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Erfahrungsbericht von liskailonka

Silberpflege: Tipps einer Restauratorin.

Pro:

Ihr Silber wird es Ihnen danken

Kontra:

Zeitintensive Arbeit.

Empfehlung:

Nein

Mittlerweile hat sich mein Serviceangebot ziemlich erweitert und so restauriere ich nicht nur antike Uhren und Schmuck, sondern übernehme fast alle Arbeiten, die sich mit Antiquitäten beschäftigen. So gehört auch das Pflegen von Silber mittlerweile dazu und viele Kunden bringen mir ihre Schätzchen. Natürlich werde ich gut dafür bezahlt, aber ich möchte den Leser jetzt erzählen, über das was er selber machen kann um seine Stücke zu pflegen und damit den Gang zum Restaurator/in zeitweise zu umgehen.

Wenn man Silber reinigt, sollte man es immer auf ein weiches Tuch legen oder stellen. Silber ist ein sehr weiches Metall und wenn Sie es direkt so auf dem Tisch oder der Anrichte stellen, kann es zu Beschädigungen kommen während sie es pflegen.

Silber ist ein edles Metall, das durch die langjährige Pflege immer nur schöner und attraktiver wird. Es läuft allerdings sehr schnell an; einen bläulichen bis braunen Schimmer aus Silbersulfid legt sich über den Gegenstand und dieser Prozeß wird sich sogar noch verschnellen, wenn die Umgebungsluft Salz- oder Schwefelhaltig ist. In kleine Schritten werde ich ihnen hier etwas erzählen über das Waschen, Polieren, Chemisch reinigen und Aufbewahren von Silber.

Fangen wir beim Beginn An: Sie waschen ihr Silber.
Nach jedem Gebrauch sollten sie ihre Stücke gründlich waschen um Staub, Speisereste öder Getränkereste zu entfernen. Vor allem Soßen von Salate oder Eier machen extreme Flecken auf dem Silber, die sich nur noch schwer weg kriegen lassen. Nehmen sie heißes Wasser und ganz normales Spülmittel und waschen sie alle Stücke sanft ab indem sie ein weiches Frottiertuch darüber reiben. Nach dem Waschen sehr gut mit klarem Wasser abspülen. Auch dieses Wasser sollte richtig heiß sein, um Fleckenbildung zu meiden. Trocknen sie das Stück gut ab und gehen sie mit einem weichen Tuch um alle Ecken und Kanten zu erreichen und zu trocknen.

Wir sind bei Schritt zwei angelangt: Sie polieren ihr Silber jetzt.
Ich werde manchmal ausgelacht, weil ich beim Polieren von Silber weiche Handschuhe tragen, allerdings kann ich nur empfehlen dies auch zu tun, wenn sie in Zukunft ihre stücke selber polieren wollen. Dies Handschuhe schützen das Silber und ihre Haut. Beim polieren können sie ganz leicht Kratzer im Silber machen und dabei wollten sie diese doch gerade entfernen. Jeder Mensch hat einen Säurefilm auf seiner haut und wenn sie mit „nackten“ Fingern das Silber angreifen, wird auf der betreffende Stelle ein blauer Fleck entstehen, den sie wieder wegpolieren müssen. Als drittes Argument kann man noch das sauberbleiben der eigenen Finger erwähnen; Silber polieren ist eine schmutzige Arbeit.

Gut, sie haben jetzt die Handschuhe gekauft, aber welches Poliermittel sollten sie kaufen? Zum Polieren gibt es die verschiedensten Sachen; imprägnierte Tücher, Silbercremes, Schaumpasten und auch flüssige Polierpasten. Empfehlen kann ich da nur ein Poliermittel, das auch eine Langzeitwirkung hat. Diese Langzeitwirkung ist wie eine Schutzschicht auf dem Silber und verhindert so, das die Luft die Stücke wieder anlaufen läßt, außerdem bleibt der schöne Glanz länger erhalten.

Jetzt haben wir die Handschuhe und ein Poliermittel. Was machen sie jetzt? Zuerst sollten sie sich ein weiches Tuch nehmen. Aus der Erfahrung heraus kann ich nur auf alte Frotteetücher oder Waschlappen verweisen. Alte Flanellaken sind auch sehr nützlich und bringen die gewünschten Resultate. Tragen sie ein bißchen von dem Poliermittel auf das Silberstück auf und polieren sie mit sanften und kreisenden Bewegungen die gewünschte Partie. Üben sie KEINEN Druck aus; sie können, mit einen bißchen Pech, das Stück zerstören. Nachdem Sie am Stück alles mit dem Poliermitttel bearbeitet haben, nehmen sie ein sauberes Tuch und polieren das ganze Mittel wieder weg. Gehe sie in allen Ecken und Kanten, denn wenn hier Reste zurückbleiben vom Poliermittel, ist das Stück morgen schon wieder angelaufen. Nehmen sie jetzt eine, jetzt können sie lachen, Haarbürste von einem Baby; die weichen Haare dieser Bürste sind sehr geeignet für den Rest der Arbeit. Gehe sie mit der Bürste noch mal vorsichtig über das Stück und entfernen sie die allerletzten Reste vom Poliermittel aus Rillen, Verzierungen und Nähte. Endlich sind sie fertig! Dann wieder zurück nach Schritt eins: das Waschen. Waschen Sie das Stück nochmals so wie oben bereits beschrieben wurde. Heißes Wasser ist wirklich ein Muß dabei. Nehmen sie jetzt auch wieder die Babybürste zur Hand. Nach dem waschen das Stück wieder vorsichtig trocken reiben und mit einen sog. Chamoisleder (= ein Ledertuch der feinsten Sorte) auf Hochglanz polieren. Sollten sie kein Chamoisleder besitzen, können sie auch ein normales Fensterleder nehmen. Allerdings darf dies dann auch NUR für die Hochglanzpolitur von Silber verwendet werden. Um so weicher das Leder um so schöner der Glanz. Sollten sie plattiertes Silber haben, dann können sie dieses auf der gleichen Art behandeln wie Sterling Silber. Sie sollten allerdings bedenken, das sie jedesmal eine mikroskopisch dünne Schicht von dem Silber abtragen; daher sollten sie plattiertes Silber nicht so oft polieren. Gerade die Ecken und Kanten sind schnell durchpoliert und deshalb sollten sie da ganz vorsichtig sein mit polieren; wenn das Silber dort weg ist, läuft das ganze Stück in Stunden an und wird nie wieder schön. Um dies zu erreichen, müßten sie allerdings jeden Tag ihr Silber polieren.

