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Erfahrungsbericht von LoMei

Ghana 6: Akwaaba in Accra

Pro:

Interessante und lebendige Stadt

Kontra:

nichts bekannt

Empfehlung:

Nein

Wir gehörten zu einer Delegation der Evangelischen Kirche der Pfalz, die auf Einladung der Presbyterian Church of Ghana im Februar 1986 das Land bereisen und die Arbeit der Kirche kennen lernen sollten. Diese Kirche geht auf die Arbeit der Baseler Mission zurück und wird von den älteren Leuten auch Basel Church oder wegen der vielen überwiegend schwäbischen Missionare German Church genannt.


INHALT

1. Flug über die Sahara
2. Auf dem Flughafen von Accra
3. Als ökumenische Gäste bei der PCG
4. In Accra
5. Fazit


1. FLUG ÜBER DIE SAHARA

Am Montag, den 17. Februar 1986 ging es los. Um kurz nach 09:00 Uhr hob unsere Maschine in Frankfurt ab in Richtung Amsterdam. Dort stiegen wir in eine KLM-Maschine um, die uns nach Accra bringen sollte. Der Flug über die Sahara war einer der ersten Eindrücke. Ich stand öfter am Gangfenster und schaute auf die Wüste unter mir. Die Landschaft änderte von Zeit zu Zeit ihr Gesicht. Geröllfelder und Gebirge wechselten einander ab. Langgezogene Sanddünen hatten oft die Felsformationen so weit zugeweht, daß nur die höchsten Felsen als gezackte Spitzen oder scharfe Grate herausragten. Die Sicht war im Norden und in der Zentralsahara sehr gut. Je weiter wir nach Süden kamen, desto diesiger wurde es. Der Boden war schließlich nicht mehr zu sehen. Als Folge der höheren Luftfeuchtigkeit sahen wir nur so etwas wie eine graubraune Nebelschicht.
In Lagos gab es eine Zwischenlandung. Nach etwa 8 ½ Stunden Flugzeit landeten wir um 18:45 Uhr auf dem Kotoka International Airport in Accra.


2. AUF DEM FLUGHAFEN VON ACCRA

Als wir in Amsterdam gestartet waren, herrschte dort tiefer Winter mit etlichen Minusgraden. Unsere Kleidung hatte dem Rechnung getragen. Beim Verlassen der Maschine hatten wir das Gefühl, es würde eine feuchte Hitzeglocke über uns gestülpt. Auf dem Gang über das Rollfeld zur Abfertigungshalle rann uns der Schweiß in Sturzbächen den Rücken herunter. Einige hatten wegen der hohen Luftfeuchtigkeit Schwierigkeiten mit dem Schnaufen..
Am Flughafen herrschte ein unheimliches Gedränge. Bei dem Schubsen und Stoßen ging das Blitzlichtgerät von Ingrid „verloren.“ Uns erwartete ein Großer Bahnhof. Neben dem für die ökumenischen Beziehungen der Presbyterianischen Kirche zuständigen Pastor waren weitere Würdenträger und ihre Begleitung erschienen. Beim Begrüßen und Vorstellen drängelten sich immer wieder Jugendliche oft sehr aufdringlich zwischen uns und unsere Gastgeber und boten ihre Dienste als Gepäckträger an. Nicht weit vom Flughafen stand der VW-Bus der Kirchenleitung. In ihm wurden wir und unser Gepäck verstaut, und dann ging es auf holperigen Wegen zum Gästehaus der PCG (Presbyterian Church of Ghana).


4. ALS ÖKUMENICHE GÄSTE BEI DER PCG

Unser Gästehaus
Das Gebäude hatte zwei Stockwerke. Im Untergeschoß befanden sich vor allem eine Küche und ein kleiner Aufenthaltsraum, der uns auch als Speiseraum diente. Im Obergeschoß waren die Gästezimmer untergebracht. In Längsrichtung verlief dort ein Gang, von dem aus man zur einen Seite in die Zimmer gelangte und zur anderen Seite durch große Fenster den Hof des Anwesens überschauen konnte. Am Anfang des Ganges war ein Miniklo mit einem Miniwaschbecken und einer einfachen Dusche. Das fließende Wasser kam aus einem Vorratsbehälter, der sich an einer Giebelwand hoch über dem Dach befand. Es floß aber nur, wenn der Behälter auch gefüllt war. Das besorgte ein Tankfahrzeug. Zu zweit bezogen wir das erste Zimmer. Es gab zwei Betten ohne Bettzeug und ich glaube zwei Stühle. Wir packten unsere mitgebrachten Bettlacken aus und bauten unsere Koje. Margaret die Seele des Hauses und der Küche hatte ein kleines Abendbrot vorbereitet.

