Spiel mir das Lied vom Tod (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 03/2010
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Summe aller Bewertungen
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Stingl
Der falsche Titel
Pro:
Bestmögliche Ausgabe eines bestmöglichen Films. Endlich!
Kontra:
High-Speed-Action-Overload-Fans werden beides nicht würdigen können...
Empfehlung:
Ja
Wie nähert man sich einer Legende? Ich werde gar nicht erst versuchen, alle wunderbaren Aspekte des Films zu beleuchten und seitenweise in Lobgesängen unterzutauchen. Eine wunderbare DVD-Edition ist heraus gekommen, und die werde ich bewerten. So einfach. Aber natürlich führt kein Weg an den Eckdaten vorbei…
Erstmal vorweg: der Titel stimmt nicht! Der italienische Originaltitel lautet „C’era una volta il west“, der englische Titel ist „Once Upon A Time In The West“ – nicht „Play Me The Song Of Death“ (lustige Vorstellung…).
„Es war einmal im Westen“ also. Der Beginn der Amerika-Trilogie von Sergio Leone, die 1972 mit „Todesmelodie“ (wieder so ein falscher Titel…) fortgeführt und 1984 mit „Es war einmal in Amerika“ (Titelsetzer sind lernfähig…) beendet wurde.
Und der König des Western, gemeinhin.
Gedreht in Spanien und Amerika im Jahr 1968, finanziert von den Paramount Studios. In den Hauptrollen Claudia Cardinale, Henry Fonda, Jason Robards und Charles Bronson. Musik : Ennio Morricone. Regie: Sergio Leone.
Die Geschichte vor dem Film:
„Für eine Handvoll Dollar“ (der Titel ist richtig übersetzt!) hieß 1964 der Film eines unbekannten italienischen Regisseurs, der einen abgehalfterten US-Serien-Star nach Spanien gelockt hatte, um seinem Western einen internationalen Anstrich zu geben.
Der Erfolg der Karl-May-Filme, die in europäischer Gemeinschaftsarbeit entstanden waren und das Genre des Euro-Western aus der Taufe hoben, hatte diesen Regisseur zu seinem Film inspiriert.
Billig produziert und mit der schrägen Musik eines gelernten Trompeters unterlegt, versetzte er die Geschichte von Akira Kurosawas „Yojimbo“ in ein Grenzgebiet von Mexiko, um sich die Statisten einer amerikanischen Kleinstadt sparen und die mediterranen Einwohner Spaniens als Mexikaner besetzen zu können. Die Deutsche Marianne Koch und der US-Amerikaner Clint Eastwood, der in den Fünfzigern mit der Western-Serie „Rawhide“ („Tausend Meilen Staub“ oder auch „Cowboys“, die üblichen falschen Titel halt…) große Erfolge gefeiert hatte, internationalisierten die Besetzung aus Spaniern und Italienern.
Den bisher gültigen Gesetzen des Western-Genres widersprach in diesem Werk regelrecht jedes Detail. Der Gute war zynisch und von den Bösewichtern kaum zu unterscheiden. Es ging nicht um Ehre und Moral, sondern einzig ums Geld. Große Detailaufnahmen von hässlichen Fratzen wurden mit Eselsschreien und E-Gitarren-Sounds untermalt. Menschen wurden erschossen, weil sie im falschen Augenblick an der falschen Stelle standen. Und im klassischen Showdown benutzte der unrasierte, dreckige „Held“ sogar einen Trick, um zu obsiegen.
Mit diesem Film gelang es Sergio Leone, die Filmgeschichte nachhaltig zu verändern. Er drehte 1965 die Fortsetzung „Für ein paar Dollar mehr“ (wieder richtig übersetzt!) und schließlich 1966 den Höhepunkt seiner Zusammenarbeit mit Eastwood: „Zwei glorreiche Halunken“ („The good, the bad and the ugly“ heißt auf deutsch ja sicherlich „Zwei glorreiche Halunken“, genau…).
Unzählige italienische Regisseure versuchten sich in der Folge an eigenen Varianten, brachten es aber nie auf Leones Niveau. Selbst die Musik von Ennio Morricone wurde lediglich dutzendfach kopiert, womit er sich rühmen kann, zu einem ganzen Filmgenre die Musik beigesteuert zu haben.
