Erfahrungsbericht von grashopper
Liebeskummer, eine Narbe in der Seele
Pro:
Lässt zu sich selbst finden
Kontra:
Überwältigt einfach Kopf und Seele
Empfehlung:
Nein
Eine Freundschaft ist gestorben - es bleibt Trauer.
Ein "Eigentum" wurde genommen oder ist gegangen - es bleibt ein Gefühl der Vergeltung (?).
Ein Stück des eigenen Umfeldes liegt in Trümmern - es bleibt Fassungslosigkeit.
Ein Stück eigene Freude freut sich nun woanders - es schwindet der Boden unter den Füßen.
Vertrauen wurde verraten - es bleibt Hass und Hilflosigkeit.
Eine Welt bricht zusammen - es rollen die Tränen, der Geist reinigt sich.
Das Selbstwertgefühl ist schwer verwundet, man klebt mit den eigenen Gefühlen in einer kleinen Ecke eines großen dunklen Etwas und Nichts.
Mann findet seine Angebetete nicht und stürzt sich jeden Tag im Geiste aus dem Fenster.
Frau kann ihren Märchenprinz nicht finden und (ver)zweifelt an sich selbst.
Was fehlt uns, wenn wir Liebeskummer haben?
Die Wärme des Partners, die Nähe einer vertrauten Person, die Freundin, auf die Mann so stolz war, den Freund, um den viele eine beneiden, die Sexuelle Erfüllung, die Zukunft, die unerfüllten Wünsche, die schönen gemeinsamen sonnigen Tage, die Orte, die man gemeinsam gesehen und genossen hat, der besetzte Platz gegenüber beim Essen.
Irgendwie ist es bei allen so oder so ähnlich, mehr oder weniger. Das steckt bei uns Menschen einfach drin. Wir sind so "gebaut" und es hat auch seinen biologischen Sinn, damit wir uns aus dem Schmerz befreien, denn wir sind ein mehr oder weniger soziales Wesen und nur im aller seltensten Fall auch Einsiedler, ob aus Lust oder Verzweifelung bleibt offen.
Wir Menschen sind verschieden. Einmal, damit wir uns nicht langweilen müssen und zum anderen, damit wir uns eine gewisse Neugierde erhalten. Wir sind auch mehr oder weniger tolerant, entweder mit spitzen Fingern, um sich zum Beispiel bei einem "Tabuthema" keine Blöße zu geben oder mit Haut und Haaren, weil man den anderen sein lässt, was er ist, oder sie denken lässt, was sie eben denkt.
Wir sind irgendwo immer Mittelpunkt, nämlich ganz genau gesehen von uns. Alles bewegt sich um uns, entweder, wenn wir uns selbst bewegen oder alles um uns herum. Auch unsere Partner sind so. Sie sind ein Mittelpunkt aus ihrer Sicht. Das ist manchmal nur schwer zu empfinden. Warum kann DIE nicht so sein, dass ich mich weiter so gut fühle ? Warum kann DER nicht so sein, dass ich mich selbst noch bei allem wieder finde. Warum verstehe nur ICH mich?
Männer und Frauen sind verschieden und sie sind es auch wieder nicht. Sie fühlen unterschiedlich und sie tun es auch wieder nicht. Fest steht, dass Partner passen müssen ( wie richtig ist das englische Wort "match"), dass sie sich ganz so zeigen sollten, wie sie sind und auf den anderen Partner eingehen sollten. Wo das nicht oder nicht mehr klappt, wo das Repertoire des Schauspiels durchschaut wird oder auch zu Ende ist, wo das Gefühl fehlt, verstanden zu werden, wo der Ichbezug auf die Partnerschaft größer ist, als die Achtung der anderen Person, fängt das Arrangement an, die Alltäglichkeit und der oft schleichende Verlust der Partnerschaft. So lange bis sie fest gefahren ist oder einfach durch "mehr und anziehendere Farbe" woanders auseinander gezogen wird. Darüber DÜRFEN wir traurig sein. Machen wir es beim nächsten Mal einfach besser und zwar mit uns selbst. Machen wir uns nichts vor. Und es gibt ein nächstes Mal.
Sehen wir doch einmal auf den Boden- ist da denn wirklich das tiefe Loch ? Nein! Gebrauchen wir doch unsere andere Eigenschaft, die Neugier, und wir stellen fest, dass es um uns herum doch garnicht so schlecht ist. Haben wir etwas verlernt? Haben wir uns in der Beziehung zu sehr eingeigelt? Haben wir unser Leben nur auf eine Person fokusiert ? Ja! Aber wir dürfen das, wir lieben ja auch und wollen nichts auf der Welt, als jetzt und hier gerade diese Person, dieses Gefühl, dieses Erlebnis.
Narben nach dem ersten Mal ? Ja, die gehören dazu. Verletzung in kleinen Stichen ? Ja, auch das gehört dazu, damit wir damit umgehen lernen. Wir werden uns auch einmal von unseren Kindern trennen, auch das ist mitunter ein Prozess, an dessen Ende man manchmal viel gegeben hat und mit leeren Händen da steht. So ist das mit uns Menschen. Wir sind so gebaut.
Das innere Feuer des Verlangens ? Ja, wir brauchen es, sonst würden wir ja einfach aneinander vorbeigehen und es würde doch einfach nichts passieren. Im Grunde IST doch alles so schön bunt hier - wir müssen es nur sehen wollen. Wir wollen uns doch anlehnen, wir wollen doch unsere Gedanken und Visionen mit jemandem teilen - mehr oder weniger.
Das Leben kann eine einzige Rennbahn oder ein großer Garten duftender Blüten sein, mit einem passenden Partner und wenn es eben doch nicht so beim letzten Mal geklappt hat, sag niemals nie und öffne Deine Sinne, Du wirst Sehen, du wirst Fühlen, Du wirst Schmecken, Du wirst Hören, Du wirst Riechen, du wirst zu Hause sein, ganz so wie Du es dir selbst einrichtest. Guck einfach mal, wievielen anderen es genauso geht - und da soll einfach niemand passendes dabei sein ?
18 Bewertungen, 6 Kommentare
-
09.06.2002, 20:29 Uhr von Dexter
Bewertung: sehr hilfreichDanke für diesen aufbauenden Bericht.Der Film,den ich am laufen hab,wird neu besetzt!
-
28.05.2002, 00:27 Uhr von Anachronistin
Bewertung: sehr hilfreichVorsicht bezüglich der Formulierung "Eigentum"...!
-
26.05.2002, 05:27 Uhr von Andreas68
Bewertung: sehr hilfreichDas Problem ist manchmal weniger der Verlust, als der Einschnitt ins Selbstwertgefühl: Ich wurde Ihr nicht gerecht. Dieser Beitrag ist, was mich sehr angenhem überrascht hat, durchaus geeignet, Trost zu spenden u. weiterzuhelfen. Danke dafür
-
26.05.2002, 02:27 Uhr von eponnin
Bewertung: sehr hilfreichFür mich ist immer eine Welt untergegangen ... schön beschrieben.
-
26.05.2002, 02:21 Uhr von PL1986
Bewertung: sehr hilfreichich finde den beitrag nützlich, weil wenn man traurig ist sich den beitrag durchlesen kann
-
26.05.2002, 01:47 Uhr von kaykintzel
Bewertung: sehr hilfreichgut rangegangen an das Problem
Bewerten / Kommentar schreiben