Das Leben des David Gale (DVD) Testbericht

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ab 4,92
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Erfahrungsbericht von w.gruentjens

Gegen Todesstrafe

Pro:

Spannender, anspruchsvoller Film gegen die Todesstrafe

Kontra:

Keine billige Unterhaltung; Lösung vielleicht etwas konstruiert

Empfehlung:

Ja

Das Leben des David Gale ist ein zwar amerikanischer, aber auch amerika-kritischer Film, der einerseits mit Spannung und Qualität unterhält, aber auch philosophische Fragen nach der Todesstrafe und der Bereitschaft, sich bis zum Letzten für ein Ideal einzusetzen, stellt, ohne dass die Philosophie dabei aufdringlich würde.

STORY

David Gale (Kevin Spacey) ist zunächst ein erfolgreicher Professor. Wir erleben ihn, wie er seinen Schülern charmant eine Philosophie vermittelt, die besagt, den Sinn des Lebens nicht in der Befriedigung von eigenen Bedürfnissen zu suchen. Wie wichtig diese Szene ist, wird einem erst am Ende nach der Auflösung des Rätsels bewusst.

Durch die Rache einer von ihm zunächst zurückgewiesenen Studentin, die ihn dann nach ihrer Relegation doch verführen kann und ihn der Vergewaltigung bezichtigt, verliert er, auch wenn keine Anklage erhoben wurde, seine berufliche Stellung; seine Frau lässt sich scheiden, er wird zum Trinker und kommt immer weiter herunter.

Neben seiner Arbeit als Professor hat er sich sehr stark gegen die Todesstrafe engagiert; es wird gezeigt, wie er dafür demonstriert und im TV mit dem Gouverneur diskutiert.

Aber ausgerechnet er, der Gegner der Todesstrafe, der brillante Professor, der charmante Lehrer und beredte Diskutierer, wird schließlich wegen Vergewaltigung und Mordes an seiner Kollegin (toll: Laura Linney) zum Tode verurteilt.

Er erzählt in den letzten drei Tagen vor seiner Hinrichtung einer jungen Journalistin (Kate Winslet) seine Geschichte, die dann auch in Rückblenden gezeigt wird.

Schon bald wird dem Zuschauer und auch ihr klar, dass er unschuldig ist, und es beginnt ein Rennen gegen die Zeit, um seine Unschuld zu beweisen und das Komplott, das dahinter steht, aufzudecken.

Nach und nach werden immer mehr Einzelheiten aufgedeckt, die die Lösungsmöglichkeiten immer mehr eingrenzen, ohne dass die Lösung zu früh verraten würde. Videobänder, eine Leukämie-Erkrankung, die Todesstätte als Museum, ein Selbstversuch mit der Todesart, ein Cowboy, der die Journalisten immer wieder verfolgt, spielen dabei eine Rolle.


QUALITÄT

Die Regie führt den Zuschauer in Rückblenden, im Wechsel zwischen Erzählung kurz vor der Hinrichtung und der Darstellung des Erzählten, allmählich in die Problematik des Lebens von Gale ein, gibt immer wieder neue Hinweise, wird nie dramatisch, effekthascherisch, äußeres Geschehen überbewertend – nein, sie bleibt ruhig, sachlich, zeigt Emotionen eher selten, dann aber realistisch: Sie ist einfach ruhig und gut, diese Regie von Alan Parker. Viele Szenen wirken wie verfilmtes Theater, aber durch Szenenwechsel und Schnitt bleibt es eindeutig ein Film – ein guter, vielleicht, nein, sicherlich sehr guter Film.

Die Schauspieler spielen sehr dicht, ohne Übertreibung, aber trotzdem sehr intensiv. Kevin Spacey hat mir hier fast noch besser gefallen als in American beauty, Kate Winslet gereifter als in Titanic, Laura Linney ernster und ausdrucksvoller als in Truman Show.

Bei all dem Lob darf ich die ausgezeichnete Musik von Alex Parker nicht vergessen. Sie ist nicht vorlaut, unterstreicht aber bedeutsame Stellen im Stil irgendwo zwischen Pergolesi und Cool Jazz.

All diese wunderbaren Äußerlichkeiten allein machen aber noch keinen Film, der gleichzeitig unterhält, für Spannung sorgt, und der trotzdem Kritik übt und Fragen aufwirft: Kritik an der Todesstrafe und an einem politischen System, das damit operiert, und Fragen nach dem Sinn des Lebens und nach der Bereitschaft, sich für ein Ideal einzusetzen, vielleicht sogar zu opfern.


FAZIT

Dies ist ein qualitativ sehr hochwertiger Film, der nicht mit Kunst oder philosophischen Monologen langweilt, ohne aber auf künstlerische Arbeit und phiolosophische Fragen zu verzichten, der spannende Unterhaltung bietet, ohne äußere Effekte dafür einzusetzen, der ausgezeichnete schauspielerische Leistungen bietet, ohne dass ein Darsteller auf Kosten der anderen in den Vordergrund gestellt würde.

Wer einen sowohl spannenden als auch unterhaltenden, einen sowohl anspruchsvollen als auch kritischen Film mag, der wird sich hier wohl fühlen. Wer aber lustige Sprüche, oberflächliche Action oder Erotik sucht, der ist hier fehl am Platze.

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