Spiel mir das Lied vom Tod (DVD) Testbericht

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ab 8,81
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Auf yopi.de gelistet seit 03/2010
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  sehr viel
  • Anspruch:  sehr anspruchsvoll
  • Romantik:  hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von enir04

bester film:)

Pro:

gute Schauspieler, super klang und einfach klasse film

Kontra:

eigentlich nichts

Empfehlung:

Ja

DVD-Informationen
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Sprachen: Englisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 2.0 mono), Französisch (Dolby Digital 2.0 mono), Spanisch (Dolby Digital 2.0 mono), Kommentar (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Arabisch, Bulgarisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Holländisch, Isländisch, Kroatisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Serbisch, Slowenisch, Spanisch, Schwedisch, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch
Bildformat: 2,35:1 Widescreen (letterboxed)

Features:
Audiokommentar mit Beiträgen von John Carpenter, John Milius, Alex Cox, Filmhistoriker Sir
Christopher Frayling & Dr. Sheldon Hall, sowie Stab und Besetzung

Diverse Dokumentation

Feature: Die Eisenbahn - Revolution des Westens

Fotogalerie: Locations damals und heute

Fotogalerie: Produktion

Besetzungsprofile

Original Kinotrailer
Besonderheiten: Die deutschprachige Tonspur liegt leider nur im Mono-Format vor.


Crew-Informationen
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Regie: Sergio Leone
Drehbuch: Sergio Donati
Schauspieler: Charles Bronson, Henry Fonda, Claudia Cardinale, Jason Robards, Gabriele Ferzetti, Paolo Stoppa, Woody Strode, Jack Elam, Keenan Wynn, Frank Wolff, Lionel Stander, Enzo Santaniello



Allgemeines zur DVD:
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Seit geraumer Zeit ist endlich „Spiel mir das Lied vom Tod“ auf DVD erhältlich. Neben der Deluxe Edition mit Mundharmonika und Holzbox steht auch die Special Collector’s Edition einzeln zum Verkauf. Die edle, hervorragend aufgemachte Verpackung biedert sich dem geneigten Käufer dabei geradezu an. Nach Wegnahme des Pappschubers lässt sich die Hülle aufklappen, auf deren Innenseiten stilistisch sehr schön eingearbeitete Fotos von den Hauptdarstellern gedruckt sind. Integriert ist auch ein Halter für ein mehrseitiges, informatives und schön aufgemachtes Booklet. Das Menü gibt sich da schon etwas bescheidener, ist aber angemessen animiert und musikalisch unterlegt. Das gilt aber nur für die Hauptmenüseiten der beiden Discs. Ein Nachteil hat die edle Verpackung - größtenteils aus hochwertiger Pappe bestehend - aber doch: Wer nicht äußerst sorgfältig mit seiner neu erworbenen DVD umgeht, wird bald abgefranste Ecken haben.

Bild:
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Wie erstklassig eine sorgfältige Restauration überhaupt sein kann, beweist „Spiel mir das Lied vom Tod“. Die Schärfe des Bildes ist für sein Alter beachtlich und ein Hintergrundrauschen lässt sich auf den ersten Blick nicht ausmachen. Verschmutzungen trifft der Betrachter höchst selten und in sehr kleinem Ausmaß an, sodass diese kaum ins Gewicht fallen müssen. Das Bild gibt sich so plastisch, dass sogar Vertreter neuerer Filme auf DVD in ihre Schranken verwiesen werden. So sollte jeder für DVD zubereitete Klassiker sein.
Bild:

Ton:
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Die Beschaffenheit der verschiedenen Tonspuren lässt einem wieder an das Alter des Filmes denken. Die Englische Version bietet einen Upmix zu 5.1 Dolby Digital, wesentlich besser als die Mono-Spur ist sie aber nicht unbedingt. Diese ist in beiden Sprachen (Deutsch und Englisch) relativ klar, wobei die Englische Spur die bessere von beiden darstellt. Der Soundtrack kommt gut zur Geltung, drängt sich gelegentlich aber zu sehr in den Vordergrund. Umgebungsgeräusche wurden sehr gut integriert und der aufmerksame Zuhörer kann viele Details ausmachen. Wenn’s knallt, macht sich das Alter des Filmes zwar bemerkbar und tönt es ein wenig blechern, ansonsten geht die gebotene Qualität aber voll in Ordnung.
Ton:

