Butterfly Effect (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von tollertyp0815

\"Die Chaos-Theorie\"

Pro:

Gute schauspielerische Leistung der relativ unbekannten Schauspieler, Story, spannende Effekte

Kontra:

Ein paar Logikschwächen und das gewollt wirkende Happy End

Empfehlung:

Ja

\"Endlich mal wieder ein Film, über den es sich zu schreiben lohnt\" ... waren meine ersten Gedanken, als ich das Kino verließ...

Ich hatte ja schon ein wenig über diesen Film gehört und das Thema Zeitreise interessiert mich eigentlich immer, vorausgesetzt, es handelt sich um eine anspruchsvolle Story.
Und dieser Film hat das Zeug für einen Top-Film.

Ein Thriller gepaart mit einem interessanten Thema. Mal etwas anderes, wie ich fand und machte mich am Freitagabend auf in die Spätvorstellung.

Der Film war ja erst seit Donnerstag im Cinemaxx angelaufen. Die Kinoreihen waren trotz der späten Stunde noch gut gefüllt, was ein gutes Zeichen war, wie mir schien. Ich sollte nicht enttäuscht werden, denn dies war einer der besten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe.
Also, jetzt aber mal der Reihe nach:


*** Plot ***

Der Film beginnt mit einem Zitat über den Schmetterlingseffekt (Butterfly Effect), der so genannten Chaostheorie und bedeutet so viel, wie:
„Ein Schlag eines Schmetterlingsflügels im Amazonas-Urwald kann am anderen Ende der Welt einen Orkan auslösen“.
Angelehnt an die mathematischen Wetterberechnungen des Meteorologen Edward Lorenz, bei denen herauskam, dass schon minimale Abweichungen – eben beispielsweise das Schlagen eines Schmetterlings mit einem Flügel - der Kalkulation, die weiteren Ergebnisse so stark von der Ursprungsdefinition entfernen, dass es zu nicht auszudenkenden Konsequenzen kommen kann.

Wie ich finde, ist der Titel des Films „The Butterfly Effect“ treffend gewählt und man kann gleich zu Beginn erahnen, dass der Film einen gewissen Anspruch an seine Story hat.

Die Story:

Evan Treborns (Ashton Kutcher) leidet seit seiner Kindheit unter immer wiederkehrenden Blackouts. Er wird ohnmächtig, wacht dann mit blutender Nase wieder auf und kann sich an das eben Passierte nur teilweise erinnern.
In seiner Kindheit wurde er von Psychologen behandelt, die ihm vorschlugen Tagebuch zu führen, damit er sich durch das Notieren irgendwelcher Ereignisse nach „Filmrissen“ eventuell doch besser an bestimmte Geschehnisse erinnern kann.
Auch seine Mutter Andrea Treborn (Melora Walters) und sein Vater Jason Treburn (Callum Keith Rennie), der sich seit Jahren in der Psychiatrie in Sicherheitsverwahrung befindet, spielen eine Rolle für Evan.
Inzwischen ist er ein properer College-Student und beginnt also mit gewisser Hoffnung in seinen Tagebüchern zu blättern, denn seine Kindheit wurde geprägt durch verschiedene schreckliche Erlebnisse, die er endlich aufarbeiten will.
Außerdem möchte er verstehen, warum aus seinen „Sandkastenfreunden“ Kayleigh (Amy Smart), Lenny (Elden Henson) und Tommy (William Lee Scott) „verkrachte Existenzen“ wurden.
Doch plötzlich verschwimmen die Buchstaben vor seinen Augen und er befindet sich auf mysteriöse Weise in seine Vergangenheit versetzt.
Er beschließt nun, nicht nur sein Gedächtnis aufzufrischen, sondern auch das Geschehene für sich und seine Freunde zu verändern, um damit in der Zukunft alles zum Positiven zu wenden, denn er assoziiert, dass die Tagebücher seine „Zeitmaschine“ in die Vergangenheit sind.
Er erhält mit dem Geist des Erwachsenen im Körper des damaligen Kindes die vollständigen Erinnerungen an die früheren Geschehnisse und entwickelt Schuldgefühle für das gescheiterte Leben seiner damaligen Freunde.
Vor allem Kayleigh liegt ihm am Herzen, denn er hatte sich bereits in seiner Kindheit in sie verliebt und liebt sie auch heute noch.
Er möchte seinen Freunden die damaligen traumatischen Erlebnisse ersparen, doch bei jedem Eingriff in die Vergangenheit wird das Chaos in der Gegenwart größer...

