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Erfahrungsbericht von _matthias_

Unsere Tochter ...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Jetzt bist du endlich da. Zuerst waren es neun Monate, die wir auf dich warten sollten, dann waren es plötzlich nur noch neun Wochen, irgendwann waren es nur noch neun Tage ... und dann kam der große Tag, an dem alle Berechnungen sagten, dass du geboren werden solltest. Und es passierte ... nichts. Du hattest dich einfach entschlossen, noch ein bisschen länger in Mama\'s Bauch zu bleiben, wo es doch so schön warm war und eigentlich gab es doch keinen Grund von selbst in diese kalte Welt zu fliehen.

Wir haben auf dich gewartet, einen Tag, zwei Tage, drei, vier ... Und wir waren nicht die einzigen, die dich sehnsüchtig erwartet haben. Großeltern, Verwandte, Freunde, Bekannte ... Es war fast schon ein Full-Time-Job für uns, all die Anfragen, Telefonate und Mails zu beantworten und zu erklären, dass du dich entschlossen hättest, die Welt noch ein wenig länger auf dich warten zu lassen. Dafür hat dein Papa jetzt erfahren, welche Methoden es gibt, dich dazu zu bewegen, die letzten Schritte in das neue Leben zu tun ... und dein Papa hat ebenso wie deine Mama erfahren, dass keiner der Methoden wirklich zu helfen scheint, wenn sich ein kleines Baby nunmal nicht so recht zur Geburt entschließen kann.

Ich weiß gar nicht mehr, ob jeder weitere Tag unsere Vorfreude auf dich gesteigert hat oder unsere Ungeduld noch ein wenig wachsen ließ, aber als wir neun Tage über dem Termin waren, da gab es Stunden, da haben wir schon fast nicht mehr mit dir gerechnet. Obwohl, irgendwo kam uns der Gedanke schon etwas spanisch vor, dass wir dich im Bauch der Mutter irgendwann einschulen würden, sodass wir heimlich dann doch damit gerechnet haben, dass du irgendwann dann doch mal dein Kommen ankündigen würdest.

Aber es schien dir gut zu gehen. Jeden Tag war die Mama mit dir beim Arzt um zu überprüfen, ob es dir wirklich gut geht, ob alles in Ordnung war. Ja, es war alles in Ordnung. Dein Herz schlug so, wie man es sich wünscht. Du warst aktiv, manchmal sogar zu aktiv, wie deine Mama manchmal bemerkte, wenn du wieder mal ihre unterste Rippe als Ziel deiner Strampeleien ausgemacht hattest ... in den letzten Wochen hattest du eine erstaunliche Trefferquote, wie Mama sich schmerzhaft erinnern kann. Dass ich dann sagte, dass es dir bestens geht, solange du ein bisschen strampelst, war für Mama ein schwacher Trost, wie ich ihrem Blick entnehmen konnte. Dabei sollte es doch nur eine Aufmunterung für die Mama sein ...

Geschlafen haben wir zwei jedoch bestens. Du meistens tagsüber, wenn dich die Mama im Bauch hin- und hergetragen hat. Und nachts, wenn die Mama dann schlafen wollte, war es dir wohl meist etwas langweilig und das hast du auch nach außen getragen, meist durch Klopfzeichen, womit wir wieder bei Mamas unterster Rippe wären ... Ich weiß noch, wie ich an ihrem Bauch gelauscht habe, wenn du dich wieder zu Wort gemeldet hast oder du uns durch einen lustigen Schluckauf zum Lächeln gebracht hast. Es war eine schöne Zeit, aber wir wollten dann doch mal in das Gesicht des kleinen Menschen schauen, auf den wir uns so gefreut haben.

Als du dann zwölf Tage länger als geplant in Mamas Bauch warst, haben wir uns entschlossen, dass Mama im Krankenhaus auf dich weiterwartet. So war ich allein daheim, immer darauf lauernd, dass das Telefon klingelt und mir endlich mitteilt, dass dein großer Moment sich nähern würde. In dieser Nacht hat es nicht geklingelt. Das weiß ich unter anderem auch deswegen so genau, weil ich in dieser Nacht kein Auge zugemacht habe.

