Spiegel Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Informationsgehalt:  sehr gut
  • Qualität der Artikel & Reportagen:  sehr gut
  • Qualität der Bilder und Fotos:  gut
  • Unterhaltungswert:  gut

Erfahrungsbericht von Finron

Spieglein, Spieglein in der Hand…

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

…was ist so los im ganzen Land? Ja, wer auf dem Laufenden bleiben will, der kommt am Spiegel nicht vorbei.

Eine kurze Geschichte
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„Der Spiegel”, gegründet 1947 von Rudolf Augstein, zählte Jahrzehnte lang neben dem „Stern” zur den politischen Top-Magazinen im deutschen Zeitschriftenwesen. Nach der Affäre um die „Hitler-Tagebücher” im Stern und trotz des „Focus”-Angriffs in den 90er Jahren hat sich „Der Spiegel” mittlerweile als die unbestrittene Numemr Eins mit einer Millionen-Auflage etabliert.

Berühmt geworden ist „Der Spiegel” durch die „Spiegelaffäre” im Oktober 1962: Der Spiegel hatte in dem Artikel „Bedingt abwehrbereit” über Militärpläne berichtet, die im Falle sowjetischer Angriffsabsichten Atomwaffen als Präventivschlag einzusetzen. Daraufhin ließ Verteidigungsminister Franz Josef Strauß den Herausgeber des Spiegels, Rudolf Augstein, sowie leitende „Spiegel”-Redakteure verhaften, die Redaktion durchsuchen und Material beschlagnahmen. Besonders empörend: Strauß ließ den damaligen „Spiegel”-Redakteur Konrad Ahlers in Spanien ohne jegliche Rechtsgrundlage festnehmen, ein klarer Verfassungsbruch, der die Republik erschütterte.

Nicht zuletzt diese Affäre war es, die den Mythos des „Spiegel” als „Sturmgeschütz der Demokratie” prägte. Denn nicht „Der Spiegel” oder Rudolf Augstein wurden mundtot gemacht, sondern Strauß musste seinen Stuhl räumen. Die Regierung war schwer angeschlagen. Trotz der Sperrung erschien „Der Spiegel” auch während dieser Krise wöchentlich. Dank „Stern”-Herausgeber Henri Nannen, der Augstein und seinen Mannen Unterschlupf in seinem Haus gewährte.

Der Spiegel heute
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Über das auflagenstärkste deutsche Wochenmagazin wacht auch heute noch Rudolf Augstein. Zwar hat der Verlagsgründer sich schon vor Jahren aus dem aktiven Tagesgeschäft zurückgezogen und die Leitung der Redaktion an Stefan Aust übertragen, doch immer wiederkehrende Kommentare und gelegentliche Titelstorys aus der Ferder Augsteins dokumentieren heute noch das journalistische Schwergewicht des Spiegel-Herausgebers.

Selbstverständlich ist „Der Spiegel” optisch nicht auf dem gleichen Stand geblieben. Ständig wurde das Layout modernisiert und aufgepeppt, in den 90er Jahren wurden sogar Farbfotos (überall schon Standard, für den informationslastigen „Spiegel” eine Sensation) eingeführt. Auch heute präsentiert sich „Der Spiegel” in einem peppig modernen Outfit. Geblieben ist das „Spiegel”-Markenzeichen: Der rote Titel-Rahmen.

Mehr wissen
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Kommen wir zum wichtigsten Aspekt einer Zeitung: Den Inhalt. Was bietet der „Spiegel” an Lesefutter? Erste Antwort: Sehr viel. Während andere Magazine auf Bilder setzen, springt den Spiegel-Leser das Blei auf der Seite entgegen. Ein Grund für viele, den „Spiegel” nicht zur Hand zu nehmen. Auch ich hab mich in meiner Jugend gesträubt gegen diese Informationsflut. Aber irgendwann kauft man mal sein erstes Heft, kurz darauf marschiert man wöchentlich zum Kiosk – und schwuppdiwupp ist man Abonnent.

