Good Bye, Lenin! (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von dakota104

+++++ Goodbye, DDR !!! +++++

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Endlich war auch ich wieder mal im Kino und hier wurde als spezielles Highlight mal wieder ein deutscher Film gezeigt.

Problematik DDR, jetzt war ich doch wieder etwas skeptisch, denn die Vergangenheit hat gezeigt dass die Filmemacher mit dem Thema DDR teilweise recht unkritisch umgingen.
Denkt man an den Film „Sonnenallee“ so musste man den Eindruck gewinnen dass das Leben in der DDR ohne Probleme zu bewältigen war. Zwar sind auch im Film „Sonnenallee“ die Häuser etwas grauer als sonst, dennoch schien das Leben in der DDR so ziemlich locker zu sein.

Nun also ein neuer Film mit der so genannten DDR Problematik.

Erstaunlich für mich dass dieser Film bereits auf der Berlinale soviel Furore gemacht hatte und auf diesen großen Filmfestival bereits zwei große Preise gewonnen hatte.
Am letzten Tag der Berlinale öffnete diese an einem Sonntag die Türen für Zusatzvorstellungen für das „normale“ Publikum und es geschah was keiner für möglich gehalten hatte.
Sonntag um 11.00 Uhr bildeten sich Menschenschlangen um den Film „Goodbye Lenin“ zu sehen.

Nun hatte auch ich die Möglichkeit den Film „Goodbye , Lenin“ zu sehen und ich war wirklich sehr erstaunt über diesen schönen, teilweise etwas schrägen Film.

Zur Story:
Wir erleben die DDR in ihren besten Tagen. Die kleine DDR hatte gerade wieder Weltruhm erlangt, denn der erste deutsche Mensch war soeben ins Weltall geflogen.
Gespannt verfolgt Alex (Daniel Brühl) die damalige Sonderberichterstattung des DDR Fernsehens über den Flug des ersten Deutschen ins All.
Im Hintergrund sehen wir Alex (Katrin Sass) seine Mutter die von Stasi Leuten verhört wird.
In diesem Verhör stellt sich heraus dass der Ehemann einen Kongress im Westen nutzte um in die BRD überzusiedeln.

Dieses menschliche Tragödie, das Zerreißen einer intakten Familie stürzt nun die Mutter von Alex in eine tiefe Depression und sie muss für 8 Wochen in die psychiatrische Klinik.

Nach Wiederherstellung der Gesundheit hat sich nun Alex seine Mutter ganz in den Dienst der Partei gestellt.
Ihr Mann hat sie nun verlassen und sie sieht ihre einzige Aufgabe die sozialistische Gesellschaft in der DDR zu ändern.
Sie übernimmt vielfältige DDR Gesellschaftstypische Aufgaben und schreibt zunächst für viele Mieter in Ihrem Plattenbau Eingaben die heute wirklich sehr sehr lustig klingen und stets mit dem Kürzel ….“Mit sozialistischen Gruß“ enden….

Durch ihre gesellschaftlichen Aufgaben und ihre Mitwirkung erhält sie mehrere Auszeichnungen und Belobigungen. Sogar im DDR Fernsehen ist sie zu sehen.

Am Vorabend des 40 . Jahrestage erhält sie wieder eine Einladung zu einer diesen Lobesveranstaltungen.
In der Geschichte geht dieser 07.Oktober 1989 als ein Tag ein wo sich die DDR Bürger gegen die DDR Regierung auflehnen und erstmals in Berlin zu gewaltfreien Protesten auf die Straße gehen.

Der Regisseur Wolfgang Becker verschönert hier nichts!
Er zeigt ganz klar und deutlich wie DDR Polizisten auf die ersten gewaltfreien Meinungsäußerungen der DDR Bürger reagieren …nämlich mit Schlägen und Verhaftungen.
Alex, inzwischen ein junger Mann beteiligt sich auch an dieser Demonstration und wird zusammengeschlagen und verhaftet.
Die Mutter die in ihrem Taxi nicht weiterfahren kann wird zufällig Zeugin der Verhaftung ihres Sohnes und erleidet einen Herzinfarkt.
Sie kommt ins Krankenhaus und liegt die nächsten 8 Monate im Koma.


