Erfahrungsbericht von enno59
Verschaukelung der Archäologie-Fans
Pro:
Verschaukelung, Sendezeit
Kontra:
Einspiel-Filme
Empfehlung:
Nein
In der vergangenen Nacht war es soweit:Die sogenannte Gantenbrink-\"Tür\" (benannt nach ihrem Entdecker, einem deutschen Ingenieur) wurde \"geöffnet\". Beinahe 10 Jahre hat es gedauert, von der Entdeckung bis zur mediengerechten \"Türöffnung\". Bei dieser \"Tür\" handelt es sich um einen Verschluss-Stein, der am (bisherigen) Ende eines Schachtes liegt. Dieser Schacht beginnt in einer der Kammern der Cheops-Pyramide, genauer in der Königinnen-Kammer (in der übrigens nicht etwa die/eine (?) Frau des Pharaos Cheops bestattet wurde.) Über die Funktion dieses Schachtes und insbesondere des Verschluss-Steines wurde viel spekuliert. Gibt es doch 2 ähnliche Schächte in der Königskammer (in der der Unterteil eines leeren Sarkophages aufgefunden wurde), die bis zur Außenwand der Pyramide aufsteigen und die tatsächlich offen sind.
Diese Türöffnung wurde \"live\" in weit über 100 Länder übertragen, natürlich von einem amerikanischen Sender und natürlich zur Hauptsendezeit in den USA. Der Entdecker der \"Tür\" war zuvor ausgebootet worden. Angekündigt wurde diese Sendung als Lösung des \"letzten Rätels der Cheops-Pyramide\". Sehr marktschreierisch, aber vielleicht ist dies ja US-Standard. Wissenschaftlich ist eine solche Parole aber nicht haltbar, die Cheops-Pyramide - wie die anderen Pyramiden auch - bergen immer noch genügend ungeklärte Fragen, mithin Rätsel.
Ich habe mir die Übertragung der \"Türöffnung\" heute nacht angesehen, wobei \"Öffnung\" eigentlich der falsche Begriff ist. Ein Loch wurde gebohrt, zwei Zentimeter im Durchmesser, und anschließend eine Miniaturkamera hinduchrgeführt. Wobei: das Bohren des Loches wurde eigentlich gar nicht richtig gezeigt. Man sah zwar Aufnahmen von einem Bohrvorgang an dieser Tür. Sie waren aber in einen Bericht eingebettet. Und wenn man genau hinsah, stellte man fest, dass der Roboter, der diesen 20*20 cm großen Schacht hinaufgekrochen war, nur ein stabartiges Gebilde vor sich hertrug, auf dem die Kamera und eine Lichtquelle montiert war. Mithin war das Loch gebohrt worden, bevor die Sendung anfing. Aber das war den Verantwortlichen keine Erwähnung wert.
Zugleich wurde ein (angeblich?) 4500 Jahre alter Sarkophag geöffnet, das ebenfalls live gewesen sein sollte. Ich habe da so meine Zweifel, weil manche Zeitabläufe nach meiner unmaßgeblichen Meinung nicht stimmen können. Relativ unspektakulär ist das Ergebnis: Das Skelett eines Mannes wurde gefunden, keine Mumie. Mumifizierungen waren zu der Zeit, als der Mann starb, noch sehr selten. Der Mann lag auf der Seite, mit dem Gesicht nach Osten. Was das zu bedeuten hat, mag Fachleute interessieren, für mich hatte diese ganze Geschichte nur Lückenfüllerfunktion.
Was war nun bei der \"Türöffnung\" zu sehen? Es wurde eine etwa 45 cm tiefe Kammer gefunden, die von einem weiteren Stein verschlossen ist. Dieser Stein hat eine - soweit ich das beurteilen konnte - unbearbeitete Oberfläche (im Gegensatz zu der Gantenbrink-Tür) und weist Risse auf.
Nach vielleicht einer Minute wurde die Übertragung aus der Kammer beendet. Weitere Artefakte wurden nicht besprochen. Danach gab der ägyptische Oberpyramidenguru noch ein kurzes Interview, besser ein Statement ab. Es sei eine Sensation etc. Dann gab es noch ein paar Danksagungen und die ganze Sendung war auf einmal beendet.
Zurück blieb ein etwas ratloser Zuschauer, hatte er doch auf die vielen Fragen, die sich mit der \"Türöffnung\" verbunden hatten, keine Antwort erhalten. Gut, wir wissen jetzt, dass da ein 2. Stein den Schacht versperrt. Aber das ist beinahe alles an Erkenntnisgewinn. Auf andere Fragen gibt es keine Antworten, wie etwa: Gibt es Hieroglyphen an den Wänden? Wie breit ist die Kammer, sprich: weitet sich der Schacht nach dem ersten Verschluss-Stein? Was ist mit den kupfernen Artefakten, die auf der Aussenseite der Tür zu sehen sind? Wie sehen diese von innen aus? Liegt etwas auf dem Boden der Kammer? Wie ist die Beschaffenheit der Wände? Sind hier ebenfalls Schleif-Spuren zu sehen, wie über große Strecken in dem Schacht? Auf all diese Fragen gibt es keine Antwort. Und warum: Weil die großen Wissenschaftler, die so gerne im Fernsehen zu sehen sein wollen, es nicht geschafft haben, auf einen High-Tech-Roboter eine schwenkbare Kamera aufzusetzen.
