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Erfahrungsbericht von Raileigh

Morgenland trifft Skandinavien

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Mein ägyptischer Freund Ahmed verschleppt mich regelmäßig auf Bauchtanzevents. "Ihr Nordländer seid einfach nicht in der Lage euch vernünftig zu amüsieren. Ausgelassene Fröhlichkeit kennt ihr einfach nicht."

Ich finde das recht lustig. Zwar geht mir die muselmanische Musik ein bisschen auf den Sender, aber die Speisen, die bei solchen Abenden serviert werden, würden einen Imam entzücken.
Das wir Nordländer uns allerdings durchaus amüsieren können, musste ich Ahmed noch unter Beweis stellen.
Ich schleppte ihn ins Konzert der Gruppe Garmana. Garmana stammen aus Schweden und spielen Elektro-Folk, wie uns die Multikultiansagerin versicherte. Aus vier Herren und eine singende Maid besteht die Band. Die Herren sehen gar wüst aus, schließlich soll Garmana im Schwedischen soviel bedeuten wie Hunde aus der Hölle. Der Gitarrist erinnert an Frank Zappa und der Mann an Violine und Drehleier scheint ein bisschen irre zu sein. Er hüpft herum wie angesengt und die mitspielenden Bandmitglieder müssen höllisch aufpassen, dass ihnen sein Geigenbogen kein Auge aussticht. Emma Härdelin, die Frontfrau hingegen, singt glockenhell und schaut aus wie die verschämte rotwangige Jungfer zart, in einer Welt voller gieriger Hände.

Laut ist die Musik und der Gesang von Emma lieblich. Doch die Texte der traditionellen skandinavischen Balladen handeln von Tod und Verderben, von Werwölfen, die in düsterer Nacht nur noch den Arm einer Maid übriglassen, von Mordbuben, die Jungfern entführen und von Gesindel, welches es wild in finsterer nördlicher Nacht treibt.

Vor einigen Jahren begannen Garmana sich für das Liedgut der Hildegard von Bingen zu begeistern. Choräle aus der Frühzeit des Christenstums vorgetragen von Emmas glockenheller Stimme, mit Hall unterlegt durch die elektronischen Spielzeuge der Tontechnik und gegleitet von lauten E-Gitarrenriffs, Fiddel und Drehleier.
Auch aus diesem Repertoire tragen sie Lieder vor.
Ahmed, mein muselmanischer Freund, lässt seine Jacke in meiner Nähe zurück und beginnt zu tanzen. Er bewegt seine Arme wie ich es bereits in seinen Bauchtanzversammlungen gesehen habe und verdreht seine Hände zu Posen, die an altägyptische Wandzeichnungen erinnern.
"Muss man Euch Nordländern bei Eurer eigenen Musik zeigen, wie man tanzt" fragt Ahmed.
"Was hast du," entgegne ich. " Ich bin total ausgelassen, wie du siehst." Dabei zeige ich auf meinen rechten Fuß, der im Takt mitwippt. Auch das mein Kopf leicht zur Musik nickt, sollte ihm eigentlich aufgefallen sein.
Ich teile ihm mit, dass er gerade zu urchristlicher Klostermusik tanzt. Er belächelt den abendländischen Umgang mit der Religion. Trotzdem scheint es ihm zu gefallen.

Später will Ahmed wissen, wovon die Texte handeln. Ich erkläre es ihm und er schüttelt mit dem Kopf.
"Ihr habt eine seltsame Art Euch zu unterhalten. Wie überaus erbaulich das dazu kein Essen gereicht wird. Wie müsste das wohl aussehen."

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