Heavy Rain (PS3 Spiel) Testbericht

ab 10,03
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Summe aller Bewertungen
  • Grafik:  sehr gut
  • Sound:  sehr gut
  • Bedienung:  einfach
  • Wird langweilig:  nie
  • Suchtfaktor:  hoch
  • Spielanleitung:  sehr gut

Erfahrungsbericht von GameFreakSeba

Interaktives Meisterwerk

5
  • Grafik:  sehr gut
  • Sound:  sehr gut
  • Bedienung:  durchschnittlich
  • Wird langweilig:  nach wenigen Monaten
  • Suchtfaktor:  durchschnittlich
  • Spielanleitung:  gut
  • Altersbeschränkung:  ab 16 Jahren
  • Schwierigkeitsgrad:  Einsteiger

Pro:

Sehr schicke Optik, Gesichtsanimationen, gelungene Synchronisation, spannende Story mit vielen Emotionen, dichte Atmosphäre, hohe Entscheidungsfreiheit, enormer Wiederspielwert

Kontra:

Zickige Kamera und Steuerung, kurze Spielzeit, Rätsel nicht der Rede wert, etliche Quick-Time-Events können nerven

Empfehlung:

Ja

Wenn man in den letzten Monaten von einem Spiel gehört hat, was direkt am ersten Verkaufstag ausverkauft war, dann denken viele gleich an God of War, aber dieses Spiel war eben nicht gleich ausverkauft. Hierbei handelt es sich um den Titel Heavy Rain. Kaum zu glauben, dass nur die Vorbesteller meist in den Genuss kamen den Titel direkt an zu spielen. Doch nun kann sich jeder diesen Thriller zulegen. Bei Heavy Rain handelt es sich ausschließlich um ein Videospiel für Sonys Playstation 3. Dieses Adventure wurde von den Händen des französischen Studios Quantic Dream geschaffen und unter der Leitung des Gründers David Cage entwickelt. Heavy Rain hat sein Zuhause in dem Genre des interaktiven Films.
Zu Beginn des Jahres 2007 stießen viele Spieler auf ein merkwürdiges Poster, welches im Internet kursierte. Das Poster befand sich auf einer Website des Entwickler Studios, welche sich zu der Zeit noch im Aufbau befand. Zu sehen war die klassische Origami-Modell namens Pajarita. Dieses ist in Europa sehr verbreitet. Die Origami-Figur symbolisiert einen Vogel und auf dem Poster tropfte Blut von seiner Flügelspitze.

Im Spiel werdet ihr immer wieder mit den unterschiedlichsten Arten von Charakteren konfrontiert. Ethan Mars, Scott Shelby, Medison Paige und Norman Jayden lassen mit ihren persönlichen Eindrücken eine so mit reißende Geschichte auf dem Bildschirm ablaufen, dass man sich zum Schluss wünscht, dass Spiel wäre noch lange nicht vorbei. Heavy Rain läuft unter einem sehr ungewöhnlichen Motte, denn jeder Spieler wird direkt zu Beginn vor die Frage gestellt, wie weit man gehen würde, um einen geliebten Menschen zu retten. Und dies ist gerade der Punkt. Um einen Menschen sein Leben zu retten, braucht man mehr als nur Worte. Durch dieses Spiel wird einem in jeder Sekunde verinnerlicht, wie viel mehr man für eine lebensrettende Aufgabe benötigt. Man muss schon einige Mal schlucken, denn durch die verschiedenen Erzählperspektiven wird dem Spieler die Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen immer wieder so nah wie möglich gebracht. Jeder Charakter ist mit seinen persönlichen Problemen in diesen Thriller eingearbeitet, so als würde es sich schon fast um die Realität handeln. Aber nicht nur das ist ein Punkt der das Spiel beinhaltet. Sondern auch die Grafik lässt einen manchmal glauben, man sei selbst in dieser Situation und man muss wirklich ab und an zweimal hin schauen um zu begreifen, dass es sich hierbei doch um ein Videospiel handelt.

