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Erfahrungsbericht von Evil_Duke

Jugendlicher Leichtsinn!

Pro:

nichts

Kontra:

alles

Empfehlung:

Nein

Die Überschrift verrät leider nicht, was ich eigentlich mit dem Text bewirken will.

--Die Vorgeschichte--

Ich habe am 1.10.2001 meinen Führerschein fürs Auto bekommen. Mein größter Wunsch seit dem ich denken kann, wurde damit erfüllt! Schon als 6 jähriger Stift wollte ich Auto fahren. Naja, mit 9 durfte ich dann mal ans Steuer. Ich saß bei meinem Vater auf dem Schoß und habe gelenkt - das hat wahrscheinlich jeder Vater einmal mit seinem Sohn gemacht. Aber keinem erzählen - HAHA!
Mit 16 machte ich dann meinen Führerschein fürs Moped. Lange Rede kurzer Sinn!
Ein Tag nachdem ich meinen "Lappen" bekam, machte ich erst einmal eine Mammut-Tour von ca. 100km. Wie das halt so ist, wenn man ein Auto hat und mit Freunden was machen will! Ich bin der zweite aus meinem Freundeskreis, der eine Pappe hat (Wir haben beide einen 2er Golf)!
Wochenendprogramm war von dem Zeitpunkt immer: 1. Ins "Fun" (Disco) nach Wittenberg fahren 2. zu Mc Doof gehen und 3. sinnlos mit dem Auto durch die Stadt heizen!

--Was ist passiert?--

Das ging alles ca. 3 Wochen gut. Doch am 20. Oktober war uns das Glück nicht mehr so hold! Einer meiner Freunde hatte Geburtstag. Davor kam das Wochenendprogramm und dann um 01:00 fuhren wir dann nach Mühlanger (10km von Wittenberg entfernt und mein Wohnort). "Naja, alles Gute zum 18. Geburtstag wünschen und dann noch irgendwohin fahren.". Das dachte wir jedenfalls!
Insgesamt waren wir 7 Leute (Namen werde ich nicht nennen, darum wird die Geschichte etwas kompliziert) in zwei Autos (also vollbepackt). So standen wir vor dem Haus und wollten das Geburtstagskind sehen, doch dies kam nicht raus!
Also kam einem meinem Ex-Kumpel eine saudoofe Idee. Er wollte hupen, doch dazu brauchte er den Schlüssel, denn hupen kann man nur, wenn die Zündung an ist!
Ja, so weit so gut. Dabei muss ich noch sagen, dass er betrunken war. Also gab mein Freund ihm die Schlüssel, ohne zu wissen, was noch kommen sollte. *Huup* *Huup* - nu ist aber Schluss! Denkste, der Betrunkene verriegelte die Türen und saß nun mit dem Schlüssel in der Hand und Freundin des Autobesitzers im Auto. Er lachte nur dumm und machte den Motor an - "Ja, toll du Held", riefen wir alle. Doch das störte ihn nicht. Er fuhr los...
Endlich kam das Geburtstagskind heraus. Also erst einmal Glückwünsche abgeben und Geschenke verteilen! Dann fragte mein Freund, wo denn das Auto des anderen Freundes sei. Wir klärten ihn auf, dass sich der Besoffene das Auto geschnappt hat.
10min später sahen wir dann nur noch das Weitlicht des Autos. Das musste er sein, doch irgendwie hörte sich der Motor komisch an. Ja, er war bei maximaler Leistung (ca. 190km). Das konnte nicht gutgehen. Also bin ich in mein Auto gesprungen und wollte es ein paar Meter zurücksetzen, denn wer weiß, was der Trottel macht! Doch dazu kam ich nicht mehr. Erwartungsvoll schauten wir auf die Lichter und die kommende Kurve (eine sehr scharfe 90° Kurve, die man höchstens mit 50km/h nehmen kann!). Ein Quietschen, ein Aufheulen des Motors und ein schrecklicher Crash waren die Folge.
Total geschockt standen wir eine Minute herum, bis wir ein grausames Schreien von der Freundin hörten. So rannten wir los! Und dann sahen wir das Schrecken! Die Bordsteinkante war ausgehebelt, ein Zaun war nicht mehr vorhanden. Außerdem ein Telekom-Mast, und zwei Bäume zerstört. Doch Schreien ist immer ein relativ gutes Zeichen, dass nichts passiert ist. Denn wer die Kraft hat noch um Hilfe zu rufen, dem kann noch geholfen werden...
Die Kurve ist sehr schlecht beleuchtet und so rutschten fast alle auf einem etwas seltsamen Ding auf dem Boden aus! Die Windschutzscheibe lag draußen. Und die Insassen mussten durch die Front aussteigen, denn der Wagen hatte sich total verzogen. Als die beiden draußen waren, fing es an zu qualmen. Keiner außer mir hatte es mitbekommen und so sagte ich meinem Freund, dass er erst einmal die Zündung ausmachen soll. Dazu musste er die Tür aufmachen. Doch was war das? Auf dem Dach lag Gras. Das Auto hatte sich bei ca. 120km/h überschlagen. Zündung aus, Freundin beruhigen und Fahrer vermöbeln. Die Kleine war total verstört und schrie nur die ganze Zeit (verständlich). Wir waren alle so wütend, dass wir den Fahrer fast erschlagen hätten, doch dann hätten wir nur noch mehr Ärger am Hals.
Dann kamen auch schon die ersten Gaffer aus ihren Kaschemmen hearausgedackelt - alles Renter. Was nu? Ich fuhr erst einmal mein Auto nach Hause (wohne 200m vom Unfallort entfernt), da ich auch ein Bier in der Disco getrunken hatte und die Bullen sollten mir nicht auch noch was anhängen!
Mein Freund rief dann die Polizei an und die Feuerwehr! Dann trösteten wir alle das Mädchen und den Fahrer beschimpften wir nur! Nach 15min kamen die Bullen in zwei Transportern.
Was dann passierte ist echt bezeichnend für den Abend. Der Fahrer musste "blasen". Tja, das geht nicht so gut, wenn man betrunken ist. Beim 6. Versuch hatte es dann geklappt - Ergebnis: 0,93 Promille und Fürhreschein weg (mindestens zwei Jahre, da er noch auf Probe war). Der Krankenwagen packte dann erst einmal die Freundin des Autobesitzers ein und fuhr ins Krankenhaus zum Röntgen. Der Fahrer musste mit der Polizei mit aufs Revier zum "Stechen" (Bluttest).
Immer wieder die Bilder vor Augen sehend, waren wir alle geschockt und rauchten eine Zigarette nach der anderen. Dann noch einmal zum Unfallort und der Polizei ausführlich zeigen, von wo er gekommen ist. Lässig, wie sie sind, wollten sie zuerst eine Traktorspur als Bremsspur markieren - die ist fast 3mal so breit, wie die Golf-Räder.
Wir gingen alle zum Auto und trösteten meinen Freund, der Rotz und Wasser heulte! Wenn man das Auto ansah, fing man auch fast an zu heulen, denn das tat richtig in der Seele weh, wie dieses schöne Auto verbeult dastand - Totalschaden (3.000 EUR im Arsch)!!! Nach dem Abschleppen musste ich es einfach noch einmal anfassen und sagte ihm im Innern "Tschüss", dabei lief mir auch eine Träne die Wange herunter - war nicht zu vermeiden!

