Butterfly Effect (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von winterspiegel
Mit der Chaos-Theorie auf Zeitreise
Pro:
Gelungene DVD-Umsetzung; packendes, durchdachtes Drehbuch; gute Akteure; spannende Aufbereitung des Themas
Kontra:
Nicht immer leicht nachzuvollziehende Handlungssprünge
Empfehlung:
Ja
Diese Hypothese sorgte schon bei Michael Crichtons bekannter Saurierwiederauferstehung, die Steven Spielberg so wirkungsvoll auf die Leinwand brachte, für die packende Grundlage einer spannenden Si-Fi-Erzählung. Hieraus lassen sich natürlich noch weitere Ideen für phantastische Geschichten konstruieren, die sich mit dieser interessanten Thematik auseinandersetzen. Das Ganze natürlich erst recht, wenn – wie im vorliegenden Fall – das immer wieder faszinierende Element der Zeitreise noch hinzukommt, und dadurch das Geschehen gleich auf mehreren Realitätsebnen sich abzuspielen beginnt.
Diesmal kommt die wirklich sehenswerte Story vom Autorengespann Eric Bress und J. Mackye Gruber, die ihr Talent schon beim zweiten Teil von „Final Destination“ eindrucksvoll unter Beweis stellen konnten. Der in Komödien wie „Voll Verheiratet“ bekannt gewordene Mädchenschwarm Ashton Kutcher übernahm zusammen mit Nachwuchsschauspielerin Amy Smart „Road Trip“ die Hauptrolle. Bress und Gruber ließen es sich diesmal nicht nehmen, ihr lange unter Verschluss gehaltenes Drehbuch selbst zu Verfilmen, wenn auch das Studio letztendlich in der Kinofassung auf einen etwas anderen Filmschluss beharrte. Doch mit dem DVD-Release besteht nun endlich die Möglichkeit, den Streifen mit den erweiterten Szenen und dem Original-Ende sich einmal ungeschnitten anzuschauen.
HANDLUNG
Evan (Ashton Kutcher) führt seit seiner Kindheit auf anraten eines Psychologen Tagebuch, da er in regelmäßigen Abständen von unerklärlichen Blackouts heimgesucht wird. Seine Mutter macht sich deshalb auch große Sorgen um ihn, da diese Vorfälle völlig überraschend auftreten. Sein Vater, der in einer geschlossenen Anstalt einsitzt und unter einer mysteriösen Krankheit leidet, wird bei einem Versuch seinen eigenen Sohn umzubringen tödlich verletzt, als der ihn eines Tages in der Klinik besucht.
Als junger Mann auf dem College entdeckt Evan schließlich eine Fähigkeit, die ihm zunächst eine Heidenangst einjagt, mit deren Hilfe er aber Licht in seine rätselhafte Vergangenheit bringen will. Beim lesen in seinen alten Aufzeichnungen gelingt es ihm nämlich wie in einer Zeitmaschine in die Vergangenheit zu reisen. Aus dem – aus seiner Sicht - eher unglücklich verlaufenden Schicksal will er ausbrechen -, das unvermeidliche rückgängig machen und nachhaltig verändern.
Das gelingt ihm auch. Doch mit seinem Eingreifen verändert er ungewollt weitere Dinge, die einen weitreichenden Einfluss auf ihn- und auf die Menschen aus seiner näheren Umgebung haben. Verzweifelt versucht Evan immer wieder den Ereignissen Herr zu werden, die er mit seinem Eingreifen in der Vergangenheit aus dem Lot gebracht hatte. Doch mit jedem Einmischen in das komplizierte Geflecht der Vorbestimmung, macht er es mit jedem Mal nur noch schlimmer, sodass er völlig am Ende mit den Nerven, sich zu der einzigen Maßnahme gezwungen sieht, die ihm noch offen bleibt, um das Chaos zu berichtigen, für das er der scheinbar alleinige Auslöser ist...
KRITIK
Mehr sollte man sicher beim Handlungsanriss nicht preisgeben, da der Zuschauer sich von Anfang an sein eigenes Bild der Erzählung machen sollte, die dann sehr aufschlussreich anhand von Rückblenden sich Stück für Stück einer Wahrheit anzunähern beginnt, die im weiteren Verlauf gewiss alles andere als angenehm wirkt.