Nun gut, sie haben jetzt gewaschen und poliert und nochmals gewaschen; was jetzt?
Etwas was ich zwar nicht gerne empfehle, aber doch erwähnen muß, sind die chemischen Reinigungsmethoden zur Silberpflege. Es passiert zwar nichts mit dem Silber, aber das Risiko auf Beulen und Kratzer erhöht sich bei dieser Prozedur erheblich.

Nehmen sie eine Plastikschüssel und kleiden sie den Boden davon mit Alufolie aus. Stellen oder legen sie ihr Silberstück auf der Folie. Ziehen sie Plastikhandschuhe (KEINE Gummihandschuhe, denn die hinterlassen schwarze Flecke auf dem Silber) an und nehmen sie eine halbe Tasse Soda. Dieses lösen sie dann in fast kochendes Wasser auf; etwa 1 Liter. Gießen sie diese Lösung nun GANZ VORSICHTIG über das Silber und vermeiden sie Spritzer. Die Lösung wird jetzt anfangen zu brodeln. Dieses brodeln wird durch die Reaktion zwischen Anlaufschicht und Alufolie aufgerufen. Die Anlaufschicht auf dem Silber löst sich auf und dringt in die Alufolie ein. Drehen sie das Silberstück für etwa 2-3 Minuten in der Lösung herum, damit alle Ecken erreicht werden und nehmen sie es dann wieder aus der Lösung. Auch wenn es noch angelaufen aussehen sollte; glauben sie mir ruhig, das das Stück wirklich sauber ist. Jetzt fängt die alte Prozedur wieder von vorne an: waschen, polieren und wieder waschen. Silberplatierte Stücke sollten NICHT reingelegt werden, sondern höchstens kurz untergetaucht werden. Evt. Sogar mehrmals.

Jetzt haben wir gewaschen und poliert und wieder gewaschen und jetzt sollte man wieder seine Stoffhandschuhe anziehen. Jedes berühren mit der nackten haut würde die Arbeit umsonst gewesen sein lassen. Natürlich wollen sie jetzt auch noch wissen wie sie ihre Stücke aufbewahren müssen, um die Pflege ihrer stücke zu optimieren.

Kaufen sie in der Buchhandlung Seidenpapier oder gehen sie zum Juwelier und kaufen sie dort sog. Juwelierspapier. Das ist eigentlich auch nur Seidenpapier, aber eben teurer, weil sie es beim Juwelier kaufen. Wickeln sie unbenutzt Silberstücke einzeln in dieses Papier ein und achten sie darauf, das nirgends wo etwas rausschaut. Nehmen sie ruhig 4-5 Schichten Papier. Nehmen sie Plastikbeutel und packen sie die stücke darin ein. Verschließen sie die Beutel so luftdicht wie möglich und umwickeln sie das ganze gut mit Tesafilm. Sollten sie die Stücke über längere Zeit aufheben wollen, dann holen sie in der Drogerie auch noch eine Packung Kieselsäure. Dies Kieselsäure, etwa 1 Eßlöffel je Beutel/Silberstück, wickeln sie auch in Seidenpapier. Achten sie darauf das nichts rausfällt. Kieselsäure schützt vor Feuchtigkeit und hält das Silber trocken. Verteilen sie die Päckchen Kieselsäure in den Tüten und Beuteln und verschließen sie diese wieder zu luftdicht wie möglich. Sollten sie ein Gerät haben zum vakumieren, können sie dieses ruhig zur Hand nehmen.

Fazit: aufwendige Arbeit, die man konsequent machen sollte und die über lange Jahre Freude an ihre Silberstücke garantiert.

LETZTER TIPP: um Gottes Willen NIE Silbermünzen auf diese Art behandeln; sie werden absolut wertlos für den Wiederverkauf. NUR mit einem weichen Radiergummie leicht aufreiben und dann in Seidenpapier und Plastik wickeln.

© Ilonka Liska, 2002. 1297 Worte mit 7096 Zeichen.

19 Bewertungen, 3 Kommentare

  • DirkWG

    12.03.2002, 23:45 Uhr von DirkWG
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gute Tips! :-)

  • anonym

    09.03.2002, 20:31 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht, vielleicht liest man sich mal wieder 8-)

  • Babba

    06.03.2002, 17:47 Uhr von Babba
    Bewertung: sehr hilfreich

    Die Tips sind wirklich brauchbar