Star Wars Episode 3. Die Rache der Sith (gebundene Ausgabe) Testbericht



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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
Anakin anachronistisch
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Weil dem so ist, stecke ich gerade jetzt in diesem Augenblick natürlich in einer kleinen Zwickmühle. Wie sagt man so schön? Geschenkten Gäulen schaut man ebensowenig irgendwo hin wie geschenkten Barschen. Mithin verbietet sich allzu kräftiger Verriss selbstverständlich. Oder etwa doch nicht? Die fragliche Dame ist schließlich alles andere als eine Anhängerin des Lucas'schen Filmschaffens. Weshalb ich vermute, dass allzu große Elogen meinerseits gegebenenfalls zu größerer Enttäuschung auf Leserinnenseite führen könnten als der eine oder andere gezielte Seitenhieb. Quid nunc?
"Star Wars"-Fan der ersten Stunde, der ich bin, habe ich noch nie irgendwelche Merchandising-Produkte ausgeschlagen; schon gar nicht solche, die ich umsonst bekommen habe. Irgendwo, in einer meiner zahlreichen Schubladen, harrt noch ein PEZ-Bonbon-Spender im Dart Vader-Design immenser Wertsteigerung: Ich hoffe darauf, das Ding irgendwann mit Gewinn an jemanden weiterverkaufen zu können und vom Erlös einen Ruhesitz an einem der etwas sonnigeren Gestade der Welt finanzieren zu können. Man liest doch immer mal wieder davon, dass Leute Mondpreise für unbespielte, noch in der Original-Blisterpackung befindliche Plastikfigürchen zu zahlen bereit sind - warum also nicht für meinen Darth Vader, der seinem filmischen Vorbild zwar sehr ähnlich sieht, in Wirklichkeit aber nichts als Brausebonbons im Kopf hat?
Weil ich seit Jahr und Tag Sammler diverser "Star Wars"-Memorabilia bin, ist der Comic zu "Star Wars - Episode III - Die Rache der Sith" nicht das einzige Comic zu einem "Star Wars"-Film, das den Weg in meine Regal gefunden hat. Das Comic zum zweiten "Star Wars"-Teil "The Empire Strikes Back" hat dort ebenso seinen Platz wie das zur Fortsetzung "The Return of the Jedi". Das eine habe ich seinerzeit hierzulande für unglaubliche 7 Mark und neunzig Pfennige erstanden (an dieser Stelle stelle man sich bitte einen Chor vor, der den unvermeidlichen Satz singt: "Das war --- damals --- viel Geld ... !"), das andere habe ich für schlappe 1 Pfund 25 in einem Londoner Buchladen namens "Forbidden Planet" ergattert, den ich bei meinem letzten Aufenthalt in der britischen Hauptstadt vergeblich gesucht habe. Tscha, tempora mutantur, et nos mutamur in illis. Womit der Bogenschlag zum eigentlichen Thema vollzogen wäre.
Ich weiß noch nicht recht, was ich von der Comic-Adaption des neuesten "Star Wars"-Teils halten soll. Halt - was heißt hier eigentlich "der neueste"? "Episode III" soll schließlich der letzte Teil der Geschichte sein. Was insofern nicht weiter schlimm ist, als ja nun wirklich keine der wirklich bewegenden Fragen offen geblieben sind. Der Vorhang kann also wohl auch zu bleiben. Ein seltsames Gefühl ist das aber schon. Da kommt jetzt nichts mehr in Sachen Sternenkrieg. Das wars mit Star Wars, und ein bisschen wehmütig ist der Abschied schon: "Star Wars" hat mich ein halbes Leben lang begleitet. "Star Wars" war eine feste Größe. Jetzt beginnt das Leben nach "Star Wars", und wenn ich so darüber nachdenke, ist das ja schon seltsam: knapp 30 Jahre lang war ich gespannt darauf, warum aus dem guten Anakin Skywalker der böse Darth Vader geworden ist. Es hat tatsächlich bis zur letzten Woche gedauert, bis mir etwas klar geworden ist: Im Grunde will ich gar nicht wissen, warum der Schwarrze Ritter der Schwarze Ritter ist. Schon gar nicht, wenn die Geschichte dahinter vergleichsweise hanebüchen ist.
