Erfahrungsbericht von LeaofRafiki
Gepard - cheetah (engl.)
Pro:
die schnellsten Katzen der Welt sind meinerMeinung auch die Anmutigsten
Kontra:
leider sind sie vom Aussterben bedroht
Empfehlung:
Nein
Die meisten Geparde (lat. Acinonyx jubatus) leben in Savannen-Gebieten, die größte derzeit bestehende Population befindet sich in Namibia. Ihre Gesamtzahl wird weltweit je nach Quelle auf noch ca. 5.000-6.000 buw. 12.000Tiere geschätzt.
Obwohl sie leider teilweise heute noch in Afrika wie auch in früheren Zeiten als Haus- und Jagdtier gehalten wurden, sind sie mit 100-150 cm Körperlänge, bei einer Höhe von 60-80 cm (bis zur Schulter), zzgl. 70-95 cm Schwanzlänge und einem Gewicht von 30-40 kg für die Weibchen und 45-55 kg für die Männchen für Schoßkatzen etwas zu groß, auch wenn sie die einzigen Raubkatzen sind, die sich an den Menschen wie ein Hund anschließen können. Darüber hinaus haben sie eine Eigenschaft haben, die sie von anderen Katzen unterscheidet: sie können ihre Krallen nicht einziehen. Das mag beim Schmusen mit einem Welpen ja noch erträglichsein, bei ausgewachsenen Tieren jedoch wird's schon bös unangenehm.
Ihre Fellzeichnung besteht aus schwarzen Flecken auf einem gelb-goldenem Fell, der Bauch ist weiß. (Ein Königsgepard hat im Gegensatz zum „normalen" Geparden jedoch größere schwarze Flecken, die gelegentlich zu Streifen verschmelzen.) Damit wäre der Gepard also in bester Gesellschaft von Jaguar und Ozelot, er hat aber ein charakteristisches Gesichtsmerkmal: sogenannte schwarze Tränenstreifen, die von den Augen bis zu den Mundwinkeln reichen und ihm damit ein unverwechselbares Aussehen geben.
Normalweise sind Geparde erwachsene Einzelgänger. Ausnahmen bestätigen diese Regel, nämlich wenn sich 3-4 männliche Geparde zu einer Gruppe zusammenschließen. Als solche können sie ihr Territorium und ihre Beute zu verteidigen und erzielen somit einen größeren Jagderfolg, es gibt aber auch herumvagabundierende "Heranwachsenden-Gangs" auf der Suche nach einem paarungswilligen Weibchen, wo's dann zum "Gruppensex" kommt.
Eine andere Gruppenformation ist die von Mutter mit Kind. Ein Gepardenjunges bleibt bis zum Alter von zwei Jahren beider Mutter, bis sie sich alleine Ernähren können (die Väter beteiligen sich nicht an der Jungenaufzucht), da das Jagdverhalten ein Erlerntes ist. Zwar nicht der ganze Jagd-Verhaltenskomplex, aber die Verfeinerung von der richtigen Auswahl des Beutetieres bis zum Verfolgen incl. Tötung der Beute.
Wie alle Katzen, markieren Geparde ihre Reviergrenzen mit Urin und Kratzspuren an Bäumen. Es ist sogar so, daß gerade Geparde einen "Lieblingsbaum" haben, zu dem sie immer wieder zurückkehren, was auch Gefahren in sich birgt, nämlich wenn sich zweibeinige oder vierbeinige Widersachen dies merken und ihnen dort auflauern.
Weibchen sind mit ca. 2,5-3 Jahren paarungsbereit, die Männchen brauchen - wie immer, etwas länger. Ist ein Weibchen paarungsbereit (für ca. eine Woche), und sie allein bestimmt sowohl den Zeitpunkt wie auch die Auswahl des Partners, folgt eine für alle Beteiligten anstrengende Zeit: Die eigentliche Paarung dauert 4-5 Tage, ca. 4 mal die Stunde, ohne Unterbrechung!
