Über Themen mit S Testbericht

ab 18,56
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von naila

SCHWARZ

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hallo meine Lieben,
irgendwie ist mir aufgefallen, dass ihr eigentlich relativ wenig von mir bisher erfahren habt. Ich habe ja keine Ahnung, ob es euch interessiert, wie ich so bin und wer vor allem (wenn man das selbst immer wüsste:)), oder vielleicht ist es euch ja auch egal und ihr gebt Euch schon mit Madame-Balea zufrieden, die ich bisher dargestellt habe. Und da ich gerade eh an mein Bett gefesselt bin und in meinem Grippewahn besonders Lust zu schreiben habe, habe ich mir gedacht, ich gebe euch mal ein paar andere Sachen zu lesen. Hiermit folgt Fränzy Part I: Die „schwarze Fränzy“

Ich weiss gar nicht so recht, wie ich anfangen und worum es eigentlich genau gehen soll. Ich versuche schon ziemlich lange, das Thema „Schwarz“ in meinem Leben zu definieren. Schwarz in bezug auf

- die Farbe an sich,
- auf die Musik,
- auf den Lebensstil, auf die Gemütsstimmung im Speziellen,
- natürlich auf die schwarze Szene,

Mir stellt sich in erster Linie die Frage, wie ich hier im Beschreiben vorgehen soll. Soll ich mich an meinen Jahreszahlen orientieren, wann ich was erlebt habe oder soll ich anhand von den oben genannten Stichpunkten versuchen, euch einen Einblick in mein Seelenleben zu verleihen? Ich denke, es wird wohl das zweite werden, die Jahre, in denen ich schon das ganze Schwarze erlebt habe, sind auf der einen Seite noch so nah, aber auch auf der anderen schon so weit weg, dass es mir einfach zu mühsam wäre, mich an den einzelnen Daten heranzuhangeln. So wird das Ganze vielleicht ein wenig mehr Hier- und Jetzt-bezogen, aber dennoch werden wohl viele Dinge vorkommen, die dazu beigetragen haben, wie es jetzt ist, die jedoch selbst aus „lang vergangener Zeit“ stammen...

- Die Farbe an sich: Schwarz-
Wann sie mir zum ersten Mal gefallen hat, weiss ich gar nicht mehr so recht, ich denke es war so im Alter von 13 oder 14, als ich einfach gemerkt habe, dass sich in meinem Leben etwas verändert. Ich habe mich plötzlich nicht mehr so als Kind gefühlt, ich habe aber gemerkt, dass etwas auf mich zukommt, was ich noch gar nicht so genau definieren konnte, ich kannte es ja nicht. Aber ich denke, in dem Moment, wo ich das Gefühl hatte, mich von der Kinderwelt abzuwenden, kam auch die Farbe Schwarz dazu und mit ihr das Gefühl, sich, indem man sie trägt, von die der Kinderwelt zusätzlich abzugrenzen. Die Kinderwelt mit ihren Buntstiftfarben und Scoutschulränzen. Ich weiss es nicht mehr genau, aber ich habe wohl immer ewig weite T-Shirts angezogen, schwarz, aber auch noch Jeans. Wurde aber schon da irgendwie manchmal komisch angesprochen, warum ich denn „immer“ und „nur“ schwarz trage, wobei das doch gar nicht gestimmt hat. Ich muss dazu sagen, dass ich mir zu solchem Gerede nie viel Gedanken gemacht habe, ich bin kein Rebell und war es auch noch nie. Ich habe nur einfach immer das gemacht, wonach mir war, jedenfalls was meine Klamotten angeht. Trotz allem habe ich mich trotzdem immer schon irgendwie gefragt, warum man mich nicht einfach so lassen kann, wie ich bin, und da haben dann solche dummen Kommentare schon ein wenig geschmerzt.


