Erfahrungsbericht von MondfeeMS
DIE LETZTE WÜRDE EINES TOTEN ! ??
Pro:
keines
Kontra:
schlampige Arbeit der Bestattungsinstitute, pure Geldabzocke
Empfehlung:
Nein
^^^^^^^
In meinem Bericht soll es zum einem um Gedanken rund um Bestattungsunternehmen gehen und zum anderem um die Frage ob es gut ist, einen geliebten Menschen nach seinem Tod nochmals anzusehen oder nicht. Viele unter Euch werden wissen das es hier um Erfahrungen geht, die ich in den letzten Wochen und Monaten machen musste. Leider hat mich das Jahr 2002 wohl offenbar weniger gut bedacht und die ersten 5 Monate verliefen so beschissen wie es begonnen hat. Bleibt nur zu hoffen das es zum Ausgleich noch etwas besseres in den restlichen Monaten des Jahres zu bieten hat.
Zwei Menschen mussten in den letzten Wochen zu Grabe getragen werden. Menschen die mich das halbe Leben lang oder zumindest große Teile davon begleitet haben, Menschen die mir nahe standen. Nun es waren nicht die ersten Todesfälle in meinem Leben, die ich miterlebt habe. In der Vergangenheit gingen bereits 2 voran, einmal in der ehem. DDR und einer hier. Als mein Onkel vor einigen Jahren gestorben ist lag ich selbst in einem Krankenhaus und bekam weniger das Drumherum mit. Auch an der Beerdigung konnte ich damals nicht teilhaben. Im zweitem Fall ging es um einen Menschen der nicht zum engsten Familienkreis gehörte, so das ich die Beerdigung nicht hautnah miterlebte. Dieses mal sollte es in einem Fall anders sein, denn es betraf einen nahestehenden Verwanden.
Zum erstem mal musste alles rund um die letztendliche Beerdigung organisiert und durchdacht werden und das inmitten von vielen Gedanken und Trauer die nicht einfach weg zu schieben war. Allein diese Tatsache war schon schwierig genug und oft ging es an die Grenzen der eigenen Kraft. Doch wie kann man es am besten regeln? Ja, man glaubt nicht allein damit da zu stehen. Es gibt ja Bestattungsunternehmen die viele Dinge regeln und alles organisieren. So kennt man es und ich war mir sicher das die Aufgaben dort in Guten Händen sind. Also auf zum Telefon und angerufen. Einige Rückfragen kamen per Telefon die sich um die in solchen Stunden schweren Fragen drehte was der Pastor bei der Rede zur Beerdigung sagen soll, ob der Verstorbene aufgebahrt werden solle oder nicht, was er anhaben soll und so weiter. Alles wurde genau angegeben. So war es unserem Angehörigen zu Lebzeiten sehr wichtig das er auf keinem Fall in einen dieser spießigen Anzüge gezwängt würde wenn man ihn in seinen Sarg legen würde, es sollte die normale Kleidung verwendet werden ohne die Knöpfe bis zum Hals zu schließen. Wir sagten es dem Unternehmen auch genauso. Es wurde abgesprochen das Orgelmusik spielen soll und er Würdevoll aufgebahrt werden möge für den letzten Abschied. Das Bestattungsunternehmen sagte dies alles zu und versicherte dies nach besten Möglichkeiten zu bewerkstelligen.
Nach 2 Tagen war all das erledigt und man kam zur Ruhe. Jetzt drehten sich vor allem für mich erstmals die Gedanken darum, ob ich ihn mir nochmals ansehen werde oder lieber so in Erinnerung behalte wie ich ihn kannte vor seinem Tod. Zuvor hatte ich es mir immer erspart den verstorbenen nochmals anzusehen, zum Teil aus Angst es nicht ertragen zu können und auf der anderen Seite weil ich lieber das Bild des noch lebenden und lachenden Menschen in Erinnerung behalten mochte. Irgendwann kam ich dieses mal für mich zu dem Schluss das ich ihn mir nochmals ansehen möchte. Mein Gedanke war das ich schon von vielen Menschen gehört hatte wie friedlich sie aussehen würden und gut zurecht gemacht. Was sollte mir also passieren? es war schließlich der gleiche Mensch den ich im Leben kannte und liebte.