--Die "Trennung"--

Nach drei Stunden Terror, wollten und konnten wir nicht mehr. Ja, toll ich musste meine Freunde noch nach Hause fahren und das bei 20m Sichtweite wegen Nebel. Mein Freund war immer noch total geschockt und so sagten wir Sätze wie "Wird schon wieder!" oder "Hauptsache ist, dass ihr nichts passiert ist!". Dem Auto noch einmal nachgeschaut und dann die Freunde weggeschafft.
Was mir jedoch noch sehr viel bedeutete waren die Aufmunterungen meiner Freunde. "Gott sei Dank, bist du so ein guter Fahrer!" und "Ich bin froh, dass du nicht noch ein Bier getrunken hast!". Das gab mir irgendwie Kraft an diesem Abend noch zu fahren.
Seit diesem Tag steigen wir mit ganz anderen Gefühlen in ein Auto.

--Fazit--

Zum Glück ist der Freundin nichts passiert. Dieses Ereignis hat uns noch mehr zusammengeschweißt! Ich wünsche keinem von euch solche Bilder live sehen zu müssen, denn da merkt man erst, dass man gar nicht so hart ist, wie man immer gedacht hat!

PS: 1 Minute vor dem Unfall wollten wir alle noch mit meinem Auto losfahren und sie suchen.....

28 Bewertungen, 4 Kommentare

  • flela2

    02.05.2002, 13:42 Uhr von flela2
    Bewertung: sehr hilfreich

    Das ist ein wirklich guter bericht. Er hat mich richtig gefesselt.

  • Volker111

    30.04.2002, 22:01 Uhr von Volker111
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hoffentlich lesen die "richtigen" deinen Bericht.

  • mipam

    30.04.2002, 21:27 Uhr von mipam
    Bewertung: sehr hilfreich

    bin bewegt, es könnte jeden treffen mipam

  • Knax1

    30.04.2002, 21:26 Uhr von Knax1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eines der größten Probleme mit dem Alkohol ist, daß man sich unheimlich stark und überlegen fühlt. Und ein Super-Autofahrer ist man ja sowieso. Leider endet es viel zu oft so, wie Du erzählst und meistens noch viel schlimmer