Extras:
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Auf Disc 1 gibt es neben der Originaltonspur und mehrere Untertitelmöglichkeiten auch einen Audiokommentar der Filmhistoriker Christopher Frayling und Sheldon Hall sowie der Regisseure John Milius, John Carpenter, Alex Cox und Bernardo Bertolucci. Diese melden sich auch in den 3 Dokumentationen auf Disc 2 zu Wort. Der Kommentar klingt nur mäßig spannend, bietet zwar einiges an Hintergrundinformationen, gestaltet sich insgesamt aber als zu trocken. Die Dokumentationen können sich jedoch sehen lassen. Die Drei gehören zusammen und bilden ein großes Making-Of. Unterteilt sind sie in „Eine Oper der Gewalt“, ca. 29 Minuten, „Der Preis der Sünde“, ca. 19 Minuten und „Dem Tode nahe“, ca. 18 Minuten. Die dort geführten Interviews halten sich, was die Lobhudelei betrifft, im für den Film angebrachten Rahmen. Sogar Sergio Leone ist in einer kurzen Aufnahme zu sehen und zu hören. Diese drei Dokumentationen sind ziemlich informativ, gehen aber zu schnell vorbei. Hinzu kommen ein nicht sehr aufschlussreiches, 6-minütiges Featurette über „Die Eisenbahn: Revolution des Westens“, zwei Foto-Slideshows, ein Trailer und 5 Biographien. Insgesamt wird nicht außerordentlich viel geboten, aber dank der netten Aufmachung und einer zwar nicht überaus langen, aber vorbildlich gestalteten Dokumentationsreihe reicht es gerade noch für 4 Punkte.
Extras:

Fazit zur DVD:
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Wer auf die schicke Holzbox und Mundharmonika verzichten kann, oder die Deluxe Edition verpasst hat, kann getrost auf die Special Collector’s Edition zurückgreifen. Noch immer gehört sie zu den besten Neuauflagen von Klassikern auf DVD und macht sich in jeder anspruchsvollen Sammlung gut. Mittlerweile hat sich der einstmals stolze Preis von ca. 24,00 € auch auf ein für den Filmfan akzeptables Preismaß gesenkt.



Filmkritik:
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Eine gespenstische Szene in der blendenden Glut des Sommers. Die mühsam zusammen geschusterte Bahnstation mit einem einsamen alten Bahnwärter, der nicht weiß, was mit ihm geschieht, als ihn drei Männer einsperren. Nur eine winzige Öffnung in der Tür ermöglicht dem alten Mann einen ängstlichen Blick nach draußen. Ein Telegramm tickert in die Stille hinein. Ein leichter Wind ist zu hören. Eine Fliege hat sich auf dem bärtigen, verschwitzten Gesicht von Snaky (Jack Elam) breit gemacht. Snaky versucht, sie weg zu pusten. Er tötet sie nicht, er spielt mit ihr wie die Katze mit der Maus, bevor sie ihr den tödlichen Biss versetzt. Der Wind lässt eine Tür klappern. Snaky vertreibt die Fliege, die sich an die Wand flüchtet. Er fängt sie mit dem Lauf seines Revolvers, hält die Hand an die Mündung. Die Fliege im Inneren des Laufs scheint zu jammern.



"Spiel mir das Lied vom Tod"
Als der erwartete Zug einfährt, ist das Spiel zu Ende. Die drei Männer postieren sich auf dem mit Brettern notdürftig erstellten Bahnstationsplatz. Niemand scheint ausgestiegen zu sein. Erst als der Zug weiterfährt, steht auf der anderen Seite der Schienen ein Mann – Harmonica (Charles Bronson). Der Mann fragt nach einem Frank und nach einem Pferd für ihn. Man habe nur drei Pferde, bekommt er zur Antwort. „Ihr habt zwei zu viel“, antwortet Harmonica und erschießt die drei Männer so schnell und präzise, dass es schwer fällt, dem Geschehen zu folgen.



