mich schon sehr früh für die Geschehnisse der Zeit von 1933 bis 1945 interessiert. Über die Weiße Rose habe ich ein paar Bücher gelesen und auch die beiden Filme von Michael Verhoeven (Die weiße Rose) und von Percy Adlon (Fünf letzte Tage) gesehen. Die Filme stammen aus den 80er Jahren, doch keiner widmet sich in besonderer Weise einer Person dieser Widerstandsgruppe. Aber gerade das macht diesen Film sehr einzigartig, sehr bewegend.
Sophie Scholl ist eine sehr faszinierende und eigentlich lebensfrohe junge Frau, wenn sie auf dem ersten Blick auch eher schüchtern und fast bieder wirkt. Gerade bei diesem Blick auf ihre letzten Tage gewinnt man sehr viel Hochachtung vor ihr. Es ist beeindruckend, wie sie auch unter dem unglaublichen Druck der Vernehmungen immer zuerst an ihren Bruder und die anderen Mitglieder denkt. Sie hätte vielleicht am Leben bleiben können, wenn sie bei den quälenden Verhören irgendwann Distanz zu den Aktivitäten genommen hätte. Aber genau das tat sie nicht. Verrat kam für sie nie in Frage. Ich persönlich finde diesen Mut erstaunlich und wenn man heute nach Vorbildern sucht, darf man an dieser Frau nicht vorbei gehen.
Julia Jentsch spielt Sophie Scholl sehr beeindruckend. Zum einen hat sie wirklich eine optische Ähnlichkeit, zum anderen wirkt sie ungemein glaubwürdig. Leider liegen von Sofie Scholl keine akustischen Aufnahmen vor, aber so wie Julia Jentsch ihr eine Stimme gibt, so klingt sie sehr annehmbar und realistisch. Es ist eine angenehme, bewegende, wenn auch eher leise und bedachte Stimme.
Die Macher des Films haben sich dazu entschlossen, kein Suspense-Verfahren anzuwenden. So weiß der Zuschauer auch immer nur genau das, was auch Sofie Scholl gerade im gleichen Moment erfährt. Man ahnt, dass die Gestapo während der Inhaftierung der Geschwister nicht untätig ist, aber wie Sofie weiß man zunächst nicht, wie das Gefundene gedeutet wird. Auf diese Art wird eine hohe Anspannung aufgebaut, aber auch eine große Emotionalität erzeugt. Es entsteht ein dramaturgisches Gefühl bei den Verhören, bei denen Sofie zunächst zu leugnen versucht, dann gesteht... und dann die goldene Brücke ablehnt. Man erlangt eine sehr emotionale und besonders enge Beziehung zur Hauptperson.
Der Film macht in vielen Aspekten einen sehr glaubhaften Charakter, der sich sehr an den historischen Fakten hält. Man merkt, dass hier auch sehr persönliche Aufzeichnungen, wie Tagebücher oder Briefe, verwendet worden sind.
Zum Beispiel beeindruckt die Vernehmung in Mohrs Büro. Schon die Ausstattung ist erwähnenswert. Der Raum wird beherrscht von einem großen Schreibtisch auf dem die Akten des Verfahren „Weiße Rose“ liegen. Bei seinen Verhören benutzt Mohr eine starke Schreibtischlampe, die er seinem Gegenüber – hier Sophie Scholl – direkt ins Gesicht richtet. Seitlich im Hintergrund befindet sich ein kleiner Tisch mit einer Schreibmaschine, an der sich ab und an die Protokollführerein zum Schreiben einfindet. Ansonsten erschient dieser Raum fast immer dunkel. Das macht ihn fremd und abweisend.
Der Vernehmer Robert Mohr wirkt einfach undurchschaubar... er entwickelt humane Denkweisen und Gefühlsregungen, aber im Hinterkopf hat man bei all dieser Humanität und diesem fast auch Einlenken in neue Gedankengänge die Gefährlichkeit der Gestapo, die im Hintergrund wirkt...und die auch er nicht einfach abschütteln kann. Man ist sich nie sicher, auf welcher Seite er steht...welche Seite er für sich persönlich anerkennt.
