Erfahrungsbericht von Evil_Duke
Schicksalsschläge und der Sinn des Lebens!
Pro:
man wird innerlich härter
Kontra:
Schmerz, man erkennt Sinnlosigkeit in seinem Handeln!
Empfehlung:
Nein
--der Tod--
Bis jetzt habe ich schon 2 "Bekanntschaften" mit dem Gevatter gemacht. Einmal im Jahre 1996 und dann noch 2001. Doch alles nach einander.
1996 musste ich mich von meinem Opa verabschieden. "Prostata-Krebs" lautete die Diagnose. Obwohl es nicht mein leiblicher Opa war (hat meine oma nach deren Scheidung von meinem "echten" Großvater -den kenne ich aber nicht- geheiratet), habe ich ihn doch geliebt, das wurde mir jedoch erst nach seinem Tod klar. Früher, noch zu DDR-Zeiten, war ich oft bei ihm und meiner Oma. Dort habe ich sehr viele schöne Stunden verbracht (er hat mir viel über Holz beigebracht und wie man mit ihm umgeht - schnitzen und irgendwelche Sachen bauen). Doch ca. 2 Jahre vor seinem Ableben haben wir uns sehr gestritten und es war nichts mehr so, wie es früher einmal war. Das ging soweit, dass ich ihm bei unserem letzten Treffen nicht einmal verabschiedet habe (ich ging einfach). Das sollte sich als fatalen Fehler herausstellen, denn kurz danach starb er bei einer Routine-Untersuchung beim Arzt. Als ich von der Schule nach Hause kam, saß mein Vater auf dem Sofa und sah mich mit glasigen Augen an. Mir war erst nicht klar, was los war und ich wollte zum Fußball-Spielen gehen, doch mein Vater ließ mich nicht und sagte: "Jens, Opa ist tot!!!" Ich war geschockt und weinte den ganzen Tag lang. Doch erst 2 Jahre nach seinem Tod wurde mir klar, dass ich ihm nicht gesagt habe, wie sehr ich ihn gemocht habe und dass ich ihm nie "Auf Wiedersehen" gesagt habe (zur Beerdigung wollte ich jedoch nicht gehen). Auch heute noch mache ich mir deshalb Vorwürfe und liege deshalb stundenlang wach im Bett - das werde ich mir NIE verzeihen!
Dieses Jahr kam der Tod dann wieder in unsere Familie und nahm mir meinen Lieblings-Opa (auch wieder Krebs). Doch diesmal war ich schon 17 Jahre und realisierte, dass es bald "zu Ende" gehen wird. Ich habe aber aus der traurigen Vergangenheit gelernt! Als ob ich es gewusst habe! Bei unserem letzten Treffen hielt ich seine Hand und gab ihm einen Kuss. Eine würdige Verabschiedung von meinem so geliebten Opa. Ob er es noch richtig gemerkt hat, weiß ich nicht, denn die Krankheit hatte ihn sehr mitgenommen, er schaute mich aber noch an und nickte (das werde ich nie vergessen!). Dann kam der grausame Sonntag! Ich saß oben am Computer und dann hört ich auf einmal meine Mutter weinen - das Krankenhaus hatte angerufen und mitgeteilt, dass er verstorben ist. Mir war sofort klar, was los ist. Sie fuhr dann mit meinem Vater ins Krankenhaus und ich blieb allein zu Hause (mein Bruder war damals noch beim Bund). Zu allem Überfluss spielte an diesem Tag auch noch der FCK (ich weiß nicht gegen wen). Er gewann, aber ich konnte mich nicht freuen und widmete den Sieg meinem Opa (hört sich dumm an, war aber so). Die Beerdigung war sehr ergreifend, aber die Rede war schön!
Seit dem Tod meines ersten Opas, verabschiede ich jetzt jeden aus meiner Familie richtig, denn es könnte das letzte Mal sein, dass ich diese Person lebend sehe!