Der Film beginnt mit der Szene, dass ein junger Mann in einem Gebäude von mehreren, teilweise uniformierten, Personen verfolgt wird.
Er findet einen unverschlossenen Raum, in dem er sich „verbarrikadiert“ und unter einem Schreibtisch versteckt.
Hektisch schreibt er auf einen Zettel folgende Worte:
„Wenn jemand diese Notiz findet, dann ist mein Vorhaben gescheitert. Aber wenn ich es schaffe, dorthin zurück zu kehren, wo alles begann, dann habe ich die Chance sie zu retten.“

Damit endet die Szene und die nächste Einstellung wird mit den Worten „13 Jahre früher“ untertitelt...

Einzelne „Mosaiksteinchen“ werden dem Zuschauer packend serviert und fordern eine gewisse Portion Aufmerksamkeit ab, die im Verlauf des Films ein komplettes Bild ergeben sollen.


So, stopp ... mehr möchte ich nun wirklich nicht verraten, damit noch genügend Spannung aufgebaut werden kann...
Allerdings bin ich mir sehr sicher, dass euch das sehr gut gelingen wird, auch, wenn meine Beschreibung etwas ausführlicher ausgefallen ist, als ursprünglich geplant.


Zum nächsten Punkt ...


*** Die Akteure ***


Ashton Kutcher (Evan Treborns)
der derzeitige junge Liebhaber der „Bruce Willis-Ex“ Demi Moore ist eigentlich eher bekannt aus „klamottigen“ und zweitklassigen Komödien, wie zum Beispiel: „Ey Mann, wo is’ mein Auto“ oder „Voll verheiratet“.
Das könnte einer der Gründe für den mäßigeren Erfolg in den amerikanischen Kinos gewesen sein. Obwohl „The Butterfly Effect“ kein Top-Film wurde, war er relativ erfolgreich. Zu sehr wurde A. Kutcher in die „klamaukige“ Ecke gedrängt.
Da Ashton Kutcher hierzulande keine große Bekanntheit genießt, könnte es ihm und dem Film in Deutschland zum Vorteil gelangen. Er ist der Hauptdarsteller und bot eine großartige schauspielerische Leistung, die mich voll überzeugte.


Amy Smart (Kayleigh Miller)
mehr oder weniger bekannt aus „Road Trip“ und „Starsky & Hutch“ spielt die Freundin von Evan und bietet eine souveräne Leistung. Vor allem ihre Wandlungsfähigkeit in den verschiedenen Rollen hat mich beeindruckt. Sie überzeugt sowohl als drogenabhängige Prostituierte, wie auch als souveräne Studentin. Neben Ashton Kutcher ein weiterer gelungener Griff, gepaart mit dem Mut unverbrauchte „neue Gesichter“ und Jungstars einzusetzen.


Elden Henson (Lenny Kagan)
spielte in Filmen wie „Dumm und Dümmerer“ (=Der Nachfolger von „Dumm und Dümmer“) oder „Die Killerhand“. Er spielt den etwas moppeligen Jugendfreund von Evan, der neben Asthmaanfällen und schweren psychischen Problemen immer wieder für thrillende Effekte sorgt. Er trug durch seine überzeugende Rolle ebenfalls viel zum Gelingen dieses Streifens bei. Auch er schlüpfte in verschiedene Rollen und hatte neben den Hauptdarstellern keine weniger charismatische Ausstrahlung.


