Donnie Darko (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher
The dreams in which I’m dying are the best…
Pro:
so vieles, viel zu vieles um es hier anzusprechen
Kontra:
ein mehrmaliges Ansehen ist dringendst vonnöten.
Empfehlung:
Ja
...I ever had! - Leitspruch eines Superhelden!
Ich möchte hier etwas ganz ungewöhnliches für eine Filmkritik voranstellen. Lesen sie diese Filmkritik nicht! Gehen sie stattdessen in die nächste Videothek oder zum nächsten DVD oder Videohändler und kaufen sie sich den Film „Donnie Darko“ oder leihen sie ihn sich aus. Schauen sie sich dann diesen sagenhaften Film an und lesen sie dann diese Kritik. Bei diesem Film ist es absolut unmöglich eine Kritik zu schreiben, ohne eigene Interpretationsansätze darzulegen. Dazu sind massig Spoiler nötig. Die Kenntnis der Interpretation eines anderen, kann ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit das eigene Sehen des Films verderben, zumindest nimmt es ihnen die Möglichkeit sich völlig frei eigene Gedanken zu machen. Dies ist aber unerlässlich, denn gerade das ist die Stärke des Films: Er regt den Zuschauer an sich Gedanken über das Gesehene und dessen Bedeutung zu machen. Also nicht weiterlesen (maximal noch die nächsten zwei (!!!) Absätze mit der kurzen Inhaltsangabe), sondern erst den Film anschauen, dann zurückkommen lesen und mit mir über den Streifen diskutieren!
Oktober 1988: Donnie Darko (Jake Gyllenhaal) ist äußerlich ein ganz normaler Junge, der auf das Erwachsenwerden zu geht. Er lebt in einer betulichen Familie mit seinen Eltern (Holmes Osborne, Mary McDonnell) und seinen Schwestern (Maggie Gyllenhaal, Daveigh Chase) und geht auf die Highschool. Doch Donnie bereitet seinen Eltern Sorgen. Er schlafwandelt nachts, verhält sich oftmals aggressiv und ist wegen einiger Vorkommnisse, die ihn kurzzeitig sogar ins Gefängnis brachten, in psychiatrischer Behandlung, wo er Tabletten verschrieben bekommt.
Und er hat einen imaginären Freund namens Frank (James Duval), der ihm in einem Hasenkostüm begegnet. Dieser sagt ihm bei einer seiner Schlafwandlungen, dass am 2. Oktober 1988, dass in 28 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten und 12 Sekunden die Welt untergehen wird. Just in jener Nacht kracht eine Flugzeugturbine in das Haus der Darkos und mitten in Donnies Zimmer. Er wäre tot gewesen, wenn er nicht auf einer seiner Schlafwandlungen gewesen wäre.
In den nächsten Tagen passieren ungewöhnliche Dinge. Die Schule von Donnie steht unter Wasser, woraufhin er seine neue Mitschülerin Gretchen (Jena Malone) kennen lernt. Die beiden werden ein Paar. Frank erscheint Donnie immer öfter, fragt ihn was er über Zeitreisen weiß. Dadurch stößt Donnie auf ein Buch namens „Philosophie der Zeitreisen“, dass von einer ehemaligen Lehrerin seiner Schule namens Roberta Sparrow (Patience Cleveland) geschrieben wurde. Darko kennt die Frau. Sie lebt etwas außerhalb des Ortes, ist über hundert Jahre alt und ganz alleine. Jeden Tag stapft die „Grandma Death“ getaufte Frau zu ihrem leeren Briefkasten und beinahe vor ein Auto. In ihrem Buch ist genau das beschrieben, was Donnie gerade sieht. Kommt Frank aus einer anderen Zeit?
„Donnie Darko“ ist ein äußert vielschichtiger Film, der den Zuschauer eigentlich immer im Ungewissen lässt, worauf er hinausläuft. Was wie ein Teeniedrama beginnt, zieht sich durch fast alle Genres von Science-Fiction bis Romantik. Immer im Mittelpunkt der außergewöhnliche Charakter des Donnie Darko. Er scheint der Welt entrückt zu sein, sieht außergewöhnliche Dinge, weswegen ihn viele in seiner Umwelt vor allem die Psychiaterin für verrückt halten.
