Erfahrungsbericht von Kikakeks
Lettland - Das Herz des Baltikums (Teil 2)
Pro:
Das Kennenlernen von Gegensätzen
Kontra:
der große Spalt zwischen Arm und Reich
Empfehlung:
Nein
Labvakar!
Wie ich bereits in Teil 1 versprochen habe, möchte ich mich nun nochmal mit dem Thema Lettland melden. Es wird aber immernoch nicht der Abschluss sein, denn ich habe noch eine Menge zu berichten. So viel, dass es zu lang für diesen Bericht ist. Daher wird es bald auch noch einen dritten Teil geben.
Diesmal möchte berichten über:
-Das Leben auf dem Dorf:
-Mein Tagesablauf
-Die sanitären Einrichtungen
-Die Verbindung zur Stadt
-Die Natur
-Der Wohlstand und die Preise
-Das Leben in der Stadt:
-Der Wohlstand und die Preise
-Die Natur
-Die sanitären Einrichtungen
Noch schnell zu Beginn:
Bei meinem Lettland-Workcamp im Jahr 2001 habe die zwei Seiten des lettischen Lebens kennengelernt, zum einen das Dorfleben in einem kleinen Ort (namens Brukna Pils) mit drei Häusern (zwei davon waren nur bewohnt) und zum anderen das Stadtleben in der Hauptstadt Riga.
Ich kann nicht sagen, was mir mehr gefallen hat, denn beides war spannend und hinterlies bei mir wunderschöne Erinnerungen.
Der Verein „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ e. V. war Veranstalter meines Workcamps. Mit mir reisten noch sieben andere junge Leute aus Deutschland.. In Lettland trafen wir dann noch auf eine Gruppe lettischer Kinder (ca. 20 waren es), die ihre Ferien zusammen mit uns verbrachten.
Das Dorfleben:
Ich beziehe mich mit meinem Bericht auf das Dorf Brukna Pilz und ein paar Nachbardörfer im Bezirk Zemgale im Süden Lettlands, da ich dort gelebt habe. Ich kann mir aber vorstellen, dass es im übrigen Lettland auch so oder sehr ähnlich ist. Ich schreibe in der Ich-Form, obwohl, wie schon gesagt, noch andere junge Leute dabei waren.
In Brukna Pils lebte ich zehn Tage auf einem ehemaligen Gutshof, auf dem seit einiger Zeit eine „Community“ lebt. Das sind junge Leute zwischen 16 und 28 Jahren, die den Kampf gegen ihre Drogensucht aufgenommen haben. In Lettland werden Drogen etwas anders definiert als in Deutschland. Das Rauchen von Cannabis wird viel härter gesehen, als hier. Diese „Community“, oder besser gesagt: ihre Leiter, versuchten mit sehr strengen Regeln (kein Radiohören, nicht Rauchen, von morgens 5:30 bis abends 20:00 Uhr hart arbeiten...) die Leute von der Droge wegzubekommen. Eine große Rolle spielt auch der Glaube an Gott. Doch ich möchte hier jetzt nicht näher darauf eingehen, sondern etwas über das Leben auf dem Dorf allgemein erzählen.
Mein Tagesablauf:
Geweckt wurde ich meist sehr früh morgens, denn die Tiere mussten gefüttert, die Kuh gemolken und die Gänse auf die Weide getrieben werden. Zum Frühstück (brokastis) gab es es meist Schwarzbrot mit Butter und Gurke belegt oder mit selbstgemachter Marmelade.
Nach dem Frühstück ging es hinaus auf die Felder zum Unkraut ziehen oder Heuwenden. Überall waren noch Reste von ehemaligen Kolchosen zu sehen, die, seit der Erlangung der Unabhängikeit Lettlands von Russland, nicht mehr benutzt worden und so langsam zerfielen.
Zum Mittagessen (pusdienas) gab es dann entweder Haferschleim oder Milchsuppe mit Nudeln. Ich war erstaunt über die Kinder, denn keines quengelt über das Essen. Wir Deutschen hatten anfangs ganz schön zu schlucken, aber haben uns auch recht schnell daran gewöhnt.