William Lee Scott (Tommy Miller)
wirkte mit in „Black and White“ und neben Angelina Jolie und Nicolas Cage in „Nur noch 60 Sekunden“. Er spielt den sadistischen und psychopathischen Bruder von Kayleigh, der eine schwere und ziemlich verkorkste Kindheit hinter sich hat und sich an seiner Umwelt auf grausame Weise rächt.


Melora Walters (Andrea Treborn)
die Mutter von Evan. Sie verbucht Erfolge mit Filmen wie „Das Urteil – Jeder ist käuflich“ und „Magnolia“, in dem sie die Claudia darstellte. Sie leidet, wegen der vermeintlichen Krankheit von Evan, und versucht alles, um ihrem Sohn zu helfen. Sie hat Ähnliches schon mit dem Vater von Evan durchgemacht.


Callum Keith Rennie (Jason Treborn)
spielt den Vater von Evan, der sich in psychiatrischer Sicherheitsverwahrung befindet und der Schlüssel für Evans Blackouts ist.
Ein bisher noch nicht so stark in Szene gesetzer aber dennoch solider Schauspieler. Seine Rolle war kurz, allerdings nicht weniger wichtig.


Zu jedem weiteren Darsteller eine Einzelkritik zu schreiben, würde hier den Rahmen sprengen, deshalb belasse ich es bei den für mich wichtigsten Darstellern. Am Ende führe ich die komplette Darstellerliste auf, damit kein Akteur unerwähnt bleibt.


*** Der Regisseur ***

Eric Bress
führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch zusammen mit J. Mackye Gruber das Drehbuch. Ich werde mir diesen Namen auf jeden Fall merken, denn ich erwarte in Zukunft auch sehr gute Filme von diesem jungen Regiedebütanten. Als Drehbuchautor von „Final Destination 2“ hat er sein Können bereits unter Beweis gestellt und sich somit einen Namen in Hollywood gemacht.


*** Das Drehbuch ***

Eric Bress und J. Mackye Gruber.
Auch Jonathan Mackey Gruber wirkte am Drehbuch von „Final Destination 2“ mit.
Beide Namen sollte man sich merken, denn sie versprechen für die Zukunft Einiges...


*** Kritik ***

Ein gelungener(s) Zeitreise-Thriller und Psychodrama. Bei einem $ 13 Mio. Budget kann man - wie ich meine - nicht unbedingt von einem „Low-Budget-Film“ sprechen. Legt man jedoch die heute üblichen amerikanischen Maßstäbe für Film-Budgets an, gehört dieser Film eher zu den mit einem schmaleren Budget ausgestatteten Movies.

The Butterfly Effect spielte schon in Amerika rund $ 58 Millionen ein und das mit nahezu unbekannten und jungen Hauptdarstellern. Was den Film darüber hinaus für mich zu etwas Besonderem macht, ist die exzellente Kameraführung und die durchaus thrillenden Effekte, ohne dass jede Grausamkeit oder kindesmissbräuchliche Handlung bis ins Detail ins Bild gesetzt werden.
Spannende- bis hin zu Psycho-Horror-Effekte geben diesem exzellenten Film genügend Würze.
Er kommt daher auf solider Basis mit Andeutungen aus, die der Fantasie des Kinobesuchers ein Übriges lassen.
Ein eher anspruchsvoller Film, der auf Überflüssiges verzichtet.

Wenn ich die zum Schluss hin logischen Schwachpunkte und Ungereimtheiten wohlwollend außer Acht lasse – denn kaum ein Film hat wirklich eine durch und durch schlüssige Story – und das für mich doch sehr gewollt wirkende und somit konstruierte Happy End verzeihe, würde ich diesem Film die volle Punktzahl, sprich „5 Sterne“, geben.
Perfekte Filme wird es nie geben und mit allzu viel Kritik kann man sich ja wirklich jeden noch so guten Film verderben.