Denn was im „Spiegel” steht, ist wirklich erste Sahne. Ich bezieh mich jetzt mal auf die aktuelle Ausgabe vom 24. Juni 2002. Die Titelstory „Radikal-Kur gegen Arbeitslosigkeit” ist auf Seite 1 wieder einmal meisterhaft umgesetzt: Ein Bundesadler, der im Strudel von (arbeitslosen) Menschen ertrinkt. Das Titelthema nimmt im „Deutschland”-Teil dann auch gleich satte 20 Seiten ein (nette, also ohne Werbung immer noch 12 Seiten) und wird im „Gesellschafts”-Teil noch einmal auf 8 Seiten von anderer Seite umfassend beleuchtet. Dabei wird das Titelthema wie immer nicht in einem großen Textklotz abgehandelt, sondern die Information durch Kästen, Kommentare etc. aufgesplittet und leichter degoutierbar gemacht.

In den letzten Jahren hat sich auch die „Spiegel-Serie” zu einem festen Bestandteil entwickelt. Mal mehr, mal weniger interessant für den einzelnen sind diese Serien z.B. um den 11. September, die Geschichte Europas, Vertreibungen nach dem 2. Weltkrieg etc. Die derzeitige Serie um die deutsche Bildungsmisere zählt für mich zu den besseren Serien, aktuell wird in Teil 7 „Der Niedergang des Abiturs” behandelt.

Traditionell wird jede Rubrik im „Spiegel” mit mehreren „Panorama”- oder „Trend”-Seiten eingeleitet, auf denen kurze Appetithäppchen aus der jeweiligen Sparte stehen. Ebenfalls Tradition: Der Einstieg ins Heft mit den Leserbriefen.

Politik-lastig ist natürlich der Deutschland-Teil. Wie alle vier Wochen ist in der aktuellen Ausgabe wieder das Polit-Barometer drin, in dem man alles erfährt über die Beliebtheit deutscher Politiker, die Sonntagsfrage „Wen würden Sie wählen” und, und, und. Auf einer Doppelseite wird die politische Stimmung im Land kurz und doch ausführlich durchleuchtet.

Affären haben mittlerweile schon fast einen Stammplatz dort, seien es in den letzten Jahren die Schmiergeld-Affäre um helmut Kohl, die Kölner Müllaffäre oder ganz aktuell eine CSU-Spendenaffäre. Das wird dem Leser manchmal schon fast zu viel an Skandalen im Polit-Business. Der Lebensmittel-Skandal wird auch diese Woche um eine weitere Fußnote bereichert und auch die Bundeswehr hat der Spiegel wie so oft wieder genau im Blickfeld.

Im Wirtschaftsteil erfährt man zumindest das Wichtigste aus dem Business-Sektor. Obwohl micht diese Rubrik nicht so brennend interessiert, findet sich doch jede Woche mindestens ein Artikel, bei dem ich hängenbleibe. Diesmal wars das Interview mit Giorgio Armani und die Weltraumpark-Pläne von erich von Däniken, die mich im Wirtschaftsteil fesselten.

Die Medien haben seit einiger Zeit auch ihre eigene Rubrik im Spiegel, wenn auch meist nur einen kleinen Raum. Wer hier allerdings hochspezialisierte Interna wie im „Journalist” ode „W&V” befürchtet, kann beruhigt aufatmen. Die Spiegel-Macher sind sich – wie in allen Rubriken – ihrer Klientel bewusst, die aus interessierten Laien besteht. Diesmal wird im Medien-Teil das Phänomen GZSZ durchleuchtet und ein Prozess der Bunten gegen einen ehemaligen Redakteur geschildert.

Der Auslands-Teil ist seit Monaten auf den Konflikt im Nahen Osten und Bushs Kreuzzug gegen den terrorismus gebucht. Neben diesen Themen wird aber auch der Niedergang des Touristenmekkas Mallorca und das Tauziehen um die EU-Agrarmilliarden behandelt.

Weiter zur Kultur. Dort findet man nicht nur interessante Arrtikel aus allen Bereichen des künstlerischen Schaffens von Schriftstellerei über Theater, Musik und Film bis hin zur bildenden Kunst und Architektur, sondern auch die berühmte „Spiegel-Bestsellerliste”. Diese ist in Belletristik und Sachbücher unterteilt und präsentiert Woche für Woche die 20 meist verkauften Hardcover-Buchtitel. Diesmal unter anderem im Kulturteil: Ein Gespräch mit dem US-Schriftsteller Jonathan Franzen, ein Bericht über „Rufmord” und ein Artikel über Franka Potentes Fortschritte in Hollywood.