Im Spiel Heavy Rain - The Origami Killer, geht es, so wie der Name es schon verrät, um einen Mörder, der eine Vorliebe für die asiatische Faltkunst hat. Dieser Serienmörder allein, verbindet alle vier Charaktere dieser Geschichte miteinander. Das sagen umworbene Poster ist mittlerweile nur noch als Miniatur auf der Website zu sehen. Dennoch verblasst dieses Spiel in den Köpfen der einzelnen Spieler nicht so schnell. Spätestens auf der Gamescom in Köln im Jahre 2009, als der neuste Trailer des Spiels vorgestellt worden ist, konnte die Spieler die lang ersehnte Veröffentlichung kaum noch erwarten, denn das Warten sollte ein Ende haben. In dem neuen Trailer wurden jedoch nur die letzten Beiden der insgesamt vier Charaktere vorgestellt. Somit musste man sich doch noch ein wenig gedulden. Doch zum Glück konnte man auf der Gamescom wenigstens auf ein paar Demos zurückgreifen, denn die Entwickler wollten den Spielern schon einmal einen kleinen Vorgeschmack geben. Somit konnte man sich schon einmal im Umgang mit Scott Shelby einem alten Privatdetektiv und an Ethan Mars, einem Architekten mittleren Alters, üben.
Der Vizevorstandvorsitzende vom Entwickler-Hause Quantic Dream, hat sich wirklich Zeit genommen um das Spiel Heavy Rain vor zustellen, denn für die Sendung Game One, welche auf dem MTV-Planeten daheim ist, gab er ein etwa 25 Minuten lang anhaltendes Interview.
Auf einem Messestand von Sony konnten auch die ersten Besucher eine Vorabversion des Titels antesten, ohne dabei schon zu viel von der Story verraten zu haben.
Wie es für einen guten Krimi und Thriller so üblich ist, werdet ihr auch in Heavy Rain regelmäßig auf das erneute in die Irre geführt. Immer wieder seid ihr kurz davor zu wissen, wer denn nun der Mörder ist und wie gesammelten Beweise zusammen gehören und von der einen auf die andere Minute bekommt ihr eine neue Information die alles andere über den Haufen wirft. Nur eins kann man zu dem wirklich atemberaubenden Spektakel sagen, bis zum Ende hin, wird womöglich kein einziger Spieler mit seiner Vermutung, wer denn der Mörder letzten Endes ist, richtig liegen. Dies erinnert auf komische Art und Weise ein wenig an den ersten Teil der Saw Film-Reihe. Man hat den Mörder direkt zu Beginn des Filmes gesehen, doch letztlich wäre man nie im Leben darauf gekommen dass es diese Person war.
Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, dass das Spiel Heavy Rain in letzter Zeit immer wieder in den höchsten Tönen gelobt worden ist, doch nun wollen wir mal wirklich schauen ob das Spiel hält, was es verspricht.

Kaum hat man das Spiel in die Konsole gelegt, geht es auch schon direkt los. Wie gefesselt sitzt man vor dem Fernseher und starrt auf den Bildschirm, man selbst kann kaum hinsehen. Durch und durch wird man von der Geschichte mitgerissen. Der Spieler quält sich durch die gesamte Story, immer wieder hin und her geschüttelt von dem Gefühlschaos, welches in einem auf kommt, nur um dem Mörder auf die Schliche zu kommen und um weitere Morde und persönliche Schicksalsschläge zu verhindern. Wer ist schließlich der Origami-Mörder? Wieso hat er so eine starke Leidenschaft für kleine Kinder? Warum sperrt er sie Jahr für Jahr immer wieder in einen Abwasserkanal? Versucht er hier ein krankes Spiel zu spielen oder versucht er seine eigenen Probleme zu verarbeitet. Oder kommt eventuell beiden in Frage?
Warum lässt er Kinder in einem Kanal bei Regenwetter ertrinken, schleift sie anschließend an irgendeinen Ort an dem man sie auf jeden Fall finden wird, legt sie dort behutsam hin so als wären sie friedlich eingeschlafen. Und um den Menschen zu zeigen wem man diesen Mord anhängen kann, bekommt jedes Kind ein Orchidee auf die Brust gelegt und eine Origami-Figur in die Faust gesteckt.
Diese Fragen und noch viele mehr, werden euch das gesamte Spielgeschehen über begleiten.