Nachmittags wurde dann der Rosengarten gepflegt, Dachreperaturen durchgeführt und ein Entwässerungsgraben angelegt.
Zum Abendessen (vakarin) gab es machmal Brot (maize), öfters aber Suppe oder die Reste vom Mittagessen.
Danach hatten alle Freizeit. Die lettischen Kinder sangen sehr viel und spielten Klavier. Es unterscheidet sie sehr von deutschen Kindern. Sie sind von ihrem Wesen her ganz anders, viel herzlicher, sehr hilfsbereit und höflich untereinander. Es machte mir sehr viel Spaß mit ihnen (englisch, teilweise auch russisch) zu reden und von ihnen Spiele und Lieder zu lernen.
Die sanitären Einrichtungen:
...die gab es eigentlich nicht. Es gab etwas entfernt vom Haus ein Plumpsklo – eine Art Finnhütte, die die „Community“ selbst gebaut hatte. Fließendes Wasser gab es nur draussen an einem einzigen Hahn. Eine Dusche schon gar nicht.
Habe ich mich zwei Wochen lang nicht gewaschen?
Doch, habe ich. Besser gesagt geschwitzt. Etwas entfernt vom Haus fließt ein kleines Bächlein vorbei und an diesem stand eine kleine Hütte – ein Banja (dt. Sauna). Jeden zweiten oder dritten Nachmittag wurde Holz gehackt und der Ofen angeheizt. Dann durften zuerst die Mädchen, später die Jungs in die Banja. Wir schwitzen, gossen dann kaltes Wasser über uns und klopften uns mit Birkenzweigen ab, was die Durchblutung fördert. Zum Schluss sprangen wir in das Bächlein. Ich muss sagen, diese Art sich zu reinigen finde ich total verblüffend und überhaupt nicht unhygienisch. Ich fühlte mich sehr gut und die Letten waren gar nichts anderes gewöhnt.
Die Verbindung zur Stadt:
Taxis in Lettland sind recht teuer. Die Preise sind etwa mit den deutschen Preisen zu vergleichen. Daher konnte ich es mir auch nur recht selten leisten, ein Taxi zu benutzen. Eine andere Art der Fortbewegung sind Minibusse, die mit Gas fahren. Unser Ort wurde zweimal täglich von solch einem Bus angefahren, 7 Uhr und 12 Uhr. Das hieß: 7 Uhr in die Stadt fahren und 12 Uhr wieder zurück sein. Für kurze Strecken in die Nachbardörfer reichte ein Pferdegespann.
Die Natur:
Grillen zirpten während ich Unkraut zupfte, Vögel zwitscherten, wenn ich die Gänse hütete und Störche klapperten mit ihren Schnäbeln, wenn ich am Entwässerungskanal arbeitete. Die Tierwelt Lettlands ist sehr beeindruckend. Ich habe viele Vögel gesehen, die ich bisher nur aus Büchern kannte. Auch Wildschweine bekam ich zu Gesicht. Und hätte ich nicht so viel Angst gehabt und wäre nachts in den Wald gegangen, wer weiß, vielleicht hätte ich ja dann einen Wolf gesehen. Mit der Pflanzenwelt sah es ähnlich traumhaft aus. Wilde Sonnenblumen wogen ihre Köpfe im Wind. Mohn und Kornblumen betupften die goldenen Felder rot-blau.
Es war einfach wunderschön anzusehen. Beeindruckend fand ich auch die majästetischen Eichen und die schlanken Birken, die mich an russische Märchenfilme erinnerten.
Der Wohlstand und die Preise:
Die Menschen auf dem Dorf waren alle sehr arm. Sie ernährten sich hauptsächlich von dem, was sie anbauten. Auf Märkten in den Kleinstädten verkauften sie zu sehr niedrigen Preis selbst angebautes Obst (augli) und Gemüse (dazeni), aber auch Käse und gestrickte Sachen. Die Preise für Lebensmittel [z.B. Tee (teja) und Brot (maize)] waren in den Kleinstädten erschwinglich, ganz im Gegenteil zu Riga, aber dazu gleich mehr.
