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Erfahrungsbericht von twicyah

Natürlich dürfen wir stolz auf Deutschland sein!

Pro:

Patriotismus als Selbstwertgefühl

Kontra:

Wenn Patriotismus keine Kritik zulässt

Empfehlung:

Nein

Nationalstolz ist immer ein aktuelles Thema und eines über das man beinahe endlos diskutieren kann. Laut einer aktuellen Forsa Umfrage befürworten nahezu 2/3 aller Deutschen nationale Symbole wie unsere Nationalhymne, 30% sind diese Symbole egal und nicht einmal 5% lehnen sie ab. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass Patriotismus eine Grundlage unserer Gesellschaft ist und eine langwährige Ausgrenzung der nationalen Identität in der Politik diese Grundeinstellung nicht den Menschen nehmen konnte. Ich persönlich glaube, dass es bald wieder eine stärkere patriotische Stimmung in unserem Land geben wird.

Insbesondere durch die Folge der Europäischen Einigung suchen sich die Menschen Werte. Und diese finden sie zum Leidwesen der 68. Generation zunehmend im Patriotismus. Man mag den achtundsechziger zugestehen, dass sich durch sie ein neuer Umgang mit dem Thema Nationalsozialismus bildete, aber sie haben ein neues Tabuthema geschaffen und den Patriotismus ausgegrenzt. Dies nutzte und nutzt die extremistische Linke in unserem Land aus um ihrem Ziel einer sozialistischen Republik näher zu kommen. Wie sehr sie dabei Erfolg hatten, zeigte sich erst kürzlich als ausgerechnet die SPD sich nicht von Jürgen Trittin distanzierte, der Patrioten als Rechtsradikale darstellte.
Wie sagte doch einst Kurt Schuhmacher:
"National sein ist Ehrensache, international sein ist Aufgabe, aber Nationalist sein heißt heute Todfeind des deutschen Volkes sein."
Wie sagte doch einst Willy Brandt:
„Deutsche, wir können stolz auf unser Land sein“.
Mein Kommentar:
Wer seine Aussagen von gestern nicht achtet, dem kann auch nicht die Zukunft anvertraut werden.

Und dann kommen die Gegner des Patriotismus, auch oft mit dem Zitat von Johannes Rau, man könne nur stolz sein auf etwas, dass man selbst erreicht hat. Hierbei werden jedoch aus meiner Sicht Äpfel mit Birnen verglichen. Denn Patriot zu sein bedeutet nicht, dass man sich Leistungen des eigenen Landes an die eigene Brust heftet, sondern vielmehr, dass man dazu steht Angehöriger eines bestimmten Landes zu sein und dies auch gerne ist.
Sehen wir es doch einmal ganz unpolitisch. Der Mensch definiert sich aus meiner Sicht durch Gemeinschaftszugehörigkeit, sei dies jetzt in der Familie, bei Freunden oder in einem Verein. Wenn einer aus dieser Gruppe etwas leistet dann freut man sich für ihn und ist auch stolz in der selben Gemeinschaft zu sein. Und eine Nation ist nun einmal eine große Volksgemeinschaft. Den Satz „Ich bin stolz darauf in Deutschland zu leben“ können auch Menschen benutzen, die keine Deutsche sind, aber trotzdem Angehörige der Bevölkerung. Und warum sollte man nicht stolz auf die Eigenschaften unser heutigen Nation sein? Stolz auf die Eigenschaften der Demokratie und der pluralistischen Gesellschaft, stolz auf die wirtschaftlichen und kulturellen Errungenschaften, stolz auf die deutsche Einheit, stolz auf unser soziales Netz, stolz auf die sportlichen Erfolge, stolz auf die europäische Einigung und die Aussöhnung mit den anderen Völker Europas?

„Aber wir müssen doch mit unserer Geschichte aufpassen, auf Grund des Nationalstolzes“, solche Sätze hört man oft. Dies ist aus meiner Sicht schlicht Schwachsinn. Es gibt in unserer Geschichte eine ganze Menge bedauerliche und beschämende Vorfälle, aber diese Geschehnisse im 3. Reich und auch in der DDR sind nicht Maßstab für unsere Gesellschaftsform des pluralistisch demokratischen Staates. Gerade auf Grund unserer Geschichte sollte wir stolz auf unser Land und die Demokratie sein , damit sich solch ein Unglück nicht mehr wiederholt.
Passende Zitate:
Ignaz Bubis:
„Wir sollten mehr schwarz-rot-gold fördern, dann hätten wir weniger schwarz- weiß- rot.“
Michel Friedman
„Es gibt viele Gründe sich mit der Bundesrepublik, ihrer Verfassung und den Werten identifizieren und dies zu bekennen, wenn man sich gleichzeitig für Hitler und Auschwitz schämt.“