Da wird ein gigantischer Medienrummel betrieben, unglaublich Sendezeit reserviert - und dann so ein amateurhaftes Verhalten. Hier zeigt sich, dass der Einfluss des Fernsehens nachhaltig schädlich ist. In ihrem Eifer haben sich die Akteure ausschließlich auf das einfache, vermeintlich medienwirksame, zumindest aber sensationsgeile Hineinschauen konzentriert, nicht aber auf eine wissenschaftliche Fragestellungen verfolgende Untersuchung.
Den peinlichsten Teil lieferte aber der ägyptische Oberguru ab, der ja mal äußerte, wenn er wiedergeboren werden sollte, dann am liebsten als \"Cheops\". Da erübrigt sich jeder Kommentar! Er wuselte zwischen der Tür- und der Sarkophag-Öffnung hin und her wie weiland Phil Collins bei den Hilfskonzerten in England und den USA. Es war überdeutlich, wie er sich in seinem Element fühlte, wie er einen Adrenalin-Ausstoß nach dem anderen bekam ob seiner Bedeutung in dieser Show.
Und mehr als eine Show war es nicht. Zudem der vermeintliche \"erste\" Blick hinter die Tür mit Sicherheit nicht der erste war. Da das Loch schon deutlich vorher gebohrt worden sein mußte, glauben doch nur arglose Gemüter, dass die Anwesenden nicht schon vorher mal reingelinst haben sollten. Unfreiwillig verraten hat es mal wieder unser Guru, der im Vorfeld immer wieder das Gerücht genährt hatte, es könnte ein Schatz, Grabbeigaben, eine Mumie, ein Papyros oder überhaupt irgendetwas dahinter liegen - etwas Gegenständliches halt. Kurz vor dem \"Durchblick\" äußerte unser Freund, er glaube, der Schacht würde nur religiösen Zwecken dienen. Mithin sei auch nichts Gegenständliches zu erwarten - so die unausgesprochene Botschaft.
Insgesamt war die Sendung sehr amerikanisch: sehr auf Show gemacht, sehr eindimensional. Nach der \"Sensation\" wurde einfach abgeschaltet. Sonst hätte man ja Stellung nehmen müssen, dass das (vermeintlich) letzte Rätsel immer noch nicht gelöst, im Gegenteil: Es gibt nun weitere Rätsel.
Positiv anzumerken ist, dass die Einspielungen über die archäologische Forschung von Marc Lehnert über die Pyramidenerbauer, also die Bauarbeiter, weitgehend frei waren von solcher Medienhysterie und sachlich über den Stand der Dinge informierten. Aber diese hätte das ZDF auch zu einer besseren Sendezeit ausstrahlen können.
Zu hoffen bleibt, daß es nicht wieder 9 Jahre dauert, bis die Öffentlichkeit erfährt, was es mit dieser Kammer auf sich hat und wie es hinter dem nächsten Stein aussieht.
Diese Türöffnung wurde \"live\" in weit über 100 Länder übertragen, natürlich von einem amerikanischen Sender und natürlich zur Hauptsendezeit in den USA. Der Entdecker der \"Tür\" war zuvor ausgebootet worden. Angekündigt wurde diese Sendung als Lösung des \"letzten Rätels der Cheops-Pyramide\". Sehr marktschreierisch, aber vielleicht ist dies ja US-Standard. Wissenschaftlich ist eine solche Parole aber nicht haltbar, die Cheops-Pyramide - wie die anderen Pyramiden auch - bergen immer noch genügend ungeklärte Fragen, mithin Rätsel.
Ich habe mir die Übertragung der \"Türöffnung\" heute nacht angesehen, wobei \"Öffnung\" eigentlich der falsche Begriff ist. Ein Loch wurde gebohrt, zwei Zentimeter im Durchmesser, und anschließend eine Miniaturkamera hinduchrgeführt. Wobei: das Bohren des Loches wurde eigentlich gar nicht richtig gezeigt. Man sah zwar Aufnahmen von einem Bohrvorgang an dieser Tür. Sie waren aber in einen Bericht eingebettet. Und wenn man genau hinsah, stellte man fest, dass der Roboter, der diesen 20*20 cm großen Schacht hinaufgekrochen war, nur ein stabartiges Gebilde vor sich hertrug, auf dem die Kamera und eine Lichtquelle montiert war. Mithin war das Loch gebohrt worden, bevor die Sendung anfing. Aber das war den Verantwortlichen keine Erwähnung wert.
Zugleich wurde ein (angeblich?) 4500 Jahre alter Sarkophag geöffnet, das ebenfalls live gewesen sein sollte. Ich habe da so meine Zweifel, weil manche Zeitabläufe nach meiner unmaßgeblichen Meinung nicht stimmen können. Relativ unspektakulär ist das Ergebnis: Das Skelett eines Mannes wurde gefunden, keine Mumie. Mumifizierungen waren zu der Zeit, als der Mann starb, noch sehr selten. Der Mann lag auf der Seite, mit dem Gesicht nach Osten. Was das zu bedeuten hat, mag Fachleute interessieren, für mich hatte diese ganze Geschichte nur Lückenfüllerfunktion.