Das Stadtleben:
Fünf Tage verbrachte ich in Riga. Dort lebte ich drei Tage in einer Kirche und zwei Tage bei einem Stadtführer, der meinte, ich müsse mir unbedingt das große Sängerfest zum 800-jährigen Gründungsjubiläum der Stadt ansehen.
Der Wohlstand und die Preise:
Die Preise in Riga betrugen etwa das dreifache derer auf den Dörfern/Kleinstädten. Da die Umrechnungszahl ganz grob gerechnet 2 (damal gab es noch die DM, da war sie 4) ist, scheint alles billig zu sein. 1 Lats (oder 100 Santims -> so heißen die lettischen Währungen) entsprechen etwa 1,85 €. Damals ca. 3,70 DM. Im Restaurant sahen die Preise recht billig aus, aber 3,90 Lats (für eine Pizza-Margerita) sind schon 7,22 €.
Die lettischen Preise gleichen in etwa den deutschen Preisen. Für einen Abend im Restaurant muss man genausoviel Geld einplanen, wie hier in Deutschland.
Riga wurde in den letzten Jahren herausgeputzt, wie man z.B. am Wiederaufbau des Schwarzhäupterhauses (-> Teil 1) erkennen kann.
Die Menschen in Riga haben mindestens doppelt soviel Geld, wie die Leute auf den Dörfern.
In Riga tragen die Leute schicke Kleidung und es gibt nur sehr wenige Bettler, die mit Musik sich etwas verdienen wollen.
Es war für mich bisher der größte Unterschied (zwischen Arm und Reich), den ich je in einem Land gesehen habe.
Die Natur in der Stadt:
Rigas Altstadt ist umgeben von einem grün-blauen Gürtel, dem begrünten Stadtgraben. Es gibt viele kleine Parks und Plätze, die sehr schön gestaltet sind. Wie es für uns Deutsche schon zur Gewohnheit geworden ist, so leben die Letten auch zusammen mit den Tauben in der Stadt. In den Parks begegnet man vielen Singvögel, auf dem Wasser schwimmen Enten und Schwäne.
Die sanitären Einrichtungen:
Die Toiletten in Riga waren, mal abgesehen von den Bahnhofstoiletten, recht gepflegt. Das lag vielleicht daran, dass die Stadt ihr Jubiläum feierte und Menschen aus aller Welt zu Gast waren. Vielleicht irre ich mich auch, aber ich habe Toiletten in anderen Städten besucht, die das Prädikat „grauenvoll“ verdienen. Die beste Lösung ist, man erledigt auf der Toilette eines Restaurants sein Geschäft. Über Duschen oder andere sanitäre Anlagen kann ich nichts berichten, da ich nur in einer Kirche untergebracht war, und nicht in einem Hotel.
Eine kurze Gegenüberstellung:
Am Leben auf dem Dorf haben mich die Ruhe und die Natur begeistert. Ausserdem war ich beeindruckt, von der Selbstversorgung der Menschen, sei es nun durch Kuhmilch oder selbstgepflückten Tee.
An der Stadt hat mir die Architektur gefallen und die Geschichte, die man sich in Museen verinnerlichen konnte. Ausserdem hat das große Jubiläum dazu beigetragen, dass diese Reise für mich unvergesslich bleibt.
Die Meschen sind gleich freundlich, Trotz des großen Spaltes zwischen Arm auf dem Lande und Reich in der Stadt. Ich bin glücklich, die zwei Arten des Lebens in Lettland kennengelernt zu haben.
Zu allerletzt:
Ich hoffe, mein Bericht hat euch gefallen.
Ich werde mich demnächst dem dritten Teil widmen, in dem ich über die Anreise, Unterkunftsmöglichkeiten und ähnliche Dinge berichten möchte.