Im Wissenschafts-Resort bleiben wohl die meisten Leser am längsten hängen. Nicht nur aktuelle Debatten um Gentechnik, Reproduktionsmedizin, Stammzellenforschung und Ähnliches haben hier ihren Platz, immer wieder werden auch kuriose Themen aufgegriffen wie die Hightech-Wegwerfwindel. Spannende Themen aus der Archäologie oder Weltraumforschung fehlen zwar diese Woche, aber die kommen so sicher wie das Amen in der Kirche.

Am Schluss noch Sport: Die kleinste und trotz Fußball-WM mit drei Artikeln (inclusive Nachruf auf Fritz Walter) unbedeutendste Rubrik im „Spiegel”. Was aber auch gut ist, denn so können sich die Sportreporter auf Hintergrundrecherche konzentrieren statt Spielberichte und Ergebnisse abzutippen. Natürlich nimmt diesmal die WM den ganzen Sportraum ein: Der deutsche Weg ins Halbfinale wird beleuchtet und Arsenal-Trainer Arsene Wenger spricht über die Nivellierung des Weltfußballs.

Relativ neu ist die Wochenchronik, in der die Ereignisse der letzten Woche telegrammartig zusammengefasst werden und ein „Bild der Woche” - mal komisch, mal bestürzend - zu sehen ist. Im „Register” finden sich kurze Todesmeldungen von Persönlichkeiten oder Ehrungen selbiger. Unter „Personalien” hat der Spiegel auf knapp zwei Seiten zusammengefasst, was man als Klatsch-Kolumne auf hohem Niveau bezeichnen könnte. Kult ist natürlich der „Hohlspiegel” auf der letzten Heftseite, in dem verbale Entgleisungen a la „Stocksteif, das Gesicht zur Faust geball” zu bewundern sind.

Ein Zuckerl für Abonnenten
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Was der Kiosk-Käufer nicht mitbekommt, ist das Zuckerl für die Abonnenten: Der Kultur-Spiegel. In diesem monatlichen Supplement (das in der aktuellen Ausgabe steckt) werden diverse Kulturthemen näher beleuchtet (diesmal gehts unter anderem um den Vormarsch japanischer Sex-Comics). Was auf Deutschlands Bühnen, in den Konzertsälen, auf den Festivalbühnen und den Kinos los ist, die Buchneuerscheinungen des Monats, die interessantesten Ausstellungen – all das findet man in dem kleinen Heftchen. Ich möchte den Kultur-Spiegel nicht mehr missen.

Auch der Abonnentenservice des Spiegel funktioniert tadellos. Wenn man in Urlaub fährt genügt ein Anruf, und das nächste Spiegel-Heft landet in der Hotelrezeption. Ich hab das selbst bei London- und Hongkong-Aufenthalten ausprobiert. Und wenns auch in Asien nciht mehr der Montag war, bekam ich doch meinen Spiegel ohne Aufpreis oder Zicken zugesandt.

Fazit
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Spiegel-Leser wissen tatsächlich mehr. Für 2,80 Euro Kioskpreis kann man montags schon erfahren, was die nächsten Tage Gesprächsthema in den TV-Magazinen sein wird (wirklich wahr, was man im Fernsehen serviert bekommt, stand mindestens zur Hälfte zuvor schon in der Bild oder im Spiegel - je nach Sendung). Und für die Statistiker: Die Blattstärke schwankt je nach Saison zwischen ca. 180 und 320 Seiten.

Die anfängliche Scheu vor der Textlastigkeit verfliegt schnell, denn die Spiegel-Redakteure verstenen es nicht nur, komplexe Sachverhalte anschaulich darzustellen, sondern ziehen auch neben knallharten Info-Themen immer wieder Kurioses ans Tageslicht, das die Blattlektüre auflockert. Auch wenn ich nicht alle Artikel lese, ungefähr 60 bis 70 Prozent selbst der schwächsten und uninteressantesten Spiegel-Ausgabe zieh ich mir rein. Und klar ist auch: Wenn der Spiegel kommt, haben Bücher bei mir zwei, drei Tage keine Chance. Der Spiegel geht vor. Immer.

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©Finron

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