Erfahrungsbericht von Andreas68
Oberpfalz (Bayern) - eine kritische Prosa, ein subjektives Reiseerleben
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Vor Weihnachten 2001 in der Oberpfalz
Meine Freundin, Naturschutz, Nabburg u. das freie Nachbarland
Eindrücke einer Reise von Andreas68
Viel zu spät ging es am Freitag los, verschlafen musste ich u. noch dringend etwas im Internetz erledigen: Bücher zum Verkauf anbieten, die niemand will. Immerhin kam ich so rechtzeitig an, dass wir noch zum Essen fahren konnten, nachdem wir uns in die Arme gefallen waren.
Sie führte mich in ein ganz tolles Restaurant, das völlig abgelegen war u. mir unangenehme Assoziationen bezüglich der Übersichtlichkeit u. preislichen Qualität der Speisen bereitete. Aber, siehe da, die Preise waren akzeptabel. Dafür war meine Ente auch trocken (der Karpfen hätte für mich geschlachtet werden müssen u. das ging mir dann doch zu weit; tote Tiere kann ich ja essen, aber extra für mich zu sterben braucht keins) und zu trinken gab´s ein Bier. Auf meine Frage, ob es noch andere Sorten vom Fass gäbe, erhielt ich als zweites Getränk ein Pils, und als ich zu fragen wagte, was ich denn als erstes getrunken hätte, erhielt ich die erstaunte Antwort: "Dösch woar oa Bier!", worauf ich mich weiterer Fragen enthielt, um nicht als völlig unkundiger Trottel da zu stehen, aber unter uns und hier: Ja, kruzi, ist denn ein Pils kein Bier? Na ja, in ihrem Städtchen gab´s dann noch so eine Spelunke mit richtig leckerem, süßlich-süffigen Bier u. einem Flipper, bei dem man (`Mediviel Madness´) ganze Burgen erst zum Zittern u. dann zum Einsturz bringen konnte, was mit Millionen von Punkten, Freikugeln u. epileptische Anfälle provozierendem Lichtgeblitze belohnt wurde.
Am nächsten Tag erfolgte dann die Geschäftsreise ins freie Nachbarland, die Tschechische Republik, um billiger zu tanken u. Zigaretten zu kaufen. Durch den einen Grenzübergang ging es mit meinem Auto u. durch den anderen mit ihrem, während in meinem zwischengelagert wurde. Ein Glück, dass ich zwei Reservekanister bei mir hatte. Auf der Fahrt in die Tschechei begann es dann zu schneien u. so kam ich in den Genuss, zum erstenmal in diesem Winter Schneefall zu erleben. Von einem der Märkte wurde eine Feuerwerksbombe nach der anderen abgeschossen, die ein kugelförmiges Leuchtsternbukett nach dem anderen entfalteten. So etwas erlebt man nur in einem freien Land, bei uns wären ja gleich alle verhaftet worden! Es ist auch typisch, dass Schnee fällt u. liegen bleibt, kaum dass man das Nachbarland erreicht. Der Böhmerwald war weiß u. im Oberpfälzer Wald blieb kaum etwas liegen - irgend etwas stimmt mit Deutschland schon nicht mehr (die Prionen sind schon überall).
Bei der Hinfahrt fiel mir auf, dass man im Landschaftsschutzgebiet meint, die Seitenstreifen der Straßen u. die Straßengräben kurz gemäht halten zu müssen (vielleicht hat man kein Geld, das ja bekanntlich überall fehlt, langes Gras, Wildkräuter u. -blumen einfach wachsen zu lassen?!?)
Andererseits lässt man jeglichen Müll dort liegen! Am Verrottungszustand von Dosen, Plasteflaschen, Papier u. Alufolie war gut zu erkennen, dass der Dreck auch schon vor dem Mähen dort gelegen haben muss! So lässt sich also anhand leicht nachvollziehbarer Beobachtung erkennen, wie man Landschaftspflege im Landschaftsschutzgebiet Oberpfalz versteht: Für die sogenannten `Offenlandsarten´ stellen Straßenränder u -gräben außer den Ackerrandstreifen, so die Landwirte welche stehen lassen, die letzten Rückzugsgebiete dar, denn auf den überdüngten u. viel zu früh gemähten Futterwiesen finden sie keinen Lebensraum mehr u. auf Äckern u. in den verdunkelten Wirtschaftswäldern sowieso nicht. Also vernichtet man mit Material- u. Geldaufwand völlig sinn- u. zwecklos den letzten Rest Natur u. lässt gleichzeitig die Verschmutzung der Umwelt durch Abfälle, die zum Teil Schad- u. Giftstoffe freisetzen (Weichmacher, Farbstoffe, Aluminiumoxyde) zu. Die verantwortlichen Verwaltungen können sich gratulieren, aber deren Entscheidungsträger werden bestimmt bei den nächsten Kommunalwahlen wieder gewählt. Verrottende Dosen u. Plastiktüten auf englischem Rasen erhöhen ja unsere Lebensqualität ungemein, während eine blühende Wiese mit Schmetterlingen am Straßenrand wohl eine ungeheure Belastung wäre!