Bei Fragen stehe ich wieder gern zur Verfügung.
Vielen Dank für euer Interesse.
Ar labunakti!
Wie ich bereits in Teil 1 versprochen habe, möchte ich mich nun nochmal mit dem Thema Lettland melden. Es wird aber immernoch nicht der Abschluss sein, denn ich habe noch eine Menge zu berichten. So viel, dass es zu lang für diesen Bericht ist. Daher wird es bald auch noch einen dritten Teil geben.
Diesmal möchte berichten über:
-Das Leben auf dem Dorf:
-Mein Tagesablauf
-Die sanitären Einrichtungen
-Die Verbindung zur Stadt
-Die Natur
-Der Wohlstand und die Preise
-Das Leben in der Stadt:
-Der Wohlstand und die Preise
-Die Natur
-Die sanitären Einrichtungen
Noch schnell zu Beginn:
Bei meinem Lettland-Workcamp im Jahr 2001 habe die zwei Seiten des lettischen Lebens kennengelernt, zum einen das Dorfleben in einem kleinen Ort (namens Brukna Pils) mit drei Häusern (zwei davon waren nur bewohnt) und zum anderen das Stadtleben in der Hauptstadt Riga.
Ich kann nicht sagen, was mir mehr gefallen hat, denn beides war spannend und hinterlies bei mir wunderschöne Erinnerungen.
Der Verein „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ e. V. war Veranstalter meines Workcamps. Mit mir reisten noch sieben andere junge Leute aus Deutschland.. In Lettland trafen wir dann noch auf eine Gruppe lettischer Kinder (ca. 20 waren es), die ihre Ferien zusammen mit uns verbrachten.
Das Dorfleben:
Ich beziehe mich mit meinem Bericht auf das Dorf Brukna Pilz und ein paar Nachbardörfer im Bezirk Zemgale im Süden Lettlands, da ich dort gelebt habe. Ich kann mir aber vorstellen, dass es im übrigen Lettland auch so oder sehr ähnlich ist. Ich schreibe in der Ich-Form, obwohl, wie schon gesagt, noch andere junge Leute dabei waren.
In Brukna Pils lebte ich zehn Tage auf einem ehemaligen Gutshof, auf dem seit einiger Zeit eine „Community“ lebt. Das sind junge Leute zwischen 16 und 28 Jahren, die den Kampf gegen ihre Drogensucht aufgenommen haben. In Lettland werden Drogen etwas anders definiert als in Deutschland. Das Rauchen von Cannabis wird viel härter gesehen, als hier. Diese „Community“, oder besser gesagt: ihre Leiter, versuchten mit sehr strengen Regeln (kein Radiohören, nicht Rauchen, von morgens 5:30 bis abends 20:00 Uhr hart arbeiten...) die Leute von der Droge wegzubekommen. Eine große Rolle spielt auch der Glaube an Gott. Doch ich möchte hier jetzt nicht näher darauf eingehen, sondern etwas über das Leben auf dem Dorf allgemein erzählen.
Mein Tagesablauf:
Geweckt wurde ich meist sehr früh morgens, denn die Tiere mussten gefüttert, die Kuh gemolken und die Gänse auf die Weide getrieben werden. Zum Frühstück (brokastis) gab es es meist Schwarzbrot mit Butter und Gurke belegt oder mit selbstgemachter Marmelade.
Nach dem Frühstück ging es hinaus auf die Felder zum Unkraut ziehen oder Heuwenden. Überall waren noch Reste von ehemaligen Kolchosen zu sehen, die, seit der Erlangung der Unabhängikeit Lettlands von Russland, nicht mehr benutzt worden und so langsam zerfielen.
Zum Mittagessen (pusdienas) gab es dann entweder Haferschleim oder Milchsuppe mit Nudeln. Ich war erstaunt über die Kinder, denn keines quengelt über das Essen. Wir Deutschen hatten anfangs ganz schön zu schlucken, aber haben uns auch recht schnell daran gewöhnt.