Diese zunächst als „Spaghetti-Western“ belächelten ersten Italo-Western erreichten nach einiger Vorlaufzeit (in Amerika war man ganz und gar nicht begeistert von den blutigen Regelbrüchen der Italiener im amerikanischsten aller Filmgenres) ein großes Publikum und lockten durch den nach und nach positiver werdenden Kritikerzuspruch amerikanische Stars nach Europa. Leone bekam ein großes Budget von einem amerikanischen Hollywood-Major-Studio und konnte sich seine Schauspieler quasi aussuchen:
- Henry Fonda, der strahlende Western-Held und Saubermann des US-Films (wie heutzutage z.B. Harrison Ford, um einen Vergleich zu wagen) wurde genau deswegen als Killer besetzt. Der Aufschrei des Publikums und der Kritiker war vorprogrammiert.
- Charles Bronson, der Leones erste Wahl bei den Dollar-Filmen gewesen sein soll, erhielt die Rolle seines Lebens – und blieb auch in seinen Filmen danach der ewige wortkarge Rächer.
- Jason Robards, eigentlich eher Theaterschauspieler, bekam den Part des sympathischen Gauners Cheyenne.
- Claudia Cardinale schließlich wurde die erste weibliche Hauptrolle in einem echten Western und schrieb allein damit schon Filmgeschichte.
Dass alle Darsteller über jeden Zweifel erhaben und die Bestbesetzungen für ihre Parts sind, sei jetzt einfach mal in den Raum gestellt. So falsch kann ich damit nicht liegen.
Weitere Informationen und Details zu den Dreharbeiten und der Produktion spare ich mir jetzt, denn auf der vorliegenden Doppel-DVD sind dazu wunderbare Extras zu finden. Dazu später mehr.
Die Geschichte im Film selbst:
Der Killer Frank tötet im Auftrag des Unternehmers Morton die Familie McBain, um den Ausbau einer Eisenbahnlinie Richtung Westen zu sichern. McBain hatte vor, eine Stadt zu gründen und hat deswegen ein großes Stück Land mitten in der Wüste gekauft. „Sweetwater“ sollte durch den Bahnausbau zu einer wohlhabenden Stadt werden und McBain dadurch reich und mächtig…
…gleichzeitig erreicht McBains Frau Jill, die beiden hatten heimlich geheiratet, den Bahnhof und erbt nun als einzige Überlebende dieses Land. Langsam kommt sie hinter McBains Geheimnis und wird für Morton und Frank zu einem ernsten Problem, denn...
…ein Fremder mit einer Mundharmonika erreicht ebenfalls die entstehende Stadt. Er ist auf der Suche nach Frank, mit dem er eine alte Rechnung zu begleichen hat. Mithilfe des Banditen Cheyenne durchkreuzt er die Pläne von Morton und Frank, Jill das Land wieder abzunehmen…
Die Geschichte von mir und dem Film:
Vor Jahren habe ich einmal versucht, diesen Film mit zwei Freunden in Ruhe zu sehen. Nach den ersten 20 Minuten habe ich entnervt aufgegeben. Es ist schlichtweg unmöglich, zu erklären, warum eine zehnminütige Einleitung mit drei schrägen Vögeln, die sich auf einem Bahnhof die Wartezeit vertreiben, während im Hintergrund die ganze Zeit ein Windrad quietscht, um dann von einem komischen Kauz mit Mundharmonika einfach erschossen zu werden, so genial ist. Den Rhythmus, die diese Sequenz hat, die Details, die Ironie und die schlichte Spannung, das alles ist auf dem heimischen Fernseher einfach zu fragil gewesen. Ein Klingeln, ein falscher Kommentar - und alles ist hinüber. Ich habe den Film dann alleine geschaut und die beiden nach Hause geschickt.
Erstmals infiziert hat mich „Spiel mir das Lied vom Tod“ so mit fünf oder sechs Jahren. Mein Vater hatte ihn auf Betamax (Gottseidank auch „Für ein paar Dollar mehr“ und „Zwei glorreiche Halunken“…) und so habe ich ihn mir heimlich immer mal wieder angesehen. Die Szene mit dem Kind und dem silbernen Revolver und Franks blauen Augen habe ich wahrscheinlich heute noch nicht verkraftet, aber egal…
Im Zusammenspiel mit den anderen beiden Filmen hat sich da eine interessante neue Welt aufgetan.