Nach erfolgreicher Befruchtung ist sie ca. 95 Tage lang trächtig, um dann 1-3 Junge zur Welt zu bringen. Gepadensäuglinge und Krabbelwelpen sehen übrigens zauberhaft aus mit ihrer silbrig glänzenden Rückenmähne, die sie nach wenigen Wochen abwerfen. Die Welpen werden maximal 3 Monate, oft auch kürzer, gesäugt und dann auf feste Nahrung umgestellt. Das Stillen der Kinder zehrt die Mutter zu schnell zu sehr aus. Es beginnt eine wahrhaft anstrengende Zeit für die Mutter und gefährliche Zeit für die Welpen! Anfangs also versteckt die Mutter tagsüber ihre Kinder so gut es in der freien Landschaft geht und wechselt auch oft das Versteck, denn es gibt zuviele natürliche Feinde (Löwen, Jaguare, Hyänen etc.), in das sie ihnen kleinere Beutetiere, schleppt. Sobald wie möglich wechselt sie aber zu ihrer natürlichen Ernährungsweise. Geparde sind keine Aasfresser, d.h. sie nimmt die Youngsters mit auf die Jagd, bedeutet ihnen, sich stille zu verhalten während sie jagt und ruft sie mit charakteristischen, für eine Katze allerdings ungewöhnlichen nämlich vogelähnlichen Zirplauten Lauten zu Tisch, damit sie sich über das frisch erlegte Beutetier hermachen können. Leider werden diese Mahlzeiten oft durch ihre natürlichen Feinde unterbrochen, die sich selbstredend gerne vom Jagderfolg der Geparden ernähren...
Dies hängt zusammen mit ihrem speziellen Jagdverhalten. Ein Gepard schleicht sich auf bis zu 50 m an seine Beute heran und hetzt dann mit bis zu 115 km/h hinter derselben her (incl. Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4 Sekunden). Natürlich fordert eine solche Hetzjagd ihren Tribut: als Hocheistungssprinter ist der Gepard nach der Jagd aufgeregt und erschöpft, daß er bis zu einer halben Stunde lang warten muß, bis sich er sich soweit beruhigt hat, daß er fressen kann. Diese Wartezeit nutzen viele Nahrungskonkurrenten, um ihm die Beute streitig zu machen. Ein Gepard wird aber seine Beute niemals verteidigen, da das Risiko zu groß ist, bei einem Gerangel verletzt zu werden, was seinen sicheren Tod bedeuten würde, da er dann nicht mehr artgemäß jagen könnte... Als Hochleistungssprinter besitzen Geparden leider keine Fetterserven (jedes Gramm zuviel würde einen Geschwindigkeitsverlust bedeuten) und so können sie leider nicht auf Vorrat fressen. Ja manchmal nicht einmal ihren Riesenhunger stillen, weil der Magen einfach nicht so viel aufnehmen kann. Zudem jagen sie nur tagsüber, in der brüllenden Hitze, was auch nicht gerade energiesparend ist... und dann auch nur eine begrenzte Anzahl von Spezies, am liebsten Thomson-Gazellen. (Letztes gilt hauptsächlich für Namibia und die Serengeti. In anderen Regionen Afrikas haben sie sich aber auch gottlob an andere Beutetiere gewöhnt.)
Eine Erklärung für eine weitere Besonderheit fand ich bei www.big-cats.de:
"Ein Gepard tötet seine Beute nur, wenn er sie vorher selbst oder mit seinen Gefährten gehetzt hat. So wurde beobachtet, wie sich an ein Gepard an eine Antilope anschlich und gerade zum Sprint ansetzte, als er merkte das die Beute nicht flüchtete. Er hätte sie ohne Probleme fangen können. Dieses auf den ersten Blick seltsame Verhalten lässt sich so erklären: Ein Gepard tötet seine Beute, indem er sie erstickt. Nach einer Hetzjagd sind die Sauerstoffreserven der Beute soweit aufgebraucht, dass der Erstickungstod nach wenigen Minuten eintritt. Bei einer Antilope, die ihre Sauerstoffreserven nicht verbraucht hat, dauert es um ein vielfaches länger, bis sie tot ist. Für den Geparden gilt: Je länger die Beute lebt, desto länger kann sie sich wehren und desto größer ist sein Verletzungsrisiko."
Geparde sind eine von innen und außen extrem bedrohte Gattung.
Von außen haben sie natürliche Feinde wie andere Raubkatzen, Hyänen etc - sowie den Menschen. Nicht nur, daß sie wegen ihres wunderschönen Fells abgeschossen wurden, sondern auch weil die Farmer der Meinung sind, sie würden ihren Viehbestand dezimieren. - Wobei ich mich frage, wie viele Farmer Thomsongazellen im Rudel halten... Meiner Meinung nach werden sie oft für Beutezüge ihrer Nahrungskonkurrenten bestraft.