Akwaaba beim Moderator im Churchcenter
Die Presbyterianische Kirche hat an ihrer Spitze keinen Bischof oder Kirchenpräsidenten. Ihr höchster Repräsentant ist der Moderator. Bei ihm machten wir gleich am ersten Tag einen Antrittsbesuch. Der damalige Moderator war Rev. I. H. Frempong. Nach einer kurzen Begrüßung bot er an, mit uns die bei den Völkern im Süden Ghanas übliche Akwaaba-Zeremonie zu vollziehen. Er sagte, wir würden das bei unseren Reisen über Land ohnehin kennen lernen. Akwaaba heißt in Twi „Willkommen“. Aber hinter dem Wort verbirgt sich darüber hinaus eine Zeremonie mit ganz bestimmten Regeln. Nach diesen Regeln gingen wir als Gäste nun in einer Reihe an den im einen Teil des Raumes sitzenden Gastgebern vorbei und gaben von rechts beginnend jedem die Hand. Dann setzten wir uns auf unsere Plätze. Nun standen die Gastgeber auf und gingen in einer langen Reihe an uns vorbei und gaben ihrerseits jedem von uns die Hand. Zum Kern der Zeremonie gehört immer die Frage an die Besucher: „What is your mission?“ Nach der Erläuterung der Wünsche oder Absichten wird ein Begrüßungstrunk gereicht. Das ist im Normalfall ein Glas Wasser. Da man wußte, daß europäische Mägen das hier gereichte Wasser möglicherweise nicht vertragen, wurde uns Sinalco angeboten.
Bei einem richtigen Häuptlingsempfang gelten noch besondere Höflichkeitsformen.

Im Pressezentrum der Presbyterianischen Kirche von Ghana (PCG)
Ein Programmpunkt war der Besuch des Pressezentrums. Nach der Begrüßung wurden die Mitglieder unsere Gruppe allen Mitarbeitern einzeln vorgestellt. Wir erfuhren etwas über die dortige Arbeit. Die Druckerei war in die Jahre gekommen und für die dringend erforderliche Anschaffung neuer Maschinen fehlte das Geld. Hier wurde das zentrale Mitteilungsorgan der PCG, der Christian Messenger, gedruckt. Diese älteste christliche Zeitung beging 1983 ihr 100jähriges Bestehen. In der Jubiläumsausgabe wurde den Baseler Missionaren Christaller, Rottmann und Schrenk als Gründungsvätern für ihren Weitblick und ihre Initiative gedankt. Es gehörte von Anfang an zum Redaktionskonzept, nicht nur über die eigene Kirche, sondern über das kirchliche Leben in Ghana allgemein sowie über politische Ereignisse zu berichten.

Gottesdienst in der Gemeinde Official Town.
An einem Sonntagvormittag waren wir zum Gottesdienst eingeladen. Er begann um 9:30 Uhr mit Liedern, Lesungen, Abkündigungen usw. Die Lieder wurden von mehreren Chören vorgetragen. Manche Chöre sangen ohne Begleitung, und andere wurden von rhythmischen Trommeln unterstützt. Nach 2 ¼ Stunden fing die Predigt an. Das meiste wurde in Twi (Sprache der Akan-Völker), wenig auf Englisch gesagt. Wir wurden einzeln namentlich vorgestellt. Der Gang zum Kollektenkorb vor dem Altar war ein fröhlicher Tanz, in den wir nach freundlicher Nötigung mit einbezogen wurden.. Um 12:30 Uhr war Schluß. Nach dem Ausmarsch gingen alle Kirchgänger draußen im Gänsemarsch an uns vorbei, und dabei gab es ein endlos langes Händeschütteln. Wer noch nie einen afrikanischen Gottesdienst besucht hat, sollte das unbedingt nachholen. Auch wer sich nicht kirchlich gebunden fühlt, wird durch das Nebeneinander von tiefem Ernst und überschäumender Fröhlichkeit beeindruckt sein.