Nachmittags wurde dann der Rosengarten gepflegt, Dachreperaturen durchgeführt und ein Entwässerungsgraben angelegt.
Zum Abendessen (vakarin) gab es machmal Brot (maize), öfters aber Suppe oder die Reste vom Mittagessen.
Danach hatten alle Freizeit. Die lettischen Kinder sangen sehr viel und spielten Klavier. Es unterscheidet sie sehr von deutschen Kindern. Sie sind von ihrem Wesen her ganz anders, viel herzlicher, sehr hilfsbereit und höflich untereinander. Es machte mir sehr viel Spaß mit ihnen (englisch, teilweise auch russisch) zu reden und von ihnen Spiele und Lieder zu lernen.
Die sanitären Einrichtungen:
...die gab es eigentlich nicht. Es gab etwas entfernt vom Haus ein Plumpsklo – eine Art Finnhütte, die die „Community“ selbst gebaut hatte. Fließendes Wasser gab es nur draussen an einem einzigen Hahn. Eine Dusche schon gar nicht.
Habe ich mich zwei Wochen lang nicht gewaschen?
Doch, habe ich. Besser gesagt geschwitzt. Etwas entfernt vom Haus fließt ein kleines Bächlein vorbei und an diesem stand eine kleine Hütte – ein Banja (dt. Sauna). Jeden zweiten oder dritten Nachmittag wurde Holz gehackt und der Ofen angeheizt. Dann durften zuerst die Mädchen, später die Jungs in die Banja. Wir schwitzen, gossen dann kaltes Wasser über uns und klopften uns mit Birkenzweigen ab, was die Durchblutung fördert. Zum Schluss sprangen wir in das Bächlein. Ich muss sagen, diese Art sich zu reinigen finde ich total verblüffend und überhaupt nicht unhygienisch. Ich fühlte mich sehr gut und die Letten waren gar nichts anderes gewöhnt.
Die Verbindung zur Stadt:
Taxis in Lettland sind recht teuer. Die Preise sind etwa mit den deutschen Preisen zu vergleichen. Daher konnte ich es mir auch nur recht selten leisten, ein Taxi zu benutzen. Eine andere Art der Fortbewegung sind Minibusse, die mit Gas fahren. Unser Ort wurde zweimal täglich von solch einem Bus angefahren, 7 Uhr und 12 Uhr. Das hieß: 7 Uhr in die Stadt fahren und 12 Uhr wieder zurück sein. Für kurze Strecken in die Nachbardörfer reichte ein Pferdegespann.
Die Natur:
Grillen zirpten während ich Unkraut zupfte, Vögel zwitscherten, wenn ich die Gänse hütete und Störche klapperten mit ihren Schnäbeln, wenn ich am Entwässerungskanal arbeitete. Die Tierwelt Lettlands ist sehr beeindruckend. Ich habe viele Vögel gesehen, die ich bisher nur aus Büchern kannte. Auch Wildschweine bekam ich zu Gesicht. Und hätte ich nicht so viel Angst gehabt und wäre nachts in den Wald gegangen, wer weiß, vielleicht hätte ich ja dann einen Wolf gesehen. Mit der Pflanzenwelt sah es ähnlich traumhaft aus. Wilde Sonnenblumen wogen ihre Köpfe im Wind. Mohn und Kornblumen betupften die goldenen Felder rot-blau.
Es war einfach wunderschön anzusehen. Beeindruckend fand ich auch die majästetischen Eichen und die schlanken Birken, die mich an russische Märchenfilme erinnerten.
Der Wohlstand und die Preise:
Die Menschen auf dem Dorf waren alle sehr arm. Sie ernährten sich hauptsächlich von dem, was sie anbauten. Auf Märkten in den Kleinstädten verkauften sie zu sehr niedrigen Preis selbst angebautes Obst (augli) und Gemüse (dazeni), aber auch Käse und gestrickte Sachen. Die Preise für Lebensmittel [z.B. Tee (teja) und Brot (maize)] waren in den Kleinstädten erschwinglich, ganz im Gegenteil zu Riga, aber dazu gleich mehr.