--Alkoholsimus--
Auch diese Krankheit ist in meiner Familie vertreten. Meine Oma ist seit ca. 7 Jahren abhängig und will sich einfach nicht helfen lassen. Früher haben mein Bruder und ich das gar nicht so mitbekommen, aber seit dem Tod meines Opas (1996) wurde es sehr "krass", denn sie zerstört nicht nur ihr Leben, sondern auch das meiner Familie (besonders das von meinem Vater). Es gab Tage, da versteckte sie sich in ihrer Wohnung, wenn wir gekommen sind. Es durfte ja keiner mitkriegen, was da los ist. Doch mitlerweile weiß es das ganze Haus. Ich habe seit einem Jahr den Kontakt beendet, weil es einfach nur sinnlos ist! Sie war vor 4 Jahren in einem Krankenhaus zur Behandlung dieser Sucht (Treuenbritzen), doch da arbeiten nur Ärzte, die ihr Examen in der Lotterie gewonnen haben, denn kurz nach der Entlassung fing alles wieder an. Das Schlimmste war jedoch, als ich sie besuchte, weil ich dort übernachten sollte. Die ersten 3 Stunden ging es auch nocht gut, aber dann war sie plötzlich sturzbesoffen und weil sie stürzte, musste mein Vater mich abholen, dazu kam er extra von Arbeit (ist ein Feuerwehrmann). Seit dem war das Feuer aus und ich habe sie nicht mehr regelmäßig besucht. Jetzt habe ich die Nase voll und es interessiert mich auch nicht mehr - das kann auch wieder mein alter Fehler sein, denn ich habe ja schon einmal diesen Fehler gemacht!
Seit einem Jahr hat sie auch noch Diabetes und das heißt eigentlich, dass Alkohol verboten ist, doch meine Oma hält sich nicht daran und trinkt weiter. Manchmal macht mein Vater regelrechte Kontrollbesuche und findet natürlich den Alkohol. Entweder nimmt er ihn mit oder er kippt in vor ihren Augen aus! Das war lange Zeit so, aber nun ist sie auch tot - (Leberschaden und Zucker).
Ich trinke auch sehr gerne Alkohol, bin aber kein Alkoholiker (ich weiß, dass das die Betroffenen nicht zugeben), denn ich brauche das Zeug nicht. Nur auf Partys oder bei einem schönen Fußball-Spiel gönne ich mir mal ein paar Biere (auf Feiern auch Schnaps).
--Schule--
Auch die Schule macht mir oft zu schaffen (mein letzter Zensuren-Schnitt lag bei 3,4), denn ich bin nicht sehr gut! Ich gehe jetzt in die 12. Klasse des Martin-Luther-Gymnasiums in der Lutherstadt Wittenberg. Besonders Mathe macht mir viele Sorgen, denn es ist mit Abstand mein schlechteste Fach. Seit zwei Jahren kämpfe ich regelrecht um meine Zukunft, denn ich stehe oft auf 5. Auch letztes Jahr musste ich diese Scheiß-Zensur wieder auf dem Zeugnis "begutachten", obwohl ich hart um meine 4 kämpfte. Ich bekam sogar in einer Klassenarbeit ein 3+ (seit 4 Jahren, das beste Ergebnis in einer Klausur), doch die half nichts! Da war mir wieder mal mein Leben und Zukunft egal. Wenigstens treffe ich meine Freunde in der Schule. Dies wird sich aber auch ändern, da ich andere Kurse gewählt habe, als sie und wir uns nur noch höchstens einmal in der Woche sehen. Meine Freunde zu verlieren, macht mir sehr zu schaffen, denn ich finde nur sehr schwer neue Freunde, da ich mich nur meinen Freunden öffnen kann oder Leute, die ich schon lange kenne - schüchtern gegenüber anderen Personen!
--Sinn des Lebens--
Diese ganzen Dinge lassen mich nachdenklich werden. Was ist der Sinn des Lebens? Bei dieser Frage wird mir ganz komisch, denn das kann ich mir nicht vorstellen. Ich liege oft wach im Bett und denke über meine Zukunft und mein bisheriges Leben nach. Dabei kommen mir schöne (tolle Partys, Reisen oder Fußball) und traurige (Tod, Schule, restliches Leben) Dinge in den Sinn. Was mache ich überhaupt auf der Welt? Was kann ich verändern? Das kann wohl keiner beantworten. "Das Leben", was ist das? Naja, eigentlich ist das ganz einfach. Man wird geboren, geht in die Schule, dann Arbeiten. Vielleicht verliebt man sich und setzt Kinder in Welt oder man bleibt alleine. Dann ackert man in seinem Beruf 30-40 Jahre lang und stirbt. Doch was soll das eigentlich?