Doch vielleicht sieht Donnie die Welt als einziger klar und so wie sie ist. Das fängt überall an, so zum Beispiel an seiner Schule. Seine Lehrerin Kitty Farmer (Beth Grant) will alles in der Welt auf Liebe und Angst reduzieren, gibt den Schülern die Aufgabe Geschehnisse auf einem Strahl zwischen Liebe und Angst einzutragen. Donnie rebelliert, er meint es gibt viel mehr Faktoren, kritisiert die Zweidimensionalität seiner Lehrerin. Das ganze endet in einem Schulverweis für Donnie, als er seiner Lehrerin sagt, sie solle sich den Strahl in den Arsch schieben. Die Umwelt von Donnie erkennt größtenteils nicht, wie recht er hat. Die aufgeklärte junge Lehrerin Karen Pomeroy (Drew Barrymore) wird dagegen gefeuert, da sie den Kindern Graham Greene zum Lesen gab, ein weiterer Lehrer kann sich nicht mit Donnie über seine Theorien unterhalten, weil er sonst vielleicht gefeuert wird. Klar Kritik am System der 80er Jahre in den USA, in welchem Regisseur Richard Kelly aufgewachsen ist.
Diese Kritik zieht sich durch den Film. Alleine schon die Bilder des paradiesischen Middlesex. Nach außen hin alles weiß und idyllisch, doch die Verlogenheit, die hinter vielem steckt, erkennt keiner: Nur Donnie Darko. Immer wieder kleine Szenen spielen auf bestimmte Dinge an, so zum Beispiel, wenn Donnies Vater George Bush Sr. beim Wahlkampf im Fernseher sieht.
Die Kritik setzt sich in der Person TV-Guru Jim Cunningham (Patrick Swazye) fort. Dessen Videos bekommen Donnie und seine Klasse von ihrer Lehrerin Kitty Farmer immer vorgesetzt. „Befreie Dich von Deiner Angst“ ist das Credo von Cunningham, welches er schließlich auch auf einer Veranstaltung in der Schule predigt, in der er mit hohlen Phrasen um sich wirft und trotzdem alle begeistert an seinen Lippen hängen. Bis auf Donnie Darko, er reißt dem Guru die Maskerade ab und beschimpft ihn als Anti-Christ. Wie recht er hat, erkennt der Zuschauer erst, als Darko schließlich auf Geheiß von Frank Cunninghams Haus abfackelt und dadurch für die Feuerwehr und die Polizei zu Tage führt, dass Cunningham einen Kinderpornoring betreibt.
Die Szene, in der dies geschieht, kann man exemplarisch nehmen für den großartigen und gelungen Stil, den Kelly hat. Da lässt er erst die fette und von allen nur gehänselte Schülerin Cherita Chen (Jolene Purdy) weiß wie ein Engel über eine Schulbühne springen. Eine Vorstellung, die trotz ihrer Großartigkeit nur mit müden Applaus und kurzen Worten von Cunningham gewürdigt wird. Dann tritt die Schultanzgruppe auf, darunter Donnies kleine Schwester und die Tochter der konservativen Lehrerin Kitty Farmer, die auch die Trainerin ist und diese führen - ein weiterer Hinweis auf die Verlogenheit der Gesellschaft im Allgemeinen und auf die von Kitty Farmer im Besonderen - im krassen Gegensatz zu Chens reiner Unschuldsnummer einen dunkle, sexy-Tanz ab. Zur gleichen Zeit entfacht Donnie ein Höllenfeuer im Haus von Cunningham. Die Szenen wechseln sich wie in einer Collage ab. Großartig inszeniert.
Neben dieser kritischen Auseinandersetzung mit dem Leben in den Achtzigern, wobei vieles auch noch auf die heutige oftmals ebenso intolerante und konservative (nicht politisch, sondern im Sinne von allem Neuen gegenüber skeptische und wenig aufgeschlossene) Gesellschaft übertragen lässt, läuft auch noch der „Science-Fiction-Erzählstrang“ ab, wobei beide nicht voneinander zu trennen sind, sondern unweigerlich zusammengehören.