Heavy Rain fasziniert wird kaum ein anderes Spiel. Nie zuvor worden einem Spieler die Gefühle und starken Emotionen so nah gebracht wie hier. Die virtuellen Gefühle werden so lebensecht wieder gegeben, sodass man nicht gerade selten denkt, ob es sich hierbei wirklich um ein Videospiel handelt. Die Trauer, die Wut und der Frust, aber auch Freude und Glück, werden beim Spielen wirklich in euch übergehen und ihr könnt jede einzelne Aktion eurer Charaktere nachvollziehen. Diese Achterbahn der Gefühle darf man auf keinen Fall links liegen lassen, denn wer dieses Spiel nicht einmal anspielt ist wirklich selber Schuld und weiß ehrlich gesagt nicht, was ihm ihr entgeht. Doch eins sollte allen Spieler von vorn herein klar sein, es handelt sich bei Heavy Rain auf keinen Fall um ein Spiel für Zwischendurch oder Partyspiel oder ähnliches. Bei Heavy Rain handelt es sich ausschließlich um einen interaktiven Thriller, bei dem man mitmachen kann. Wenn man sich diese Eigenschaft immer wieder vor Augen hält, so wird man besser in die gesamte Atmosphäre eintauchen können und der Übergang zu dieser Story wird einem viel leichter fallen. Solltet ihr dieses Krimi aus dem Hause Quantic Dream jedoch nur als gewöhnliches Videospiel betrachtet, so tut es mir wirklich Leid, denn dann habt ihr bei Heavy Rain nichts zu suchen, denn gerade bei dieser Vorstellung wird man schon in den ersten paar Minuten an dem Spielkonzept scheitern. Im Grunde genommen ist die Steuerung schon fast lächerlich einfach und bietet Anfängern wirklich einen ganz einfachen Einstieg, dennoch macht gerade diese Umgänglichkeit, zu dem was es eigentlich ist: Zu einem Spiel, welches genauso wie es ist, auf die Kinoleinwand gehört. Denn sind wir einmal ehrlich zu uns selber, wer wollte nicht schon einmal in einem Krimi die Entscheidungen selber treffen und wer hat sich nicht immer wieder über die lächerlichen Fehler aufgeregt, die in zig Tausend Filmen auf die selbe Art und Weise angestellt worden sind.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf in einem kleinen idyllischen Vorort einer Stadt. Wie in den schönsten Träumen kaum vorstellbar lebt eine Familie in einem wunderschönen Haus mit einem Garten in einer ruhigen Gegend. Man kann getrost von Zuhause arbeiten, sich frei bewegen und wenn man gerade will auch einmal eine Runde durch den Garten flitzen, aber nackt! Wer möchte so nicht am liebsten leben?
Bei der Familie handelt es sich um ein wirklich liebevolle Vorzeigefamilie (fast schon wie die, die man aus der Fernsehwerbung kennt und die einem voll auf den Sack gehen, mit ihrem breiten Grinsen im Gesicht und man sich in den eigenen Wänden immer wieder nur wundert, warum es im eigenen Heim nicht so sein kann, während ihr das Kindergeschrei aus dem Nebenzimmer hört und die eigene Frau wieder einmal mies gelaunt zur Tür rein kommt, und, sich über den Dreck auf dem Boden beschwert). Der Umgang der vier Familienmitglieder ist freundlich. Während die Frau in der Küche steht und das Essen zu bereitet, spielt der Architekt Ethan mit seinen beiden kleinen Söhnen draußen im Garten. Die unterer Etage ist liebevoll mit bunten Luftballons geschmückt und all warten nur noch auf den Beginn der Geburtstagsfeier, des ältesten Jungen. Jedem wird ein kleines Lächeln anzusehen sein, wenn man per rechten Analogstick einen der Jungs auf die Schultern hebt und wie wild anfängt über den Rasen zu laufen. Anschließend greifen wir unserer Frau noch ein wenig unter die Arme und neben ihr das Tischdecken ab. Habt ihr schließlich das gute Geschirr aus den Schrank geholt, deckt ihr den riesigen Wohnzimmertisch so, dass ihr die Teller nicht zu sehr auf die Holzplatte knallen lasst. Wenn ihr es nicht tut, dann bekommt ihr von eurer liebenden Ehefrau eins ordentlich auf den Deckel. Diese kleineren Alltagssituationen, die faszinierend in Szene gesetzt worden sind, machen Heavy Rain wirklich sehr realistisch und zum greifen nahe. Doch hin und wieder erfüllen diese paar Pflichtaufgaben ihren Zweck und bringen euch nützliche Informationen. So kann sich der ein oder andere Spieler gleich besser mit seinem Charakter identifizieren. Aber auch durch diese kleineren Aktionen könnt ihr die Steuerung etwas besser verinnerlichen, so dass ihr im weiteren Spielverlauf kaum noch Konzentration für das Knöpfchendrücken aufbringen müsst und eure Augen nur noch auf dem Bildschirm haften. Aber leider kommt alles anders als man denkt und das Familienidyll zerbricht in seine Einzelteile und ihr müsst Ethan ersten Schicksalsschlag hinnehmen. Zwei Jahre vergehen und aus dem damals so erfolgreichen Architekten mit der liebevollen Familie ist ein gebrochener Mensch geworden. Sein Leben besteht nun nur noch aus unendlich vielen Vorwürfen und schweren Depressionen. Nun hat die erste Wendung im Spiel statt gefunden. Denn nach der ersten halben Stunde, die man nun hinter sich gebracht hat ist es aus mit dem Familienglück, denn nun regiert der packende Thriller. Doch wer auf Zufall hofft ist fehl am Platz. Denn jeder noch so kleine Satz und jede noch so kleine Handlung von euch ist in Heavy Rain von Projektleiter David Cage genau an Orts und Stelle platziert worden und erfüllt in jeder Sekunde immer ihren Zweck.