Nachdem wir ein bisschen in der Tschechischen Republik umher geirrt waren, ging es zurück nach Hause u. von dort auf den berühmten Weihnachtsmarkt von Weiden i.d. Oberpfalz. Wir freuten uns so sehr auf unseren Glühwein, Eierpunsch u. alle möglichen Leckereien außer Weißwurst, da das Bekanntwerden von einem sicheren u. zwei vermutlichen BSE-Fällen in der Oberpfalz den Appetit auf diese Kalbfleischwurst verdarb (noch berichtet man über die einzelnen Fälle; es würde mich nicht wundern, wenn man in einem halben Jahr davon noch so viel erfährt, wie von dem vor der Bretagne gesunkenen Giftfrachter...). Zu unserem fassungslosen Erstaunen mussten wir aber feststellen, dass kurz vor 20 Uhr bereits alle Stände abgeräumt u. sogar gefegt worden war! Man sah der Altstadt o. Fußgängerzone in keiner Weise an, dass sie irgendwann (vielleicht von 7 bis 9 Uhr?) einen Weihnachtsmarkt beherbergt hatte!
Aber, wie so oft, war auch diese Enttäuschung wieder für etwas gut! Ich wollte mir nämlich nicht die Läden in Weiden ansehen, sondern dann lieber die Altstadt von Nabburg, von der meine kleine Avalon-Freundin schon öfter geschwärmt hatte! Also fuhren wir dort hin u. ich war wirklich überwältigt! Das mittelalterliche Stadtzentrum auf einer Hügelkuppe ist von einer dicken Natursteinmauer umgeben, von der man weiten Blick in die Landschaft u. auf die ebenfalls recht hübsche Erweiterung des Ortes Nabburg hat sowie auf ein winterlich verwaistes Storchennest auf einem Turm. Die hübschen Häuser schmiegen sich zum Teil an die Mauer u. an deren zitadellenartige Rücksprünge u. Erweiterungen. Allein das Durchschreiten der fantasievollen Torbögen, die aus der Stadt hinaus u. hinein führen, ist ein Erlebnis! Aus den Mauerfugen darf sogar Zymbelkraut wachsen, das sah ich sonst fast nur in Avalon! Ich war erstaunt darüber, dass Sa. Abend alles ausgestorben wirkte; es gab kaum Touristen u. auch nur 2, 3 Gaststätten in der Altstadt. Die einzige, die geöffnet war, bewirtete eine geschlossene Gesellschaft. Als ich begeistert erklärte, dies alles filmen zu müssen, um es zuhause zeigen zu können, fanden wir ein Fremdenverkehrsbüro, in dem für DM 20,- eine Videocassette über das Mittelalterfestival in Nabburg angeboten wurde. Nicht des Spektakels wegen, sondern wegen der Stadtansichten darauf bat ich meine Freundin, mir die Cassette schnell zu besorgen. Ein Wermutstropfen war allerdings die teilweise großzügige Pflasterung, die gewiss nicht dem mittelalterlichen Zustand entsprach. Seinerzeit hielt man überall kleinste Flächen für Obst- u. Weinanbau frei, schon, um bei einer Belagerung wenigstens eine kleine Reserve zu haben. Die vorhandenen freien Flächen waren auch oft mit langweiligen Conifaeren bepflanzt, aber vielleicht führt ja die Vermarktung der Mittelalterlichkeit der Stadt irgendwann dazu, dass man dort wieder die viel hübscheren u. lebendigeren Obstbäume (Spalierobst) u. Beerensträucher pflanzt.