Frank, der Donnie Darko erscheint, redet über Zeitreisen, Donnie recherchiert über Zeitreisen, sieht die Zeitströme der Menschen, die den von Gott vorgegeben Weg vorzeichnen. Kommt Frank aus der Zukunft und will Donnie etwas mitteilen? Das fragt man sich als Zuschauer, das Ende lässt genau hier will Diskussionsraum. Meine Ansicht ist nein! Donnie Darko ist der Zeitreisende.
„Donnie Darko! Hört sich an wie der Name eines Superheldes“, sagt Gretchen in einer Unterhaltung mit Donnie. „Ich bin ein Superheld“ antwortet Donnie. Was sich beim Schauen des Films wie ein Scherz anhört, könnte die Wahrheit sein. Donnie Darko ist ein Superheld. Als die Schule unter Wasser gesetzt wird, haut der Täter eine Axt in eine Bronzestatue. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit für einen Menschen. Später erfährt man, dass es Donnie war. Und was genau ist mit den 28 Tagen vom Einschlag der Turbine bis zum von Frank prophezeiten Ende der Welt? Das Ende der Welt ist dabei in einem anderen Sinne zu sehen, als es der Zuschauer und Donnie glauben. Es ist nicht das Ende der gesamten Welt, sondern nur das Ende von Donnies Welt. Und Donnie wird nicht das Ende herbeiführen, sondern er kann es verhindern.
Und das macht er, worauf er noch einmal zeigt, dass er ein Superheld ist. Am Ende der 28 Tage stirbt Gretchen. Hier springt der Film zurück an den Zeitpunkt, an dem die Turbine einschlug. Nun ist Donnie in seinem Bett geblieben. Er stirbt. Nun wird er Gretchen nie kennen lernen. Doch er hat sie gerettet. Die 28 Tage in denen der Film spielt, finden nach meiner Ansicht auf einer anderen Zeitschiene statt. Donnie kann in die Zukunft schauen und sehen, was passieren wird. Er kann auf die festen Bahnen Gottes in denen unser Leben verläuft, einwirken, allerdings nur in geringen Maßen. Nur eine Möglichkeit hat er: Er opfert sich selbst, er widersetzt sich seinem Drang Schlafzuwandeln und stirbt dadurch. Er opfert dadurch nicht nur sein Leben, sondern er versetzt vielleicht die Gesellschaft wieder dahin zurück, wo sie ohne seine Erkenntnisse war. Er riskiert es, dass Cunningham weiter seinen Kinderpornoring betreiben kann. Er ordnet dies unter, um das Leben von Gretchen zu retten. Das ist Liebe!
Natürlich ist dies nur eine mögliche Interpretation des Endes, es gibt sicher mehrere. Interessant wird hier auch der Audiokommentar des Regisseurs auf der DVD sein, der wohl sicher noch einiges erklären wird. Zudem gibt es schon ein ganzes Buch mit Interpretationen zu diesem Film. Einer der besten Interpretationen liefert aber der Film selbst. Gary Jules singt am Ende eine Coverversion des Songs „Mad World“ der Band „Tears for Fears“ (die selbst mit einem anderen Lied auf dem großartigen Soundtrack zu hören sind):
And I find it kind of funny
I find it kind of sad
The dreams in which I\'m dying are the best I\'ve ever had
I find it hard to tell you
\'Cos I find it hard to take
When people run in circles
It\'s a very, very
Mad World
Donnie Darko kann die Kreise, die Pfade auf den wir gehen durchbrechen, dafür muss er sterben. „The dreams in which I\'m dying are the best I\'ve ever had”. Denn auch ein Superheld muss in unserer Welt sterben um seine Liebste zu retten.