Der Tag rückte näher und näher, die Beerdigung stand unmittelbar bevor. Nur 2 Tage verblieben noch bis zu diesem Zeitpunkt. Zeit also nochmals in die Leichenhalle zu gehen um mir den Menschen nochmals anzusehen. Nach mindestens 10 Zigaretten und Tausenden Gedanken die mir durch den Kopf schossen begab ich mich auf den Weg zum Friedhof. Nach wiederum mindestens 10 mal tief Luft holen wagte ich es den Schlüssel in der Tür zu drehen und sie leise und etwas verunsichert aber auch ängstlich was mich erwarten würde zu öffnen. Das Bestattungsinstitut würde es schon so hergerichtet haben das es schön anzusehen ist, war in etwa mein letzter Gedanke beim betreten jener Halle. Der Raum war sehr klein und eng und unwahrscheinlich dunkel. Ich tastete nach dem Lichtschalter und gab mir einen Ruck. Klick, an war das Licht. Kaum war dies Geschehen jagte ein Gedanke den anderen, gemischt mit der Wahrnehmung meiner Augen.
Mein erster Blick fiel natürlich auf den wohl bekannten Menschen von dem es galt Abschied zu nehmen. Ein seltsames und leicht schauriges Gefühl beschlich mich. Etwa so als ob man im dunklen durch eine Straße geht die einen Unheimlich vorkommt. Mein Blick schweifte ab, ich konnte und wollte nicht nur den Menschen wahrnehmen. Nein, ich wollte ganz bewusst die gesamte Atmosphäre auf mich wirken lassen. Doch ich hätte dies lieber nicht tun sollen, denn im gleichem Augenblick stellte ich zu meinem Entsetzen fest das Bestattungsinstitute offenbar auch unfähig sein können eine wirklich gute Arbeit zu leisten. Ja, ich fragte mich im gleichem Augenblick wofür in aller Welt sie sich so teuer bezahlen lassen und was sie unter Würdevoll verstehen. Jetzt war ich kurze Zeit hellwach und nahm die Eindrücke des Raumes sehr bewusst wahr.
Das Bild was sich mir bot jagte mir einen Schauer über den Rücken. Der Raum klein und schmal, regelrecht beengt. In der Mitte des Raumes stand der Sarg in dem unserer verwandter lag. Rundum im Raum sollte, so der Bestattungsunternehmer eine Würdevolle und für den Abschied feierliche Atmosphäre geschaffen sein. Würdevolle Atmosphäre??? Nein, das war es nicht. Neben dem offenem Sarg stand in der Ecke zum Kopf des Toten der Deckel des Sarges an die Wand gelehnt. Der Rest des Raumes kahl und leer. Kalte, graue Wände in einem halbdunklem Raum. Das einzige was sich noch darin befand waren zu beiden Seiten des offenen Sarges jeweils ein langer unschöner Kerzenständer mit einer wohl Öl betriebenen Flamme die nicht einmal angezündet war. Wenn das würdevoll oder gar festlich wirken soll dann bin ich klar überfordert. Schnalle wendete ich meine Blicke ab von der Umgebung, es war schier unerträglich.