Jeder Spieler, der sich entscheidet Heavy Rain zu spielen, sollte sich immer wieder ein Frage selber stellen. Wie weit ist man selber bereit zu gehen, um einen geliebten Menschen das Leben zu retten. Würde man selber sein Leben opfern, wenn man weiß, dass es dem anderen das Überleben sichert?
In dieser anderen Art von Thriller werdet ihr nämlich immer wieder vor moralische Fragen gestellt. Für die Antworten, die ihr daraufhin von euch gibt, müsst ihr natürlich gerade stehen. Seid ihr in der Haut von Ethan Mars unterwegs, so werdet ihr nicht nur einmal diese Frage am eigenen Leibe erfahren. Für diesen Kerl müsst ihr wirklich die schlimmsten und härtesten Entscheidungen übernehmen. Doch ihr werdet nicht nur in die Rolle von diesem Architekten schlüpfen. Neben ihm sind noch drei weitere Personen hinter dem Origami-Killer her. Somit werdet ihr unter anderem die sehr attraktive Journalistin Madison Paige antreffen. Diese junge Dame leidet seid langen an chronischen Schlafstörungen und wird von schlimmen Albträumen heim gesucht und sie entscheidet sich deshalb kurzer Hand in ein Motel zu ziehen, damit sie da ein wenig Schlaf finden kann. Aber die bleibt nicht lange alleine, denn schnell macht sie Bekanntschaft mit Ethan. Die beiden bauen im gesamten Spielverlauf eine engen Bindung zueinander auf. Nacheinander werdet ihr zudem auf einen Privatdetektiv namens Scott Shelby treffen und müsst euch in der Rolle als FBI-Agent Norman Jayden unter Beweis stellen. Shelby ist ein älterer Herr, der zu seinen besten Zeiten mal als Polizist unterwegs war. Er geht für die Opfer auf Spurensuche. Unser FBI-Sprössling hingegen arbeitet für die Behörden und kommt während der Ermittlungen immer wieder mit seinem Kollegen Blake aneinander.