Am letzten Tag führte uns ein Spaziergang aus der Vorstadt, in die meine Priesterin geflüchtet ist, ca. einen Kilometer in die Landschaft. Erstaunlicherweise wächst dort in den Feldrainen überall Ginster. Das Laufen durch den Matsch wurde mit dem Ausblick auf gerundete, dicht bewaldete Berge belohnt. Die Feldraine dienen den Anwohnern der auswuchernden Vorstadt offenbar als Müllhalde für ihre Gartenabfälle. Das wäre nun nicht so schlimm, würde das verrottende Pflanzenmaterial hin geworfen werden, wo es hin gehört, aber nein, es muss ja die kleinen Wiesenreste an den Wegen ersticken. Zum Glück trugen wir Handschuhe u. grobe Kleidung, also wurde es unter Gebüsch u. auf einem Acker verteilt, wo es als Nährstofflieferant willkommen ist, u. das Wiesenstück war wieder frei. Das ist Naturschutz!
Nah am Haus hatten wir eine junge Weide im Straßengraben entdeckt, die bisher den Motorsensen von Kreis o. Gemeinde entgangen war. Um sie auch zukünftig zu schützen, schleppten wir ein paar Klamotten herbei, die ein Landwirt neben seinem Acker gesammelt hatte u. errichteten nahe des dünnen Stammes ein kleines, sensenunfreundliches Häufchen ("sscccrrattsch!").
Nun zu der Freundin, die es wirklich schwierig hat. Sie musste aus ihrem Traumhäuschen flüchten u. bewohnt nun für DM 300,- Warmmiete eine Einliegerwohnung, ein Appartement in einem Einfamilienhaus im Vorort, wo jedes Haus auf eigenem Grundstück, von ein paar Metern Rasen u. einem Zaun o. einer scheintoten Tuja-Hecke umgeben, liegt. Es ist mir unheimlich, wie solche Hässlichkeit zum Lebenstraum der Deutschen werden konnte! Aber egal, gemütlich kann man es sich überall machen u. außerdem hat sie keinen Pfennig Geld, da das Traumhäuschen alles frisst u. nun wahrscheinlich mit Verlust wegen der Hypothek verkauft werden muss, da der Mann, selbständig in der Baubranche, seine Außenstände abschreiben kann. Wie schon beinahe üblich, wollen o. können die Auftraggeber nicht bezahlen o. existieren (Bankrott) einfach gar nicht mehr. Soweit Andreas nach der Oberpfalz - u. das auch als Antwort für all die Leute, denen ich erzählt habe, dass ich am Wochenende weg bin u. die dann auf meinem AB gewettert haben, weil ich nie zuhause wäre...Na, schaltet der Kurzzeitspeicher jetzt wieder?
Meine Freundin, Naturschutz, Nabburg u. das freie Nachbarland
Eindrücke einer Reise von Andreas68
Viel zu spät ging es am Freitag los, verschlafen musste ich u. noch dringend etwas im Internetz erledigen: Bücher zum Verkauf anbieten, die niemand will. Immerhin kam ich so rechtzeitig an, dass wir noch zum Essen fahren konnten, nachdem wir uns in die Arme gefallen waren.
Sie führte mich in ein ganz tolles Restaurant, das völlig abgelegen war u. mir unangenehme Assoziationen bezüglich der Übersichtlichkeit u. preislichen Qualität der Speisen bereitete. Aber, siehe da, die Preise waren akzeptabel. Dafür war meine Ente auch trocken (der Karpfen hätte für mich geschlachtet werden müssen u. das ging mir dann doch zu weit; tote Tiere kann ich ja essen, aber extra für mich zu sterben braucht keins) und zu trinken gab´s ein Bier. Auf meine Frage, ob es noch andere Sorten vom Fass gäbe, erhielt ich als zweites Getränk ein Pils, und als ich zu fragen wagte, was ich denn als erstes getrunken hätte, erhielt ich die erstaunte Antwort: "Dösch woar oa Bier!", worauf ich mich weiterer Fragen enthielt, um nicht als völlig unkundiger Trottel da zu stehen, aber unter uns und hier: Ja, kruzi, ist denn ein Pils kein Bier? Na ja, in ihrem Städtchen gab´s dann noch so eine Spelunke mit richtig leckerem, süßlich-süffigen Bier u. einem Flipper, bei dem man (`Mediviel Madness´) ganze Burgen erst zum Zittern u. dann zum Einsturz bringen konnte, was mit Millionen von Punkten, Freikugeln u. epileptische Anfälle provozierendem Lichtgeblitze belohnt wurde.