Statt dessen beschloss ich meinen Blick auf den Verstorbenen zu wenden um Abschied zu nehmen, nachdem ich die Kerzen die man dorthin gestellt hatte wenigstens erst einmal entzündet hatte. Doch da fielen mir schon wieder so viele Dinge auf bei denen ich wäre es nicht ein solcher Anlass gewesen dem Bestattungsunternehmer sehr gern bei der Gurgel gefasst hätte. In die gefalteten Hände des Toten hatte man einen Strauß Nelken gelegt. Einen Tag bevor ich dort hin ging war dies geschehen. Doch diese Nelken zeigten bereits starke Anzeichen von Verwelkung. Rundum ein Rosenkranz. Der letzte Knopf am Hemd war geschlossen, so wie er es nie gewollt hatte und wir es dem Institut auch klar mitteilten. Doch dann musste ich die Krönung entdecken. Unserer verwandter war im Krankenhaus gestorben. Normalerweise und das muss man ja auch mit bezahlen werden die Toten gewaschen bevor sie aufgebahrt werden. Ob dies hier jemals geschehen ist musste ich mich sehr klar fragen. Sein Arm war am Handgelenk vollkommen Blutverschmiert. Es waren die Zeichen der letzten Versuche der Ärzte ihn am Leben zu erhalten. Dem nicht genug zeigte sich deutlich jeweils an beiden Handrücken und am Hals ein altes Pflaster. Nicht einmal diese hatte man entfernt! Eine Frechheit finde ich. Wofür werden diese Institute denn eigentlich so teuer bezahlt.
Gut damit, ich wollte Abschied nehmen. Dazu interessierte mich eine Frage die ich mir immer wieder einmal stellte. Kommt da noch etwas nach dem Tod? Sieht ein Toter Mensch tatsächlich so friedlich aus wie es so oft umschrieben wird?
Ich muss die letzte Frage leider mit nein beantworten. Mir schossen die Tränen bei dem Anblick nach wenigen Minuten in die Augen, denn friedlich wirkte er nicht. Ich wusste wer er ist, doch kann ich nicht sagen das er sich noch sehr ähnlich sah. es war seltsam. Er wirkte vollkommen anders vom Ansehen her. Eine unwahrscheinliche Kälte ging von dem gesamtem Bild aus. Eine Kälte die mich 3 mal dazu brachte kurzzeitig den Raum verlassen zu müssen weil ich es nicht mehr ertragen konnte. Der Körper leblos und vollkommen leer. Kein einziges Gefühl gab mir den Eindruck das danach irgendetwas weiter gehen würde oder könnte. ich nahm einige Minuten bewusst Abschied in meinen Gedanken und verließ dann den Raum. Draußen musste ich mich erst einmal setzen und einige Zigaretten rauchen bis ich all die Eindrücke verdaut hatte. ich kam letztendlich zu dem Schluss, es ist besser einen geliebten Menschen so in Erinnerung zu behalten wie man ihn kennt und sich diesen letzten Anblick zu ersparen.
Zwei Tage darauf folgte die Beerdigung. Wenigstens hier so dachte ich würde das Bestattungsinstitut seine Arbeit gut machen und würdig. Doch auch in dem Fall musste ich mich leider eines besseren belehren lassen. Als erstes kam der Bestatter auf uns zu um uns mitzuteilen das leider der Mann für die Orgel krank sei. Ein Ersatz hätte man nicht finden können und so gebe es halt keine Musik. Man könnte sich diese Tage nun einmal nicht aussuchen. Klasse! In einer Stadt mit mehreren Kirchen und noch weiteren in der Umgebung wäre es unmöglich gewesen einen Ersatzspieler finden zu können? Es schien unglaublich. In der Kirche wurde der Sarg aufgestellt, Kerzen dieses mal wenigstens angezündete umgaben den Sarg und viele Blumen und Kränze. Das war das erste mal das es wirklich würdig aussah. Dann folgte die Rede des Pfarrers, die mich mit mir ringen lies ruhig zu bleiben. Dieser Mann leierte in einer Form wie es ein Nachrichtensprecher noch besser tun würde seinen Text herunter, vollkommen lieblos und allgemein gehalten. In knappen Sätzen ratterte er herunter was man ihm aufgetragen hatte und verband es mit teilweise abstrakten Texten, die ich mit Sicherheit in keiner Bibel vorfinde. Gebete stimmte er an, doch jedes mal die falschen im Gegensatz zu denen die an dieser Stelle kommen sollten und über die, die Anwesenden informiert waren. Ein Amen zum Schluss folgte und dann führte der Weg zum Grab. Nachdem der Sarg in der Erde versunken war und nahezu jeder eigentlich mit nichts anderem beschäftigt war als Abschied zu nehmen und es irgendwie zu ertragen an dem Grab ein letztes mal vorüber zu gehen, fand es der Pfarrer offenbar schon als getan und hüpfte fröhlich zwischen den Anwesenden umher um sie mit einem Redeschwall und nachfragen wer sie seien und wie gut sie ihn kannten zu beglücken ohne zu bemerken das die meisten dafür in genau diesem Moment noch garnicht fähig und bereit waren. Das war dann das Ende eines traurigen Tages und eines schmerzlichen Abschieds.
