Erfahrungsbericht von sweety179
Schicksalsrückschläge - wie geht es weiter?
Pro:
nichts
Kontra:
alles
Empfehlung:
Nein
Heute habe ich mich dazu entschlossen, über besondere Schicksalsrückschläge in meinem Leben nachzudenken… Es ist mir aufgefallen, dass es bei mir schon viele gibt… obwohl ich erst 17 bin!
Alles fing an, als ich 4 war, also 1992.
Vielleicht denken nun ein paar Leser hier, dass man mit vier noch gar nix beurteilen kann, aber da muss ich euch enttäuschen, es geht!
Ich erinnere mich daran, dass meine Eltern, meine Schwester und ich nicht mehr in der Heimat meiner Eltern wohnten, in Ostfriesland, sondern wegen der Arbeit meines Vaters nach Delmenhorst gezogen sind. Also hatten wir nicht viel mit der Familie zu tun. Naja, ist eigentlich noch schlimmer wenn ich bedenke, dass ich 32 Cousinen und Vetter habe, meine Mom hatte 10 Geschwister!
Auf jeden Fall haben wir uns als Kinder dann ja besonders gefreut, wenn wir mal ein Wochenende zu Oma und Opa gefahren sind, und die haben dann wirklich alles für uns getan! Wir durften alles und wir haben die ganze Zeit gelacht. Bei den Eltern meines Vaters war es so, dass sie es genießen mussten, wenn wir da waren, da wir zu de Zeit die einzigen Enkelkinder aus der Familie waren.
Auf jeden Fall konnten wir nicht immer in Ostfriesland sein. Als wir eines Nachts geschlagen hatten ( meine Schwester und ich teilten uns ein Zimmer) da hatten wir richtig Angst, als unser Vater uns aus dem Bett holte und uns zu einer Freundin meiner Mutter fuhr. Er sagte, wir bräuchten den nächsten Tag nicht zur Schule oder zum Kindergarten, wenn wir nicht wollten und dass Mama und Papa morgen Abend wieder kommen würden… Das einzige was wir danach dachten war, dass wir trotzdem zur Schule und zum Kindergarten gehen würden!
Der Tag war eigentlich ganz lustig, denn Elvira hatte einen Sohn und wir durften den ganzen Tag spielen!
Aber als dann unsere Eltern am Abend mit verheulten Augen wieder nach Hause kamen, waren meine Schwester und ich auch schon baff!
Was sie uns damals sagten, konnte ich noch nicht genau verstehen, aber schon beim nächsten Besuch meiner Großeltern verstand ich es:
Mein Opa, der sonst immer mit dem Schiff bis nach Afrika gefahren war, hatte etwas Schlimmes erlebt. In seinem Kopf war eine Ader geplatzt… Die Ärzte haben alles versucht (so wurde es gesagt) aber einiges konnten sie nicht verhindern! Mein Opa konnte nicht mehr mit dem Schiff weg, denn seine komplette rechte Körperhälfte war gelähmt. Er wurde vom einen auf den anderen Tag ein Schwerbehinderter!
Er kann auch nicht mehr richtig sprechen und kann Worte nicht auseinander halten. Man kann sich schon mit ihm verständigen, doch es ist sehr schwer! Wir verstehen das nun, aber wenn er andere Leute um etwas bittet, wissen die nicht, was sie tun sollen.
Wenn das nicht schon genug wäre, muss mein Opa nun auch noch zur Dialyse und das drei Mal die Woche… Er schluckt jeden Tag zu allen Mahlzeiten je 4 Tabletten und muss jeden Tag Übungen machen, damit sein Körper doch noch fit bleibt.
Meiner Meinung nach kann er gut damit umgehen, ich meine, es sind ja auch schon 13 Jahre vergangen… Doch meine beiden kleineren Cousinen verstehen das noch nicht! Sie sind zwar damit aufgewachsen und kennen es nicht anders, aber sie wissen nicht, warum es anders ist.
Die Familie kommt eigentlich sehr gut damit klar, denn alle kennen es nun so… Mein Opa kann immer noch Sachen alleine machen… Er macht sich selber was zu trinken oder fährt jemanden besuchen mit seinem Elektro-Rollstuhl, denn laufen kann er noch, mit einem Stock…. Ist aber alles eben ein wenig langsamer….
Ich habe euch nun schon gesagt, dass es einige Rückschläge sind, also weiter im Text:
Genau diesen Großeltern ist noch etwas zugestoßen… meine Oma hatte nämlich einen Herzanfall… ich wage nur zu spekulieren, aber ich denke mal, wenn sie zu der Zeit nicht gerade zufällig bei ihrem Hausarzt gewesen wäre, hätten wir trauern können…
Sie erzählte, dass sie auf einmal keine Luft mehr bekommen hatte und dass ihr Gesicht blau wurde. Wäre ich dabei gewesen, hätte ich bestimmt starr gestanden.