Ein weiterer wichtiger Höhepunkt des Filmes ist die Verhandlung im Münchner Justizpalast unter der Leitung von Dr. Roland Freisler. Auch hier zeigt es sich, wie unglaublich genau recherchiert wurde. Der eigentliche Saal existiert seit 1964 nicht mehr. Er wurde aber nach Fotografien nachgestaltet. Von der ursprünglichen „Verhandlung“ gibt es leider keine Film- oder Tonaufnahmen. Das aufbewahrte Protokoll weist nur auf die Prozessvorgänge hin. Dr. Robert Freisler musste hier in diesem Prozess aber versuchen, sich für die Nazipropaganda in Szene zu setzen..Das ist historisch belegt. Das von vornherein feststeht, wie die „Verhandlung“ auszugehen hat, liegt mehr als offen auf der Hand. Es ist im Grunde nur ein propagandistisches Spektakel mit dem Ziel, die Widerständler als würdelos und unmoralisch darzustellen. Dieser Freisler tobt und schreit, er brüllt so sehr, dass seine Stimmbänder sich überschlagen. Er ist auf keinen Fall ein Richter...er entbindet sich der Objektivität und ist nur Ankläger...und das in niedrigster Form. Er brüllt, er ist unbeherrscht , er tobt. Die angeklagten Geschwister Scholl und Christoph Probst bleiben dagegen leise. Freisler ergeht sich in Beleidigungen, Tiraden und Unterstellungen. Aber niemand traut sich, diesen Freisler in die Schranken zu weisen. Bis auf Hans und Sophie, die ihren Standpunkt und den der deutschen Bevölkerung sehr klar aufzeigen und dabei unglaublich ruhig und unglaublich ehrlich bleiben.
Immer wieder ist auch die Hoffnung ein Thema des Films. Ohne die grundlegende Hoffnung auf ein naheliegendes Ende des Weltkrieges und die radikale Veränderung der Verhältnisse im politischen Bereich wäre ein Widerstand nicht möglich gewesen. Sicher hofften die Mitglieder der Weißen Rose, selbst nicht zum Mordopfer des herrschenden Systems zu werden. Sophie hofft auf einen langen Prozess, hofft auf die 99 Tage Frist, die sonst jedem Verurteilten bis zur Hinrichtung gewährt wird. Und ganz zum Schluss haben die drei Verurteilten die Hoffnung, dass ihre Idee und ihre Gedanken weiterleben werden.
Mich hat der Film sehr bewegt. Die Schauspieler beleben ihre jeweiligen Rollen sehr gekonnt und äußert glaubhaft. Die Musik, die manchmal an Herzschläge erinnert, ist zu jeder Zeit passend. Wenn etwas stört, dann ist es die Tatsache, dass der Film gekürzt werden musste, um der Kinonorm gerecht zu werden. Ich habe die leise Hoffnung, dass eines Tages die DVD herauskommt, die sich dann ungekürzte Originalfassung nennt.
Die Kameraführung zeigt das Grau – in – Grau der Zeit. Nur selten sind sonnige Momente auch hier anzutreffen.
Es ist ein rundherum gelungener Film. Jeder sollte ihn gesehen haben. Wichtig empfinde ich ihn auch für die jetzige Jugend. Es gibt Vorbilder!!!! Und die Vergangenheit darf man nie vergessen. Nicht nur ich habe während der Vorstellung ein Taschentuch herauskramen müssen. Und nach dem Abspann, bei dem an das Schicksal anderer Mitglieder der Weißen Rosen gedacht wird, war es absolut still. Selbst nachdem wieder Licht im Kino war, löste man sich nur langsam vom Sitz...und es wurde tatsächlich ganz offen noch im Kinosaal über diesen Film diskutiert. Auch das hat mich beeindruckt, wenn ich auch mitten in der Diskussion gesteckt habe.
Schon bei Goethe lesen wir:
Nun begegn`ich meinen Braven,
die sich in der Nacht versammelt,
um zu schweigen, nicht zu schlafen
Und das schöne Wort der Freiheit
wird gelispelt und gestammelt
Bis in ungewohnter Neuheit
wir an unsere Tempel Stufen
wieder neu entzückt es rufen
„Freiheit! Freiheit!!“
Danke für`s Lesen, Bewerten und Kommentieren, Bavaria
Für Yopi und Ciao
52 Bewertungen, 5 Kommentare
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02.03.2007, 20:18 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße Edith und Claus
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27.09.2006, 16:43 Uhr von Django006
Bewertung: sehr hilfreichsh & *lg* Alan :>))))
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10.04.2006, 14:06 Uhr von schnekuesschen
Bewertung: sehr hilfreichEin klasse Bericht....LG Sandy :-)))
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09.04.2006, 18:13 Uhr von Venezianerin_2005
Bewertung: sehr hilfreichAusführlich und informativ. <br/>SH & LG :o) Ina
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07.04.2006, 00:08 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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