Dazu passt auch die Rolle von „Frank“. Der wirkliche Frank ist, wie man beim zweiten Sehen erkennt, der Freund von Donnies Schwester. Es gibt diesen Frank also und er taucht bei Donnies Halloweenparty am Ende sogar in einem Hasenkostüm auf. Es ist aber nicht (bzw. nur äußerlich) der gleiche Frank, der Donnie in seinen Visionen erscheint. Dieser dürfte eine Art Bote Gottes sein. Denn Gott spielt in diesem Film eine zentrale Rolle. So war die Autorin des Buches „Grandma Death“ früher Nonne, Donnie spricht von den von Gott vorbestimmten Pfaden des Menschen, Gretchen, der Name von Donnie Freundin könnte ein Hinweis auf Goethes Faust und dadurch indirekt auf Gott sein und beim Halloweenfilmfest wird neben „Tanz der Teufel“ „The Last Temptation of Christ“ gespielt, was auch eine völlig andere Interpretation möglich macht, nämlich, dass Donnie schon zu Beginn tot ist und nun sieht, was passieren wäre, wenn er nicht gestorben wäre (Stichwort: „The dreams in which I\'m dying are the best I\'ve ever had“). Auch diese Theorie wird in einigen Diskussionsforen im Internet zu diesem Film vertreten. Dafür spricht unter anderem auch, dass Frank auf Donnies Frage, wann das endlich aufhöre, antwortet, dass er dies schon längst wissen sollte. Oder, dass er auf die Frage, warum er ein Hasenkostüm trägt, Donnie mit der Gegenfrage antwortet, warum dieser denn ein Menschenkostüm trägt.
So gibt es sicher noch mehr Theorien, die man zu „Donnie Darko“ entwickeln und vertreten kann. Wie ein Film von David Lynch lässt auch dieser Film mehr Fragen offen als er beantwortet, nötigt ein zweites, drittes, viertes,... Ansehen ab und ist immer wieder hervorragend (zumindest bis Nr. 4 weiter kam ich noch nicht). Die von McOne mit reichhaltiger Ausstattung am 20. Januar erscheinende DVD wird sicher durch den Audiokommentar noch einige Fragen beantworten, aber wohl auch neue aufwerfen.
Eins ist sicher, man muss es dem jungen Richard Kelly danken, dass er einen so interessanten und vielschichtigen Film geschaffen hat. Angeblich hat es länger gedauert seine Idee umzusetzen, da zwar viele Studios sein Drehbuch gut fanden, dem jungen und unerfahrenen Mann aber nicht den Regiestuhl überlassen wollten. Erst Drew Barrymore vertraute Kellys Regiefähigkeiten und produzierte den Film, der innerhalb von weniger als einem Monat abgedreht wurde. Dafür muss man ihr danken.
Denn „Donnie Darko“ ist ein ungemein vielschichtiger und interessanter Streifen, in höchstem Maße gelungen, dank seiner zahlreichen unterschiedlichen Aspekte und interessanten Details, die so zahlreich sind, dass sie nicht alle hier eingearbeitet wurden (zum Beispiel ist noch die Tatsache interessant, dass Donnie am Ende gerade den realen Frank erschießt und damit den Grundstein für das Verstecken hinter einem Hasenkostüm des „fiktiven“ Frank legt). Ganz eindeutig zehn von zehn Punkten und die Aufforderung: Noch einmal anschauen!