Von innen heraus durch ihren eingeschränkten Genpool. Vor ca. 10000 Jahren wurde der gesamte Gepardenbestand durch eine Seuche auf einige hundert Exemplare reduziert. Das hatte zur Folge, daß durch vermehrten Inzest bei männlichen Geparden eine verminderte Zeugungsfähigkeit auftritt. (Im Verhältnis zu anderen Katzen haben Geparde 90% weniger Spermien und von den restlichen 10% weisen 75% Abnormitäten auf.) Dies ist aber nur eine Folge, die andere ist, daß sie eben durch diesen engen Gen-Pool keine besonders große Anpassungsfähigkeit haben (sondern statt dessen zu weiteren Spezialisierungen neigen: noch schneller, noch hochbeiniger, wie überzeichnete, fast schon karikierte Sportwagen vom Reissbrett. Diese Veränderungen lassen sich gut beim Vergleich von Bildern von vor vierzig Jahren bei Joy Adamson und heute bei Matto Barfuss aufzeigen), weder an Veränderungen ihrer natürlichen Umwelt noch an eingeschleppte Viren und andere Krankheitserreger. Eine erneute Epidemie würde wahrscheinlich zu einer Katastrophe im Sinne von Ausmerzung der Art führen. Aus diesem Grund laufen heute immer wieder Versuche, durch gezieltes Auswildern von in anderen Regionen (oder Reservaten) aufgezogenen Jungtieren den Genpool wieder zu erweitern.
Literatur:
Mein Lieblingsbuch, weil das erste, das ich überhaupt zu Geparden las:
Die gefleckte Sphinx.
Von Joy Adamson
1969
Ja richtig, die "Löwenmutter" Joy Adamson hat nicht nur Elsa aufgezogen und erfolgreich wieder ausgewildert, sondern auch Pippa, eine junge Gepardin.
Leider ist dieses Buch vergriffen, man kann es aber antiquarisch (oder manchmal bei ebay) aufstöbern.
Leben mit Geparden
von Matto H. Barfuss
Mehrere Monate verbrachte der Wildlife-Fotograf Matto H. Barfuss bei einer wildlebenden Gepardenfamilie in der Serengeti. Jetzt legt er eine Dokumentation seines ungewöhnlichen Abenteuers vor. Er schildert, wie er als Familienmitglied von den Geparden akzeptiert wurde und wie er ihre Verhaltensweisen imitierte.
ISBN: 3804373291
Preis: DM 39,86 / EUR 20,38
141 Seiten
Erscheinungsjahr: 1998
Land der Geparden - ein ungewöhnliches Wiedersehen in der Serengeti
von Matto H. Barfuss
Eine spannende Erzählung von abenteuerlichen Erlebnissen an den schönsten Plätzen der Serengeti und einem Wiedersehen mit der Gepardentochter 'Dione' , die mittlerweile Mutter von zwei Jungen ist.
ISBN: 3804371566
Preis: DM 39,38 / EUR 20,38
143 Seiten
Erscheinungsjahr: 1999
Meine Gepardenfamilie
von Matto H. Barfuss
Ein wunderschöner, kleinerer Bildband - eher für Kinder gedacht
ISBN: 3909485898
40 Seiten
Erscheinungsjahr: 1999
Geparde. Die schnellsten Katzen der Welt.
von Fritz Pölking, Norbert Rosing
ISBN: 3924044112
Preis: DM 67,98 / EUR 34,76
127 Seiten
Erscheinungsjahr: 1993
National Geographic Deutschland Ausgabe Dez. 1999
S.46-75
In diesem Artikel u.a. auch ein Bericht über Lise Hanssen von www.africat.org und Sarah Durant von der Londoner Zoologischen Gesellschaft
Von, mit und über Matto Barfuss gibt es auch noch zwei Fernsehensendungen
Am 28.01.2002 auf Arte (19.00 Uhr) über die Auswilderung zweier Geparden Ende September 2001 "aus der Sicht derGeparden"
und
am 29.01.2001 im ZDF (22.15 Uhr) in der Sendung 37 Grad eine Wiederholung von "Der Gepardenmann".
Mehr zu Matto Barfuss und seinem Projekt werd ich später in einem eigenen Bericht schildern.
Im Internet (Auswahl)
www.big-cats.de
www.geparden.de
www.gepardenland.de
www.raubkatzenasyl.de
www.africat.org
© LeaofRafiki, 27.01.2002/21.05.02
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16 Bewertungen, 3 Kommentare
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03.06.2002, 01:35 Uhr von tobi.birkner
Bewertung: sehr hilfreichDas mit dem Hetzen ist doch auch der Grund warum ein Gepard einem Menschen nicht gefährlich werden kann, weil diese ihm einfach zu langsam rennen. oder hab ich da was falsches im Kopf? Biologisch biste auch noch gebildet, das freut mich doch immer we
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22.05.2002, 17:31 Uhr von Knutschbaer
Bewertung: sehr hilfreichhach, wenn nur alle Berichte hier so wären, wie Deine.
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22.05.2002, 00:29 Uhr von dani___
Bewertung: sehr hilfreichWow, wieder ein guter Bericht... aber ein Tipp: post nicht zu viel auf einmal, du kickst dich sonst selber wieder aus der Liste der Startseite raus... ciao die dani *;)

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