Die Spielfiguren sind wirklich sehr glaubhaft gelungen, dennoch verdecken sie nur ganz leicht das Spielgerüst von Heavy Rain. Die vier unterschiedlichen Charaktere werdet ihr immer wieder abwechselnd durch insgesamt fünf Kapitel steuern. Um etwas schneller unterwegs zu sein könnt ihr die R2-Taste betätigen, dann wird der Schritt der jeweiligen Person etwas schneller, um die Richtung zu wählen benutzt ihr den linken Analogstick. Die Animationen sind relativ gut gelungen, denn wie es sich für normale Menschen gehört, gehen sie gemächlich. Leider wird die Steuerung in etwas engen Räumen, wie zum Beispiel einem Luftschacht oder in einem Supermarkt, zwischen zwei Regalen, etwas schwieriger und deshalb kann es ab und an mal vorkommen, dass eure Figur in die falsche Richtung geht. Grund dafür ist vor allem, die sich häufig wechselnde Kameraperspektive. Somit liegt man das ein oder andere Mal etwas daneben, wenn es um die Richtung geht. Das einzige was eventuell noch erwähnenswert wäre, ist, dass die Figuren ein wenig steif in der Hüfte sind. Aber das macht ja nichts, sie sollen ja auch hier keinen Tanz hinlegen. Ab und an bleiben sie auch einmal an bestimmten Objekten hängen und etwas höhere Stufen können sie nicht nehmen. Leider kann euch die Steuerung in hektischen Momenten, wie zum Beispiel eine Autofahrt auf dem Highway etwas die Laune verderben. In Heavy Rain habt ihr die Möglichkeit fast jede Art von Gegenständen zu benutzen. Nicht nur die wichtigen. Somit könnt ihr jeglichen Stuhl zum sitzen verwenden. Seid ihr beispielsweise mit der Prostituierten Lauen mitten in einem Dialog so könnt ihr euch an einem Tisch anlehnen oder ihr stützt euch auf der Rückenlehne eines Stuhles ab. Diese Szenen wirken nicht nur selten filmreich konzipiert sondern geben den Dialogen auch ein wenig Natürlichkeit. Doch ihr könnt die Gegenstände nicht immer dann benutzen, wenn es euch gerade in den Sinn kommt. Bestes Beispiel ist zum Beispiel der Kühlschrank von Ethan. Hier könnt ihr nur dann etwas trinken oder essen, wenn das Spiel der Meinung ist, es wäre jetzt an der Zeit. Nebenbei bemerkt blinkt in solchen Situationen kein Action-Icon auf. Wenn man es ganz genau nehmen will, dann widerspricht sich dies zu den restlichen etablierten Spielgewohnheiten, denn sie haben keine Gesetzmäßigkeit.