Diese erste Phase mit der Farbe schwarz verging auch wieder, gefolgt von einer Blue-Jeans-Phase, natürlich zerfetzt und mit weissem Oberteil,...Patrick Swayze hätte mich geliebt:) Aber dann plötzlich mit 17 ging es weiter. ...auf jeden Fall liefen meine Freundin Nadi und ich beide plötzlich wieder nur in Schwarz rum. Und mir fiel zum ersten Mal auf, dass mit dieser Farbe vor allem eines in Verbindung gebracht wird: die Gothicszene. Na ja, weiss ja nicht, aber mir hat die Farbe einfach gefallen, dieses Einfache und Klare. Bunt war mir viel zu unklar und ich denke, ich habe zu der Zeit einfach das Schwarze gebraucht um für mich eine klare Linie beizubehalten. Hört sich komisch an, aber auch heute, wo ich alle möglichen Farben trage, läuft es mir kalt den Rücken runter, wenn ich mir vorstelle, ich hätte zu der Zeit bunt tragen müssen. Es hätte einfach nicht gepasst! Und das haben nur ganz wenige Leute verstanden. Die meisten habe sich das Maul zerfetzt und ich finde es bis heute Scheisse, dass mich niemand gefragt hat, warum. Denn dann hätten sie zur Antwort bekommen: Ich bin kein Satanist, mich interessiert das keinen Meter, ich bin eigentlich auch kein Goth, ich laufe einfach nur in Schwarz rum, weil mir die Farbe gefällt und ich vielleicht dadurch mit Menschen in Kontakt komme, die auch über anderes als Schule und Saufen reden können (wobei ich hier auch sagen muss, dass natürlich auch für mich das Themen waren, aber eben nicht nur). Aber es hat eben niemand gefragt, und das ist echt schade, weil ich es nicht verstehe, und weil ich doch keine andere geworden bin. Aber so komisch sich das anhören mag, mich hat das nie so angepisst,...hab einfach weitergemacht:) Das Witzige ist auch, dass alle Nadi und mich in eine Schublade gesteckt haben,...klar, die Schwarzen sind alle gleich. Ha ha. Wer sich ein bisschen in der Szene auskennt: Nadi und mich während unserer Schulzeit zu vergleichen wäre, wie wenn man den romantischen Goth mit einem Rockabilly vergleicht,...für alle anderen: Kann man weite schwarze Samtgewänder mit schwarzen relativ sportlichen Klamotten vergleichen?...was nicht heisst, dass ich nicht auch in Samt rumgelaufen bin,....aber die Leute haben eben nur schwarz gesehen und sonst nichts...


Heute: Ich trage gerne schwarz, immer noch aus denselben Gründen wie mit 17, wo ich noch bis ich 20 war so rumgelaufen bin. Ich liebe die Farbe, sie ist so neutral. Ich glaube, wenn man Farben personifizeren müsste und bestimmen müsste, welche am wenigsten tratscht,...schwarz! Sie ist so klassisch und ausserhalb von dem ganzen Trend. Man kann sie immer anziehen und sie passt zu allem und verleiht einem immer eine elegante Art (das Gegenstück wäre wohl rosa,...wie ich diese Farbe hasse, sie ist der Inbegriff für Unzufriedenheit und Unklarheit....brrrr).


- die Musik –
