Matrix Reloaded (VHS) Testbericht

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ab 10,62
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Erfahrungsbericht von Schlangenzunge

Matrix 2 - 2 Filme in einem?

Pro:

-geile Action -geile Philosophie -vielschichtige Figuren

Kontra:

-schlechte Struktur/Story -flache Charaktere -etwas langatmig

Empfehlung:

Ja

Zu nächsteinmal: Der Film ist mehr als man erwartet hat. Mit meiner üblichen kritischen Haltung gegenüber Fortsetzungen gelungener Filme bin ich ins Kino, überrascht das unser kleines städtisches Kino zum bersten voll war. Genervt durch den ganzen Matrix-Hype der letzten Tage und dem für mich typischen Ich-bin-der-einzige-der-sich-mit-Filmen-auskennt-und-die-sind-alles-Hype-Mitläufer Gefühl hab ich mich also in die vierte Reihe (der Kinogott möge mir verzeihen) gesetzt und harre was wohl folgt. Die Werbung läuft, Trailer laufen, es geht los.
Nach gefühlten 5min Kamerafahrt durch grüne Datenströme überkommt mich das erstemal das Gefühl „Wann geht’s weiter?“, ein Gefühl, das man bei diesem Film sehr oft haben wird. Das erste Klischee von Fortsetzungen wird jedenfalls erfüllt: „Höher, weiter, schneller“. Das trifft sowohl auf die nicht enden wollenden Actionszenen zu, als auch auf die nicht enden wollenden Dialoge. Den gesamten Film über hat man das Gefühl das eine Struktur fehlt die alles zusammenhält. Von einer „Symbiose“ von ruhigen Szenen und Kawumm kann man nicht reden, irgendwie wirken sie wie aus 2 verschiedenen Filmen. Als Film betrachtet sicher eintönig, doch jede Szene für sich betrachtet ist ein Knaller. Über die Dialoge (wenn man sie sich denn nach 10x angucken merken kann) bieten einigen Gesprächsstoff, die Kung-Fu Fights und Verfolgungsjagden sind eine Freude fürs Auge. Weniger als in vielen Fortsetzungen merkt man hier kaum, das die Masse an Effekten sie gleichzeitig langweilig machen.
Der Sound des Films ist anständig, passt hervorragend, reicht jedoch nicht an die Klänge von „Matrix“ heran. Hier frage ich mich wiederholt: Wieso greifen Filmemacher bei Fortsetzungen so ungern auf die Tracks des Vorgängers zurück? Man kann kaum erwarten, dass eine neue Musik eine neue Revolution fürs Ohr auslösen (das kommt in „Matrix – Revolutions“, ganz bestimmt)
Die Charaktere bleiben erstaunlich flach. Abgesehen von der leidenschaftlichen Beziehung zwischen Neo und Trinity erfährt man außer einigen Fakten wenig neues über die Hauptpersonen. Neo macht wenn’s gar nicht mehr geht halt seine „Supermann-Nummer“ (Pluspunkt für die Selbstironie, Abzüge in der B-Note für die peinliche Armhaltung. Junge, du bist Keanu Reeves und nicht Christopher Reeve!), Trinity und Morpheus geben kein gutes Duo ab und Tanc...tja der fehlt. Hier wird wieder deutlich dass das Trio aus Teil 1 stammt, und ihre Umgebung aus Teil2. Auftritte der Twins, des Merowingers samt seiner Frau, des Architekts und des Schlüsselmachers wirken wie ein Gang durchs Kuriositätenkabinetts, nicht aber wie wichtige Teile der Story. Es tauchen übertrieben viele neue Charaktere auf welche keine wichtige Funktion ausüben, viele Szenen sind extrem unwichtig (ich denke da an die erklärungsgeilen Infos über unseren neuen Operator). Dickes Minus von mir für die Anzahl der Personen, ich denke die Qualität eines Films sinkt proportional zur Figurenzahl die mitspielt.
Über die Effekte lässt sich nicht reden, die sind 1A. Sie treten in solcher Zahl auf und passen so gut zum Konzept der Matrix das man sie gar nicht mehr im einzeln den wahrzunehmen scheint. Einzig Trinites Fenstersturz schien mir etwas schlecht animiert gewesen zu sein (Mündungsfeuer? Hässlich. Und wieso gibt es sonst nirgends im Film längere Bullettimesequenzen mit Kugelschweif wie in Teil1?).

Ein interessanter Film würde ich sagen. Er ist optisch und philosophisch größer als Teil1, kann diese beiden Punkte jedoch weitaus schlechter verbinden. Um eins klar zumachen: „The Matrix – Reloaded“ hat wenig mit „The Matrix“ gemein. War Teil 1 ein cleverer, stylischer Film der neues bot, ist Teil 2 eine Wundertüte die jedem Zuschauer etwas bietet, als Ganzes aber den Magen verderben kann.
Wer sich nur für eins davon erwärmen kann, sollte die Hälfte des Films tapfer ausharren und sich vielleicht doch ein wenig mehr mit dem nicht so übel aussehendem Wesen neben sich beschäftigen. Aufgeschlossene Matrixfans die mehr Input als Film haben wollen so wie ich, dürften recht zufrieden aus dem Film gehen und gespannt auf die DVD warten, wo man sich in Teilstücken seine Lieblingsszenen angucken kann. Oder den Film als ganzes, wenn man einen guten Magen hat.

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