Am nächsten Tag erfolgte dann die Geschäftsreise ins freie Nachbarland, die Tschechische Republik, um billiger zu tanken u. Zigaretten zu kaufen. Durch den einen Grenzübergang ging es mit meinem Auto u. durch den anderen mit ihrem, während in meinem zwischengelagert wurde. Ein Glück, dass ich zwei Reservekanister bei mir hatte. Auf der Fahrt in die Tschechei begann es dann zu schneien u. so kam ich in den Genuss, zum erstenmal in diesem Winter Schneefall zu erleben. Von einem der Märkte wurde eine Feuerwerksbombe nach der anderen abgeschossen, die ein kugelförmiges Leuchtsternbukett nach dem anderen entfalteten. So etwas erlebt man nur in einem freien Land, bei uns wären ja gleich alle verhaftet worden! Es ist auch typisch, dass Schnee fällt u. liegen bleibt, kaum dass man das Nachbarland erreicht. Der Böhmerwald war weiß u. im Oberpfälzer Wald blieb kaum etwas liegen - irgend etwas stimmt mit Deutschland schon nicht mehr (die Prionen sind schon überall).
Bei der Hinfahrt fiel mir auf, dass man im Landschaftsschutzgebiet meint, die Seitenstreifen der Straßen u. die Straßengräben kurz gemäht halten zu müssen (vielleicht hat man kein Geld, das ja bekanntlich überall fehlt, langes Gras, Wildkräuter u. -blumen einfach wachsen zu lassen?!?)
Andererseits lässt man jeglichen Müll dort liegen! Am Verrottungszustand von Dosen, Plasteflaschen, Papier u. Alufolie war gut zu erkennen, dass der Dreck auch schon vor dem Mähen dort gelegen haben muss! So lässt sich also anhand leicht nachvollziehbarer Beobachtung erkennen, wie man Landschaftspflege im Landschaftsschutzgebiet Oberpfalz versteht: Für die sogenannten `Offenlandsarten´ stellen Straßenränder u -gräben außer den Ackerrandstreifen, so die Landwirte welche stehen lassen, die letzten Rückzugsgebiete dar, denn auf den überdüngten u. viel zu früh gemähten Futterwiesen finden sie keinen Lebensraum mehr u. auf Äckern u. in den verdunkelten Wirtschaftswäldern sowieso nicht. Also vernichtet man mit Material- u. Geldaufwand völlig sinn- u. zwecklos den letzten Rest Natur u. lässt gleichzeitig die Verschmutzung der Umwelt durch Abfälle, die zum Teil Schad- u. Giftstoffe freisetzen (Weichmacher, Farbstoffe, Aluminiumoxyde) zu. Die verantwortlichen Verwaltungen können sich gratulieren, aber deren Entscheidungsträger werden bestimmt bei den nächsten Kommunalwahlen wieder gewählt. Verrottende Dosen u. Plastiktüten auf englischem Rasen erhöhen ja unsere Lebensqualität ungemein, während eine blühende Wiese mit Schmetterlingen am Straßenrand wohl eine ungeheure Belastung wäre!
Nachdem wir ein bisschen in der Tschechischen Republik umher geirrt waren, ging es zurück nach Hause u. von dort auf den berühmten Weihnachtsmarkt von Weiden i.d. Oberpfalz. Wir freuten uns so sehr auf unseren Glühwein, Eierpunsch u. alle möglichen Leckereien außer Weißwurst, da das Bekanntwerden von einem sicheren u. zwei vermutlichen BSE-Fällen in der Oberpfalz den Appetit auf diese Kalbfleischwurst verdarb (noch berichtet man über die einzelnen Fälle; es würde mich nicht wundern, wenn man in einem halben Jahr davon noch so viel erfährt, wie von dem vor der Bretagne gesunkenen Giftfrachter...). Zu unserem fassungslosen Erstaunen mussten wir aber feststellen, dass kurz vor 20 Uhr bereits alle Stände abgeräumt u. sogar gefegt worden war! Man sah der Altstadt o. Fußgängerzone in keiner Weise an, dass sie irgendwann (vielleicht von 7 bis 9 Uhr?) einen Weihnachtsmarkt beherbergt hatte!