Und ich muss euch ehrlich sagen, dass ich noch nie jemand war, der sich Liedtexte gemerkt hat und jedes Lied eindeutig zu einer Musikrichtung zuordnen kann. Aber ich kann unterscheiden zwischen meiner lieben Gruftlmusik, meinem Hardcore, Electronica und vielen anderen Dingen, und das reicht mir auch. Es kommt immer drauf an, wie man Schwarze Musik definiert und hier vor allem, wie ich sie definiere. Ich mag nicht sagen, (und hier geht es nur um mich!!!! Ich weiss, dass die Norm Schwarze Musik anders definiert!!! also bitte keine kritischen Einwände:)) dass nur die Musik schwarz ist, die Freitag abends in der Rockfabrik in Ludwigsburg oder mittwochs im Schwimmbadclub gespielt wird. Für mich ist Musik in dem Sinn schwarz, wenn sie nachdenklich macht und nicht oberflächlich ist...ich merke gerade, wie schwer es ist, das so zu erklären, dass es verständlich ist,...schliesslich kann man ja auch hier einwerfen, dass dann ja wohl auch Hippiemucke schwarz ist, sie sollte ja auch nachdenklich machen...ich denke, ich drücke es am besten so aus: Natürlich muss Musik bestimmte Kriterien erfüllen um als Schwarz angesehen zu werden, aber nicht jede Musik, die als Schwarz gilt, ist für mich schwarz und andersherum ist auch nicht jede Musik, die ich als schwarz empfinde, von anderen als solches angesehen. Schwarz bedeutet für mich eher ein Gefühlszustand, der durch mancherlei hervorgerufen werden kann. Zum Beispiel ist „Come to daddy“ von Aphex Twin für mich gaaaaaanz dunkel, wie auch ein Drum´n´Bass-Lied namens „Subway Race“. Im Gegensatz dazu würde ich Oomph oder Subway to Sally nicht wirklich als schwarz bezeichnen. Aber wie gesagt, ich weiss nicht so recht, wie ich mich da ausdrücken soll, dass es verständlich ist.
Ich habe lange versucht, einen Stil zu finden, so auch in der Musik. Während meiner schwarzen Zeit versuchte ich somit nur die Musik zu hören, die allgemein in die Szene passt, viel davon hat mir supergut gefallen, wie zum Beispiel irgendwelche Corvus Corax Sachen oder Metalgeschrammel, immer Musik mit Gitarre (Das ist auch wieder ein Unterschied zwischen Nadi und mir, sie hat meistens Industrial und solche Sachen gehört, womit ich zu der Zeit nichts anfangen konnte). Aber ich habe auch anderes gehört, aber auch erst nach langem Kampf mit mir selbst. Man hat ja immer so das Denken, dass man nur echt ist, wenn man alles andere, was nicht in die Szene passt, verdammt. So habe auch ich am Anfang gehandelt. Ich habe so viel an Musikalischem nicht gehört, weil ich wusste, es passt nicht in die Szene, aber ich habe genau gefühlt, dass es mir trotzdem so gut gefällt. Mittlerweile, und das erscheint vielen als ein wenig komisch, höre ich das, was mir gefällt, und das ist viel. Das sind meistens schon noch düstere Sachen, mittlerweile liebe ich auch Industrial, aber auch viele andere Dinge sind dabei. Und das zu fühlen, dass man so viele verschiedene Dinge in sich trägt, aber trotzdem „echt“ ist, ist so wahnsinnig schön, denn meiner Meinung nach macht genau das Identität aus. Ich finde es weiterhin schön, wenn Menschen ganz und gar in einer Szene aufgehen und auch musikalisch nur das hören, aber ich bin nicht so. Und ich wünsche allen lieben Leuten auf der Welt, dass sie in der Richtung den Weg gehen können und auch gehen, den sie in sich fühlen. Niemand braucht angst haben, dadurch könnte etwas von ihm selbst verloren gehen, wenn er nicht in einem Extrem lebt. Fränzy wurde mitunter erst richtig zur Fränzy, als sie kapiert hat, dass sie nicht extrem sein muss, sondern mit schwarzen Gruftiegewändern auch zu den Bob Marley auf die Tanzflächen tanzen gehen darf.