Schade finde ich dennoch, dass sich die Drehbuchautoren nicht zu einem mutigeren Ende, das die „Chaos-Theorie“ bestätigen würde, durchringen konnten und somit die Story nicht wirklich „rund“ wirken ließen.
Auch wäre die Theorie, die kurzfristig in dem Film für eine Wendung sorgte, nämlich, dass sich der Hauptdarsteller alles nur einbildet, durchaus haltbar gewesen.
Diese Wendung war nicht uninteressant und hätte dem guten Film auch keinen Abbruch getan.

Ein offenes Ende als weitere Variante wäre zwar nicht befriedigend gewesen, aber durchaus realistischer, denn Evans Vater sagte ja sehr treffend zu seinem Sohn: „Du kannst nicht Gott spielen“.
Das Ende ließ andere Schlüsse zu...



*** Fazit ***

Trotz meiner Kritik, ein durchaus sehenswerter, ungewöhnlicher und spannender Zeitreise-Thriller, gepaart mit Psycho-Horror-Elementen und einem Schuss Humor, der chaotisch und verworren beginnt, in einem Drama enden könnte, aber durch sein „Happyend“ ein „Hollywood-Film“ geblieben ist.
Er hat durchaus die Chance ein Nummer 1-Film in Deutschland zu werden.
Insgesamt ist er kurzweilig und lebt von seinen Effekten, die gut umgesetzt wurden.
Der „The Sixth Sense-Vergleich“ hinkt sicher ein wenig, genau wie mein Vergleich mit dem Film „Identität“ (Identity).
Auch „Zurück in die Zukunft II“ passt nur bedingt, wenn auch das Genre vergleichbar ist. Ich möchte aber gewisse Parallelen nicht unerwähnt lassen.
Allerdings vermisste ich doch die auf dem Filmplakat angekündigten Parallelen zu dem Kinohit „Sieben“. Bis auf ein paar hinweisende Filmsequenzen (=die jugendlichen Darsteller sahen den Film im Kino) gab es keine Gemeinsamkeiten.

Ich persönlich glaube nicht an die Möglichkeit von Zeitreisen, bin jedoch immer wieder fasziniert von diesem Thema.

Überzeugt haben mich aber neben Ashton Kutcher, auch Amy Smart und Elden Henson, die zukünftig sicher mehr Beachtung in den Kinos finden werden.

Für einen gelungenen Kinoabend, wenn man Interesse an diesem Genre hat, sorgt dieser Film allemal.
Also, auf ins Kino ;)



Zum Schluss noch einige Filmdaten für die Statistik:

Genre: Science Fiction Thriller,
Laufzeit: 114 Minuten
FSK: 16
Regie: Eric Bress, J. Mackye Gruber
Drehbuch: Eric Bress, J. Mackye Gruber
Darsteller:
Ashton Kutcher - Evan Treborn
Melora Walters - Andrea Treborn
Amy Smart - Kayleigh Miller
Elden Henson - Lenny Kagan
William Lee Scott - Tommy Miller
John Patrick Amedori - Evan mit 13
Irene Gorovaia - Kayleigh mit 13
Kevin Schmidt - Lenny mit 13
Jesse James - Tommy mit 13
Logan Lerman - Evan mit 7
Sarah Widdows - Kayleigh mit 7
Jake Kaese - Lenny mit 7
Cameron Bright - Tommy mit 7
Eric Stoltz - George Miller
Callum Keith Rennie - Jason Treborn
Budget: 13 Millionen Dollar
Premiere USA: 23.01.2004
Kinostart Deutschland: 26.08.2004
Kamera: Matthew F. Leonetti
Musik: Michael Suby
Originaltitel: The Butterfly Effect – Change one thing, change Everything




@tollertyp0815, 07.09.2004