Aber, wie so oft, war auch diese Enttäuschung wieder für etwas gut! Ich wollte mir nämlich nicht die Läden in Weiden ansehen, sondern dann lieber die Altstadt von Nabburg, von der meine kleine Avalon-Freundin schon öfter geschwärmt hatte! Also fuhren wir dort hin u. ich war wirklich überwältigt! Das mittelalterliche Stadtzentrum auf einer Hügelkuppe ist von einer dicken Natursteinmauer umgeben, von der man weiten Blick in die Landschaft u. auf die ebenfalls recht hübsche Erweiterung des Ortes Nabburg hat sowie auf ein winterlich verwaistes Storchennest auf einem Turm. Die hübschen Häuser schmiegen sich zum Teil an die Mauer u. an deren zitadellenartige Rücksprünge u. Erweiterungen. Allein das Durchschreiten der fantasievollen Torbögen, die aus der Stadt hinaus u. hinein führen, ist ein Erlebnis! Aus den Mauerfugen darf sogar Zymbelkraut wachsen, das sah ich sonst fast nur in Avalon! Ich war erstaunt darüber, dass Sa. Abend alles ausgestorben wirkte; es gab kaum Touristen u. auch nur 2, 3 Gaststätten in der Altstadt. Die einzige, die geöffnet war, bewirtete eine geschlossene Gesellschaft. Als ich begeistert erklärte, dies alles filmen zu müssen, um es zuhause zeigen zu können, fanden wir ein Fremdenverkehrsbüro, in dem für DM 20,- eine Videocassette über das Mittelalterfestival in Nabburg angeboten wurde. Nicht des Spektakels wegen, sondern wegen der Stadtansichten darauf bat ich meine Freundin, mir die Cassette schnell zu besorgen. Ein Wermutstropfen war allerdings die teilweise großzügige Pflasterung, die gewiss nicht dem mittelalterlichen Zustand entsprach. Seinerzeit hielt man überall kleinste Flächen für Obst- u. Weinanbau frei, schon, um bei einer Belagerung wenigstens eine kleine Reserve zu haben. Die vorhandenen freien Flächen waren auch oft mit langweiligen Conifaeren bepflanzt, aber vielleicht führt ja die Vermarktung der Mittelalterlichkeit der Stadt irgendwann dazu, dass man dort wieder die viel hübscheren u. lebendigeren Obstbäume (Spalierobst) u. Beerensträucher pflanzt.
Am letzten Tag führte uns ein Spaziergang aus der Vorstadt, in die meine Priesterin geflüchtet ist, ca. einen Kilometer in die Landschaft. Erstaunlicherweise wächst dort in den Feldrainen überall Ginster. Das Laufen durch den Matsch wurde mit dem Ausblick auf gerundete, dicht bewaldete Berge belohnt. Die Feldraine dienen den Anwohnern der auswuchernden Vorstadt offenbar als Müllhalde für ihre Gartenabfälle. Das wäre nun nicht so schlimm, würde das verrottende Pflanzenmaterial hin geworfen werden, wo es hin gehört, aber nein, es muss ja die kleinen Wiesenreste an den Wegen ersticken. Zum Glück trugen wir Handschuhe u. grobe Kleidung, also wurde es unter Gebüsch u. auf einem Acker verteilt, wo es als Nährstofflieferant willkommen ist, u. das Wiesenstück war wieder frei. Das ist Naturschutz!
Nah am Haus hatten wir eine junge Weide im Straßengraben entdeckt, die bisher den Motorsensen von Kreis o. Gemeinde entgangen war. Um sie auch zukünftig zu schützen, schleppten wir ein paar Klamotten herbei, die ein Landwirt neben seinem Acker gesammelt hatte u. errichteten nahe des dünnen Stammes ein kleines, sensenunfreundliches Häufchen ("sscccrrattsch!").
Nun zu der Freundin, die es wirklich schwierig hat. Sie musste aus ihrem Traumhäuschen flüchten u. bewohnt nun für DM 300,- Warmmiete eine Einliegerwohnung, ein Appartement in einem Einfamilienhaus im Vorort, wo jedes Haus auf eigenem Grundstück, von ein paar Metern Rasen u. einem Zaun o. einer scheintoten Tuja-Hecke umgeben, liegt. Es ist mir unheimlich, wie solche Hässlichkeit zum Lebenstraum der Deutschen werden konnte! Aber egal, gemütlich kann man es sich überall machen u. außerdem hat sie keinen Pfennig Geld, da das Traumhäuschen alles frisst u. nun wahrscheinlich mit Verlust wegen der Hypothek verkauft werden muss, da der Mann, selbständig in der Baubranche, seine Außenstände abschreiben kann. Wie schon beinahe üblich, wollen o. können die Auftraggeber nicht bezahlen o. existieren (Bankrott) einfach gar nicht mehr. Soweit Andreas nach der Oberpfalz - u. das auch als Antwort für all die Leute, denen ich erzählt habe, dass ich am Wochenende weg bin u. die dann auf meinem AB gewettert haben, weil ich nie zuhause wäre...Na, schaltet der Kurzzeitspeicher jetzt wieder?
10 Bewertungen, 1 Kommentar
-
29.03.2002, 03:16 Uhr von kaykintzel
Bewertung: sehr hilfreichspitzen Bericht. Kay




Bewerten / Kommentar schreiben