Außerdem wäre es ganz ratsam das Handlungsgeschehen aufmerksam mitzuverfolgen, da die Geschichte nicht nur mit großen Überraschungseffekten aufwarten kann, sondern hauptsächlich mittels feinster Nuancen im Storyaufbau versucht, sich beim Zuschauer richtiggehend festzusetzen. Erst ist deshalb manches recht verwirrend und verschachtelt wiedergegeben, wenn etwa der Hauptcharakter versucht dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, die sein Leben zu einem einzigen schwarzen Loch werden lässt, das wichtige Erinnerungen verschluckt – sie einfach aus dem Gedächtnis ausradiert. Später fügt sich dann aber alles zu einem erstaunlichen Puzzle zusammen.
Das verhältnismäßig niedrige Budget von 13 Millionen Dollar, mit dem der Mysery-Streifen realisiert worden ist, spüren Blockbuster verwöhnte Filmegucker zwar an einiges Stellen schon, doch die spannungsgeladene Geschichte macht diesen kleinen Makel dann wieder mehr als wett. Überhaupt, das Drehbuch geht hier wirklich sehr intelligent vor: Es spielt mit der Erwartungshaltung des Publikums, die dem Rätsel der verloren gegangenen Erinnerungen auf den Grund gehen will, und ist somit eine Gewährleistung für kaum nachlassende Spannung. Hier machen sich nur ganz vereinzelt einige Längen bemerkbar, wenn die Geschichte in vielen, nicht immer nötigen Einzelheiten wiedergegeben wird. Wenn auch die Schauspieler (ebenfalls diejenigen, die die Kindheit verkörpern) sicherlich ihr Bestes geben, können sie nicht ganz verhindern, dass ein leichter Bruch entsteht, wenn das Geschehen oftmals zwischen Gegenwart und Vergangenheit vor- und zurückspringt, um jeweils völlig andere Ausgangssituationen der Begebenheiten zu schaffen.
Doch solche leichten Kritikpunkte sind zu vernachlässigen, da - wie schon gesagt - die Geschichte soviel Potenzial besitzt, um einen nahezu die ganze Zeit gebannt mitfiebern zu lassen. Beide Filmenden die auf der Doppel-DVD eingebracht sind haben sicherlich ihre Berechtigung. Das Kinofinale ist zwar immer noch im Kontext mit der übrigen Handlung erstellt worden, geht aber nicht ganz so konsequent diesen Weg, wie es der doch sehr niederschmetternde Original-Schluss des Director’s Cut letztendlich tut. Bemerkenswert jedenfalls fand ich beide Möglichkeiten. Auffallend schon allein aus dem Grunde, weil alle beide aus dem ermüdenden Schema der Hollywoodgerechten Finals ein Stückweit auszubrechen versuchen.
Die Spezialeffekte sind weniger zu Selbstdarstellungszwecken -, sondern eher sparsam, gleichwohl ziemlich passend eingefügt, und auch nicht immer unbedingt als solche zu erkennen. Sie unterstreichen dadurch gekonnt die fadenscheinige Realität, die den Film immer wieder auf den Kopf zu stellen vermag. Solches fasziniert und fesselt wirklich bis zum unabwendbaren Schluss, der in allen beiden Versionen zum grübeln und sicher auch zum vertieften nachdenken einlädt.
FILMDATEN
Laufzeit: 109 Minuten (Dr. Cut 114 Minuten)
Bildformat: 1.85:1 (16:9)
Tonformat: Dolby Digital 5.1 Deutsch / Englisch
Untertitel: Deutsch / Englisch
Untertitel für Hörgeschädigte: Deutsch
DVD UND BONUSAUSSTATTUNG
Auf der ersten Scheibe befindet sich der Kinofilm mit einer Schnittfassung, wie er schon in den Lichtspieltheatern lief. Die Bildqualität ist alles in allen zufrieden stellend. Blasse Farben, Grobkörnigkeit oder anderweitiges verfremden des Bildmaterials sind aber von den Machern durchaus beabsichtigt, und sollen für einen noch nachhaltigeren Filmgenuss sorgen. Meiner Meinung nach leidet aber durch solche - meist über Gebühr strapazierte - Stilmittel der Gesamteindruck des Filmes doch ein wenig. Der Sound gibt sich in großen Teilen relativ ruhig, kann aber schnell dramatische, oder nachhaltige Momente im Film ziemlich beeindruckend unterstreichen. Vor allem die effektvolle Tonbearbeitung während des Übergangs zur Zeitreise, ist mit dem richtigen Eqipment wirklich hörenswert.