Und seit ein paar Tagen kann ich das Wie und Warum von Anakins Konvertitentum nun also auch in einem bunten Comic nachlesen. Die Betonung liegt hier übrigens wirklich auf "bunt". Damals, als der berühmte Comic-Verlag "Marvel" noch verantwortlich für die Adaption der "Star Wars"-Geschichten fürs Bildergeschichten liebende Publikum verantwortlich zeichnete, war das längst nicht selbstverständlich - der ganze Inhalt sei "In Full Colour", brüstet sich etwa die im handlichen Taschenbuch-Format veröffentlichte Comic-Version von "The Return of the Jedi". Überhaupt enthüllt ein Vergleich der Marvel-Comics von anno dunnemals mit dem jüngst erschienenen "Episode III"-Begleitband mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten.
Da wäre zum einen das Format: mit 17 auf 25,5 Zentimetern (ich hab' nachgemessen, weil's kein DIN Format ist - ich gelobe aber, dass ähnliches so bald nicht wieder in einem meiner Beiträge zu lesen sein wird) ist "Episode III" gut und gern doppelt so groß wie die Taschenbücher aus den 80er Jahren. Das hat, wie einleuchten dürfte, natürlich ganz unmittelbare Auswirkungen auf den Inhalt: die einzelnen Panels (vulgo: Kästchen) in "Episode III" sind um einiges großzügiger gestaltet als in den Vorläufern. Nicht nur der Raum innerhalb der Panels wird genutzt, sondern teils sprengen die Figuren den Rahmen im wahrsten Sinne des Wortes, an wieder anderen Stellen werden Bilder einfach in größere Hintergrundbilder eingeklinkt. Das wirkt ungemein dynamisch und passt so natürlich auch hervorragend zur Handlung des Comics. Und wenn, in einer der lang erwarteten Schlüsselszenen des Films, Darth Vader zum ersten Mal im hinlänglich bekannten schwarzen Panzer die Szenerie betritt, räumen die Zeichner des Comics dem schwarzen Lord für sein Debüt sogar eine ganze Seite ein.
Die beiden Herren, die federführend bei der Umsetzung waren, heißen übrigens Doug Wheatley und Miles Lane - mir sagen die Namen zwar nichts, aber das heißt auch nichts, denn ich kenne mich im Bereich der Comics (oder muss ich heute "graphic novels" sagen?) nicht sonderlich gut aus. Jenseits von Morris (Lucky Liuke), Tabary (Isnogud), Uderzo (Asterix, Oumpah-Pah), Carl Barks (Donald Duck) und Hergé hört's da bei mir ziemlich schnell auf. Robert Crumb kenne ich noch, und die Namen Frank Frazetta und Moebius sagen mir auch etwas, aber das war's dann wohl auch. Momang, Lee Wie-heißt-er-doch-gleich, von dem "Spiderman" stammt, kenne ich noch, und Horror-Zeichner Berni Wrightson verdient auch Erwähnung. Die Frage ist allerdings, ob noch irgendeiner von denen, die ich da aufgeführt habe und die noch am Leben sind, noch aktiv ist. Ich glaube eher: nein.
Insofern fällt es mir schwer, die Qualität dessen zu beurteilen, was mir da geboten wird - es ist schon eine Weile her, seit ich mir zuletzt ein Comic zugelegt habe, und so weiß ich nicht einmal, mit wessen Stil ich den der oben genannten Herren gegebenefalls vergleichen könnte. Sind die villeicht Asse ihrer Zunft? Oder doch nur kleine Auftragszeichner? Ich kann natürlich nur Vermutungen anstellen, tendiere aber zu letzterer Annahme, denn einen eigenen Stil sehe ich da wirklich nicht. Alles ist sehr bunt, leidlich realistisch gezeichnet und sehr viele Bilder wirken auf mich ein bisschen so, als seien sie 1:1 vom jeweiligen Filmbild nachgemalt worden (so etwas geht überraschend gut - wer sich einmal den Spaß macht, mit Prosepekthüllen und Acryl-, Öl- oder auch nur Modellbaufarben zu experimentieren, wird schneller den ersten Achtungserfolg erzielen, als er es sich selbst vorstellen kann).
Angesichts einiger der Panels habe ich an Fantasy-Comics eines Spaniers namens Vicente Segrelles denken müssen - dass auch der nur vergleichsweise wenigen Kennern der materie ein Begriff sein dürfte, spricht sicherlich Bände. Anders gesagt: "Episode III" ist ein gefällig aufgemachtes Comicheft, das vor allem durch Farbigkeit und ein dynamisches Layout besticht - ein wenig habe ich aber den Verdacht, dass man genau das wahrscheinlich über sehr viele Comics sagen könnte, die in den letzten Jahren erschienen sind.
