Erfahrungsbericht von Indigo
Der Verteidigungshaushalt und die kalte Jahreszeit
Pro:
es kann schon helfen
Kontra:
irgendwie erwischt es einen trotzdem immer
Empfehlung:
Nein
Der Verteidigungshaushalt und die kalte Jahreszeit
Feierabend. Vor mir liegt die Novemberausgabe meiner geliebte Apotheken-Umschau. Das Gesundheitsmagazin für den Kunden erscheint immer am 1. und 15. eines Monats und ist in den Apotheken kostenlos zu erhalten. Die aktuelle Novemberausgabe titelt reißerisch:
Fit für den Winter – 33 Tipps für eine starke Abwehr.
Ich habe mich zunächst gefragt, welche Marketing-Strategie denn wohl dahinter steckt, dass die Apotheke mir vorbeugend vermitteln will, welche Maßnahmen denn dazu führen, dass ich keine Medikamente brauche. Ich habe im Impressum nachgesehen, finde leitende Redakteure, die selbst Apotheker sind, dort finde ich weiterhin einen fachwissenschaftlichen Beirat und sehr dezent und indirekt Hinweise auf die Pharmaindustrie.
Gut, nach erster Durchsicht ist die Zeitschrift sehr informativ, gespickt durch Werbung von Paracetamol-ratiopharm 500 über Klosterfrau Melissengeist bis hin zu Baldrian-Dispert und nach meiner Einschätzung auf die Generation ab 40 Jahre aufwärts (steil aufwärts) ausgerichtet. Allerdings gibt es den kleinen Psychotest „Sind Sie überzeugend“ ebenso wie eine Rätselseite für die ganze Familie und als Krönung den obligatorischen Gutschein von LIFTA - Der Treppenlift. Also folgern wir: für jeden was dabei. Der Apothekenkunde bekommt Informationen zur Gesundheit und jede Menge Werbung für den Fall der Fälle.
Nun aber zum Thema. Wie können wir nun den körperlichen Verteidigungshaushalt aufrüsten, um die Abwehrkräfte für die unweigerliche Erkältungs-, Grippe- und Virenüberfälle zu stärken? Die Arzneimittelhersteller veröffentlichen, dass die lieben Deutschen jährlich 850.000.000,- Euro allein für Hustensaft und Erkältungspräparate ausgeben. Rechnet man den krankheitsbedingten Arbeitsausfall und die verminderten Leistungen der Erkrankten hinzu, so errechnet sich eine nicht mehr zu beziffernde Summe.
Was ist folglich als Prophylaxe wirksam?
Als erstes lese ich etwas sehr unangenehmes. Jeden Morgen eine Wechseldusche, von 40 Grad Celsius nach einer Minute auf 15 – 20 Grad kaltes Wasser runter und dann auch noch von unten nach oben. Danach wird empfohlen, ab und an mal in die Sauna zu gehen, um schließlich im Sinne des alten Kneipp Wassertreten in kalten Wasser (schon wieder nur 15 bis 20 Grad) anzubieten, was ja wohl jeder in der heimischen Badewanne realisieren könne. Soweit war mir das alles schon klar, bevor ich diese Apotheken-Tipps gelesen habe. Ich mag keine Sauna, ich hasse kalte Duschen am Morgen und komme mir vollkommen bescheuert vor, wenn ich zukünftig präventiv in der Badewanne spazieren gehen soll.
Interessanter ist da schon der Tipp, dass alle zwei tage ca. 30 Minuten leichter Sport reicht. Für mich als Sportmuffel erreicht ein Spaziergang den gleichen Effekt. Das ist schon einmal prima, schließlich gehe ich täglich aus dem Rathaus zum Mittagessen und morgens vom Parkplatz ins Büro und abends wieder zurück.
Ich will die geneigte Leserschaft jetzt auch nicht überstrapazieren und die noch ausstehenden 28 Tipps referieren. Doch aus gegebenem Anlass müssen noch einige wichtige Gesundheitstipps genannt werden. Man glaubt es kaum, aber Rauchen soll man gar nicht. Wer raucht, soll es doch tatsächlich aufgeben. Gut, denke ich mir, das mach ich ja nun schon ganz tapfer in der fünften Woche und zwar ohne die angedeuteten guten Ratschläge der Apotheken-Rundschau da mit geeigneten Präparaten unterstützend nachzuhelfen.
Da ist es dann ja schon wieder beruhigend, dass Sex die Abwehrkräfte steigert. Allerdings, so folgt die Enttäuschung auf dem Fuße: Mehr Sex als zweimal pro Woche kehrt den Effekt um. Die Apotheken-Rundschau vergewaltigt in diesem Kontext Martin Luther und zitiert:
„In der Woche zwier schaden weder ihm noch ihr ...“
Und für die Gesundheitsapostel gibt es abschließend noch eine Adresse.
Unter www.GesundheitPro.de findet der interessierte Leser so einiges Wissenswerte zum Thema.
Last but not least noch der unglaubliche Tipp Nummer 33: Lachen ist gesund!
Nehmen wir nicht immer alles so ernst. Ein freundliches Lächeln oder auch ein herzhaftes Lachen fördert die positive Einstellung von uns selbst zu unserem Organismus.
Und für alle, die jetzt schon ein schlechtes Gewissen haben. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass ein übermäßiger Internet-Konsum Erkältungskrankheiten fördert und die potentiellen Viren über die Maus ins Handgelenk in die Atmungswege übergreifen.