Was war nun bei der \"Türöffnung\" zu sehen? Es wurde eine etwa 45 cm tiefe Kammer gefunden, die von einem weiteren Stein verschlossen ist. Dieser Stein hat eine - soweit ich das beurteilen konnte - unbearbeitete Oberfläche (im Gegensatz zu der Gantenbrink-Tür) und weist Risse auf.
Nach vielleicht einer Minute wurde die Übertragung aus der Kammer beendet. Weitere Artefakte wurden nicht besprochen. Danach gab der ägyptische Oberpyramidenguru noch ein kurzes Interview, besser ein Statement ab. Es sei eine Sensation etc. Dann gab es noch ein paar Danksagungen und die ganze Sendung war auf einmal beendet.
Zurück blieb ein etwas ratloser Zuschauer, hatte er doch auf die vielen Fragen, die sich mit der \"Türöffnung\" verbunden hatten, keine Antwort erhalten. Gut, wir wissen jetzt, dass da ein 2. Stein den Schacht versperrt. Aber das ist beinahe alles an Erkenntnisgewinn. Auf andere Fragen gibt es keine Antworten, wie etwa: Gibt es Hieroglyphen an den Wänden? Wie breit ist die Kammer, sprich: weitet sich der Schacht nach dem ersten Verschluss-Stein? Was ist mit den kupfernen Artefakten, die auf der Aussenseite der Tür zu sehen sind? Wie sehen diese von innen aus? Liegt etwas auf dem Boden der Kammer? Wie ist die Beschaffenheit der Wände? Sind hier ebenfalls Schleif-Spuren zu sehen, wie über große Strecken in dem Schacht? Auf all diese Fragen gibt es keine Antwort. Und warum: Weil die großen Wissenschaftler, die so gerne im Fernsehen zu sehen sein wollen, es nicht geschafft haben, auf einen High-Tech-Roboter eine schwenkbare Kamera aufzusetzen.
Da wird ein gigantischer Medienrummel betrieben, unglaublich Sendezeit reserviert - und dann so ein amateurhaftes Verhalten. Hier zeigt sich, dass der Einfluss des Fernsehens nachhaltig schädlich ist. In ihrem Eifer haben sich die Akteure ausschließlich auf das einfache, vermeintlich medienwirksame, zumindest aber sensationsgeile Hineinschauen konzentriert, nicht aber auf eine wissenschaftliche Fragestellungen verfolgende Untersuchung.
Den peinlichsten Teil lieferte aber der ägyptische Oberguru ab, der ja mal äußerte, wenn er wiedergeboren werden sollte, dann am liebsten als \"Cheops\". Da erübrigt sich jeder Kommentar! Er wuselte zwischen der Tür- und der Sarkophag-Öffnung hin und her wie weiland Phil Collins bei den Hilfskonzerten in England und den USA. Es war überdeutlich, wie er sich in seinem Element fühlte, wie er einen Adrenalin-Ausstoß nach dem anderen bekam ob seiner Bedeutung in dieser Show.
Und mehr als eine Show war es nicht. Zudem der vermeintliche \"erste\" Blick hinter die Tür mit Sicherheit nicht der erste war. Da das Loch schon deutlich vorher gebohrt worden sein mußte, glauben doch nur arglose Gemüter, dass die Anwesenden nicht schon vorher mal reingelinst haben sollten. Unfreiwillig verraten hat es mal wieder unser Guru, der im Vorfeld immer wieder das Gerücht genährt hatte, es könnte ein Schatz, Grabbeigaben, eine Mumie, ein Papyros oder überhaupt irgendetwas dahinter liegen - etwas Gegenständliches halt. Kurz vor dem \"Durchblick\" äußerte unser Freund, er glaube, der Schacht würde nur religiösen Zwecken dienen. Mithin sei auch nichts Gegenständliches zu erwarten - so die unausgesprochene Botschaft.
Insgesamt war die Sendung sehr amerikanisch: sehr auf Show gemacht, sehr eindimensional. Nach der \"Sensation\" wurde einfach abgeschaltet. Sonst hätte man ja Stellung nehmen müssen, dass das (vermeintlich) letzte Rätsel immer noch nicht gelöst, im Gegenteil: Es gibt nun weitere Rätsel.
Positiv anzumerken ist, dass die Einspielungen über die archäologische Forschung von Marc Lehnert über die Pyramidenerbauer, also die Bauarbeiter, weitgehend frei waren von solcher Medienhysterie und sachlich über den Stand der Dinge informierten. Aber diese hätte das ZDF auch zu einer besseren Sendezeit ausstrahlen können.
Zu hoffen bleibt, daß es nicht wieder 9 Jahre dauert, bis die Öffentlichkeit erfährt, was es mit dieser Kammer auf sich hat und wie es hinter dem nächsten Stein aussieht.
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