Diese 8 Monate verändern die DDR völlig und Alex erlebt vielleicht die schönste und spannendste Zeit seines Lebens.
Die Mauer fällt, beruflich ändert sich sehr viel und auch das Leben in der DDR wird zunehmend „westlicher“.
Seine Mutter verschläft diese gravierenden Veränderungen und kommt wie schon erwähnt erst nach 8 Monaten langsam wieder zu sich.

Selbstverständlich hat sie sofort denn Wunsch nach Hause zu kommen. Der behandelnde Arzt rät Alex dazu die Mutter im Krankenhaus zu belassen, denn jede kleine Aufregung könnte zu einem neuen Infarkt, der dann tödlich sein würde, führen.

Jetzt entschließen sich Alex und seine Schwester Ariane (Maria Simon) die Mutter nach Hause zu nehmen und ihr dort eine heile DDR vorzuspiegeln.

Was sehr einfach klingt gestaltet sich schwieriger als erwartet.
Bereits einige Monate nach Fall der Mauer hat sich viel zu viel geändert. Mit Einführung der Währungsunion gibt es augenblicklich keine DDR Produkte mehr.
Jetzt erleben wir Alex wie er Jacobs Kaffee in die entsprechende DDR Verpackung, dem Kaffee Mocca Fix Gold umfüllt.
Gravierendes Problem sind die Spreewälder Gurken.
Hier gibt es erstmals nur westliche Produkte.

Mit diesen kleinen Schwindeleien erholt sich die Mutter sehr gut und es drängt ihr danach mal wieder Fernsehen zu schauen.
Nun muss Alex mit seinem Arbeitskollegen, einen talentierten Laienfilmemacher tagtäglich die Aktuelle Kamera, die Nachrichtensendung des DDR Fernsehens, nachspielen.
Erlösend die ersten Worte nach der ersten „Aktuellen Kamera“. Hier stellt die Mutter erleichtert fest dass sich ja doch nicht soviel geändert hat.

Später wachsen die Wünsche der Mutter das Leben wieder fester in die Hand zu nehmen.
Das wird nun für Alex und seiner Schwester und der besten Freundin von Alex immer schwieriger zu improvisieren und eine heile DDR vorzutäuschen.
Oftmals erlebt man auch eine Hilflosigkeit der beteiligten Personen. Es scheint alles nur eine Frage der Zeit bis die Bombe platzen würde.

Wie erklärt man denn nun der Mutter dass plötzlich junge Leute aus Wuppertal in den tristen Plattenbau einziehen.
Auch gibt es auf einmal Coca Cola in der „sozialistischen Hauptstadt der DDR“.
Und wie erklärt man die Demontage des großen Denkmals vom Berliner Leninplatz der heute Platz der Vereinten Nationen heißt?
Fragen über Fragen.

Mit vielen Tricks und der nachempfunden „Aktuellen Kamera“ wird jetzt quasi die reale Geschichte umgewandelt.
Laut „Aktueller Kamera“ suchen jetzt Menschen aus der BRD Zuflucht in der DDR. Sogar DDR Botschaften werden von ehemaligen Bürgern der Bundesrepublik besetzt.
Die „Aktuelle Kamera“ zeigt auch die Auszahlung von 200 DDR Mark Begrüßungsgeld an die Neuankömmlinge aus der alten BRD.

Ihr seht schon der Konflikt wird immer größer und es droht ein Zusammenfallen des gesamten Kartenhauses der DDR- Illusionen.

Dem Witz von Alex und seiner Familie und Freunden, aber auch den Bewohnern aus seinem Haus ist es zu verdanken dass die Geschichte weitergesponnen werden kann….

Insgesamt macht es sehr viel Spaß diesen Film zu sehen und auch zu erleben.
Die vielen komischen Momente die einem sehr zum Nachdenken anregen machen für mich „Goodbye, Lenin !“ zum besten Film der letzten Jahre.
Hier wird die gewaltige historische Änderung des Weltensystems so leise und liebevoll erzählt dass man es gar nicht glauben kann dass wir als kleine Menschen an dieser Veränderung teilgenommen haben.

Wie der Film endet will ich hier natürlich nicht erzählen, aber auch hier gibt es eine kleine Abänderung der tatsächlichen Geschichte und auch der einzige DDR Kosmonaut spielt später eine gewichtige Rolle.

Ich kann den Film „Goodbye, Lenin“ mit 5 Sternen wirklich sehr empfehlen.
Kommentare sind natürlich sehr willkommen.

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