Allerdings habe ich auch einen deutlichen Unterschied im Ton der Filme bemerkt: die Dollar-Filme waren cool, zynisch, böse und voll von sarkastischem Humor. Es hat erstmals Spaß gemacht, wenn jemand erschossen wurde. Das ist auch das, wofür man Leone kritisieren kann. Er hat Gewalt als Stilmittel im Film erst möglich gemacht. Unzählige Filmemacher haben seine Stilisierung aufgegriffen und weiterentwickelt. Die meisten anderen Italo-Western bspw. sind einfach nur debil-brutal bis zur Schmerzgrenze, menschenverachtend und gar nicht so hintergründig.
Anders dagegen bei der Amerika-Trilogie. In allen drei Filmen tut die Gewalt wirklich weh, die Filme spielen mit Romantik und den alten Werten des edlen Westen. Leone hat hier nicht die Regeln gebrochen, sondern alle auf einmal benutzt und überspitzt. Deshalb ist „Spiel mir das Lied vom Tod“ auch kein echter Italo-Western mehr, sondern der erste US-Italo-Western. Seine Liebe zum klassischen Western kommt hier vollends zum Vorschein (übrigens auch die von Bernardo Bertolucci und Dario Argento, die auch mal erwähnt werden sollten – als Co-Autoren). Es ist sein Abgesang auf das ganze Genre. Romantisiert und stilisiert. Rosarot, wenn man so will.
Allerdings muss ich auch ehrlicherweise sagen, dass mein Lieblings-Leone doch „Zwei glorreiche Halunken“ ist, nicht „Spiel mir das Lied vom Tod“…
Die Geschichte der DVD zum Film:
Die vorliegende Ausgabe des Films auf DVD ist wirklich wunderschön verpackt. Pappschuber, aufklappbares Doppel-DVD-Set, mit deutschen Filmzitaten und gemalten Filmszenen verziert und in hellen, erdigen Tönen gehalten. Ein informatives Booklet liegt ebenfalls bei.
Die erste DVD beinhaltet den Film in der digital überarbeiteten 16:9 – Widescreen – Fassung und hat das beste Bild, das man sich bei diesem Film nur vorstellen kann. Auch der Ton ist in Dolby Digital, endlich pur und ohne Rauschen, Störungen etc. sowohl in deutsch (Dolby 1.0...) als auch in englisch (Dolby Digital 5.1). Allerdings ist die Original-Tonspur soundtechnisch vorzuziehen. Ferner gibt es noch die Audiokommentare, die zumindest in den Untertiteln sehr viel Aufschluß bieten. Ich persönlich mag es nicht, wenn jemand in den Film hineinredet, deshalb rate ich zu den Untertiteln.
Die zweite DVD bietet mehrere Dokus, von denen drei eigentlich zusammengehören und hintereinander angesehen werden sollten. Die noch lebenden Darsteller, in alten Aufnahmen sogar Fonda und Leone sowie andere Regisseure und Leone-Fans erzählen ihre Geschichten zum Film. Interessante Details kommen dabei auch immer mal wieder zum Vorschein. Sehr informativ und unterhaltsam. Ein bisschen melancholisch dürfte man bei Sichtung der „Locations damals und heute“ werden. In schönen Aufnahmen werden Filmszenen und Original-Schauplätze überblendet und zeigen, dass auch an Filmsets der Zahn der Zeit nagt. Den Trailer gibt es natürlich auch sowie einige Texttafeln zur Produktion und den Darstellern. Sehr ausgewogen und ein schönes Beiwerk zum Hauptfilm, hinterher weiß man eigentlich alles Wissenswerte zu diesem Klassiker.
Die Geschichte vom nutzlosen Fazit:
Jeder hat schon einmal davon gehört, jeder kennt die Melodie, überall taucht der Film ganz oben in den Top Ten auf. Warum?
Weil er schlichtweg Filmgeschichte geschrieben hat und man sich deshalb die Zeit nehmen sollte, ihn sich noch einmal in Ruhe in der besten Qualität anzusehen.