Claudia Cardinale
Mit Worten ist diese Szene, begleitet von dem berühmt gewordenen Mundharmonikaspiel, kaum zu beschreiben. Welten treffen hier aufeinander, deren wahrer Charakter sich erst im Laufe des Films herauskristallisieren. Die Welt der Eisenbahn, die Welt des Westens (und des klassischen Westerns und seiner Dekonstruktion), die Welt der rohen Gewalt und die der Macht des Geldes, des großen Hobels der beginnenden „Moderne“, die Welt des „eher anständigen“ und des „eher unanständigen“ Amerikas.



Henry Fonda
Henry Fonda zum Beispiel, der Schauspieler, der in fast allen Rollen zuvor den aufrechten, ehrlichen, mutigen männlichen Amerikaner verkörperte, den wahrhaftigen Mann, der zur Not allein gegen alle kämpfte (exemplarisch z.B. in Sidney Lumets „Die zwölf Geschworenen“, 1957) – hier ist er der skrupellose Mörder Frank, der den ehrlichen Farmer Brett McBain (Frank Wolff) (der sich durch den Kauf eines Stück Landes Gewinn versprochen hatte, weil die Eisenbahn daran vorbeifahren würde) und seine drei Kinder erschießt, weil sich McBain weigerte, das Land an die Eisenbahngesellschaft zu verkaufen, die von dem krebskranken Morton (Gabriele Ferzetti) geleitet wird. Morton kritisiert Frank, weil der McBain nur einschüchtern sollte, weich machen für ein geldliches Angebot Mortons.



Charles Bronson
Die Figuren werden aufgestellt: Morton, todkrank, verfolgt einen Traum. Er will noch erleben, wie die Eisenbahn den Pazifik erreicht; seine Waffe ist das Geld. Frank hat auch einen Traum: Geld und Einfluss zu erlangen; seine Waffe ist der Colt. McBain hatte einen Traum: nach dem Tod seiner Frau ein Stück Land, um das herum er eine Stadt aufbauen wollte, und eine neue Frau, Jill (Claudia Cardinale), die er einen Monat zuvor in New Orleans geheiratet hatte. Jill hatte einen Traum: Sie war Prostituierte und sah in McBain die Chance, diesem Leben zu entspringen – ein gut bürgerliches zu führen. Jill kommt am Bahnhof des Nestes Flagstone an, Sam (Paolo Stoppa) bringt sie zur Farm – zu den Leichen ihrer Familie. Familie – das gab es bei Sergio Leone (1929-1989) nicht. Sie wird destruiert oder sie kommt gar nicht erste zustande. Familie – das steht nicht nur für die Mann-Frau-Kind-Familie, es steht hier für jede Form von Gemeinschaft, Vertrauen, Zuneigung. All das wird gnadenlos zerstört.



Claudia Cardinale
Frank, der das Anwesen McBains in die Finger bekommen will, beabsichtigt nicht etwa, Jill zu heiraten, nein, er hat zu diesem späteren Zeitpunkt schon eine Ahnung davon, wie es in der neuen Zeit zugehen wird. Nur Geld kann ihm mehr Geld verschaffen.



"Spiel mir das Lied vom Tod"
Die Träume der Personen – seien sie nun guten Willens oder böser Absicht – zerrinnen in der Hitze des Sommers wie der letzte Wassertropfen auf dem heißen Stein. Nur einer scheint den Überblick bewahrt zu haben: Harmonica, der eine merkwürdige Allianz eingeht mit dem Banditen Cheyenne (Jason Robards), den man zunächst verdächtigt, McBain und seine Kinder ermordet zu haben. Harmonica – das könnte fast Leone selbst sein, ein Beobachter des Geschehen und doch zugleich zutiefst in es involviert.