D A T E N
°°°°°°°°°°°
Titel Deutschland: Donnie Darko
Originaltitel: Donnie Darko
Genre: Drama / Fantasy / Romantik / Science Fiction
USA 2000, FSK 16, Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Jake Gyllenhaal (Donnie Darko), Jena Malone (Gretchen Ross), Holmes Osborne (Eddie Darko), Maggie Gyllenhaal (Elizabeth Darko), Daveigh Chase (Samantha Darko), Patrick Swayze (Jim Cunningham), Drew Barrymore (Karen Pomeroy)
Regie: Richard Kelly
Produzenten: Adam Fields, Sean McKittrick, Nancy Juvonen
Ausführende Produzenten: Chris Ball, Drew Barrymore, Casey LaScala, Hunt Lowry, Aaron Ryder, William Tyrer
Drehbuch: Richard Kelly
Kamera: Steven B. Poster
Musik: Michael Andrews
Schnitt: Sam Bauer, Eric Strand
W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
°°°°°°°°°°
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0246578/
Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=10251
Websites mit interessanten Aspekten zum Film:
http://www.donniedarko.com/
http://www.ruinedeye.com/cd/index.htm
© Björn Becher 2003
Ich möchte hier etwas ganz ungewöhnliches für eine Filmkritik voranstellen. Lesen sie diese Filmkritik nicht! Gehen sie stattdessen in die nächste Videothek oder zum nächsten DVD oder Videohändler und kaufen sie sich den Film „Donnie Darko“ oder leihen sie ihn sich aus. Schauen sie sich dann diesen sagenhaften Film an und lesen sie dann diese Kritik. Bei diesem Film ist es absolut unmöglich eine Kritik zu schreiben, ohne eigene Interpretationsansätze darzulegen. Dazu sind massig Spoiler nötig. Die Kenntnis der Interpretation eines anderen, kann ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit das eigene Sehen des Films verderben, zumindest nimmt es ihnen die Möglichkeit sich völlig frei eigene Gedanken zu machen. Dies ist aber unerlässlich, denn gerade das ist die Stärke des Films: Er regt den Zuschauer an sich Gedanken über das Gesehene und dessen Bedeutung zu machen. Also nicht weiterlesen (maximal noch die nächsten zwei (!!!) Absätze mit der kurzen Inhaltsangabe), sondern erst den Film anschauen, dann zurückkommen lesen und mit mir über den Streifen diskutieren!
Oktober 1988: Donnie Darko (Jake Gyllenhaal) ist äußerlich ein ganz normaler Junge, der auf das Erwachsenwerden zu geht. Er lebt in einer betulichen Familie mit seinen Eltern (Holmes Osborne, Mary McDonnell) und seinen Schwestern (Maggie Gyllenhaal, Daveigh Chase) und geht auf die Highschool. Doch Donnie bereitet seinen Eltern Sorgen. Er schlafwandelt nachts, verhält sich oftmals aggressiv und ist wegen einiger Vorkommnisse, die ihn kurzzeitig sogar ins Gefängnis brachten, in psychiatrischer Behandlung, wo er Tabletten verschrieben bekommt.
Und er hat einen imaginären Freund namens Frank (James Duval), der ihm in einem Hasenkostüm begegnet. Dieser sagt ihm bei einer seiner Schlafwandlungen, dass am 2. Oktober 1988, dass in 28 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten und 12 Sekunden die Welt untergehen wird. Just in jener Nacht kracht eine Flugzeugturbine in das Haus der Darkos und mitten in Donnies Zimmer. Er wäre tot gewesen, wenn er nicht auf einer seiner Schlafwandlungen gewesen wäre.
In den nächsten Tagen passieren ungewöhnliche Dinge. Die Schule von Donnie steht unter Wasser, woraufhin er seine neue Mitschülerin Gretchen (Jena Malone) kennen lernt. Die beiden werden ein Paar. Frank erscheint Donnie immer öfter, fragt ihn was er über Zeitreisen weiß. Dadurch stößt Donnie auf ein Buch namens „Philosophie der Zeitreisen“, dass von einer ehemaligen Lehrerin seiner Schule namens Roberta Sparrow (Patience Cleveland) geschrieben wurde. Darko kennt die Frau. Sie lebt etwas außerhalb des Ortes, ist über hundert Jahre alt und ganz alleine. Jeden Tag stapft die „Grandma Death“ getaufte Frau zu ihrem leeren Briefkasten und beinahe vor ein Auto. In ihrem Buch ist genau das beschrieben, was Donnie gerade sieht. Kommt Frank aus einer anderen Zeit?
„Donnie Darko“ ist ein äußert vielschichtiger Film, der den Zuschauer eigentlich immer im Ungewissen lässt, worauf er hinausläuft. Was wie ein Teeniedrama beginnt, zieht sich durch fast alle Genres von Science-Fiction bis Romantik. Immer im Mittelpunkt der außergewöhnliche Charakter des Donnie Darko. Er scheint der Welt entrückt zu sein, sieht außergewöhnliche Dinge, weswegen ihn viele in seiner Umwelt vor allem die Psychiaterin für verrückt halten.