Die DVD-Box gehört in jede Sammlung. Punkt.
P.S.: Den Bericht gibt es auch auf einer anderen Plattform unter demselben Nickname. Das bin ich auch. Nur zur Sicherheit.
Erstmal vorweg: der Titel stimmt nicht! Der italienische Originaltitel lautet „C’era una volta il west“, der englische Titel ist „Once Upon A Time In The West“ – nicht „Play Me The Song Of Death“ (lustige Vorstellung…).
„Es war einmal im Westen“ also. Der Beginn der Amerika-Trilogie von Sergio Leone, die 1972 mit „Todesmelodie“ (wieder so ein falscher Titel…) fortgeführt und 1984 mit „Es war einmal in Amerika“ (Titelsetzer sind lernfähig…) beendet wurde.
Und der König des Western, gemeinhin.
Gedreht in Spanien und Amerika im Jahr 1968, finanziert von den Paramount Studios. In den Hauptrollen Claudia Cardinale, Henry Fonda, Jason Robards und Charles Bronson. Musik : Ennio Morricone. Regie: Sergio Leone.
Die Geschichte vor dem Film:
„Für eine Handvoll Dollar“ (der Titel ist richtig übersetzt!) hieß 1964 der Film eines unbekannten italienischen Regisseurs, der einen abgehalfterten US-Serien-Star nach Spanien gelockt hatte, um seinem Western einen internationalen Anstrich zu geben.
Der Erfolg der Karl-May-Filme, die in europäischer Gemeinschaftsarbeit entstanden waren und das Genre des Euro-Western aus der Taufe hoben, hatte diesen Regisseur zu seinem Film inspiriert.
Billig produziert und mit der schrägen Musik eines gelernten Trompeters unterlegt, versetzte er die Geschichte von Akira Kurosawas „Yojimbo“ in ein Grenzgebiet von Mexiko, um sich die Statisten einer amerikanischen Kleinstadt sparen und die mediterranen Einwohner Spaniens als Mexikaner besetzen zu können. Die Deutsche Marianne Koch und der US-Amerikaner Clint Eastwood, der in den Fünfzigern mit der Western-Serie „Rawhide“ („Tausend Meilen Staub“ oder auch „Cowboys“, die üblichen falschen Titel halt…) große Erfolge gefeiert hatte, internationalisierten die Besetzung aus Spaniern und Italienern.
Den bisher gültigen Gesetzen des Western-Genres widersprach in diesem Werk regelrecht jedes Detail. Der Gute war zynisch und von den Bösewichtern kaum zu unterscheiden. Es ging nicht um Ehre und Moral, sondern einzig ums Geld. Große Detailaufnahmen von hässlichen Fratzen wurden mit Eselsschreien und E-Gitarren-Sounds untermalt. Menschen wurden erschossen, weil sie im falschen Augenblick an der falschen Stelle standen. Und im klassischen Showdown benutzte der unrasierte, dreckige „Held“ sogar einen Trick, um zu obsiegen.
Mit diesem Film gelang es Sergio Leone, die Filmgeschichte nachhaltig zu verändern. Er drehte 1965 die Fortsetzung „Für ein paar Dollar mehr“ (wieder richtig übersetzt!) und schließlich 1966 den Höhepunkt seiner Zusammenarbeit mit Eastwood: „Zwei glorreiche Halunken“ („The good, the bad and the ugly“ heißt auf deutsch ja sicherlich „Zwei glorreiche Halunken“, genau…).
Unzählige italienische Regisseure versuchten sich in der Folge an eigenen Varianten, brachten es aber nie auf Leones Niveau. Selbst die Musik von Ennio Morricone wurde lediglich dutzendfach kopiert, womit er sich rühmen kann, zu einem ganzen Filmgenre die Musik beigesteuert zu haben.
Diese zunächst als „Spaghetti-Western“ belächelten ersten Italo-Western erreichten nach einiger Vorlaufzeit (in Amerika war man ganz und gar nicht begeistert von den blutigen Regelbrüchen der Italiener im amerikanischsten aller Filmgenres) ein großes Publikum und lockten durch den nach und nach positiver werdenden Kritikerzuspruch amerikanische Stars nach Europa. Leone bekam ein großes Budget von einem amerikanischen Hollywood-Major-Studio und konnte sich seine Schauspieler quasi aussuchen:
- Henry Fonda, der strahlende Western-Held und Saubermann des US-Films (wie heutzutage z.B. Harrison Ford, um einen Vergleich zu wagen) wurde genau deswegen als Killer besetzt. Der Aufschrei des Publikums und der Kritiker war vorprogrammiert.
