Über Themen mit L Testbericht

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Erfahrungsbericht von Givree

Meine Meinung zum Ladenschluß

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Heute möchte ich über ein Thema schreiben das mir und meinen Kollegen ganz schön gegen den Strich geht. Wir wissen dass es da unterschiedliche Meinungen gibt.
Es geht um das Ladenschlussgesetz das ja mal wieder geändert wurde und ab 01.06 2003 in Kraft tritt.
Somit habe ich Euch erst einmal verraten das ich im Einzelhandel tätigt bin. Und das seit über 10 Jahren. Damals waren meine Kinder noch klein und ich suchte einen Job in dem ich Haushalt, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen konnte. Und das klappte auch wunderbar, die Geschäfte hatten von 09.00 bis 18.30 Uhr geöffnet und ich konnte von 09.00 bis 14.00 Uhr arbeiten. Außer zweimal im Monat donnerstags da ging ich von 18.00 bis 20.30 Uhr. Das war der Lange Donnerstag. Lang, lang ist es her. Ich liebte den Umgang mit den Kunden und meine Arbeit machte mir Spaß. Dann kam vor einigen Jahren die Änderung dass die Geschäfte täglich bis 20.00 Uhr geöffnet bleiben dürfen. Zu dieser Zeit arbeite ich beim Discounter LIDL als Filialleiterin und das hieß für mich dann eine 6 Tage Woche und tägliche Arbeitszeit von 12 bis 14 Std. In dieser Zeit blieb auch meine Familie auf der Strecke. Ich merkte das Geld und Arbeit nicht alles ist und wechselte zu meinem früheren Arbeitsgeber zurück.
Aber durch die neuen Öffnungszeiten gab es auch andere Arbeitszeiten. Ich arbeite jetzt eine Woche von 06.00 bis 13.00 Uhr und am Samstag von 6.00 bis 16.30 Uhr. Die zweite Woche von 13.00 bis 20.30 Uhr und Samstag frei.
So hatten wir bis jetzt die Möglichkeit auch mal am Wochenende zu den Eltern meines Freundes zu fahren, die 600 km von uns wegwohnen oder auch mal Freunde zu besuchen.
Man hatte also noch ein halbwegs geregeltes Familienleben.
Aber was ist ab dem 01.06.2003? Nun dürfen die Geschäfte auch am Samstag bis 20.00 Uhr geöffnet bleiben. Das heißt für die Verkäuferinnen auch am Samstag bis 20.30 Uhr arbeiten.
Und damit ist das Wochenende kaputt.


Viele werden jetzt mit dem Argument kommen es werden Arbeitsplätze geschaffen, oder es gibt auch andere Berufe wo am Wochenende gearbeitet wird. Und das ist doch gut die Leute können mehr einkaufen das kurbelt die Wirtschaft an.

Dazu möchte ich Euch meine bisherigen Erfahrungen und Meinung erzählen.
Arbeitsplätze wurden uns auch 1996 versprochen, aber genau das Gegenteil ist eingetroffen. Es wurden 250.000 Arbeitsplätze im Handel abgebaut.
Viele schimpfen über die Servicewüste Deutschland, aber wo soll der Service den herkommen? Immer weniger Personal und noch weniger Fachpersonal. Den Verkäufern fehlt doch einfach die Zeit um sich intensiv um den einzelnen Kunden zu kümmern. Aber nicht nur das. Die Kleinen und Mittelständigen Unternehmen können da doch gar nicht mehr mithalten. Längere Öffnungszeiten bedeuten auch höhere Nebenkosten welche diese Unternehmen nicht aufbringen können. Allein im letzten Jahr hat es 9.000 Insolvenzen und 13.000 Betriebsaufgaben im Einzelhandel gegeben. Welche Unternehmen können diese Öffnungszeiten realisieren? Das sind die großen auf der grünen Wiese vor der Stadt und was machen die Leute ohne Auto die auf den kleinen Laden um die Ecke angewiesen sind?
Jetzt werden natürlich die Argumente kommen wen Du am Samstag länger und mehr arbeitest bekommst du doch auch mehr Geld und mehr Freizeit in der Woche. So ist das aber nicht, da sie uns die Samstagszuschläge streichen wollen und die Freizeit in der Woche nützt ja sehr viel wenn der Mann auf Arbeit und die Kinder in der Schule sind. Dazu kommt das wir noch flexibler sein müssen damit der Arbeitgeber uns jederzeit zur Arbeit holen kann. Ich habe Kollegen die haben jetzt schon 60 und mehr Überstunden und keine Möglichkeit Freizeit dafür zu erhalten.



Natürlich gibt es Berufe wo Wochenendarbeit selbstverständlich ist oder sogar notwendig.
Aber wen ich mich für einen Beruf entscheide dann weiß ich eigentlich vorher was auf mich zukommt. Und ich achte und bewundere auch alle die in diesen Berufen arbeiten.


Nun zum Argument die Menschen können ja dann mehr einkaufen Dieses wurde auch 1996 vorgebracht, aber wer tagtäglich Umgang mit den Kunden hat weiß das das nicht stimmt. Die Menschen kommen zur zu anderen Zeiten. Sie haben zwar mehr Zeit aber haben sie auch das Geld dafür? Was passiert wen die Lohnnebenkosten und die Nebenkosten für das Geschäft weiter steigen? Die Preise werden weiter steigen und jeder kann seinen Euro nur einmal ausgeben. Es wird nicht mehr Geld ausgeben und somit wird die Wirtschaft auch nicht angekurbelt.
Es heißt endlich können die Familien gemeinsam zum Einkaufsbummel gehen, aber was ist mit den Familien der Verkäufer und Verkäuferinnen?

Ich weiß ändern können wir es nicht mehr.
Aber ich musste es mir einfach mal von der Seele schreiben.

Diesen Bericht hatte ich schon im Mai geschrieben. In der Zwischenzeit haben wir samstags bis 18.00 Uhr geöffnet und es ist geplant es auf 20.00 Uhr auszuweiten. Arbeitskräfte wurden nicht eingestellt, mehr Freizeit haben wir auch nicht sondern nur mehr Überstunden. Es gibt sogar Supermärkte die haben ihren Bedienungstresen abgebaut und komplett auf Selbstbedienung umgestellt um Personalkosten zu sparen. Und mehr Umsatz ist nicht in der Kasse.

Eure Givree

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