Das Stadtleben:
Fünf Tage verbrachte ich in Riga. Dort lebte ich drei Tage in einer Kirche und zwei Tage bei einem Stadtführer, der meinte, ich müsse mir unbedingt das große Sängerfest zum 800-jährigen Gründungsjubiläum der Stadt ansehen.
Der Wohlstand und die Preise:
Die Preise in Riga betrugen etwa das dreifache derer auf den Dörfern/Kleinstädten. Da die Umrechnungszahl ganz grob gerechnet 2 (damal gab es noch die DM, da war sie 4) ist, scheint alles billig zu sein. 1 Lats (oder 100 Santims -> so heißen die lettischen Währungen) entsprechen etwa 1,85 €. Damals ca. 3,70 DM. Im Restaurant sahen die Preise recht billig aus, aber 3,90 Lats (für eine Pizza-Margerita) sind schon 7,22 €.
Die lettischen Preise gleichen in etwa den deutschen Preisen. Für einen Abend im Restaurant muss man genausoviel Geld einplanen, wie hier in Deutschland.
Riga wurde in den letzten Jahren herausgeputzt, wie man z.B. am Wiederaufbau des Schwarzhäupterhauses (-> Teil 1) erkennen kann.
Die Menschen in Riga haben mindestens doppelt soviel Geld, wie die Leute auf den Dörfern.
In Riga tragen die Leute schicke Kleidung und es gibt nur sehr wenige Bettler, die mit Musik sich etwas verdienen wollen.
Es war für mich bisher der größte Unterschied (zwischen Arm und Reich), den ich je in einem Land gesehen habe.
Die Natur in der Stadt:
Rigas Altstadt ist umgeben von einem grün-blauen Gürtel, dem begrünten Stadtgraben. Es gibt viele kleine Parks und Plätze, die sehr schön gestaltet sind. Wie es für uns Deutsche schon zur Gewohnheit geworden ist, so leben die Letten auch zusammen mit den Tauben in der Stadt. In den Parks begegnet man vielen Singvögel, auf dem Wasser schwimmen Enten und Schwäne.
Die sanitären Einrichtungen:
Die Toiletten in Riga waren, mal abgesehen von den Bahnhofstoiletten, recht gepflegt. Das lag vielleicht daran, dass die Stadt ihr Jubiläum feierte und Menschen aus aller Welt zu Gast waren. Vielleicht irre ich mich auch, aber ich habe Toiletten in anderen Städten besucht, die das Prädikat „grauenvoll“ verdienen. Die beste Lösung ist, man erledigt auf der Toilette eines Restaurants sein Geschäft. Über Duschen oder andere sanitäre Anlagen kann ich nichts berichten, da ich nur in einer Kirche untergebracht war, und nicht in einem Hotel.
Eine kurze Gegenüberstellung:
Am Leben auf dem Dorf haben mich die Ruhe und die Natur begeistert. Ausserdem war ich beeindruckt, von der Selbstversorgung der Menschen, sei es nun durch Kuhmilch oder selbstgepflückten Tee.
An der Stadt hat mir die Architektur gefallen und die Geschichte, die man sich in Museen verinnerlichen konnte. Ausserdem hat das große Jubiläum dazu beigetragen, dass diese Reise für mich unvergesslich bleibt.
Die Meschen sind gleich freundlich, Trotz des großen Spaltes zwischen Arm auf dem Lande und Reich in der Stadt. Ich bin glücklich, die zwei Arten des Lebens in Lettland kennengelernt zu haben.
Zu allerletzt:
Ich hoffe, mein Bericht hat euch gefallen.
Ich werde mich demnächst dem dritten Teil widmen, in dem ich über die Anreise, Unterkunftsmöglichkeiten und ähnliche Dinge berichten möchte.
Bei Fragen stehe ich wieder gern zur Verfügung.
Vielen Dank für euer Interesse.
Ar labunakti!
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