Notting Hill (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Raileigh

Zwei Stars ohne Geschichte

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Dreht man mit zwei berühmte Schauspielern in einen charmanten, lebendigen Londoner Szene-Stadtteil einen Film, freut sich der Fremdenverkehrsverband. So ähnlich muss das Grundkonzept von "Notting Hill" gelautet haben. Dazu brauchte man dann auch nicht viel ins Drehbuch schreiben. Es reicht, wenn man die Stars agieren läßt. Doch leider funktioniert das so nicht.

Zur Story.
William Thacker (Hugh Grant) ist ein freundlicher Buchhändler im Londoner Stadtteil Notting Hill. Er ist geschieden und lebt im Kreise seiner Freunde ein bescheidenes fröhliches Leben.

Eines Tages läuft ihm die berühmte Hollywoodschauspielerin Anna Scott (Julia Roberts) über den Weg und direkt in den Orangensaft hinein, den er in der Hand trägt. Ihr Kleid wird schmutzig und er hilft ihr, in dem er sie mit zu sich nach Hause nimmt, wo sie sich reinigen kann. Ganz unsympathisch finden sie sich nicht.
Sie lädt ihn in ihr Hotel ein. Dort landet er mitten in einem Pressetermin für die englischen Printmedien. Während seines peinlichen Interviews, dass er nach seiner Akkreditierung gefragt, für eine Pferdezeitschrift macht, möchte sie mit ihm am Abend irgendwo Essen gehen. Da an diesem Abend seine kleine Schwester Geburtstag hat, nimmt er sie mit zur Feier. Die findet im Haus seiner besten Freundin und ihres Mannes statt. Die große Schauspielerin gelangt in den ganz normalen Umgang Londoner Bürger, was ihr wie eine paradiesische Insel vorkommt.

Nach Monaten ist sie wieder in der Stadt. Ihr hängt eine Hetzkampagne am Hals, die wegen freizügiger Fotos von der Presse inszeniert wurde. Die Hyänen hängen ihr an den Fersen und sie flieht zu William Thacker, der ihr Asyl gewährt. In dieser Nacht schlafen sie miteinander und am nächsten Morgen steht die Presse vor der Tür, durch die geschwätzige Klappe seines walisischen Mitbewohners auf die Spur gebracht. Anna ist sauer und lässt sich abholen.

Thacker wandert in einer sehr schönen Szene über den Markt von Notting Hill. Innerhalb dieses Spazierganges läuft er durch die verschiedenen Jahreszeiten, aus dem Sommer hinein in den Blätter verpustenden Herbst, durch den Londoner Regen weiter in den verschneiten Weihnachtstaumel, bis schließlich der Markt wieder frische Frühjahrsblumen verkauft. Dabei ist er immer in Gedanken versunken und kann Anna nicht vergessen.
Anna erscheint auch wieder zu Dreharbeiten in der Stadt und besucht ihn in seinem Laden, wo die berühmte Schauspielerin in einer kitschigen und trotzdem wunderschönen Liebeserklärung sagt, dass sie auch nur ein Mädchen ist, dass einen Jungen darum bittet, sie lieb zu haben.

Er lehnt ab, um dann auf der letzten Pressekonferenz, die Anna Scott in England zu geben beabsichtigt einzugestehen, dass er auch nichts lieber will als sie. Sie kriegen sich und wieder ist ein Märchen gut ausgegangen.

Hugh Grant tut, was er am besten kann, nämlich charmant und töffelig herumstottern und Julia Roberts trägt auch in diesem Film ihr wunderbares Lachen zu schau, dass sie zu einer der schönsten Frauen der Welt macht. Nebenbei breitet sie einige ihrer Liebesleidgeschichten aus, die ihr in Hollywood das Leben schwer machen. Beide, Hug Grant und Julia Roberts sind Sympathieträger, beide sehe ich gern. Doch leider reicht die Besetzung mit zwei angenehmen Schauspielern nicht aus, wenn das Drehbuch schwach ist. Es ist komödiantisch, aber nicht leichtfüßig. Durch diese beiden hochkarätigen Stars wird dieser Film eindeutig überbewertet.

Was ihn dann doch wieder sehenswert macht sind die liebevoll gezeichneten Charaktere die sich mit William Thacker die kleine Welt des Notting Hill-Kiezes teilen. Seine flippige Schwester mit der Geschmacksverirrung, sein völlig bekloppter walisischer Mitbewohner sowie Thackers liebste Freundin, die vor einigen Jahren seinen besten Freund geheiratet hat und die ein ganz wunderbares Paar abgeben. Besonders Tim McInnerny, mir bisher nur als Trottel Percy aus den Black Adder Filmen bekannt, überrascht durch seine sorgfältige Gestaltung des liebnswerten britischen Mittelständlers.

Vielleicht hätte man sich mehr auf das Leben im Viertel konzentrieren sollen, auf die kleinen Geschichten, die solch ein Viertel zu erzählen weiß, als einfach nur Julia Robert Probleme in Szene zu setzen. Es ist tragisch genug eine so junge und schöne Frau in altersweiser Manier über die Tragödien ihres Lebens philosophieren zu hören.

So bleibt der Film trotz einiger zugeben erwärmender Momente, doch nur ein nicht recht glaubwürdiger Märchenfilm.

14 Bewertungen, 4 Kommentare

  • Chris_ONeal

    19.04.2002, 17:48 Uhr von Chris_ONeal
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter Bericht, dass muss man dir lassen!

  • Lideiger

    19.04.2002, 17:44 Uhr von Lideiger
    Bewertung: sehr hilfreich

    Also mir lief da echt ne Träne über die Wangen. Bist wohl kein romantischer Mensch ?

  • filmorama.de

    19.04.2002, 17:44 Uhr von filmorama.de
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich finde den film wirklich spitzenmäßig

  • Netti1982

    19.04.2002, 17:38 Uhr von Netti1982
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hab den Film noch nicht gesehen...