Nach vielen Überlegungen an den darauf folgenden Tagen habe ich zumindest eines daraus gezogen, selbst bei einem Bestattungsinstitut ist nicht drin was dran steht und man muss genau prüfen wen man mit der Aufgabe betraut. Und es scheint offenbar doch wichtig zu sein seinen Tod selbst vorher bis ins Detail zu planen und es den Verwanden nahe zu legen, ehe es einfach nach gutem Ermessen so gestaltet wird wie in diesem Fall von jenem Bestattungsunternehmen. So oft sagt man es ist mir doch egal wo und wie ich eingegraben werde nach meinem Tod, doch dieses Beispiel hat mir deutlich gezeigt es ist Gelaber und absolut nicht egal. Ich jedenfalls würde eine solche Art nie haben wollen und werde auch in Zukunft, sollte es wieder einmal zu einem solchem traurigen Anlass kommen sehr genau prüfen wer diese Dinge dort vorbereitet und welchen Ruf diese Institutionen haben.
Insoweit man in einem Todesfall überhaupt das Wort Würdevoll oder feierlich verwenden kann, so muss ich sagen dieses Bestattungsunternehmen hat alles dafür getan das diese Worte keine Gültigkeit haben einschließlich einer schlampig aufgesagten Rede eines Pfarrers der wahrscheinlich nur vor Augen hatte das danach noch eine weitere Rede bei einer anderen Beerdigung zu halten ist.
Bleibt zum Abschluss eigentlich nur sich die Frage zu stellen: " Liegt einem Pfarrer nun wirklich an dem was er täglich predigt? Menschwürde, Nächstenliebe und dergleichen oder doch auch schon eher am Geld? Ist sich ein Bestattungsunternehmen eigentlich der schmerzlichen Aufgabe bewusst die es übernimmt gegen unendlich viel Geld? "
Es ist sehr traurig das man sich solche Fragen überhaupt stellen muss und zuvor wäre ich nie auf eine solche Idee gekommen, doch man lernt offensichtlich nie aus.
Eure Mondfee
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Erstellt am 14.05.02/02:41:31 Uhr
22 Bewertungen, 5 Kommentare
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04.06.2002, 10:05 Uhr von werwoelfin666
Bewertung: sehr hilfreichSchau in Dein Gästebuch!
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14.05.2002, 09:05 Uhr von Ingwer
Bewertung: sehr hilfreichSehr guter Bericht- schade, wenn man zusätzlich zum Verlust noch mit soetwas rechnen muss. LG, Ingwer
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14.05.2002, 08:41 Uhr von jamesi_bg
Bewertung: sehr hilfreichIch würde meine Verwandten glaube ich nicht mehr sehen wollen. Aber ich war Gott sei Dank noch nicht in der Situation, dass ich es entscheiden musste. Bis dann, Bianca!
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14.05.2002, 08:19 Uhr von Annna13
Bewertung: sehr hilfreichEin sehr guet Bericht yum Nachdenken...Gruß aus Sofia
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14.05.2002, 07:20 Uhr von moelmirc
Bewertung: sehr hilfreichHi, noch ein guter Bericht. Der Bericht ist gut und übersichtlich geshrieben. ciao moelmirc
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