Erfahrungsbericht von tina65
Das Landleben, das ist lustig,,,
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Ja
Als Kind schon zog es mich immer aufs Land. Meine Eltern hatten damals eine kleine Ferienwohnung im Sauerland über einige Jahre gemietet, früher noch sehr günstig, heute kann es sich fast keiner mehr erlauben. Aufgewachsen bin ich in der Großstadt, in Essen. Meine Flitterwochen verbrachte ich damals in der kleinen Ferienwohnung meiner Eltern, in einem 150 Seelendorf. Als Kind fand man mich meistens, wo schon? Natürlich im Stall! Zwischen den Kühen, unter den Kühen, auf den Kühen, überall eben! Ich liebte das Landleben. Klar, wenn man die Wochenenden, oder die Ferienzeit dort verbringt, ist ja alles lustig und schön, aber dort zu wohnen? Ich habe es ausprobiert und es ging voll daneben. So wie ich mich als Kind dort sauwohl gefühlt hatte, musste ich als Erwachsene dann feststellen, dass alles gar nicht so einfach ist, das mit dem Landleben!
Meine Eltern hatten diese kleine Wohnung gemietet, da war ich ca. 10 Jahr alt. Ich half den Bauern dort die Kühe auf die Weide zu treiben, spielte im Stroh, durfte kleine Katzenbabys versorgen und nahm sogar zwei mit nach Hause. Gerne spielte ich in einem großen Tümpel, auf dem Grundstück des „Barons“, fing Molche und Salamander. Fand auch schnell neue Freunde, obwohl ich die Sauerländer Kinder immer für ziemlich stur hielt. Meistens spielte ich mit Kindern, deren Eltern auch dort eine Ferienwohnung hatten, eben auch Großstadtkinder. Als ich 21 Jahre alt war, kündigten meine Eltern das Mietverhältnis auf dem Land. Vorher verbrachte ich noch meine Flitterwochen dort. Danach bin ich nie wieder in die kleine Wohnung gekommen. Es verbinden mich sehr schöne Erinnerungen daran. Einen Teil meiner Kindheit hatte ich dort verbracht, mit Freundinnen und Freunden. Es war eine tolle Zeit.
Nun bin ich nach mehr als einem Jahr leben auf dem Land wieder zurück in die Großstadt gekommen. Mein jetziger Verlobter und ich zogen im August 2002 ins schöne Sauerland. Wir mieteten ein großes Haus in Alleinlage, mit 13 Zimmern und mehreren Hektar Land. Für meine Hunde ein wahres Paradies, kein Halsband mehr, keine Leine. Das Grundstück war komplett eingezäunt, so das sie auch nicht flüchten konnten. Schafften sie trotzdem, grins! Wir holten uns ein paar Hühner, der Stall war ja schon vorhanden und eröffneten eine Tierpension. Eine Bekannte brachte uns auch prompt ihre drei Pferde. Und wir hatten eine Menge Arbeit und Ärger mit den Pferden und auch mit meiner Bekannten. Das fängt ja alles gut an, dachte ich oft zu mir.
Wenn man glaubt, man hat endlich seine ersehnte Ruhe, wenn man aufs Land zieht, kann man sich allerdings gewaltig in die Finger schneiden. Mit den meisten Nachbarn, fast nur Bauern, kamen wir sehr gut klar. Wir kauften dort Stroh und Heu für die Tiere. Aber es gibt auch die penetrante Art Bauer wie wir leider feststellen mussten. Den Dummschwätzer, den Gernegroß, den Besserwisser! Und so einen hatten wir schließlich am Hals! Als Joseph der Bauer uns das erste mal besuchte, graute es mir schon vor ihm. Er mietete einen Teil unseres Stalles, für seine Ziegen. Und er redete und redete uns in Grund und Boden. Er versprach uns eine Menge. Seine Ziegen sollten von November bis Februar in unserem Stall bleiben und dann sollten sie wieder zurück auf die Weide. Wir reichten ihm den kleinen Finger und er nahm direkt die ganze Hand. Seine Ziegen waren auch im April noch in unserem Stall. Joseph breitete sich immer mehr auf unserem Land aus. Er nahm nicht nur den Stall in Beschlag, sondern versuchte es auch mir unserem Land. Bis wir ihm dann ganz eindeutig sagten, wenn er seine Ziegen auf unserer Wiese weiden lassen würde, würden unsere Hunde sie töten, weil das Land einzig und allein für die Hunde da war, deswegen hatten wir darauf geachtet ein Haus mit viel Land zu bekommen. Knatschig ließ er es dann sein. Wir präsentierten ihm die Wasserrechnung für seine Tiere, mehr als gerechtfertigt, denn er hatte den Stall nur bis Februar bezahlt und es fiel ihm ja nicht im Traum ein für die weiteren Monate zu bezahlen.