Doch vielleicht sieht Donnie die Welt als einziger klar und so wie sie ist. Das fängt überall an, so zum Beispiel an seiner Schule. Seine Lehrerin Kitty Farmer (Beth Grant) will alles in der Welt auf Liebe und Angst reduzieren, gibt den Schülern die Aufgabe Geschehnisse auf einem Strahl zwischen Liebe und Angst einzutragen. Donnie rebelliert, er meint es gibt viel mehr Faktoren, kritisiert die Zweidimensionalität seiner Lehrerin. Das ganze endet in einem Schulverweis für Donnie, als er seiner Lehrerin sagt, sie solle sich den Strahl in den Arsch schieben. Die Umwelt von Donnie erkennt größtenteils nicht, wie recht er hat. Die aufgeklärte junge Lehrerin Karen Pomeroy (Drew Barrymore) wird dagegen gefeuert, da sie den Kindern Graham Greene zum Lesen gab, ein weiterer Lehrer kann sich nicht mit Donnie über seine Theorien unterhalten, weil er sonst vielleicht gefeuert wird. Klar Kritik am System der 80er Jahre in den USA, in welchem Regisseur Richard Kelly aufgewachsen ist.
Diese Kritik zieht sich durch den Film. Alleine schon die Bilder des paradiesischen Middlesex. Nach außen hin alles weiß und idyllisch, doch die Verlogenheit, die hinter vielem steckt, erkennt keiner: Nur Donnie Darko. Immer wieder kleine Szenen spielen auf bestimmte Dinge an, so zum Beispiel, wenn Donnies Vater George Bush Sr. beim Wahlkampf im Fernseher sieht.
Die Kritik setzt sich in der Person TV-Guru Jim Cunningham (Patrick Swazye) fort. Dessen Videos bekommen Donnie und seine Klasse von ihrer Lehrerin Kitty Farmer immer vorgesetzt. „Befreie Dich von Deiner Angst“ ist das Credo von Cunningham, welches er schließlich auch auf einer Veranstaltung in der Schule predigt, in der er mit hohlen Phrasen um sich wirft und trotzdem alle begeistert an seinen Lippen hängen. Bis auf Donnie Darko, er reißt dem Guru die Maskerade ab und beschimpft ihn als Anti-Christ. Wie recht er hat, erkennt der Zuschauer erst, als Darko schließlich auf Geheiß von Frank Cunninghams Haus abfackelt und dadurch für die Feuerwehr und die Polizei zu Tage führt, dass Cunningham einen Kinderpornoring betreibt.
Die Szene, in der dies geschieht, kann man exemplarisch nehmen für den großartigen und gelungen Stil, den Kelly hat. Da lässt er erst die fette und von allen nur gehänselte Schülerin Cherita Chen (Jolene Purdy) weiß wie ein Engel über eine Schulbühne springen. Eine Vorstellung, die trotz ihrer Großartigkeit nur mit müden Applaus und kurzen Worten von Cunningham gewürdigt wird. Dann tritt die Schultanzgruppe auf, darunter Donnies kleine Schwester und die Tochter der konservativen Lehrerin Kitty Farmer, die auch die Trainerin ist und diese führen - ein weiterer Hinweis auf die Verlogenheit der Gesellschaft im Allgemeinen und auf die von Kitty Farmer im Besonderen - im krassen Gegensatz zu Chens reiner Unschuldsnummer einen dunkle, sexy-Tanz ab. Zur gleichen Zeit entfacht Donnie ein Höllenfeuer im Haus von Cunningham. Die Szenen wechseln sich wie in einer Collage ab. Großartig inszeniert.
Neben dieser kritischen Auseinandersetzung mit dem Leben in den Achtzigern, wobei vieles auch noch auf die heutige oftmals ebenso intolerante und konservative (nicht politisch, sondern im Sinne von allem Neuen gegenüber skeptische und wenig aufgeschlossene) Gesellschaft übertragen lässt, läuft auch noch der „Science-Fiction-Erzählstrang“ ab, wobei beide nicht voneinander zu trennen sind, sondern unweigerlich zusammengehören.