Außerdem meinte sie, dass sie zuerst daran gedacht hatte, was nun mit Opa passiert. Ohne sie ist er ja aufgeschmissen. Er müsste in ein Heim. Oder einer von den Kindern hätte ihn aufnehmen müssen.
Von dem Tag an musste meine Oma noch 2mal am Herzen operiert werden und hat sofort aufgehört zu rauchen! Sie war 30 Jahre lang starker Raucher und hat es nach diesem Erlebnis sofort aufgegeben. Sie hat auch noch abgenommen, denn sie hatte Übergewicht und die Ärzte meinten, wenn sie abnimmt und mit dem Rauchen aufhört sind ihre Lebenserwartungen viel höher!
Etwas „Gutes“ hat die Sache mit meiner Oma ja schon: sie ist so fit (60J.) dass sie meine Schwester und mich sogar zur Disco bringt und abholt. Natürlich haben wir den Arzt gefragt, ob das nicht zu stressig für sie wäre, aber der Doktor meinte, dass würde sie aufbauen und auf Stresssituationen vorbereiten!
So, vielleicht meinen nun ein paar von euch, dass sollte nun reichen, aber nein! Gott kann schon sehr ungerecht in der Verteilung des Leides sein!
Aber diesmal mit der Familie meiner Mutter! Wie ich schon sagte HATTE meine Mutter zehn Geschwister… vier Brüder und sechs Schwestern.
Der Rückschlag in dieser Familie fing an im Jahre 2000…
Es lief fast genauso ab, wie bei meinem anderen Opa… Meine Eltern fuhren am Morgen ins Krankenhaus, kamen aber erst zwei Tage später wieder.
Sie sagten uns eine ganze Weile nicht, was los war, jedoch mussten sie es eines Tages, als wir zur Trauerfeier eingeladen wurden...
Meine älteste Tante ( Thea, 42 ) war gestorben… meine Eltern meinten, sie müssten es uns nicht sagen, weil wir nie viel mit ihr zu tun hatten, es war aber unsere Tante!
Die Todesursache war etwas erbliches, deswegen brach auch gleich Panik aus! Es handelte sich um den Leberkrebs…
Natürlich sind dann auch gleich alle zum Arzt gerannt um zu wissen, ob sie es auch haben… und Treffer… noch eine Person, mein Opa.
Es war schon schlimm für meine Oma, dass ein Kind von ihr eher starb als sie selber und sie konnte nicht damit umgehen, obwohl die anderen Kinder immer für sie da waren und ihr Halt gegeben haben, aber dass nun auch noch ihr Mann Leberkrebs hatte…
Diesmal meinten meine Eltern, wir sollten Opa im Krankenhaus besuchen, denn es ist ja schließlich unser Opa gewesen!
Ich werde diesen Anblick nie in meinem Leben wieder vergessen!
Ich weiß nicht, ob hier bekannt ist, wie sich der Leberkrebs äußerlich auswirkt, auf jeden Fall wünsche ich keinem, dass er das jemals sieht!
Mein Opa war eigentlich schon immer ein kleiner Dicker ;o) er war Bäcker!
Jedoch kann man sich das nicht gut vorstellen. Als ich in das Zimmer kam, hätte ich ihn beinahe nicht erkannt! Er war nicht mehr nur dick, sein Bauch war aufgebläht und kugelrund. Er hatte nicht zugenommen, denn seine Arme und Beine waren super dürr als könne man mit beiden Händen einmal rumfassen.
Sein Gesicht war eingefallen und müde…So hatte ich Opa noch nicht gesehen und ich wünschte, ich hätte es auch an dem Tag nicht, denn so habe ich ihn nun als letztes in Erinnerung… denn er starb schließlich…
Diesmal konnten alle den Trauer ausleben, da sie sich schon getestet hatten und keine Angst mehr haben brauchten. Es war wirklich eine schöne Trauerfeier und er hat einen wunderschönen Grabstein bekommen…Mit 67 Jahren und 12 Tage nach seinem Geburtstag erlag er dem Krebs.
Es hört sich nun zwar fantastisch an, aber es ist immer noch kein Ende… Denn durch diese Rückschläge hatte meine Oma entschlossen, sich eine kleine Wohnung zu mieten. Das ist ja noch nicht schlimm, absolut nicht! Als sie aber den Vertag unterschrieben hatte, wurde ihr etwas mitgeteilt, was sie am Boden zerstörte!
Sie hatte Brustkrebs…
Wieso denn unsere Familie? Wenn ich das nun bedenke, was alles in 15 Jahren passiert, dann kann ich nicht verstehen, wie manche noch an die Gerechtigkeit Gottes glauben!!!
Auf jeden Fall musste Oma damit erstmal klar kommen. Sie wollte keine Chemotherapie machen, sie meinte, das nützt nichts, das Schicksal wollte es so! Als jedoch alle 10 Kinder sie dazu gezwungen hatten, war es das Beste, was ihr je hätte passieren können.