Indigo wünscht weiterhin Gesundheit und ggf. gute Besserung.
Feierabend. Vor mir liegt die Novemberausgabe meiner geliebte Apotheken-Umschau. Das Gesundheitsmagazin für den Kunden erscheint immer am 1. und 15. eines Monats und ist in den Apotheken kostenlos zu erhalten. Die aktuelle Novemberausgabe titelt reißerisch:
Fit für den Winter – 33 Tipps für eine starke Abwehr.
Ich habe mich zunächst gefragt, welche Marketing-Strategie denn wohl dahinter steckt, dass die Apotheke mir vorbeugend vermitteln will, welche Maßnahmen denn dazu führen, dass ich keine Medikamente brauche. Ich habe im Impressum nachgesehen, finde leitende Redakteure, die selbst Apotheker sind, dort finde ich weiterhin einen fachwissenschaftlichen Beirat und sehr dezent und indirekt Hinweise auf die Pharmaindustrie.
Gut, nach erster Durchsicht ist die Zeitschrift sehr informativ, gespickt durch Werbung von Paracetamol-ratiopharm 500 über Klosterfrau Melissengeist bis hin zu Baldrian-Dispert und nach meiner Einschätzung auf die Generation ab 40 Jahre aufwärts (steil aufwärts) ausgerichtet. Allerdings gibt es den kleinen Psychotest „Sind Sie überzeugend“ ebenso wie eine Rätselseite für die ganze Familie und als Krönung den obligatorischen Gutschein von LIFTA - Der Treppenlift. Also folgern wir: für jeden was dabei. Der Apothekenkunde bekommt Informationen zur Gesundheit und jede Menge Werbung für den Fall der Fälle.
Nun aber zum Thema. Wie können wir nun den körperlichen Verteidigungshaushalt aufrüsten, um die Abwehrkräfte für die unweigerliche Erkältungs-, Grippe- und Virenüberfälle zu stärken? Die Arzneimittelhersteller veröffentlichen, dass die lieben Deutschen jährlich 850.000.000,- Euro allein für Hustensaft und Erkältungspräparate ausgeben. Rechnet man den krankheitsbedingten Arbeitsausfall und die verminderten Leistungen der Erkrankten hinzu, so errechnet sich eine nicht mehr zu beziffernde Summe.
Was ist folglich als Prophylaxe wirksam?
Als erstes lese ich etwas sehr unangenehmes. Jeden Morgen eine Wechseldusche, von 40 Grad Celsius nach einer Minute auf 15 – 20 Grad kaltes Wasser runter und dann auch noch von unten nach oben. Danach wird empfohlen, ab und an mal in die Sauna zu gehen, um schließlich im Sinne des alten Kneipp Wassertreten in kalten Wasser (schon wieder nur 15 bis 20 Grad) anzubieten, was ja wohl jeder in der heimischen Badewanne realisieren könne. Soweit war mir das alles schon klar, bevor ich diese Apotheken-Tipps gelesen habe. Ich mag keine Sauna, ich hasse kalte Duschen am Morgen und komme mir vollkommen bescheuert vor, wenn ich zukünftig präventiv in der Badewanne spazieren gehen soll.
Interessanter ist da schon der Tipp, dass alle zwei tage ca. 30 Minuten leichter Sport reicht. Für mich als Sportmuffel erreicht ein Spaziergang den gleichen Effekt. Das ist schon einmal prima, schließlich gehe ich täglich aus dem Rathaus zum Mittagessen und morgens vom Parkplatz ins Büro und abends wieder zurück.
Ich will die geneigte Leserschaft jetzt auch nicht überstrapazieren und die noch ausstehenden 28 Tipps referieren. Doch aus gegebenem Anlass müssen noch einige wichtige Gesundheitstipps genannt werden. Man glaubt es kaum, aber Rauchen soll man gar nicht. Wer raucht, soll es doch tatsächlich aufgeben. Gut, denke ich mir, das mach ich ja nun schon ganz tapfer in der fünften Woche und zwar ohne die angedeuteten guten Ratschläge der Apotheken-Rundschau da mit geeigneten Präparaten unterstützend nachzuhelfen.
Da ist es dann ja schon wieder beruhigend, dass Sex die Abwehrkräfte steigert. Allerdings, so folgt die Enttäuschung auf dem Fuße: Mehr Sex als zweimal pro Woche kehrt den Effekt um. Die Apotheken-Rundschau vergewaltigt in diesem Kontext Martin Luther und zitiert:
„In der Woche zwier schaden weder ihm noch ihr ...“
Und für die Gesundheitsapostel gibt es abschließend noch eine Adresse.
Unter www.GesundheitPro.de findet der interessierte Leser so einiges Wissenswerte zum Thema.
Last but not least noch der unglaubliche Tipp Nummer 33: Lachen ist gesund!
Nehmen wir nicht immer alles so ernst. Ein freundliches Lächeln oder auch ein herzhaftes Lachen fördert die positive Einstellung von uns selbst zu unserem Organismus.
Und für alle, die jetzt schon ein schlechtes Gewissen haben. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass ein übermäßiger Internet-Konsum Erkältungskrankheiten fördert und die potentiellen Viren über die Maus ins Handgelenk in die Atmungswege übergreifen.
Indigo wünscht weiterhin Gesundheit und ggf. gute Besserung.



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