Auch den Satz „Ich bin stolz ein Deutscher zu sein“ werde ich mir nicht verbieten lassen. Warum denn auch? Unsere Geschichte lässt sich nicht einfach auf 12 Jahre des dritten Reiches oder 41 Jahre der DDR verkürzen, sondern man muss sie im Gesamten sehen. Früher waren wir „das Volk der Dichter und Denker“, sollen wir heute etwa das Volk der „Faschisten und Kommunisten“ sein ? NEIN! Die Geschichte des deutschen Volkes beginnt lange vor dem 20. Jahrhundert und reicht zweittausend Jahre zurück und unser heutiges Selbstbild ist eben nicht das eines SS oder Stasi Menschen, sondern das einen freiheitlichen und selbständigen Individuums. Gerade wir Deutschen hatten schon immer einen hohen Autonomiestatus und sehen uns auch heute immer zuerst als Angehörige unserer Region, auch wenn mich jemand fragen würde, woher ich denn komme, so wäre meine erste spontane Antwort „Baden“ und nicht Deutschland. Dieses Problem entstand durch die lange Trennung des deutschen Volkes nach dem Westfälischen Frieden und gerade gegen diese Trennung wendete sich auch die erste Strophe unser Nationalhymne. „Deutschland über alles“ sollte nicht aussagen, dass wir Deutschen generell besser wären als andere Völker, sondern griff den deutschen Einigungsgedanken auf. Viele Linke sind heute auf Grund der deutschen Vergangenheit dazu über gegangen sich zuerst als Europäer zu sehen. Da frage ich mich allerdings, ob denn die europäische Vergangenheit besser aussieht- resultiert sie doch aus der Summe der Geschehnisse. Wer nicht zugibt, dass er Deutscher ist, sondern sich nur als Europäer oder als Mensch sieht, der leugnet einen entscheidenden Teil seiner Identität. Das Gegenargument, dass es ja heute viele Menschen gibt, die von verschiedenen Völker abstammen kann man leicht relativieren: Denn wer auf einen Teil seiner Abstammung stolz ist, verachtet ja gleichzeitig nicht den anderen, warum sollte solche Menschen nicht auf die Gesamtheit ihrer Vergangenheit stolz sein? Und nochmals zu Europa: Wollen wir wirklich die United States of Europe mit einem Pseudopatriotismus der Marke USA? Also ich ziehe da doch ein Europa der vereinigten Vaterländer vor.

Ein Problem des Patriotismus mag sein, dass die Grenzen zum Chauvinismus nicht immer fest sind. Wenn Silvio Berlusconi behauptet: „Die westliche Kultur ist der islamischen überlegen“, so kann man dies nicht mehr nur als Identifikation mit der abendländischen Wertekultur sehen, sondern auch als generell Abwertung einer anderen Kultur. Patriotismus muss kritisch gedacht sein und darf nicht zum Selbstzweck ausarten. In den beiden Weltkriegen (vor allem im Zweiten) gingen Deutsche in den Kampf mit dem Glauben, dass sie etwas besseres wären und das Recht hätten die Gegner zu töten, wobei man natürlich sagen muss, dass dies bei den Gegnern ebenfalls ein Grundgedanke war.....

Zuletzt noch ein paar Worte zum Verhältnis zwischen Patriotismus und Sozialismus. Wenn ich heute PDS Abgeordnete sehe, die Veranstaltungen mit Motto „Es gibt Tausend Gründe Deutschland zu hassen“ unterstützen, weil Patriotismus ja rechtsradikal wäre, überkommt mich ehrlich gesagt ein kleines Lächeln. In der DDR war Patriotismus eine grundlegende Stütze des Staates. Nur richtete er sich hier weniger auf das deutsche Volk, sondern auf die Errungenschaften des Sozialismus und die Errungenschaften der Sowjetunion dem „großen Bruder“ der DDR. Wer Kommunist ist muss auch nicht unbedingt antipatriotisch eingestellt sein. So verkündete die KPD in ihrem Wahlprogramm von 1930 die Befreiung des deutschen Volkes (und nicht allein die Befreiung der Arbeiterklasse) vom Kapitalismus sei das oberste Ziel ihrer Bemühungen.

Nun könnte man natürlich noch einiges weitere schreiben wie beispielsweise die Aussage von Martin Walser, dass durch die Ausgrenzung des Nationalen das Nationale sich selbst radikalisiert hat, aber ich bezweifle ob dies den Durchschnittleser wirklich interessiert und deshalb schließe ich mit den Worten:

„Aber ob wir es wollen oder nicht, ob wir Deutschen, Franzosen, Amerikaner oder Türken sind, wir alle sind nun einmal in eine Nation hineingeboren oder hineinversetzt. Jede Nation hat ihr eigenes Erbe.“
Roman Herzog

Quellen:
Kontrovers: Nation, Nationalismus, Nationale Identität- eine Publikation der BPB
www.cdu.de
www.konservativ.de