5. IN ACCRA

Gleich am ersten Tag fuhren wir mit dem Kirchenbus in die Stadt. Dabei bekamen wir einen ersten Eindruck von der Hauptstadt des Landes.

Lage der Stadt
Accra liegt geographisch in der Mitte einer sehr trockenen Küstenregion, die im Nordwesten von den Ausläufern einer Gebirgskette begrenzt wird. Die Bedeutung des Namens Accra ist nicht ganz geklärt. Meinem Reiseführer konnte ich entnehmen, daß er sich auf das Vorhandensein von Ameisen bezieht. Jedenfalls gibt es viele Termitenhügel.

Das Leben auf den Straßen
An den Rändern der Straßen waren in langer Kette kleine Stände aufgebaut. Hier konnte man alles kaufen, was eine Familie zum Leben benötigte. Es gab importierte Weißbrote, Seife, Waschpulver, Eier, Früchte des Landes, wie Yamknollen und vieles mehr. Frauen trugen diese Waren mit sicherem Gang auf dem Kopf fort. An den Kreuzungen regelten Polizisten in geschniegelten Uniformen nach britischem Vorbild den Verkehr. Jungendliche kamen in großer Zahl an die vorbeifahren den Autos heran. Wenn die Autoschlangen langsam fuhren oder anhalten mußten, versuchten sie sofort freundlich aber recht hartnäckig Kleinwaren zu verkaufen. Überall war buntes Leben und Treiben. An den Ecken standen oft junge Männer und hielten vor andächtig zuhörenden Passanten eine Predigt. Viele der vorbeifahrenden Kleinbusse und Lieferwagen trugen religiös motivierte Aufschriften, zum Beispiel: Christ is the answer, oder Wonderful God. Die meisten Inschriften waren in Englisch aber manche auch in Twi oder Ga verfaßt.
Wir waren aus dem kalten Norden Europas in eine völlig andere afrikanische Welt eingetaucht, in der das Leben in einem anderen Rhythmus pulsierte. Ich schaute und schaute und wußte, daß wir in den nächsten Wochen an diesem Leben teilhaben würden und fragte mich, wie ich wohl damit zurecht käme.

Obroni, Obroni
Als wir an einer Schule hielten, kamen von allen Seiten Kinder angerannt. Sie lachten fröhlich und riefen uns immer wieder „Obroni, Obroni!“ zu. Wir ließen uns von unseren Begleitern erklären, das hieße soviel wie „Weißer Mann!“ Sie rieten, wir sollten „Obibini!“ antworten, das hieße „Schwarzer Mann“. Die Kinder lachten sich daraufhin schier kaputt. Später ist uns das in den Dörfern immer wieder passiert.

Christiansborg
Das politische Zentrum des Landes ist „the castle“, eine alte Sklavenburg, die in der Vergangenheit mehrmals ihren Besitzer wechselte und von den Dänen 1659 Christiansborg genannt wurde. Im Jahre 1874 wurde die Goldküste zur britischen Kronkolonie und Accra Sitz des Gouverneurs. Seit 1957 ist das „castle“ Sitz der Regierung von Ghana. Wir wurden dringend gebeten, uns der Burg nicht zu weit zu nähern und dort auf gar keinen Fall zu fotografieren. Wegen der vielen Umsturzversuche sind die zuständigen Sicherheitskräfte sehr mißtrauisch und im Umgang mit „Verdächtigen“ überhaut nicht zimperlich.

Unabhängigkeitsplatz
Der Platz wird auch Black Star Square genannt. Er bildet mit dem aus Anlaß der Unabhängigkeit des Landes errichteten Nationaldenkmal das Zentrum des offiziellen Accra. Ganz besonders fällt Accras Triumphbogen (Independence Arch) ins Auge. Oben sind vier klotzige schwarze Sterne zu sehen, die nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. Sie stehen für das Bestreben des Landes, Schwarzafrikas Stern scheinen zu lassen. Darunter steht in großen Buchstaben Freedom and Justice. Auf der anderen Straßenseite ist ein offener Platz mit 30 000 stadionähnlichen Sitzplätzen und einer Ehrenloge angelegt. Diese Freiluftarena ist für Militäraufmärsche und offizielle Versammlungen gedacht.