Währenddessen bricht die neue Zeit, der amerikanische Kapitalismus, wie wir ihn kennen oder zu kennen glauben, unerbittlich herein. Ein Schienenstrang nach dem anderen bricht sich den Weg in die neue Zeit. Die Eisenbahn ist nur die erste Objektivation, das erste Symbol dieser neuen Zeit. Ihre Gewalttätigkeit wird noch als Freiheit empfunden, es wird noch nicht gesehen, welche Opfer und Verbrechen, welche tragischen Schicksale mit dieser neuen Zeit verknüpft sein werden. Harmonica ist der einzige, der etwas davon zu ahnen scheint. Und doch ist sein Schicksal mit dem der alten Zeit gnadenlos verknüpft. Für seinen Konflikt mit Frank scheint es nur eine Lösung zu geben: den Tod Franks. Die persönliche Rache verbietet es, dass Frank von anderen gemeuchelt wird. Harmonica schützt ihn sogar vor Mord durch andere. Harmonica und Cheyenne helfen der jungen Witwe, aber vor allem, weil sie eigene Motive haben: Rache (Harmonica) und Geld für den verbrechensfreien Rest des Lebens (Cheyenne).

Und Jill? Als sie bei ihrer Ankunft auf der Farm die vier aufgebahrten Leichen sieht, da schwinden alle ihre Träume. In ihrem Gesicht zeichnen sich Verzweiflung, Unverständnis, aber auch Rachegefühle ab. Später lässt sie sich zum Schein auf Frank ein; das hat sie gelernt, sich auf Männer scheinbar einzulassen.

Der Tod ist der ständige Begleiter der Handelnden. Und die Gesichter, in denen sich der Tod ankündigt. Ganz nah heran fährt die Kamera an Franks, Harmonicas, Jills, Cheyennes Gesichter. Schon in der Anfangssequenz, dieser wohl längsten, „sprachlosen“ Einleitung eines Films, fährt die Kamera direkt in die durch Bartwuchs und tief ins Gesicht gezogene Hüte verborgenen Gesichter, um etwas zu erfahren, zu ergründen. Fast all diesen Gesichtern steht der Tod „ins Gesicht“ – nichts weiter. Diese langen Fahrten in die Gesichter und in die wechselseitigen Blicke der Protagonisten, die nichts Gutes verkünden, korrelieren mit den endlos ausgedehnten Duellen. Leone weidet diese Duelle (Harmonica gegen die drei Banditen, Harmonica versus Frank) visuell aus; niemand kann ihnen entkommen – im Gegensatz zu vielen anderen Western.

Er reduziert diese Duelle, die im Genre als heroische und glanzvolle Höhepunkte gelten, auf ihren Mythos, ihre Unwahrscheinlichkeit, ihre Ideologie, ihren falschen Schein, und wechselt hart zwischen diesen und der knallharten Realität des Geschehens. Das ermöglicht ihm, die Gewalt in den Duellen als mageres „Anhängsel“ einer Gewalt zu visualisieren, die in der (ökonomischen) Veränderung der Zeit ihren Grund findet. Dieser Kontrast wäre allerdings kaum darstellbar gewesen ohne die in dieser Hinsicht enorm wichtige Musik Ennio Morricones, die dem das Detail liebenden Regisseur mehr als nur entgegenkam, sowie die ironischen, teils auch sarkastischen „Schlenker“, die in einige Szenen (z.B. in der Eingangssequenz) Eingang gefunden haben.

Leone, der eigentlich nach „Zwei glorreiche Halunken“ keine Western mehr inszenieren wollte, destruierte das Genre, aber vor allem zerstörte er den Mythos vom amerikanischen Traum – vielleicht ein Grund neben dem „unamerikanischen“, elegischen Stil seiner Inszenierung, warum der Film in Amerika zu einem Misserfolg wurde.

Die hervorragende Besetzung und die ebenso exzellente Fotografie Tonino delli Collis machen „C’era una volta il West“ zu einem besonderen Klassiker.

6 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Miss_Piper

    25.01.2006, 21:39 Uhr von Miss_Piper
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Klassiker ... aber nix für Ungeduldige. =)

  • Lidlefood

    25.01.2006, 20:05 Uhr von Lidlefood
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner Bericht