Mir riss langsam der Geduldsfaden. Ich wollte meine Ruhe und wer stand jeden Tag vor der Türe? Jupp!! In unserem Hühnerstall mit Freigehege lebten unsere 4 kleinen Hennen, ein Perlhuhn, ein schwarzes Hund und zwei weiße Hennen. Ab und zu mussten wir ein neues Tier kaufen, denn wir hatten Habichte und Bussarde, die die Hühner holten. Also spannten wir ein Netz über das Freilaufgehege. Bis dann Jupp kam! Aus unseren 4 Hennen wurden schließlich mehr als 30zig Hennen und zig Hähne. Er packte uns den Stall voll. Viel zu eng für die Tiere. Die Hühner bissen sich gegenseitig. Die Hähne fielen über die Hühner her. Mir platzte fast der Kragen. Ich wollte das alles nicht mehr mitmachen. Jeden Tag Jupp auf der Matte stehen zu haben, mit seinen ach so guten Ratschlägen. Nach Monaten vergrößerte er schließlich das Freigehege. Mittlerweile hatten wir auch noch Gänse in dem engen Raum. Von unseren eigenen Hühnern blieben schließlich nur noch zwei über. Jupp der Schwätzer versprach uns ja hoch und heilig die Pflege der Hühner zu übernehmen. Und was passierte? Er ließ sie verrecken! Er fütterte sie nicht mehr, kam auf einmal kaum noch. Machte nie den Stall sauber. Die Arbeit blieb schließlich an uns hängen. Ich konnte die Tiere doch nicht umkommen lassen. Sie fraßen sich schon gegenseitig an.
Mein Verlobter machte dann kurzen Prozess. Er rief den Bauern an und sagte ihm, wenn er sich jetzt nicht um seine Tiere kümmern würde, müsste er sie sofort alle wieder abholen. Joseph kam dann schließlich auch mit Futter und eine zeitlang nahm alles wieder seinen Lauf. Er ging bei uns ein und aus. Machte es sich in unserm Garten bequem. Sogar die Hunde schienen ihn zu mögen. Mir gruselte es. Er benahm sich so, als ob es sein Land wäre. Er borgte sich einfach unsere Sachen aus, ohne zu fragen. Auf einmal fehlte der Rasenmäher, dann die Schubkarre, Schraubenzieher, und anderes Werkzeug. Sicher, er brachte es ja wieder, aber macht man so was? Er betrat einfach die Stallungen, die Garagen. Er schnüffelte überall rum. Im Oktober 2003 zogen wir wieder zurück nach Essen. Nicht wegen Jupp, obwohl ich froh bin, ihn endlich los zu sein. Ich habe einfach in den ganzen Monaten festgestellt, dass ich als Städterin vielleicht doch nicht so ganz aufs Land passe. Mir hat die Arbeit mit den Tieren viel Spass gemacht. Die Wälder, die Felder, die „Ruhe“! Ich vermisse es alles sehr, aber hier, in der Großstadt fühle ich mich doch am wohlsten. Hier braucht man kein Auto, wenn man zum Supermarkt will. Im Sauerland wohnten wir 15 Kilometer vom nächsten Ort entfernt. Und der Bus fuhr nur 3 mal am Tag. Die Luft ist hier nicht gesünder, auf keinen Fall. Aber hier ist Leben! Und ich möchte mich bei den Sauerländern bedanken, die die es ehrlich mit uns meinten. Die freundlichen Sauerländer, die ich bestimmt vermissen werde. Wir wurden überall freundlich aufgenommen. Ausnahmen gibt es leider immer!
30 Bewertungen, 5 Kommentare
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20.06.2006, 22:26 Uhr von Estha
Bewertung: sehr hilfreich۩...sh...۩
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10.04.2006, 14:25 Uhr von schnekuesschen
Bewertung: sehr hilfreichEin klasse Bericht....LG Sandy :-)))
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28.02.2006, 18:22 Uhr von Cicila
Bewertung: sehr hilfreichIch lebe weder auf Land noch in der Stadt ;-) Wünsche mir aber beides. In den Ferien sind wir oft auf dem Land, in der Freizeit in der Stadt. <br/>LG Cicila
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27.11.2005, 00:33 Uhr von redwomen
Bewertung: sehr hilfreichAlso ich könnte es mir absolut nicht in einer Stadt vorstellen. Bin auf dem Land groß geworden und möchte auch von hier nicht weg,. LG Maria
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22.11.2005, 14:06 Uhr von Flute
Bewertung: sehr hilfreichIch bin in einem Kuhkaff geboren und aufgewachsen, aber leben könnte ich dort auch nicht mehr. Das schreckliche Getratsche und jeder kennt jeden und weis über jeden Furz im Dorf bescheid. <br/>Lg. Dunja
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