Erfahrungsbericht von wilma
Autofahren
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Letztes Wochenende war ich (zum ersten Mal in diesem Jahr) auf einem Reitkurs und demensprechend 4 Tage je 130 km mit dem Pferdeanhänger unterwegs. Und da erlebt man schon so einiges.... Irgendwie scheint so ein Pferdeanhänger ein Feindbild für die meisten Autofahrer zu sein. Was viele Autofahrer vergessen, ist, daß vor dem Pferdeanhänger ein normaler PKW ist, der nur wegen den paar Kilo, die er hinten dranhängen hat auch nicht langsamer fährt, als sonst. Nur eines tut man, wenn man lebendige Tiere transportiert: langsamer beschleunigen und vor allem (nach Möglichkeit) langsamer bremsen und langsamer durch Kurven fahren. Klar, daß man auch auf der Autobahn nicht mit 150 Sachen dahinbraust - aber da ist man ohnehin auf der rechten Spur - und im Ortsgebiet die 50 kmh oder auf der Stadtautobahn die 80 kmh fährt man auch locker mit Anhänger.
In Wien gibts die berühmt-berüchtigte Südost-Tangente.... eigentlich eine Stadtautobahn mit erlaubter Höchstgeschwindigkeit von 80 kmh - allerdings hat die Stadt Wien aus gegebenen Anlaß schon überlegt, für die Südost-Tangente Parkpickerl zu verkaufen. Also auf dieser Strecke kann einem von stundenlangem Stillstand bis flüssigsten Verkehr alles passieren (und vor allem ändert sich diese Zustand in sekundenschnelle). Nun war ich mit dem Pferdehänger auf der SO-Tangente unterwegs, bei beachtlich flüssigen 60 kmh. Nachdem man als verantwortungsbewußter Pferdetransporteur immer mit dem nächsten Stau rechnet und mit dem Tieren hinten auch nicht unbedingt voll in die Bremsen steigen will, hält man zum Vordermann noch ein bißchen mehr Abstand, als normal. Diesen zusätzlichen Abstand nutzen dann verschiedene Autofahrer, um sich reinzuzwicken, weil sie sich einbilden schneller zu sein, wenn sie den 'lästigen' Pferdetransport hinter sich lassen. Um wieder meinen persönlichen Mindestabstand herzustellen, gehe ich vom Gas weg - worauf der nächste Autofahrer denkt, daß er unbedingt VOR den Pferdetransport muß (weil er ja schneller ist.....), also ist mein Mindestabstand wieder futsch, ich verlangsame wieder..... naja, das Spiel könnte man bis zum absoluten Stillstand spielen.....
Neue Szene - Neuer Ort: Diesmal bin ich 'An der oberen Alten Donau' unterwegs - eine 30er Zone mit Überholverbot, weil dort eben ein Erholungsgebiet an der Alten Donau ist. Normalerweise (wenn nicht gerade wegen übermäßigem Badebetrieb tausende Kinder herumlaufen) fahre ich dort knapp unter 40 kmh - das ist noch immer schneller und kostet nicht soviel, falls ich doch mal geblitzt werde. Diesmal bin ich mit dem Pferdanhänger unterwegs und fahre genauso knapp unter 40 kmh.... Diesmal glauben jedoch ein paar Autofahrer, daß sie ihr Feindbild Pferdeanhänger durch Überholen (im Überholverbot!) hinter sich lassen müssen. Natürlich überholen sie an unübersichtlichen Stellen, sodaß ich gezwungen werde abzubremsen, damit diese Autofahrer unfallfrei vorkommen - mein Abbremsen bestätigt dann natürlich die Fahrer hinter mir, daß sie mich unbedingt überholen müssen - auch wenn sie gar nicht vorsehen.....
Na gut - einen hab ich noch: Ich bin auf der Auffahrt auf die Donauuferautobahn (auch eine Stadtautobahn). Von 'meiner' Auffahrt komme ich automatisch auf die ganz linke von drei Spuren. Obwohl ich auch mit Pferd ganz locker die erlaubten 80 kmh fahren kann und werde, ist mir klar, daß es immer wieder Autofahrer gibt (gehöre ja selbst auch oft genug dazu ;-)...), die schneller als erlaubt fahren wollen. Also weiß ich, daß ich auf der ganz linken Spur einfach nichts verloren habe. Und wenn auf den ersten beiden Spuren dichter Verkehr ist, bleibt einem nur: Blinker raus und warten, bis ein Autofahrer Platz läßt, daß man Spur wechseln kann. Klingt einfach, ist es aber nicht! Fast jeder Autofahrer denkt sich, daß er (NUR er) noch schnell vorfährt - weil sonst muß er ja hinter mir nachfahren.... Inzwischen wechseln schon die Autofahrer, die ursprünglich auf der linken Spur vorfahren wollten auf die mittlere und schauen mich, während sie mich rechts überholen, ganz böse an, was ich denn auf 'ihrer' heiligen Überholspur eigentlich zu suchen habe.