Den Director’s Cut auf dem zweiten Silberling gibt’s nur im englischen Original. Optional können aber die deutschen Untertitel zum erweiterten Film, sowie zum Audiokommentar der Regisseure - der nur beim erweiterten Film vorhanden ist - zugeschaltet werden. Gerade im Kommentar (Fact Track) erzählen die Macher, die sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeigten, viele interessante Anekdoten zur Entstehung der erweiterten Szenen, und natürlich etwas zum - im Vergleich zur Kinofassung - viel düsteren Ende. Sehr abwechslungsreich und kurzweilig war das Ganze wie ich fand auf alle Fälle. Weitere Extra sind die etwas kurzen, aber unterhaltenden Abhandlungen über die Psychologie und Wissenschaft der Chaostheorie, und eine kleine Geschichte über die Faszination von Zeitreisen im Allgemeinen.
Im kompakten Making of-Teil können die Punkte „Der kreative Prozess“, „visuelle Effekte“ und die „Storyboard-Galerie“ begutachtet werden. Hier kommen noch einmal die Beteiligten der Produktion zu Wort, und geben ihre Statements zu den einzelnen Bereichen der Dreharbeiten ab. Wer Wert darauf legt, kann sich schließlich auch noch den USA-Kinotrailer und die 8 Deleted Scenes, die erweiterte, sowie alternative Szenen beinhalten anschauen. Sogar ein weiteres, der Kinofassung recht ähnliches Ende, gibt es hier zu bestaunen.
DIE EXTRAS IM EINZELNEN:
- USA-Kinotrailer
- Audiokommentar der Regisseure und der Autoren zum Director’s Cut (ca.114 Minuten)
- Making of (3 Features mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 42 Minuten)
- Deleted Scenes (8 Szenen von insgesamt ca. 6 Minuten)
- Hinter den Kulissen (2 Dokumentationen von zusammen ca. 22 Minuten)
FAZIT
Am ehesten lässt sich der engagierte Mystery-Streifen vom Gesamteindruck wohl noch mit dem auf derselben Welle reitenden „Donnie Darko“ vergleichen, auch wenn er im Grunde doch genau so aufgebaut ist, wie ein bekanntes Zeitreiseabenteuer á la „Zurück in die Zukunft“. Der Held der Geschichte muss (will) in regelmäßigen Abständen zurück in der Zeit, um scheinbare Fehler zu korrigieren. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Die Atmosphäre ist in „Butterfly Effekt“ sichtlich um einiges dunkler und strotzt geradezu von unheilschwangerer Prophezeiung, in die sich der Betrachter regelmäßig geworfen sieht. Dennoch ist er nicht ganz so verwirrend und schwer deutbar geraten, wie es der etwas kompliziertere „Donnie Darko“ ohne Zweifel sicher gewesen ist.
Warner hat somit eine ihrer wenigen, gut ins deutsche umgesetzten DVD-Veröffentlichungen zu Stande gebracht. Anerkennenswert ist nicht nur, dass es die schon bekannte Kinofassung- sowie den erweiterten Director’s Cut auf der Doppelscheibe zu bewundern gibt, sondern, dass diese auch noch mit den dazugehörenden, hilfreichen einheimischen Untertiteln daherkommen. Selbst dem sehr informativen Audiokommentar wurde eine deutsch untertitelte Textspur zugestanden. Das freut natürlich den Filmbegeisterten ohne weitreichende Englischkenntnisse, der sich dann auch hier nicht ausgeschlossen zu fühlen braucht.
Weitere aufschlussreiche Extras zum Thema, machen die beiden Silberscheiben zu einem rundum gelungenen Genrevergnügen.
© winterspiegel für Ciao & Yopi
55 Bewertungen, 6 Kommentare
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16.03.2005, 11:43 Uhr von Tigerman
Bewertung: sehr hilfreichwollte den Film schon immer mal anschauen ... muss ich jetzt endlich auch mal tun.
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06.03.2005, 10:27 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichwar zwar sehr verwirrend, aber super!! ich muss ihn mir nur nochmal auf deutsch anschauen, das erste mal hab ich ihn auf englisch gesehen.
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01.03.2005, 22:47 Uhr von schrift
Bewertung: sehr hilfreichdein bericht mal wieder!!!
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01.03.2005, 19:44 Uhr von Tom_Araya
Bewertung: sehr hilfreichwerd ich mir noch heute abend oder morgen anschaun, und hoff er is so gut wie die meisten sagen ;)
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01.03.2005, 12:30 Uhr von kruemel02
Bewertung: sehr hilfreichhabe zwar schonmal was von dem Streifen gehört, ihn aber noch nicht gesehen. Gruß von Oli
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01.03.2005, 11:59 Uhr von Spencer
Bewertung: sehr hilfreichIch kann mit dieser Art Film überhaupt nichts anfangen. Die Schauspielerleistungen sind auch nicht berauschend, wie ich finde.
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