Frank, der Donnie Darko erscheint, redet über Zeitreisen, Donnie recherchiert über Zeitreisen, sieht die Zeitströme der Menschen, die den von Gott vorgegeben Weg vorzeichnen. Kommt Frank aus der Zukunft und will Donnie etwas mitteilen? Das fragt man sich als Zuschauer, das Ende lässt genau hier will Diskussionsraum. Meine Ansicht ist nein! Donnie Darko ist der Zeitreisende.
„Donnie Darko! Hört sich an wie der Name eines Superheldes“, sagt Gretchen in einer Unterhaltung mit Donnie. „Ich bin ein Superheld“ antwortet Donnie. Was sich beim Schauen des Films wie ein Scherz anhört, könnte die Wahrheit sein. Donnie Darko ist ein Superheld. Als die Schule unter Wasser gesetzt wird, haut der Täter eine Axt in eine Bronzestatue. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit für einen Menschen. Später erfährt man, dass es Donnie war. Und was genau ist mit den 28 Tagen vom Einschlag der Turbine bis zum von Frank prophezeiten Ende der Welt? Das Ende der Welt ist dabei in einem anderen Sinne zu sehen, als es der Zuschauer und Donnie glauben. Es ist nicht das Ende der gesamten Welt, sondern nur das Ende von Donnies Welt. Und Donnie wird nicht das Ende herbeiführen, sondern er kann es verhindern.
Und das macht er, worauf er noch einmal zeigt, dass er ein Superheld ist. Am Ende der 28 Tage stirbt Gretchen. Hier springt der Film zurück an den Zeitpunkt, an dem die Turbine einschlug. Nun ist Donnie in seinem Bett geblieben. Er stirbt. Nun wird er Gretchen nie kennen lernen. Doch er hat sie gerettet. Die 28 Tage in denen der Film spielt, finden nach meiner Ansicht auf einer anderen Zeitschiene statt. Donnie kann in die Zukunft schauen und sehen, was passieren wird. Er kann auf die festen Bahnen Gottes in denen unser Leben verläuft, einwirken, allerdings nur in geringen Maßen. Nur eine Möglichkeit hat er: Er opfert sich selbst, er widersetzt sich seinem Drang Schlafzuwandeln und stirbt dadurch. Er opfert dadurch nicht nur sein Leben, sondern er versetzt vielleicht die Gesellschaft wieder dahin zurück, wo sie ohne seine Erkenntnisse war. Er riskiert es, dass Cunningham weiter seinen Kinderpornoring betreiben kann. Er ordnet dies unter, um das Leben von Gretchen zu retten. Das ist Liebe!
Natürlich ist dies nur eine mögliche Interpretation des Endes, es gibt sicher mehrere. Interessant wird hier auch der Audiokommentar des Regisseurs auf der DVD sein, der wohl sicher noch einiges erklären wird. Zudem gibt es schon ein ganzes Buch mit Interpretationen zu diesem Film. Einer der besten Interpretationen liefert aber der Film selbst. Gary Jules singt am Ende eine Coverversion des Songs „Mad World“ der Band „Tears for Fears“ (die selbst mit einem anderen Lied auf dem großartigen Soundtrack zu hören sind):
And I find it kind of funny
I find it kind of sad
The dreams in which I\'m dying are the best I\'ve ever had
I find it hard to tell you
\'Cos I find it hard to take
When people run in circles
It\'s a very, very
Mad World
Donnie Darko kann die Kreise, die Pfade auf den wir gehen durchbrechen, dafür muss er sterben. „The dreams in which I\'m dying are the best I\'ve ever had”. Denn auch ein Superheld muss in unserer Welt sterben um seine Liebste zu retten.