- Charles Bronson, der Leones erste Wahl bei den Dollar-Filmen gewesen sein soll, erhielt die Rolle seines Lebens – und blieb auch in seinen Filmen danach der ewige wortkarge Rächer.
- Jason Robards, eigentlich eher Theaterschauspieler, bekam den Part des sympathischen Gauners Cheyenne.
- Claudia Cardinale schließlich wurde die erste weibliche Hauptrolle in einem echten Western und schrieb allein damit schon Filmgeschichte.
Dass alle Darsteller über jeden Zweifel erhaben und die Bestbesetzungen für ihre Parts sind, sei jetzt einfach mal in den Raum gestellt. So falsch kann ich damit nicht liegen.
Weitere Informationen und Details zu den Dreharbeiten und der Produktion spare ich mir jetzt, denn auf der vorliegenden Doppel-DVD sind dazu wunderbare Extras zu finden. Dazu später mehr.
Die Geschichte im Film selbst:
Der Killer Frank tötet im Auftrag des Unternehmers Morton die Familie McBain, um den Ausbau einer Eisenbahnlinie Richtung Westen zu sichern. McBain hatte vor, eine Stadt zu gründen und hat deswegen ein großes Stück Land mitten in der Wüste gekauft. „Sweetwater“ sollte durch den Bahnausbau zu einer wohlhabenden Stadt werden und McBain dadurch reich und mächtig…
…gleichzeitig erreicht McBains Frau Jill, die beiden hatten heimlich geheiratet, den Bahnhof und erbt nun als einzige Überlebende dieses Land. Langsam kommt sie hinter McBains Geheimnis und wird für Morton und Frank zu einem ernsten Problem, denn...
…ein Fremder mit einer Mundharmonika erreicht ebenfalls die entstehende Stadt. Er ist auf der Suche nach Frank, mit dem er eine alte Rechnung zu begleichen hat. Mithilfe des Banditen Cheyenne durchkreuzt er die Pläne von Morton und Frank, Jill das Land wieder abzunehmen…
Die Geschichte von mir und dem Film:
Vor Jahren habe ich einmal versucht, diesen Film mit zwei Freunden in Ruhe zu sehen. Nach den ersten 20 Minuten habe ich entnervt aufgegeben. Es ist schlichtweg unmöglich, zu erklären, warum eine zehnminütige Einleitung mit drei schrägen Vögeln, die sich auf einem Bahnhof die Wartezeit vertreiben, während im Hintergrund die ganze Zeit ein Windrad quietscht, um dann von einem komischen Kauz mit Mundharmonika einfach erschossen zu werden, so genial ist. Den Rhythmus, die diese Sequenz hat, die Details, die Ironie und die schlichte Spannung, das alles ist auf dem heimischen Fernseher einfach zu fragil gewesen. Ein Klingeln, ein falscher Kommentar - und alles ist hinüber. Ich habe den Film dann alleine geschaut und die beiden nach Hause geschickt.
Erstmals infiziert hat mich „Spiel mir das Lied vom Tod“ so mit fünf oder sechs Jahren. Mein Vater hatte ihn auf Betamax (Gottseidank auch „Für ein paar Dollar mehr“ und „Zwei glorreiche Halunken“…) und so habe ich ihn mir heimlich immer mal wieder angesehen. Die Szene mit dem Kind und dem silbernen Revolver und Franks blauen Augen habe ich wahrscheinlich heute noch nicht verkraftet, aber egal…
Im Zusammenspiel mit den anderen beiden Filmen hat sich da eine interessante neue Welt aufgetan.