Unterm Strich ist "Epsiode III" für mich nicht mehr als routiniertes Handwerk: nettes Augenfutter, dabei aber weitgehend witzlos. Mir fehlt da etwas. Oder besser gesagt: Mir ist das alles schon etwas zuviel des Guten. Gegen das, was hier in aller Farbenpracht geboten wird, wirken die Zeichnungen in dne guten alten Marvel-Comics wirklich krude. Und trotzdem haben diese alten Comics erwas, das ich bei der Comic-Adaption von "Episode III" vermisse: einen ganz eigenen, sehr unverkennbaren Stil.
Wo Wheatley und Miles auf üppige Tablaus setzen, beschränken sich die Marvel-Comics auf einige wenige Linien - das "Star Wars"-Universum der alten Marvel-Comics lebt von Reduktion, nicht von Überfluss. Und vieles in "Episode III" finde ich auch wirklich überflüssig, denn bei aller vermeintlichen Detailverliebtheit wirkt der Band zu "Episode III" auf mich auch wieder oberflächlich: Wenn man sich das mal genau betrachtet, wirkt alles doch sehr flächig. Da lobe ich mir die knackigen Kontraste in den alten "Marvel"-Comics und in den Bildern von Alan Moore, von dem ich mir wohl längst mal etwas hätte zulegen sollen.
Genau das verwirrt mich übrigens an einem Band wie "Star Wars - Episode III - Die Rache der Sith": Wenn ich das richtig verstehe, erfreuen sich derzeit vor allem die japanischen Manga-Comics großer Beliebtheit. Auch die kenne ich eher vom Hörensagen; mein Eindruck aber ist: auch die Mangasleben eher von der Beschränkung als von akribischer Bilderbuchausmalerei. Und ich kann dem Stil der mangas zwar nichts abgewinnen, aber ich ahne, was man daran vielleicht reizvoll finden kann: Nicht so sehr das, was gezeigt wird, sondern das, was nicht gezeigt wird.
Womit ich auch schon am Ende meiner Ausführungen bin - was noch gesagt werden könnte oder müsste, sollen die Bilder übernehmen (ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als 1000 Worte).
R e s ü m e e :
Für € 9,90 ersteht der hoffentlich geneigte Leser ein durchaus hochwertig aufgemachte Veröffentlichung. Das Papier der Qualität gänzend gestrichene Papier, das der Dino Verlag für die veröffentlichung gewählt hat, bringt die Farben der Panels gut zur Geltung; das matt kaschierte Cover des annähernd DIN A4 großen Bandes wirkt elegant - diesen Band wird man auch Jahre später sicher noch gern zur Hand nehmen . Umso lieber natürlich, wenn man bekennender Comic-Fan und -Sammler ist - ich bin's nicht und hätte, wenn ich den Band nicht geschenkt bekommen hätte, kein Geld dafür ausgegeben. Sinnvoller als in zwei Schachteln Zigaretten investiert wäre das Geld aber sicher allemal.
ps: Ach, und noch etwas - das gute alte "hand lettering" scheint inzwischen auch eine aussterbende Kunst zu sein; das, was ich da in "Episode III" sehe, sieht in seiner Ebenmäßigkeit verdammt nach einem Font aus. Der heißt wahrscheinlich auch noch "hand lettering".
26 Bewertungen, 9 Kommentare
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31.12.2006, 15:27 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichsh & wünsch dir eine schöne Silvester Feier. lg Sarah
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19.04.2006, 12:43 Uhr von Gmaster007
Bewertung: sehr hilfreichschöner bericht!
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22.01.2006, 14:20 Uhr von WreckRin
Bewertung: sehr hilfreichsuper Bericht <br/>sh, LG Sandra
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22.01.2006, 02:11 Uhr von Damk1x
Bewertung: sehr hilfreichEin sh by Damk1x
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21.01.2006, 17:55 Uhr von Mekki83
Bewertung: sehr hilfreichlg melli
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21.01.2006, 16:31 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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21.01.2006, 16:26 Uhr von Lotosblüte
Bewertung: sehr hilfreichsh und Grüße an das Gemeinswesen aus der Sisi-Monarchie :-)
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21.01.2006, 16:20 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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21.01.2006, 16:19 Uhr von Lidlefood
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich




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