Nationalmuseum
Der Besuch im Nationalmuseum war sehr interessant. Mich beeindruckte insbesondere das Kunsthandwerk des Landes. Man konnte wunderschöne Kentetücher (gewebte Stoffe mit traditionellen Mustern) bewundern. Unter den Schnitzarbeiten stachen die kunstvoll gearbeiteten Insignienstäbe der Häuptlingssprecher hervor. Wir lernten sie später bei Häuptlingsempfängen kennen. Der Stab trägt an seinem oberen Ende eine Figur, die das Clan-Symbol der Royal family darstellt. Da wir nicht unter Zeitdruck standen, konnten wir jeder nach Interessenlage alles in Ruhe ansehen.

Souvenirmarkt
Bei unserem Besuch im Jahre 1986 war der Markt ziemlich unscheinbar und erinnerte an den mittelgroßen Flohmarkt einer Kleinstadt. Neben vielem Krimskrams gab es einige interessante Stücke. Bei einem späteren Besuch in Accra mußte ich 1992 feststellen, daß der Markt sich gemausert hat. Hunderte von Händlern haben überdachte Stände aufgebaut und bieten bunte Stoffe und kunsthandwerkliche Dinge des ghanaischen Alltages, geschnitzte oder gegossene Figuren an, die sich auf traditionelle Überlieferungen beziehen. Es gibt fast alles, was Touristen interessieren könnte. Wer gut handeln kann, bringt sicher ein Schnäppchen mit nach Hause.

Schneiderwerkstätten
Vom Souvenirmarkt fuhren wir ein Stück mit den Auto und erreichten nach kurzer Zeit einen kleinen Straßenzug in dem eine Schneiderwerkstadt neben der anderen lag. Hier konnte man Herrenhemden oder Damenkleider mit bunten Batikmustern kaufen oder sich welche nach Maß anfertigen lassen. Die Auswahl war groß.

Bankbesuch.
Da wir für die vor uns liegende Zeit unsere D-Mark in Cedis umtauschen mußten, war der Besuch einer Bank erforderlich. Ich weiß nicht mehr, welche Bank wir betraten. Aber ich erinnere, daß wir in einen großen Raum kamen, der rundherum durch thekenähnliche Bankschalter begrenzt wurde. Für unsere D-Mark bekamen wir ganze Bündel Cedi-Noten. Die mußten gut verstaut werden. Dazu hatten wir nur Plastiktüten bei uns. Ich konnte beobachten, daß hinter einem der Schalter ein riesiger Stapel Geld auf dem Fußboden lag, der von einem jungen Mädchen bewacht wurde.

Labadi Beach
An den Abenden fuhren wir gerne zum Baden ans Meer. Es gibt mehrere Bademöglichkeiten. Wir fuhren jeweils zum Labadi Beach. Der Strand lag ungefähr 3 km von unserem Gästehaus entfernt an der Straße nach Tema. Es war herrlich, sich in die anrollenden Wellen zu werfen und den Staub des Tages abzuspülen. An bestimmten Tagen war die Luftfeuchtigkeit so hoch, daß man glaubte, es läge Nebel über dem Meeressaum, den man zerschneiden könnte. Im Laufe der Jahre wurden am Strand einige luftige Gebäude errichtet, in denen man kühle Getränke erhalten konnte.


6. FAZIT

Ich war nur zweimal in Accra 1986 und 1992. Oft haben ich inzwischen mit Freunden gesprochen, die kürzlich dort waren. Die Stadt verändert sich und übt einen ganz besonderen Reiz auf den Besucher aus. Wer dahin reisen möchte, soll es wirklich tun. Ich habe neulich gelesen: Die Tierwelt erschließt sich dem Besucher in Ostafrika, aber die Menschen lernt an in Westafrika kennen. Ich war nie in Ostafrika, aber in Westafrika habe ich viele Menschen kennen und schätzen gelernt.
Als vorbereitende Reiselektüre kann ich den Peter Meyer Reiseführer Ghana aus dem Jahr 1993 sehr empfehlen. ISBN 3-922057-10-1.

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