Allerdings hab ich auch Positives von diesem Wochenende zu berichten: Als ich auf die linke Spur wechseln mußte, um ein Stück später auch links abbiegen zu können hat mir dreimal ein BMW und einmal ein Mercedes (das sind für mich die Automarken mit eingebauter Vorfahrt ;-)...) Platz zum Spurwechseln lassen. DANKE
MEINE BITTE AN ALLE AUTOFAHRER:
Wenn ihr einen Lebendviehtransport auf der Straße seht, dann denkt daran, daß der Fahrer den Tieren zu Liebe nicht plötzlich stark abbremsen will - also nötigt ihn nicht dazu. Tiertransporteuere sind nicht auf der Straße, um euch zu ärgern - sondern sie erfüllen entweder ihren Job oder gehen ihrem Freizeitvergnügen nach - je eher ihr ihnen das Spruwechseln ermöglicht, umso schneller können sie fahren und halten euch nicht auf. Und, einen PKW, der mit 40 kmh in einer 30er Zone fährt, überholt ihr ja auch nicht mit 60 Sachen im Überholverbot.... warum ein Pferdegespann?
Und zu guter Letzt: Ist es wirklich sooooo schlimm, wenn man mal ein paar Kilometer ein bißchen langsamer fahren muß, weil das Überholen gerade nicht geht? Wieviel Zeit verliert Ihr dadurch?? 5 Minuten? 10 Minuten? Wahrscheinlich nicht einmal so viel - aber ihr spart vielleicht eine Menge Sprit? (Ist ja in Zeiten wie diesen nicht so uninteressant). Seit ich auch mit Pferden fahre und dadurch meine Fahrweise neu überdacht habe, fahre ich mit rund 2 - 3 l Sprit weniger auf 100 km (und verliere dabei auf meiner Standardstrecke von 40 km, die ich jeden Tag hin und her fahre vielleicht 2 Minuten Zeit...)
Also, ich fahre einfach um 10 - 20 kmH langsamer, als früher, ich verzichte auf 'Schnellstarts' - die Ampel, die 100 m später kommt ist sowieso rot - und ich beschleunige nicht bis zuletzt, um dann abrupt abzubremsen, sondern gehe einfach schon ein bißchen früher vom Gas weg (das spart auch bei den Bremsen). Angeblich soll es ja auch helfen, daß man bei der roten Ampel immer den Motor abstellt - aber das ist mir, ehrlich gesagt, zu blöd....
So, jetzt hab ich euch genug vollgelabert - ich hoffe, ein bißchen was ist hängengeblieben und sollten wir uns mal auf der Straße begegnen, werde ich mich bestimmt höflich bedanken, wenn ihr mir ein flüssiges Weiterkommen ermöglicht, und mich nicht zu unnötigen Bremsmanövern zwingt, durch die dann meine armen Pferde herumgeschüttelt werden.
DANKE
28 Bewertungen, 5 Kommentare
-
23.03.2002, 05:28 Uhr von seehuhn
Bewertung: sehr hilfreichSehr guter Bericht.
-
21.03.2002, 14:42 Uhr von PrinceofLies
Bewertung: sehr hilfreichdas Spielchen kenn ich schon vom Fahren mit Anhänger.Wenn der leer ist fahr ich auch nicht langsamer (nur vorsichtiger in den Kurven) aber sowas interessiert den Durchschnittsverkehrsrambo mit eingebauter Vorfahrt natürlich nicht
-
21.03.2002, 11:59 Uhr von TheGreatMaster
Bewertung: sehr hilfreichDas Feindbild Pferdeanhänger ist bei mir nicht so ausgeprägt. Eher schon die Opelfahrer. *g* Gruß TheGreatMaster.
-
19.03.2002, 15:09 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichDie Überholenden gehen genau wie der Tiertransport ihrer Freizeitbeschäftigung nach: Stänkern! Das berühmte "A" für den Anfänger, 30er-Autos und dergleichen erzeugen beim Autofahrer sowieso die Wahnvorstellung, dass
-
19.03.2002, 11:09 Uhr von Raffnixmehr
Bewertung: sehr hilfreichTja solche autofahrenden Mitgenossen wird es wohl immer geben, den wahren Grund dafür habe ich auch noch nicht entdeckt.



Bewerten / Kommentar schreiben