Auch am nächsten Tag schien alles wie immer zu sein. Dir ging es gut, du hast fröhlich gestrampelt, nur herauskommen wolltest du nicht. Morgens war ich bei dir, nachmittags auch, abends wollte ich die Mama ein weiteres Mal besuchen und sehen, wie es dir geht. Und dann passierte es ... das Telefon klingelte. Nein, nicht so wie die sieben Male davor, als sich wieder Leute nach dir erkundigt haben, diesmal hat mich die Mama angerufen und hat gefragt, ob ich nicht schon ein wenig früher kommen wolle, weil es scheinbar losgehen sollte.

Ich bin zwar nicht mit 120 durch die Stadt gerast, aber ich habe schon wesentlich besser ein Auto in eine Parklücke bugsiert, ein wenig aufgeregt war ich also doch. Das war am letzten Donnerstag, so gegen zwanzig Uhr.

Was folgte war eine lange Nacht. Eine Nacht, in der ich erkannt habe, dass ich alle Mütter dieser Welt nicht genug geschätzt habe. Eine Nacht, in der ich erkannt habe, dass deine Mama schier unglaubliche Kräfte in sich zu haben scheint und dass ich mir hilflos vorkam, obwohl deine Mama mir später versichert hat, dass sie es ohne mich nicht geschafft hätte. Heute hat sie gesagt, dass sich jede Wehe gelohnt hätte.

Alles lief gut in dieser Nacht und bis zwei Uhr sah es so aus, als ob es eine relativ flotte Geburt werden könnte. Wie gesagt, es sah so aus ... Es zog sich aber hin. Um kurz vor fünf, als es draußen noch dunkel war und Mama und Papa schon etwas erschöpft waren, da sagte Mama das erste Mal, dass sie nicht mehr könne, dass sie müde wäre ... und ich habe ihr jedes Wort geglaubt.

Wie sie es dann noch geschafft hat, mehr als zwei Stunden weiterzumachen, dir die Geburt zu ermöglichen, zu kämpfen, zu schreiben und dich Stück für Stück dem Leben näherzubringen, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Aber sie hat es geschafft. Und als es draußen hell wurde, da hast du sprichwörtlich das Licht der Welt erblickt.

Ich habe deine Nabelschnur durchtrennt und dich somit endgültig ins Leben gerufen, ich habe dich auf den Bauch der Mama gelegt, wo du zum ersten Mal durch lautes Schreien auf dich aufmerksam gemacht hast und dann waren wir das erste Mal zu dritt, vereint und zusammen und von diesem Zeitpunkt an sind wir eine kleine Familie geworden ... Zu diesem Zeitpunkt hat sich die ganze Anspannung gelöst und auch dein Papa hat einige Freudentränen vergossen ...

Gestern habe ich dich mit Mama nach Hause geholt. Aufgeregt waren wir, als wir nun das erste Mal mit dir ganz allein waren, keine Schwester mehr in der Nähe, die eventuell helfend zur Seite steht ... Aber wir haben dich voller Freude willkommen geheißen, haben dir alles gezeigt und hoffen sehr, dass du dich bei uns wohlfühlen wirst. Und es scheint dir wirklich Spaß zu machen, auch wenn du das noch nicht immer so zeigen kannst ... vermuten wir mal. Wir sind für dich da, Mama stillt dich, Papa wickelt dich und deine Eltern sind heute voller Freude und voller Stolz mit dir spazieren gegangen ...

Nicht nur Mama und Papa freuen sich, dass du endlich da bist, viele viele andere haben dir geschrieben, haben dich besucht und haben auf andere Weise kundgetan, dass sie sich mit dir und mit deinen Eltern freuen.

Willkommen im Leben, kleine Alina! Wir werden immer für dich da sein.

Deine Eltern.

31 Bewertungen, 2 Kommentare

  • katjafranke

    12.01.2011, 11:50 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße von der KATJA

  • sandieheinrich

    11.06.2009, 19:45 Uhr von sandieheinrich
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schön aus Deiner Sicht berichtet. Meine Kleine war nur 2 Tage überfällig. Grüßle aus der Hauptstadt