Dazu passt auch die Rolle von „Frank“. Der wirkliche Frank ist, wie man beim zweiten Sehen erkennt, der Freund von Donnies Schwester. Es gibt diesen Frank also und er taucht bei Donnies Halloweenparty am Ende sogar in einem Hasenkostüm auf. Es ist aber nicht (bzw. nur äußerlich) der gleiche Frank, der Donnie in seinen Visionen erscheint. Dieser dürfte eine Art Bote Gottes sein. Denn Gott spielt in diesem Film eine zentrale Rolle. So war die Autorin des Buches „Grandma Death“ früher Nonne, Donnie spricht von den von Gott vorbestimmten Pfaden des Menschen, Gretchen, der Name von Donnie Freundin könnte ein Hinweis auf Goethes Faust und dadurch indirekt auf Gott sein und beim Halloweenfilmfest wird neben „Tanz der Teufel“ „The Last Temptation of Christ“ gespielt, was auch eine völlig andere Interpretation möglich macht, nämlich, dass Donnie schon zu Beginn tot ist und nun sieht, was passieren wäre, wenn er nicht gestorben wäre (Stichwort: „The dreams in which I\'m dying are the best I\'ve ever had“). Auch diese Theorie wird in einigen Diskussionsforen im Internet zu diesem Film vertreten. Dafür spricht unter anderem auch, dass Frank auf Donnies Frage, wann das endlich aufhöre, antwortet, dass er dies schon längst wissen sollte. Oder, dass er auf die Frage, warum er ein Hasenkostüm trägt, Donnie mit der Gegenfrage antwortet, warum dieser denn ein Menschenkostüm trägt.
So gibt es sicher noch mehr Theorien, die man zu „Donnie Darko“ entwickeln und vertreten kann. Wie ein Film von David Lynch lässt auch dieser Film mehr Fragen offen als er beantwortet, nötigt ein zweites, drittes, viertes,... Ansehen ab und ist immer wieder hervorragend (zumindest bis Nr. 4 weiter kam ich noch nicht). Die von McOne mit reichhaltiger Ausstattung am 20. Januar erscheinende DVD wird sicher durch den Audiokommentar noch einige Fragen beantworten, aber wohl auch neue aufwerfen.
Eins ist sicher, man muss es dem jungen Richard Kelly danken, dass er einen so interessanten und vielschichtigen Film geschaffen hat. Angeblich hat es länger gedauert seine Idee umzusetzen, da zwar viele Studios sein Drehbuch gut fanden, dem jungen und unerfahrenen Mann aber nicht den Regiestuhl überlassen wollten. Erst Drew Barrymore vertraute Kellys Regiefähigkeiten und produzierte den Film, der innerhalb von weniger als einem Monat abgedreht wurde. Dafür muss man ihr danken.
Denn „Donnie Darko“ ist ein ungemein vielschichtiger und interessanter Streifen, in höchstem Maße gelungen, dank seiner zahlreichen unterschiedlichen Aspekte und interessanten Details, die so zahlreich sind, dass sie nicht alle hier eingearbeitet wurden (zum Beispiel ist noch die Tatsache interessant, dass Donnie am Ende gerade den realen Frank erschießt und damit den Grundstein für das Verstecken hinter einem Hasenkostüm des „fiktiven“ Frank legt). Ganz eindeutig zehn von zehn Punkten und die Aufforderung: Noch einmal anschauen!
D A T E N
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Titel Deutschland: Donnie Darko
Originaltitel: Donnie Darko
Genre: Drama / Fantasy / Romantik / Science Fiction
USA 2000, FSK 16, Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Jake Gyllenhaal (Donnie Darko), Jena Malone (Gretchen Ross), Holmes Osborne (Eddie Darko), Maggie Gyllenhaal (Elizabeth Darko), Daveigh Chase (Samantha Darko), Patrick Swayze (Jim Cunningham), Drew Barrymore (Karen Pomeroy)
Regie: Richard Kelly
Produzenten: Adam Fields, Sean McKittrick, Nancy Juvonen
Ausführende Produzenten: Chris Ball, Drew Barrymore, Casey LaScala, Hunt Lowry, Aaron Ryder, William Tyrer
Drehbuch: Richard Kelly
Kamera: Steven B. Poster
Musik: Michael Andrews
Schnitt: Sam Bauer, Eric Strand
W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
°°°°°°°°°°
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0246578/
Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=10251
Websites mit interessanten Aspekten zum Film:
http://www.donniedarko.com/
http://www.ruinedeye.com/cd/index.htm
© Björn Becher 2003
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