- Lebensstil, Gemütsstimmung und Szene in einem-

Ich denke, diese Punkte lassen sich nur schwer trennen, deshalb werde ich mich ihnen in einem widmen. Ich habe heute mit Nadi gechattet. Und sie hat einen sehr guten Satz von sich gegeben: „Die Leute scheinen nicht zu verstehen, dass man nicht nur wegen den Klamotten schwarz ist“ Erst sind die Gedanken und dann die Klamotten da und auch, wenn viele das nicht wollte und es auch okay ist, wären die Leute immer noch schwarz, auch wenn sie keine schwarzen Sachen tragen würden. Das ist einfach für mich der springende Punkt. Schwarz hört sich so negativ an, ist es aber für mich nicht. Schwarz bedeutet für mich: emotional übersensibel, man bekommt alles an Emotionen mit, was in der Umgebung vor sich geht. Die Kombi von emotionaler Intelligenz und normaler Intelligenz ist manchmal eine ungute Sache. Menschen, die so sind, fällt es sehr schwer, das Leben so zu nehmen wie es ist, sich einfach über nichts Gedanken zu machen, selbstzufrieden zu sein und zufrieden mit der Welt wie sie ist. Ich selbst bin jemand, der in einem gewissen Sinn ein kleines emotionales Wrack ist, aber eben nur im gewissen Sinn. Ich merke die Kraft in mir, die mir gegeben ist, aus allem das beste zu machen. Mich nehmen so viele Dinge mit, die um mich herum passieren, einfach, weil ich in meiner Vergangenheit schon immer alles verstehen und akzeptieren musste, oft ohne etwas tun zu können. Dies waren irgendwie Stationen in meinem Leben, die so hart waren, dass ich sie nie überstanden hätte, wenn ich gleichzeitig nicht trotzdem so einen Rückhalt bekommen hätte. Meine Eltern waren immer mit ihrem Verständnis für mich da so gut sie konnten, ich habe nie körperliche Gewalt erfahren, mir wurde nicht einmal eine Ohrfeige gegeben, zu schweigen von schlimmeren Dingen. Dennoch ist diese hypersensible Art da, wo manche schon nur noch den Kopf schütteln.
So habe ich auf der einen Seite einen ganz guten Background, der mich vielleicht vor Depression und anderen schlimmen Dingen bewahrt, jedoch auf der anderen Seite wurde ich – wie ein Instrument – so fein auf zwischenmenschliche Stimmungen gestimmt, dass es mir unmöglich ist, ein oberflächliches Leben zu führen. Ich suche automatisch die Tiefe, das Intensive. Ich gehe auch gern mal mit Leuten Party machen, aber bei vielen merke ich auch einfach, dass es mir einfach zu langweilig ist. Wenn Partymachen, dann mit denen, mit denen ich sonst auch gut reden kann.
Aber für mich bin ich gerade hier an dem Punkt, wo ich sagen kann: Und deswegen bin ich so gerne in der schwarzen Szene. Natürlich gibt es auch hier Dummbacken (und wie viele zum Teil), aber ich Grossen und Ganzen finde ich hier Menschen, wo ich weiss, dass man mit ihnen reden kann, die vielleicht genauso intensive Gefühle haben. Ich möchte nicht, dass ihr denkt, dass ich denke, es gibt nur in der schwarzen Szene solche lieben Menschen,...oh je, auf gar keinen Fall. Viele meiner Freunde sind ganz bestimmt nicht schwarz, und wenn ich es mir vorstellen müsste, sie wären es, würde ich einfach nur lachen:) Im Endeffekt gibt es überall solche und solche, aber vielleicht kennt ihr das Gefühl, einfach irgendwie heimzukommen. Das ist für mich nicht so die richtige Gruftlszene, eher das, was man so in der Rockfabrik findet: Viele Goths, Metaller, versiffte Leute, keine Ahnung, wie ich das beschreiben soll. Aber jedes Mal , wenn ich in die Rofa komme, habe ich das Gefühl, ich komme nach Hause... Ich weiss, dass die schwarze Szene nie meine in dem Sinn sein wird, dass ich dort meine Obsessionen ausleben muss,...SM?,...nee,...ich muss doch nicht auf einem grossen Spielplatz für Erwachsene mich betrachten lassen....andere sollen das ruhig machen...Depression? Ich rede nicht von einer Krankheit in dem Sinn, die einfach plötzlich da ist....das hat man wohl eher nicht in der Hand. Ich meine einfach diesen Pessimismus, den viele haben, und den ich ÜBERHAUPT nicht teilen kann. Ich bin richtig oft traurig und melancholisch, aber ich weiss, dass es immer weitergehen wird, das Urvertrauen, das jedem Kind schon so früh wie möglich mitgegeben werden sollte, habe ich absolut abbekommen. Auch zieht mich an der Szene nicht so an mich auf Teufel komm raus stylen und herrichten zu müssen. Ich bin glücklich, wenn man mich sieht, aber man soll mich so sehen, wie ich wirklich bin. Ich habe kein Problem damit, auch mal mit meinen Camouflage-Turnschuhen mit rot-schwarz-karierten Schnürsenkeln in den Schwimmbadclub mittwochs zu gehen, es ist überhaupt nicht der Stil, der dort angesagt ist, aber das bin ICH und die Menschen, die mit mir reden, schauen mir nicht auf die Füsse, sondern ins Gesicht, und das ist das Wichtige. Ich denke, ich fühle mich in der Szene so wohl, weil ich weiss, dass dort ein Ort ist, wo meine Emotionen gut aufgehoben sind und wo sie verstanden werden.

Ich wünsche euch, dass ihr euren Weg geht und das tut, wo ihr fühlt, dass es euch guttut. Es ist so wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein, denn ich denke, dass darin der Schlüssel zum Glück und zur Zufriedenheit liegt und dazu, auch mit anderen Menschen gut zu leben und sie zu lieben. Ich denke, nur dann kann man auch für andere da sein ohne sich selbst zu verlieren.
Ich wünsche euch, dass ihr mit einem guten Gefühl sagen könnt: So bin ich, und auch, wenn ich nicht in irgendwelche Schemen passe, ist es gut so, wie ich bin.

Fränzy

Dieser Text ist für mein süsses Wesen Nadi!

41 Bewertungen, 3 Kommentare

  • anonym

    10.01.2005, 13:37 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Meine Devise lautet: Nicht schwarz sehen, sondern schwarz-weiss zeichnen. Schwarze Klamotten trage ich bevorzugt gern. Ansonsten sehe ich schwarz in unserem Lande! Gruß Gerd :-)

  • imperator88

    09.01.2005, 17:34 Uhr von imperator88
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schwarz gehört zu meinen Lieblingsfarben;^^; Na, ich hab ja schwarze Haare.. Schöner Bericht! Gruß Esra

  • Tom_Araya

    09.01.2005, 09:31 Uhr von Tom_Araya
    Bewertung: sehr hilfreich

    Als Metaller lauf ich auch meist in schwarzen Jeans und Shirts rum ;)