Allerdings habe ich auch einen deutlichen Unterschied im Ton der Filme bemerkt: die Dollar-Filme waren cool, zynisch, böse und voll von sarkastischem Humor. Es hat erstmals Spaß gemacht, wenn jemand erschossen wurde. Das ist auch das, wofür man Leone kritisieren kann. Er hat Gewalt als Stilmittel im Film erst möglich gemacht. Unzählige Filmemacher haben seine Stilisierung aufgegriffen und weiterentwickelt. Die meisten anderen Italo-Western bspw. sind einfach nur debil-brutal bis zur Schmerzgrenze, menschenverachtend und gar nicht so hintergründig.
Anders dagegen bei der Amerika-Trilogie. In allen drei Filmen tut die Gewalt wirklich weh, die Filme spielen mit Romantik und den alten Werten des edlen Westen. Leone hat hier nicht die Regeln gebrochen, sondern alle auf einmal benutzt und überspitzt. Deshalb ist „Spiel mir das Lied vom Tod“ auch kein echter Italo-Western mehr, sondern der erste US-Italo-Western. Seine Liebe zum klassischen Western kommt hier vollends zum Vorschein (übrigens auch die von Bernardo Bertolucci und Dario Argento, die auch mal erwähnt werden sollten – als Co-Autoren). Es ist sein Abgesang auf das ganze Genre. Romantisiert und stilisiert. Rosarot, wenn man so will.
Allerdings muss ich auch ehrlicherweise sagen, dass mein Lieblings-Leone doch „Zwei glorreiche Halunken“ ist, nicht „Spiel mir das Lied vom Tod“…
Die Geschichte der DVD zum Film:
Die vorliegende Ausgabe des Films auf DVD ist wirklich wunderschön verpackt. Pappschuber, aufklappbares Doppel-DVD-Set, mit deutschen Filmzitaten und gemalten Filmszenen verziert und in hellen, erdigen Tönen gehalten. Ein informatives Booklet liegt ebenfalls bei.
Die erste DVD beinhaltet den Film in der digital überarbeiteten 16:9 – Widescreen – Fassung und hat das beste Bild, das man sich bei diesem Film nur vorstellen kann. Auch der Ton ist in Dolby Digital, endlich pur und ohne Rauschen, Störungen etc. sowohl in deutsch (Dolby 1.0...) als auch in englisch (Dolby Digital 5.1). Allerdings ist die Original-Tonspur soundtechnisch vorzuziehen. Ferner gibt es noch die Audiokommentare, die zumindest in den Untertiteln sehr viel Aufschluß bieten. Ich persönlich mag es nicht, wenn jemand in den Film hineinredet, deshalb rate ich zu den Untertiteln.
Die zweite DVD bietet mehrere Dokus, von denen drei eigentlich zusammengehören und hintereinander angesehen werden sollten. Die noch lebenden Darsteller, in alten Aufnahmen sogar Fonda und Leone sowie andere Regisseure und Leone-Fans erzählen ihre Geschichten zum Film. Interessante Details kommen dabei auch immer mal wieder zum Vorschein. Sehr informativ und unterhaltsam. Ein bisschen melancholisch dürfte man bei Sichtung der „Locations damals und heute“ werden. In schönen Aufnahmen werden Filmszenen und Original-Schauplätze überblendet und zeigen, dass auch an Filmsets der Zahn der Zeit nagt. Den Trailer gibt es natürlich auch sowie einige Texttafeln zur Produktion und den Darstellern. Sehr ausgewogen und ein schönes Beiwerk zum Hauptfilm, hinterher weiß man eigentlich alles Wissenswerte zu diesem Klassiker.
Die Geschichte vom nutzlosen Fazit:
Jeder hat schon einmal davon gehört, jeder kennt die Melodie, überall taucht der Film ganz oben in den Top Ten auf. Warum?
Weil er schlichtweg Filmgeschichte geschrieben hat und man sich deshalb die Zeit nehmen sollte, ihn sich noch einmal in Ruhe in der besten Qualität anzusehen.
Die DVD-Box gehört in jede Sammlung. Punkt.
P.S.: Den Bericht gibt es auch auf einer anderen Plattform unter demselben Nickname. Das bin ich auch. Nur zur Sicherheit.
7 Bewertungen, 1 Kommentar
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09.06.2004, 14:58 Uhr von mima007
Bewertung: sehr hilfreichHintergrund kenntnisreich, aktueller Vordergrund kurz und knapp. Insgesamt okay. Hab dich in meine Infomailliste aufgenommen. VG, mima
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