Im Großen und Ganzen besteht Heavy Rain aus sehr ausufernden Gesprächen mit unzähligen Nebencharakteren. Im Grunde genommen nehmen die Dialoge die meiste Spielzeit in diesem Thriller in Anspruch. Doch bei diesen Gesprächen müsst ihr immer auf der Hut sein, denn ihr könnt eure Partner nicht immer mit irgendetwas zu quatschen, denn ähnlich wie dem Spiel Mass Effect 2 haben alle eure Entscheidungen, Handlungen und die Art wie ihr mit dem Gegenüber umgeht einen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Geschichte. Solltet ihr auf die Idee kommen und zu Beginn des Spiels den bewaffneten Ladendieb etwas zu ruppig anzugehen, so kann das schlimme Konsequenzen für den Detektiv haben. Also immer aufgepasst für welche Aktion ihr euch entscheidet. Denn der FBI-Agent hingegen muss mit seinen Informanten etwas härter ins Gespräch gehen, da diese ansonsten nicht mit wertvollen Informationen herauskommen. Ihr solltet immer mit sehr viel Bedacht vorgehen und eure nächsten Schritte gut überlegen, denn jeder Dialog ist eine Gradwanderung wie es im Buche steht. Schlimm wird es erst dann, wenn euch zum Ende hin wichtige Informationen fehlen, denn dann bekommt ihr das wirklich zu spüren. Mittlerweile wird in den Ebenen der Entwicklung viel wert auf professionelle Autoren gelegt. Dies werdet ihr auch bei Heavy Rain merken, denn die Dialoge wirken keines Falls aufgesetzt oder unpassend, sondern sind wirklich außerordentlich gelungen. Die deutsche Synchronisation ist im Großen und Ganzen gut gelungen. Die meisten Stimmen passen zu den jeweiligen Charakteren, nur ab und an schaffen es die Sprecher nicht den Worten auch ein wenig Leben einzuhauchen. Bei solch einem riesigen Spielprojekt, ist gerade dies sehr wichtig denn alles, was mit der Glaubwürdigkeit sollte nie in Frage gestellt werden dürfen, denn dass lässt das Spielerlebnis ziemlich arg sinken. Doch was man den Entwicklern lassen muss ist die Mühe die sie in Heavy Rain hineingesteckt haben, denn zu Beginn des Spiels kann man zwischen zahlreichen Sprachen wählen. Somit kann man diesen Thriller auch komplett auf Englisch spielen und hat zudem auch noch deutschen Untertitel.

Heavy Rain glänzt zwar durch hoch qualitative Dialogsysteme und treibt somit den Anspruch für weitere Spiele stark nach oben, dennoch fehlt es dem Spiel ein wenig an Tiefgang. Die Aufgaben, die ihr teilweise lösen müsst, sind im Großen und Ganzen eher simpel gehalten, fast schon so, als könne sogar ein Blinder sie lösen. Bestes Beispiel hierfür ist vor die erste Hilfe für Ethan. Ethan ist verwundet und nun sollt ihr in der Haut von Madison die Wunden versorgen. Logischer Weise ist unser erster Gedanke, dass wir im Badezimmer nach Verbandsmaterial suchen sollten, aber suchen müssen wir erst gar nicht, denn die Sachen befinden sich im Spiegelschrank. Habt ihr nun eure notwendigen Materialien geht ihr zurück zu Ethan, wo nun ein Art Minispiel auf euch wartet, denn nun müsst ihr vorsichtig den Arm von ihm abtupfen und anschließend müsst ihr diesen verbinden. Dafür braucht ihr nicht mehr, als nur den Analogstick in Kreisen zu bewegen. Leider werden auch im späteren Spielverlauf aufkommende Rätsel nicht schwieriger. In einem Nachtclub muss sich Madison schließlich beweisen. Sie versucht die Aufmerksamkeit ihres Informanten durch einen Tanz auf sich zu ziehen, doch leider ist sie noch ein wenig zu fein angezogen. Somit gehen wie so schnell wie möglich auf die Damentoilette und versuchen uns ein bisschen aufzubrezeln. Wir kürzen unseren Rock, schminken uns und knöpfen unsere Bluse leicht auf und dann geht es such schon wieder zurück auf die Tanzfläche. Obwohl der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben mit zunimmt, passen sie dennoch immer wieder in die Story und in die aktuelle Situation. Zudem unterstreichen die Aufgaben noch einmal die Glaubwürdigkeit der ganzen spannenden Geschichte. Aber dennoch fehlt die wirkliche Herausforderung. Das einzige was vielleicht gefordert wird ist Fingerfertigkeit und Schnelligkeit. Sollte es dennoch Spieler unter euch geben, die hier und da mal eine kleine Hilfe brauchen um weiter zu kommen, so solltet ihr einfach L2 drücken und ihr hört die Gedanken eures Charakters, der euch seine Meinung darüber verrät. Zwischen den drei Charakteren Ethan, Madison und Shelby gibt es keine großartigen Unterschiede und somit gleichen sie sich auch in der Steuerung ein Ei dem anderem. Nur unser schüchterner FBI-Agent Jayden hat etwas anderes zu bieten. Er ist mit verschiedenen High-Tech-Geräten ausgestattet, die ihr auch immer wieder einsetzen könnt. Unter den nützlichen Dingen befindet sich beispielsweise auch eine so genannte Virtual-Realtity-Brille mit passenden Handschuh. Mit der Brille könnt ihr Tatorte nach Spuren wie zum Beispiel Fingerabdrücke, Blutspuren oder Gerüchen absuchen. Die Ergebnisse werden dann gleichzeitig mit einer Datenbank verglichen und somit wisst ihr sofort ob die Information wichtig ist oder eben nicht. Die Brille erweist sich nicht selten als unheimlich wichtig. Auch ein virtueller Arbeitsplatz wurde für Jayden kreiert. Diese Hightech-Umsetzungen machen den FBI-Agenten wirklich sehr interessant. Auf der Polizeistation bekommt er ein kleines Büro welches total verstaubt und verdreckt ist. Somit packt ihr seine Utensilien aus und könnt das Büro blitzschnell in ein Aquarium verwandeln. Auch könnt ihr euch den Schreibtisch direkt auf den Mars stellen lassen. Das ist wirklich ein wunderschöne Idee und bietet ein wenig Abwechslung. Beweise und Dokumente sieht sich Jayden ebenfalls nur virtuell an. Auch wenn es sich hierbei um wirklich gut gelungene Gimmicks handelt, reicht es sich die Beweise im Büro noch einmal anschauen und jeden Tatort genau zu untersuchen und schon habt ihr die wichtigsten Informationen heraus gefiltert.