Ich kann die Welt sowieso nicht verändern und will es auch nicht. Mein Dasein wird im besten Fall 70 Jahre betragen, aber was ist dann? Viele sagen: "Na, nichts!". Das ist aber nur eine schnelle, unüberlegte und dumme Antwort, denn "nichts" ist etwas. Aber was ist nach dem Tod??? Werde ich dann dem Schöpfer gegenübertreten (obwohl ich Atheist bin)? Komme ich in die Hölle oder den Himmel? Wenn es soetwas überhaupt gibt - das kann ja uch keiner sagen und darauf stützt sich antürlich die Kirche! Denkt doch mal drüber nach und ihr werdet ganz schnell die Grenzen eueres Gehirns feststellen, denn wenn man wircklich mehr als 5 Minuten intensiv darüber nachdenkt, fangen langsam die Kopfschmerzen an. Ich denke, dass das Gehirn bei dieser Frage überlastet wird und den Vorgang abbrechen will! Zurück zu den 70 Jahren! Diese Zeitspanne ist vergleichbar mit einem Staubkorn im Weltall, denn die Zeit ist grenzenlos und die Größe des Weltalls ist ebenfalls unendlich. Das muss man sich mal vorstellen!
Ich kann nicht behaupten, dass ich mein Leben über alles liebe, denn das wäre gelogen. In einer gewissen Art bin ich Realist. Ich erwarte den Tod und werde ihn nicht bekämpfen, wenn er mich holen will! Man könnte sogar sagen, dass ich ihm schon einmal ins Auge geblickt habe, denn vor geraumer Zeit hatte ich einen Unfall mit dem Fahrrad. Ich war unkonzentriert und ein Auto erwischte mich. Dabei wurde ich auf die Motorhaube geschleudert, hatte aber verdammtes Glück, dass mir nichts passiert ist - außer einer kleinen Schramme am Knie!
Meine Zeit wird auch irgendwann ablaufen, bis dahin will ich aber noch einiges mitmachen, wie z.B.: Die Fußball-WM 2006 in Deutschland; eine Laufbahn bei der Bundeswehr (Panzeraufklärung bzw. Feldjäger) oder beim BGS; eine Freundin finden; heiraten; Kinder bekommen und ein Haus bauen. Wenn ich das erreicht habe, bin ich schon zufrieden und ich hatte ein erfülltes Leben. Vor allem ein sinnvolles Leben
--Fazit--
Das Leben kann hart sein, aber auch schön! Ich kann froh sein, dass ich in einer finanziell relativ gutgestellten Familie wohne. Ich weiß, dass viele mehr Probleme haben, aber ich muss zuerst an mich denken. Lebt euer Leben so, wie es euch gefällt. Schicksalschläge gehören dazu, das weiß ich jetzt! Tschüss und danke, dass ihr mir "zugehört" habt...
33 Bewertungen, 7 Kommentare
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14.04.2002, 23:59 Uhr von Calistra
Bewertung: sehr hilfreichHut ab vor soviel Mut!
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06.04.2002, 20:23 Uhr von dani___
Bewertung: sehr hilfreichich finde das alles sehr emotional dargestellt und das ist auch gut so.... ich bin auch der gleichen Meinung wie du! Und ich kann auch sagen, dass mir schon so einiges passiert ist (auch wenn ich erst im Gegensatz zu dir 15 bin) und dass mir manchmal mein
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18.03.2002, 19:59 Uhr von raggy
Bewertung: sehr hilfreichEin toller Bericht - ergreifend und lebensnah. Kompliment !!!
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15.03.2002, 23:05 Uhr von mellims
Bewertung: sehr hilfreichSo ist das eben, Omas und Opas werden alt und sterben. Aber es gibt Kinder die müssen ohne Eltern aufwachsen, oder werden mißhandelt, oder sind behindert. Du hast es am Ende ja schon selbst angeschnitten: es gibt Leute, den es schlechter geht. D
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15.03.2002, 23:03 Uhr von lovely19
Bewertung: sehr hilfreichDein Bericht regt sehr zum denken an, danke das du einblicke in dein Leben gebracht hast.
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15.03.2002, 22:35 Uhr von seehuhn
Bewertung: sehr hilfreichIch hoffe für dich, dass es bergauf geht.
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15.03.2002, 22:35 Uhr von butterkeks
Bewertung: sehr hilfreichDa hast Du wirklich schon einiges mitgemacht. Gruß Drea




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