Als wir ankamen, saß da so ein komischer dicker Mann, der seine Tochter zur Chemo gebracht hat. Er war sehr offen und hat gleich ein Gespräch mit Oma angefangen… irgendwie ist es dann dazu gekommen, dass sie sich getroffen haben, mal zum Tee oder mal zum Spazieren gehen!
Als die Chemo schon 4 Wochen stattfand, haben sie dann verkündet, dass sie nun zusammen sind. toll, meine Oma findet mit 65 noch einen Freund, und ich? Ich bin Frischfleisch, 17 und ich bin immer noch Single ;o)
Auf jeden Fall fasste meine Oma dadurch neuen Mut, und um ganz auf Nummer sicher zu gehen, dass sie noch lange was von ihrem neuen Freund hatte, lies sie sich die linke Brust abnehmen und setzte die Chemo danach fort. Sie hat mir mal gesagt, dass ihr die Entscheidung nicht schwer gefallen ist, nachdem sie ihren neuen Freund kennen gelernt hatte!
Das Schöne ist, dass meine Oma nun wieder völlig gesund ist, keine Perücke mehr tragen muss und sie schon mit ihrem Freund zusammengezogen ist. Sie sind nun schon 3 Jahre zusammen und meine Oma kommt mir nun immer noch vor wie ein Teenager. so süß und so verliebt!
Das Komischste an der ganzen neuen Beziehung ist aber, dass ihr neuer Freund Erich heißt, genauso wie mein verstorbener Opa…
So, ich denke, ich habe nun die wirklich schlimmen Sachen, die mir auf dem Herzen lagen geschrieben… Vielleicht ist jemandem hier auch so etwas passiert oder wenigstens eine Passagen aus meinem Bericht… Und ich kann nur sagen, darüber reden oder schreiben hilft sehr gut…
Nun muss ich mich schon wieder an ein Zitat von Einstein erinnern, welches zwar nicht aus einem solchen Zusammenhang stammt, aber schon passt : GOTT WÜRFELT NICHT!
Ich vertrete aber die Meinung von Woody Allan : Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich will nur nicht dabei sein, wenns passiert…
So, das war es… Mir hat’s geholfen, darüber zu Reden und zu Schreiben und ich hoffe auch, dass die Leute, denen so etwas nicht passiert ist auch mal daran denken und sich dafür bedanken, dass sie so viel Glück haben, das alles nicht durchgemacht zu haben oder gar nicht zu müssen… Ich habe wirklich erkannt, dass ich jeden Tag dankbar und glücklich sein sollte, wenn ein Tag reibungslos verläuft…
Also dann, viel Glück und ich hoffe, ich bekomme ein paar Kommentare und erfahre, welches eure schlimmsten Schicksalsrückschläge waren!
Eure
Anke
33 Bewertungen, 10 Kommentare
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13.01.2009, 10:01 Uhr von paula2
Bewertung: sehr hilfreichliebe Grüße
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14.06.2007, 15:03 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreichLG Anita
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22.03.2006, 22:25 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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23.12.2005, 21:06 Uhr von suesses
Bewertung: sehr hilfreichIch bin erst neunzehn und habe ähnliches durchgemacht, aber bei mir ist meine eigene Schwester auf tragische Art und Weise gestorben.
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31.10.2005, 06:57 Uhr von animaldream
Bewertung: sehr hilfreichSchreiben hilft wirklich! Es kann immer noch schlimmer kommen!
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30.10.2005, 23:01 Uhr von Fluetie
Bewertung: sehr hilfreichMit bisher 17 Jahren soviel zu erleben zu müssen, ist schon ein herbes Brot. <br/>sehr nützlich ( Sprache: Altyopi ) :-) lg Dirk
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30.10.2005, 06:29 Uhr von Love_Angel
Bewertung: sehr hilfreichMeist merkt man erst viel später, "was" man verloren hat.
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30.10.2005, 00:45 Uhr von marina71
Bewertung: sehr hilfreichSchreiben kann wirklich helfen, mit Schicksalsschlägen besser umzugehen. Das kenne ich auch aus eigener Erfahrung. LG
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30.10.2005, 00:35 Uhr von redwomen
Bewertung: sehr hilfreichIch denke, dass sind mit samt deinen 17 Jahren mehr als genug Schicksalsschläge, bzw. "einschneidende Erlebnisse" in deinem Leben. Meine Oma ist damals, vor 22 Jahren auch an Krebs gestorben. Ich war damals 20 Jahre und habe meine Oma über alles
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29.10.2005, 20:47 Uhr von Mamafabian
Bewertung: sehr hilfreichich habe meinen Bruder mit 18 , einen guten Freund und beide Omas verloren. Ich selber bin 27. Ich kann deine Gefühle also sehr gut nachvollziehen.




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