Aber wer jetzt denkt, dass man für Heavy Rain nichts als lesen braucht, der ist hier falsch. Denn der interaktive Thriller bietet euch auch eine geballte Ladung Action. Diese wird euch sogar mit Hilfe von Quick-Time-Event sehr nahe geführt. Aber nicht direkt voreilige Schlüsse ziehen, denn hier müsst ihr nicht nur irgendwelche eingeblendeten Symbole drücken. Die Entwickler konnten zudem auch die Funktionen der Bewegungstasten optimal in das Spielgeschehen mit einbauen. Wenn ihr beispielsweise ein Auto steuern müsst, sollt ihr den Controller in die entsprechend angezeigte Richtung drehen. Bei anderen Handlungen hingegen müsst ihr schon ordentlich den Controller schütteln und durch rütteln. Aber in manchen Stellen sind diese Bewegungen wirklich sehr makaber, aber ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Schafft ihr es ab und an nicht direkt die richtige Tastenreihenfolge zu drücken, so kann sich die Szene verändern oder sie wird in die Länge gezogen. Bestes Beispiel hierfür ist die Szene auf einem Schrottplatz. Jayden macht sich auf den Weg um sich Informationen zu beschaffen, nur leider hat der Herr auf dem Schrottplatz etwas besseres zu tun, als im zu zuhören. Schafft ihr es die kompletten Tasten, die euch angezeigt werden, in der richtigen Reihenfolge zu drücken und das auch noch ohne jeglichen Fehler, so werdet ihr den Mann vom Schrottplatz ziemlich schnell verhaften können, baut ihr jedoch immer wieder Fehler ein und ihr verdrückt euch nicht nur einmal, so wird sich die Auseinandersetzung immer weiter in die Länge ziehen und schließlich zum Tode des fremden Mannes führen. Diese kleineren Handlungen, bei denen ab und an ordentlich was schief gehen kann, haben keinen wirklich größeren Einfluss auf die Story. Doch sollte es einmal passieren dass euch einer der vier Hauptcharaktere stirbt, dann müsst ihr die restliche Spielzeit ohne ihn auskommen. Für euch werden die fünf Aufgaben, die der Origami-Killer Ethan hinterlässt, am wichtigsten sein, denn diese sind für euch lebenswichtig. Solltet ihr diese gewissen Aufgaben nicht erfolgreich überstehen, so hat das viel größere Konsequenzen für den späteren Handlungsablauf. Die Informationen fügen sich jedoch erst am Ende des Spiels alle zusammen.

Heavy Rain bietet trotz der immer wieder gleich bleibenden Geschichte einen hohen Wiederspielwert. Durch immer wieder anders ausgewählte Entscheidungen werden zusätzliche Szenen in der Handlung frei geschaltet. Deshalb sollte man unbedingt versuchen einmal mit guten Beispiel voran zugehen und einmal den Bösewicht zu spielen.

Durch die fasziniernde Erzählstruktur, die freien Entscheidungen und die Bildgewalt, werden auch die kleinen Mankos, die Heavy Rain beinhaltet wieder einmal wett gemacht. Man muss sich wirklich ab und an die Augen reiben, um erkennen zu können, dass es sich hierbei um ein Videospiel handelt, denn wenn man nicht selber den Controller in der Hand halten würde, so würde es einem vorkommen wie ein Thriller der Meisterklasse, der auf die Kinoleinwand gehört. Die Atmosphäre in dem Spiel erfährt man immer wieder am eigenen Leib und man wird jede Sekunde mitfiebern. Aber Vorsicht, das Spiel ist zu hundert Prozent nichts für schwache Nerven. Trotz der einfachen Aufgaben, die auf euch warten und die etwas misslungene Steuerung wird dem Spieler keine Sekunde Langeweile gegönnt. Die wirklich gelungene Story und vor allem die spektakulären Bilder lassen an Filme wie Verblendung und an Bücher von Simon Backett erinnern. Heavy Rain ist wirklich ein Erlebnis welches man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.


(Dieses Review ist von mir persönlich und bereits auf Gamezone.de veröffentlicht)

42 Bewertungen, 15 Kommentare

  • Iris1979

    23.09.2010, 19:09 Uhr von Iris1979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht. Würde mich über Gegenlesung sehr freuen. Liebe Grüße Iris

  • Striker1981

    22.08.2010, 20:21 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER ;)

  • edu1994

    19.06.2010, 17:53 Uhr von edu1994
    Bewertung: sehr hilfreich

    Würd mich über GEgenlesungen freun;)

  • Chigiz

    21.05.2010, 15:39 Uhr von Chigiz
    Bewertung: sehr hilfreich

    Bisher nur gutes von dem Spiel gehört, aber leider nicht mein Fall :) Freue mich über Gegenlesungen.

  • anonym

    07.05.2010, 10:20 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ;-) würde mich über Gegenlesungen freuen

  • Hypegamer

    05.05.2010, 01:58 Uhr von Hypegamer
    Bewertung: besonders wertvoll

    o.O fetter Bericht! freue mich über Gegenlesungen deinerseits

  • austin77

    04.05.2010, 13:44 Uhr von austin77
    Bewertung: sehr hilfreich

    du liest bei mir und ich bei dir, so macht yopi Spaß. lg

  • lopez82

    04.05.2010, 13:42 Uhr von lopez82
    Bewertung: sehr hilfreich

    Bin Gegenleser und suche Gleichgesinnte. Lopez

  • rainbow90

    04.05.2010, 12:37 Uhr von rainbow90
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse geschrieben. LG

  • sigrid9979

    04.05.2010, 11:56 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht....Lg Sigi

  • minasteini

    04.05.2010, 10:24 Uhr von minasteini
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Erstbericht. Freue mich über Gegelesung. LG Marina

  • cleo1

    04.05.2010, 10:02 Uhr von cleo1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner Bericht. Würde mich über Gegenlesung freuen. LG cleo1

  • sandieheinrich

    04.05.2010, 06:09 Uhr von sandieheinrich
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein toller Einstieg hier. Grüßle aus der Hauptstadt

  • morla

    04.05.2010, 01:08 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    wünsche dir einen guten wochenstart. lg. petra

  • Ringer93

    04.05.2010, 00:34 Uhr von Ringer93
    Bewertung: besonders wertvoll

    Perfekter Erstbericht! Gruß Ringer ;)